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Violette Stendelwurz

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Violette Stendelwurz
Datei:Epipactis purpurata plant.jpg

Violette Stendelwurz (Epipactis purpurata)

Systematik
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Epidendroideae
Tribus: Neottieae
Untertribus: Limodorinae
Gattung: Stendelwurzen (Epipactis)
Art: Violette Stendelwurz
Wissenschaftlicher Name
Epipactis purpurata
Sm.

Die Violette Stendelwurz (Epipactis purpurata) gehört zur Gattung der Stendelwurzen (Epipactis) in der Familie der Orchideen (Orchidaceae).

Beschreibung

Datei:Epipactis purpurata flowers.jpg
Detail des Blütenstands
Datei:Epipactis purpurata sl71.jpg
Blüten

Unter den heimischen Stendelwurz-Arten besitzt die Violette Stendelwurz ein nahezu unverwechselbares Aussehen. Sie kann eigentlich nur mit der Kleinblättrigen Stendelwurz verwechselt werden.

Vegetative Merkmale

Aus einem tief in der Erde liegenden Rhizom wachsen oft mehrere (bis zu 10) Triebe mit einer Wuchshöhe von 25 bis 62 Zentimeter.<ref name="BaumannKünkele1998" /> Im untersten Teil hat der Stängel 2 bis 3 scheidige Schuppenblätter.<ref name="BaumannKünkele1998" /> Weiter oben folgen vier bis zehn Laubblätter. Sie sind spiralig und fast gleichmäßig am Stängel verteilt. Sie sind schmal eiförmig, stark geadert und dunkelgrün bis grün-violett gefärbt.<ref name="BaumannKünkele1998" /> Die unteren Stängelblätter sind 3 bis 7 Zentimeter lang und 1,2 bis 3,2 Zentimeter breit.<ref name="BaumannKünkele1998" /> Das oberste Stängelblatt ist tragblattartig, 2 bis 7 Zentimeter lang und erreicht den Blütenstand.<ref name="BaumannKünkele1998" /> Die ganze Pflanze ist bis zur Mitte nur spärlich behaart, aber nach oben und im Bereich des Blütenstands graufilzig.<ref name="BaumannKünkele1998" />

Generative Merkmale

Der 10 bis 30 Zentimeter lange, dichte und einseitswendige Blütenstand trägt 10 bis 50 Blüten, die sich in der Regel weit öffnen. Die Tragblätter nehmen von unten nach oben an Größe ab. Die unteren sind deutlich länger als die Blüten.<ref name="BaumannKünkele1998" /> Der Blütenstiel ist 4 bis 6 Millimeter lang. Die Blütenblätter des äußeren Kreises sind innen kräftig grün und außen oft etwas violett überlaufen, die des inneren Kreises sind weißlich-grün. Die Lippe ist weiß, sie ist 10 bis 12 Millimeter lang, 5,5 bis 6,5 Millimeter breit und in Vorder- und Hinterlippe gegliedert.<ref name="BaumannKünkele1998" /> Die Vorderlippe ist herzförmig und an freien Ende zurückgeschlagen.<ref name="BaumannKünkele1998" /> Die Wülste der Vorderlippe sind meist rosa gefärbt. Die Innenseite der schüsselförmigen Hinterlippe ist hell- bis dunkelrosa gefärbt. Der Fruchtknoten ist 14 bis 16 Millimeter lang.<ref name="BaumannKünkele1998" />

Die insgesamt grün-violetten Pflanzen heben sich vor der Blütezeit kaum vom braunen, mit Laub oder Nadeln bedeckten Waldboden ab und sind aus größerer Entfernung schwer zu entdecken. Während der Blütezeit sind sie jedoch durch die grünen Blüten meist sehr auffällig.

Die Triebe der Pflanze tragen immer Blüten. Blütenlose (sterile) Triebe, wie sie bei jüngeren Pflanzen verschiedener anderer Stendelwurz-Arten die Regel sind, gibt es bei dieser Art nicht.

Die Blütezeit beginnt später als bei der Breitblättrigen Stendelwurz im Juli und kann bis in den September reichen. Die Fruchtreife beginnt erst sehr spät ab November.<ref name="BaumannKünkele1998" />

Als Bestäuber wurden Wespen beobachtet. Es werden Vespa austriaca, Vespa rufa, Vespa sylvestris, Vespa vulgaris und Paravespula germanica genannt.<ref name="BaumannKünkele1998" />

Genetik

Die Violette Stendelwurz besitzt einen Karyotyp von zwei Chromosomensätzen und jeweils 20 Chromosomen (Zytologie: 2n = 40).

