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Kaderpartei

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Kaderpartei bezeichnet einen politischen Parteityp in der Politikwissenschaft, der im 19. Jahrhundert verbreitet war. Durch die Auseinandersetzung Lenins mit der von ihm als Partei neuen Typus bezeichneten Führungsstruktur stellt die Kaderpartei insbesondere in sozialistischen Parteien den Führungstyp dar. Sie wird häufig mit autoritären, selten mit faschistischen<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Lexikoneintrag auf spiegel.de (Memento vom 8. Oktober 2010 im Internet Archive)</ref> Regimes in Verbindung gebracht.

Geschichte

Am Beginn der Parteienentwicklung stehen die Honoratioren- sowie Kaderparteien des 19. Jahrhunderts, die sich als Parlamentsparteien verstehen und ihre Tätigkeiten auf die eines reinen Wahlvereins beschränken. Maurice Duverger<ref>Maurice Duverger: Les partis politiques. Armand Colin, Paris 1951.</ref>, Richard S. Katz und Peter Mair<ref>Richard S. Katz, Peter Mair: Changing Models of Party Organization and Party Democracy: the Emergence of the Cartel Party. In: Party Politics. Vol. 1, Nr. 1, January 1995, ISSN 1354-0688, S. 5–28, doi:10.1177/1354068895001001001.</ref> beschreiben mit dem Begriff „Kaderpartei“ Parteien des 19. Jahrhunderts, die vor der Einführung des allgemeinen und gleichen Wahlrechts die alten besitzenden Klassen repräsentierten. Sie vertraten ein elitäres und autoritäres Verständnis der Staatsführung und nahmen für sich in Anspruch, am besten für das Allgemeinwohl sorgen zu können.

Typischerweise verschwanden diese Parteien mit der Ausdehnung des Wahlrechts auf die gesamte Bevölkerung. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bekommen sie durch die im Parlament nicht repräsentierten, häufig sozialistisch orientierten Massenparteien Konkurrenz. Diese zeichnen sich einerseits durch eine breite Mitgliederschaft, andererseits durch eine straffe und bürokratisierte Führungsstruktur aus, die wiederum von der Basis demokratisch kontrolliert wird.<ref>Frank Decker: Politische Parteien: Begriff und Typologien. In: Bundeszentrale für politische Bildung. 28. September 2022, abgerufen am 24. November 2025.</ref> Vorlage:Hinweisbaustein

Kadersystem der kommunistischen Bewegung

Von Lenin wird in seiner Schrift Was tun? eine solche als Partei neuen Typus bezeichnet. Eine Kaderpartei ist eine meist kommunistische bzw. marxistisch-leninistische Partei, die ihre wichtigsten Positionen mit politisch intensiv geschulten und eigens ausgewählten Parteimitgliedern besetzt (Nomenklatura). Diese nach Möglichkeit gut ausgebildeten Kader sollen in eine proklamierte avantgardistische Position führen.

Kaderpolitik spielt innerhalb solcher Parteien eine große Rolle. Damit eine Kaderpartei nicht zu einer undemokratischen Organisation einer autoritären Führungsclique verkommt, wird angestrebt, möglichst viele Mitglieder zu Kadern zu schulen. In einer gesunden Kaderpartei sollen vor Entscheidungsfindungen zahlreiche tiefgehende Diskussionen stattfinden.

In den realsozialistischen Staaten ist die führende Rolle der Kommunistischen Partei in der Regel in der Verfassung festgeschrieben. Deren Nomenklaturkader haben alle wichtigen Positionen in Partei, Staatsapparat und Massenorganisationen (Gewerkschaften, Jugendverband, Frauenverband, Wehrsportverband u. ä.) inne. Durch den Stalinismus und das Scheitern realsozialistischer Staaten wurde der Begriff der Kaderpartei negativ konnotiert und delegitimiert.<ref>Wolfram Adolphi: Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus. Band 7/I. Hamburg / Berlin 2008, Sp. 1.</ref>

Einzelnachweise

<references />