Rabbi Jischmael
Rabbi Jischmael (Jischmael ben Elischa; {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); geboren um 70; gestorben um 135) war ein führender Tannait der jüngeren Gruppe der zweiten Generation. Er ist als namengebender Begründer einer exegetischen Schule (Debe Rabbi Jischmael) und als methodischer Gegenspieler von Rabbi Akiva eine der zentralen Säulen der rabbinischen Hermeneutik.
Leben
Rabbi Jischmael stammte möglicherweise aus einer priesterlichen Familie (vgl. tHal I,10). Nach der Überlieferung wurde er als Kind von den Römern gefangen genommen und von Jehoschua ben Chananja freigekauft. Er war ein Schüler von Nechunja ben haQana. Sein Lebensmittelpunkt war vorwiegend Kfar Asis (Kefar Aziz) in Südjudäa, an der Grenze zu Edom. Er wirkte zudem in den Gelehrtenzentren von Jawne und Uscha.
Lehre
Hermeneutik
Jischmael gilt in der Bibelauslegung als der rationale Antipode zu Rabbi Akiva. Während Akiva auch kleinste stilistische Eigenheiten und Buchstaben deutete, vertrat Jischmael den Grundsatz „Die Tora redet in der Sprache der Menschen“ ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), dibrah torah ki-laschon bene adam; Sifre Num 112). Damit lehnte er die von Rabbi Akiva praktizierte Methode ab, sprachliche Besonderheiten (wie Partikel oder Buchstabenverdoppelungen) als Träger neuer Halachot zu deuten. Während Akiva die „Einschließung und Ausschließung“ (ribbui u-mi’ut) betonte, bevorzugte Jischmael das Prinzip der „Allgemeinheit und Besonderheit“ (kelal u-ferat).
Die 13 Middot
Traditionell werden ihm die dreizehn Auslegungsregeln zugeschrieben (überliefert in der Einleitung zur Sifra), die eine Erweiterung der sieben Regeln Hillels darstellen. Diese Regeln stehen im Judentum in höchstem Ansehen und sind Teil des täglichen Morgengebets.
Die Geschichtlichkeit der Zuschreibung an Jischmael ist jedoch kritisch zu betrachten. Stilistische Analysen deuten darauf hin, dass die Liste in der Sifra ein redaktionelles Produkt ist. Jischmael selbst verwendet in den ihm sicher zugeschriebenen Texten nur einen Bruchteil dieser Regeln (vor allem a fortiori und gezera schawa). Die Zahl 13 ist traditionell; sachlich lassen sich auch 16 Regeln unterscheiden. Besonders die 13. Regel („Zwei Schriftverse widersprechen einander, bis ein dritter Vers entscheidet“) gilt als spezifische Innovation seiner Schule.
Halachische Positionen
In der Halacha vertrat er oft pragmatische Lösungen, insbesondere zum Schutz von Kriegswitwen. Bekannt ist seine Position, im Falle von Lebensgefahr (Pikuach Nefesch) unter Umständen sogar den formalen Götzendienst zu erlauben, um das Leben zu retten (bSanhedrin 74a).
Schüler
Zu seinen bedeutendsten Schülern (der dritten Generation) zählen Rabbi Joschija, Rabbi Jonatan, Abba Chanin (Chanan), zeitweise auch Rabbi Meir, der später zu Akiva überwechselte.
Werke der Schule Jischmaels
In der klassischen Judaistik (nach David Hoffmann) werden die halachischen Midraschim nach Schulen eingeteilt. Jischmael werden dabei zugeordnet: Die Mechilta de-Rabbi Jischmael (zu Exodus), das Sifre zu Numeri (SifBem), sowie Teile des Sifre zu Deuteronomium.
Die moderne Forschung (u. a. Ch. Albeck, G. G. Porton) relativiert diese strikte Zuordnung teilweise als eine spätere „amoräische Konstruktion“. Die Unterschiede liegen oft primär in der technischen Terminologie (z. B. nutzt Jischmaels Schule maggid statt melammed), was jedoch eher auf die Redaktoren als auf die historischen Personen zurückgeführt wird. Beide „Schulen“ nutzen zudem häufig Methoden der jeweils anderen Seite.
Mystik
In der späteren Hechalot-Literatur (z. B. Hekhalot Rabbati) wird Jischmael zur zentralen Heldenfigur und zum Visionär, der in den Himmel aufsteigt. Diese Texte bezeichnen ihn oft als „Hohepriester“ (Kohen Gadol). Die Forschung trennt zwischen dem historischen Tannaiten und dieser mystischen Kunstfigur.
Literatur (Auswahl)
- Israel Konovitz: Tannaitic Symposia. Complete Collected Sayings, in Halakha and Aggadah, in the Talmudic and Midrashic Literature. 4 Bände; Jerusalem 1967–1969 (hebräisch); vor allem Band 3, S. 261–367
- G. G. Porton: The Artificial Dispute: Ishmael and Aqiva. In: Festschrift M. Smith; Leiden: Brill, 1975; S. 18–29
- G. G. Porton: The Traditions of Rabbi Ishmael, 3 Bände; Leiden: Brill, 1976–1979
- Thomas Uecker: Ismael ben Elischa. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 2, Bautz, Hamm 1990, ISBN 3-88309-032-8, Sp. 1385–1387.
- Günter Stemberger: Einleitung in Talmud und Midrasch. 10. Auflage. C.H. Beck, München 2011, ISBN 978-3-406-62289-2, S. 32f., 87, 91.
- Azzan Yadin: Scripture as Logos: Rabbi Ishmael and the Origins of Midrash. University Press of Pennsylvania, Philadelphia 2004, ISBN 978-0-8122-3791-7.
Weblinks
- Artikel „ישמעאל בן אלישע“ in Da'at, der Enzyklopädia Jehudit
- Artikel „ISHMAEL B. ELISHA“ in der Jewish Encyclopedia
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Rabbi Jischmael |
| ALTERNATIVNAMEN | Rabbi Jischmael ben Elischa; vollständiger Name Rabbi Jischmael ben Elischa, hebräischer Name רַבִּי יִשְׁמָעֵאל בֶּן אֱלִישָׁע |
| KURZBESCHREIBUNG | Tannait |
| GEBURTSDATUM | um 70 |
| STERBEDATUM | um 135 |