Ökologie

Datei:Epipactis purpurata 020806.JPG
Am Standort in den Schwäbisch-Fränkischen Waldbergen

Die Violette Stendelwurz kommt in verschiedenen Waldtypen vor, besonders in Buchen- und Fichtenwäldern mit frischen bis nicht allzu feuchten Böden. Die Böden sind oberflächlich oft im neutralen bis leicht sauren Bereich, der Untergrund jedoch kalkhaltig. Wegen ihrer geringen Abhängigkeit von der Photosynthese kommt sie auch in sehr dunklen Wäldern vor. In dichten Fichtenwäldern kann sie dann sogar die einzige Pflanzenart sein, oder nur noch z. B. mit dem Weißen Waldvöglein oder anderen myko-heterotrophen Pflanzen vergesellschaftet sein. Die Fichtenwälder sind nicht selten Monokulturen. In der Regel ist sie an Waldrändern oder entlang der Waldwege seltener.

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3w+ (mäßig feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 1 (sehr schattig), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Die Violette Stendelwurz ist in der Regel seltener als die Breitblättrige Stendelwurz, kann aber stellenweise auch die häufigere Art sein, so z. B. auf der Lonetal-Flächenalb, deren oberflächlich entkalkte Böden über Malm dem beschriebenen Schema entsprechen.

Verbreitung

Gesamtverbreitung:

Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Frankreich bis ins Baltikum (Litauen) und Moldawien, nach Süden dringt die Nominatform nicht bis ins mediterrane Gebiet vor, nach Norden nicht in die borealen Gebiete. Außerhalb dieses Verbreitungsgebiets sind vom Kaukasus, Griechenland bis Süditalien einige Unterarten zu finden. Nach Baumann und Künkele hat die Art in den Alpenländern folgende Höhengrenzen: Deutschland 158–955 Meter, Frankreich 130–850 Meter, Schweiz 345–1230 Meter, Liechtenstein 590 Meter, Österreich 250–1000 Meter, Italien 1050–1380 Meter, Slowenien 350–800 Meter.<ref name="BaumannKünkele1998" /> In Europa sind die Grenzen 50–1380 Meter Meereshöhe.<ref name="BaumannKünkele1998" />

Deutschland:

In Hessen, dem Saarland, Baden-Württemberg und Thüringen ist die Violette Stendelwurz gut verbreitet. In den übrigen Bundesländern ist sie deutlich seltener. Auffällig ist in der norddeutschen Tiefebene in Schleswig-Holstein ein isoliertes Vorkommen.

Schweiz:

In der Schweiz gehört die Violette Stendelwurz zu den selteneren Arten. Sie kommt im Jura, Mittelland, vereinzelt am Alpen-Nordrand, am Thurgauer Seerücken und im Wallis vor.

Naturschutz und Gefährdung

Die Art ist in Deutschland durch die BArtSchV besonders geschützt.<ref name="Schmeil und Fitschen2024" />

Rote Listen:

  • Rote Liste Deutschland: nicht gefährdet
  • Rote Liste Bundesländer:
  • Rote Liste Schweiz: nicht gefährdet<ref name="InfoFlora" />

Die Violette Stendelwurz ist noch weitgehend wenig gefährdet. Ihre Standorte sind hauptsächlich von Kahlschlägen bedroht, was besonders auf Fichtenwälder zutrifft. Eine geringere Gefährdung geht von Rehen aus, die die Blütenstände abfressen.

Taxonomie und Systematik

Nomenklatur

Zwar wurde der Name Epipactis viridiflora <templatestyles src="Person/styles.css" />Hoffm. ex Krock. 1814 früher publiziert als der gebräuchliche Name Epipactis purpurata <templatestyles src="Person/styles.css" />Sm. 1828, jedoch gehen die Meinungen auseinander, ob Epipactis viridiflora tatsächlich diese Art beschreibt. Daher ist Epipactis purpurata als „nomen conservandum“ konserviert worden. Der Name wurde 1828 von James Edward Smith in English Flora, Band 4, S. 41 veröffentlicht.<ref name="Euro+Med" />

