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Wolfgang Helfrich

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Wolfgang Helfrich (2012)

Hans Wolfgang Helfrich (* 26. März 1932 in München; † 28. September 2025 in Berlin) war ein deutscher Physiker und Hochschullehrer.

Leben

Helfrich wurde 1932 in München geboren.<ref name=":1">Wolfgang Helfrich. In: Biomembrane Days. Max Planck Institute of Colloids and Interfaces, abgerufen am 12. Oktober 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Er studierte von 1951 bis 1958 an den Universitäten in Göttingen, München und Tübingen Physik. Er wurde 1961 an der TU München über das Thema Untersuchungen an raumladungsbeschränkten Defektelektronenströmen in Anthrazen promoviert, wo er bis 1964 als Wissenschaftlicher Mitarbeiter tätig war.<ref>Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Abgerufen am 12. Oktober 2025.</ref> Von 1964 bis 1966 arbeitete er als Postdoctoral Fellow und Assistant Research Officer am National Research Council of Canada in Ottawa.

Nach seiner Rückkehr nach München wurde er 1967 über das Thema Raumladungsbegrenzte und volumenbestimmte Ströme in organischen Kristallen habilitiert.<ref>Katalog der Deutschen Nationalbibliothek. Abgerufen am 12. Oktober 2025.</ref> Anschließend war er bis 1970 Member of the Technical Staff bei den RCA Laboratories in Princeton, wo er sich dem Forschungsgebiet Flüssigkristalle widmete. Die nächsten drei Jahre verbrachte er als Wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Firma Hoffmann-La Roche in Basel, wo er sich zunächst mit Flüssigkristallen und später mit Lipidmembranen beschäftigte.

An seinem letzten Arbeitstag bei Roche, dem 30. April 1973, erhielt er einen Ruf an die Freie Universität Berlin.<ref>Maike Sutor: Warum Wolfgang Helfrich nicht reich wurde: Vater der LCD-Anzeige. (berliner-zeitung.de [abgerufen am 14. Oktober 2025]).</ref> Dort war er Professor am Fachbereich Physik und leitete zuletzt das Arbeitsgebiet Fluide Membranen und Flüssigkristalle am Institut für Theoretische Physik.<ref>Wolfgang Helfrich. In: FU-Lexikon. Freie Universität Berlin, abgerufen am 12. Oktober 2025.</ref> Er verbrachte mehrmonatige Forschungsaufenthalte in Orsay (1977), an der Stanford University (1982) und der University of California, Santa Barbara (1989). Im April 1997 wurde er pensioniert und lebte weiterhin in Berlin. Er starb dort im September 2025 im Alter von 93 Jahren.<ref name=":0">Hans Wolfgang Helfrich. In: trauer.tagesspiegel.de. Der Tagesspiegel, 11. Oktober 2025, abgerufen am 11. Oktober 2025.</ref><ref>Karl Max Einhäupl: Wolfgang Helfrich. † 28.09.2025 in Berlin. In: trauer.tagesspiegel.de. Der Tagesspiegel, 11. Oktober 2025, abgerufen am 11. Oktober 2025.</ref>

Leistungen

Helfrich fand 1970 das theoretische Konzept für das erste technisch und kommerziell revolutionäre Flüssigkristall-Display, die TN-Zelle (Twisted-Nematic-Zelle, zu Deutsch: „nematische Drehzelle“, Schweizer Patent Nummer 532 261), in Europa auch bekannt als Schadt-Helfrich-Zelle.<ref>LCD. In: Halbleiter-Scout. Abgerufen am 12. Oktober 2025.</ref> Sein Kollege Martin Schadt baute daraufhin das erste Muster einer solchen Anzeige. Das am 4. Dezember 1970 in Deutschland angemeldete Patent<ref>F. Hoffmann-La Roche Co. AG: Patentschrift Nr. 21 58 263. Optische Zelle (Liquid Crystal Display). In: Deutsches Patent- und Markenamt. Deutsches Patent- und Markenamt, 2014, abgerufen am 12. Oktober 2025.</ref> wurde vom Deutschen Patentamt in München nicht erteilt,<ref>Gerhard H. Buntz: Twisted Nematic Liquid Crystal Displays (TN LCDs), an invention from Basel with global effects Information No. 118, October 2005, Internationale Treuhand AG, Basel (englisch)</ref> weil die Entdeckung und Entwicklung keine Erfindungshöhe habe, da es Vorveröffentlichungen von James Fergason aus den USA gegeben habe.<ref>Norbert Frühauf: Elektro-optische Basistechnologien für Flachbildschirme. Eduard Rhein Stiftung, abgerufen am 12. Oktober 2025.</ref> Heute wird das Prinzip der Schadt-Helfrich-Zelle weltweit in Millionen von Produkten eingesetzt.<ref>Wer hat’s erfunden? - Martin Schadt! In: photoscala. 30. November 1, abgerufen am 12. Oktober 2025.</ref>