Synonyme

  • Serapias latifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />Hoffm. (1804) (Basionym)
  • Helleborine viridiflora <templatestyles src="Person/styles.css" />(Hoffm. ex Krock.) Wheldon & Travis (1913)
  • Epipactis helleborine var. varians <templatestyles src="Person/styles.css" />Crantz (1769)
  • Epipactis sessilifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />Peterm. (1844)
  • Epipactis latifolia var. violacea <templatestyles src="Person/styles.css" />Dur.- Duq. (1846)
  • Epipactis violacea <templatestyles src="Person/styles.css" />(Dur.- Duq.) Bor. (1857)
  • Limodorum violaceum <templatestyles src="Person/styles.css" />(Dur.- Duq.) Kuntze (1891)
  • Epipactis varians <templatestyles src="Person/styles.css" />(Crantz) Fleischm. & Rech. (1905)
  • Helleborine sessilifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />(Peterm.) Druce (1905)
  • Helleborine violacea <templatestyles src="Person/styles.css" />(Dur.- Duq.) Druce (1907)
  • Serapias sessilifolia <templatestyles src="Person/styles.css" />(Peterm.) A.A. Eaton (1908)
  • Helleborine purpurata <templatestyles src="Person/styles.css" />(Sm.) Druce (1909)
  • Helleborine varians <templatestyles src="Person/styles.css" />(Crantz) O. Schwarz (1936)
  • Epipactis helleborine subsp. varians <templatestyles src="Person/styles.css" />(Crantz) H. Sund. (1980)
  • Epipactis helleborine var. viridiflora <templatestyles src="Person/styles.css" />(Hoffm. ex Krock.) O. Bolòs & Vigo (2001)

Unterarten, Formen, Varietäten

Datei:Epipactis purpurata rosea 130805a.jpg
Epipactis purpurata lus. rosea auf der Hochfläche der östlichen Schwäbischen Alb
  • Epipactis purpurata subsp. halacsyi <templatestyles src="Person/styles.css" />(Robatsch) Kreutz
Die in Griechenland vorkommende Unterart ist 1990 als Epipactis halacsyi <templatestyles src="Person/styles.css" />Robatsch beschrieben worden.
  • Epipactis purpurata subsp. pollinensis <templatestyles src="Person/styles.css" />(B. Baumann & H. Baumann) Kreutz
Diese Unterart ist 2000 als Epipactis pollinensis <templatestyles src="Person/styles.css" />B. Baumann & H. Baumann beschrieben worden und kommt in Süditalien vor. Sie unterscheidet sich dadurch, dass sie in allen Teilen kleiner als die Nominatform ist.
  • Epipactis purpurata subsp. kuenkeleana <templatestyles src="Person/styles.css" />(Akhalkatski, H. Baumann, R. Lorenz & Mosulishvili) Kreutz
Diese im Kaukasus vorkommende Unterart wurde erst 2005 beschrieben und nach dem 2004 verstorbenen Orchideenexperten Dr. Siegfried Künkele benannt. Bei dieser Unterart sind die unteren Laubblätter rundlicher und die mittleren eiförmig. Die Blüten sind kräftiger gefärbt und die Wülste auf der Vorderlippe ausgeprägter.
  • Epipactis purpurata lus. rosea <templatestyles src="Person/styles.css" />Erdner (Syn.: Epipactis purpurata var. rosea <templatestyles src="Person/styles.css" />(Erdner) Kreutz)
Diesen Pflanzen fehlt das Chlorophyll und es bleibt nur die violette Farbe übrig. In Verbindung mit der nun eigentlich weißen Grundfärbung erscheinen die Pflanzen rosa. Sie sind vollständig myko-heterotroph und in der Regel selten bis sehr selten zu finden.

Hybriden

  • Epipactis × schulzei <templatestyles src="Person/styles.css" />P.Fourn. (1928) (Epipactis helleborine × Epipactis purpurata)
  • Epipactis × liestalensis <templatestyles src="Person/styles.css" />A. Camus (1929) (Epipactis atrorubens × Epipactis purpurata)

Nicht mit eigenem Namen beschrieben sind folgende Hybriden:

Quellen und weiterführende Informationen

Literatur

  • AHO (Hrsg.): Die Orchideen Deutschlands. Verlag AHO Thüringen Uhlstädt – Kirchhasel, 2005, ISBN 3-00-014853-1

Einzelnachweise

<references> <ref name="BaumannKünkele1998">Helmut Baumann, Siegfried Künkele: Orchidaceae. In: Oskar Sebald u. a.: Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. 1. Auflage Band 8, Seite 302–304. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1998, ISBN 3-8001-3359-8</ref> <ref name="Euro+Med"> World Checklist of Selected Plant Families 2010, The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. In: Datenblatt Epipactis purpurata In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="InfoFlora">Epipactis purpurata Sm. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> <ref name="Schmeil und Fitschen2024">Gerald Parolly: Epipactis. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024, ISBN 978-3-494-01943-7. S. 186.</ref> </references>

Weblinks

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