1973 veröffentlichte Wolfgang Helfrich die erste vollständige theoretische Beschreibung der Biegeenergie von Membranen.<ref>W. Helfrich: Elastic Properties of Lipid Bilayers: Theory and Possible Experiments. In: Zeitschrift für Naturforschung C. Band 28, Nr. 11-12, 1. Dezember 1973, ISSN 1865-7125, S. 693–703, doi:10.1515/znc-1973-11-1209 (degruyterbrill.com [abgerufen am 12. Oktober 2025]).</ref> 1978 stellte er die erste Theorie der entropischen Abstoßung von Membranen aufgrund von Formfluktuationen auf.<ref>W. Helfrich: Steric Interaction of Fluid Membranes. In: Berichte der Bunsengesellschaft für physikalische Chemie. Band 82, Nr. 9, 1978, ISSN 0005-9021, S. 927–927, doi:10.1002/bbpc.19780820941 (wiley.com [abgerufen am 12. Oktober 2025]).</ref> In den folgenden Jahrzehnten lieferte Wolfgang Helfrich zahlreiche fundamentale theoretische und experimentelle Beiträge zur Membranphysik, insbesondere zu Vesikelformen, Membranformfluktuationen und zur Wirkung elektrischer Felder auf Vesikel.<ref name=":1" />

Preise und Ehrungen

  • 1976: EPS Hewlett-Packard Europhysics Preis für außerordentliche Leistungen auf dem Gebiet der Halbleitertechnik für die Beiträge zur Physik der Flüssigkristalle.
  • 1993: Aachener und Münchner Preis für Technik und angewandte Naturwissenschaften der Dr.-Carl-Arthur Pastor-Stiftung an Wolfgang Helfrich und Martin Schadt für die bahnbrechende Erfindung der Flüssigkristallanzeige als Schlüsselbauelement der Informationstechnik.
  • 1993: Wolfgang-Ostwald-Preis der Kolloid-Gesellschaft in Würdigung seiner herausragenden kolloid-chemischen Arbeiten auf dem Gebiet der Flüssigkristalle, Membranen und Vesikel.
  • 1993: Innovation Prize Science for Art (Moet Hennessy – Louis Vuitton, Frankreich) für seine Forschungen auf dem Gebiet der Flüssigkristallanzeigen.
  • 1996: Robert-Wichard-Pohl-Preis der Deutschen Physikalischen Gesellschaft an Wolfgang Helfrich und Martin Schadt in Anerkennung der Erfindung der Flüssigkristallanzeigen.
  • Honored Member of the International Liquid Crystal Society
  • 2008: IEEE Jun-ichi Nishizawa Medal, gemeinsam mit Martin Schadt und James Fergason „for pioneering development of twisted nematic liquid crystal technology“
  • 2012: Charles Stark Draper Prize (U.S. NAE)
  • 2012: Raymond and Beverly Sackler International Prize in Biophysics for contributions to the foundation of biophysics of membranes (shared with Carlos Bustamante)<ref>The Raymond and Beverly Sackler International Prize in Biophysics. In: Tel Aviv University. 24. September 2017 (tau.ac.il [abgerufen am 14. Oktober 2025]).</ref>

Veröffentlichungen (Auszug)

Einzelnachweise

<references />

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