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Ernest Shackleton

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Ernest Shackleton (fotografiert von Nadar, circa 1909)
Shackletons Signatur
Shackletons Signatur

Sir Ernest Henry Shackleton [<templatestyles src="IPA/styles.css" />ˈɜɻnɛst ˈhɛnɻi ˈʃækəltən] CVO, OBE, LL.D,<ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, Titelseite.</ref> OLH<ref name="NYT1922">„Ernest Shackleton dies on antarctic trip“, The New York Times vom 30. Januar 1922, S. 4 (abgerufen am 25. Oktober 2011).</ref> (* 15. Februar 1874 in Kilkea, County Kildare, Irland; † 5. Januar 1922 in Grytviken, Südgeorgien) war ein britischer Polarforscher irischer Abstammung und eine der herausragenden Persönlichkeiten des sogenannten „Goldenen Zeitalters der Antarktisforschung“.<ref name="KTL" group="A">Tyler-Lewis: The Lost Men. S. 12: Nach Einschätzung von John King Davis, Teilnehmer an Shackletons Nimrod-Expedition und in späteren Jahren einer der bedeutendsten Navigatoren in der Antarktisforschung, handelt es sich bei dieser Epoche angesichts ihrer technischen Unzulänglichkeiten vielmehr um die „Steinzeit polarer Forschungsreisen“; zitiert nach John King Davis, High Latitude. University Press, Melbourne 1962, S. 101.</ref> Er nahm an vier Antarktisexpeditionen teil, von denen er bei dreien als Expeditionsleiter tätig war.

Seine ersten antarktischen Erfahrungen machte Shackleton als Dritter Offizier bei der von Robert Falcon Scott geleiteten Discovery-Expedition (1901–1904), von der er wegen einer von ihm bestrittenen gesundheitlichen Dienstuntauglichkeit vom Expeditionsleiter 1903 nach Hause geschickt wurde.

Entschlossen, diesen Makel zu tilgen, kehrte Shackleton 1908 als Leiter der Nimrod-Expedition (1907–1909) in die Antarktis zurück. Im Januar 1909 stellte er zusammen mit drei Begleitern einen neuen Rekord in der größten Annäherung an einen der beiden geographischen Erdpole auf, bevor sie bei 88°23′S und noch 180 km vom Südpol entfernt umkehren mussten. Für diese Leistung wurde Shackleton von König Edward VII. zum Ritter geschlagen.

Nachdem der Norweger Roald Amundsen 1911 den Südpol erreicht hatte, verlagerte Shackleton sein Augenmerk auf die Durchquerung des antarktischen Kontinents von Küste zu Küste über den geographischen Südpol hinweg. Doch auch mit dieser Forschungsreise, die als Endurance-Expedition (1914–1917) bekannt ist, scheiterte er. Das Expeditionsschiff sank 1915 im Weddell-Meer, nachdem es vom Packeis zerdrückt worden war. Durch eine abenteuerliche Rettungsaktion, für die Shackleton weitaus bekannter ist als für seine wissenschaftlichen Beiträge zur Antarktisforschung, konnte er alle Expeditionsteilnehmer vor dem Tod bewahren.

1921 führte ihn die Quest-Expedition (1921–1922) ein letztes Mal in antarktische Gewässer. Noch vor dem eigentlichen Beginn der Forschungsreise starb Shackleton in Grytviken auf Südgeorgien an einem Herzinfarkt und wurde auf Wunsch seiner Frau auch dort begraben.

Abseits seiner Forschungsreisen war Shackletons Leben rastlos und unerfüllt. Auf der Suche nach Wegen, möglichst rasch zu Ruhm und Reichtum zu gelangen, scheiterte er mit zahlreichen Unternehmungen. Am Ende seines Lebens war Shackleton hoch verschuldet. Obwohl er im Nachruf durch die Presse als Held gefeiert wurde, geriet sein Name im Gegensatz zu dem seines Rivalen Scott bald darauf für lange Zeit in Vergessenheit. Erst zur Jahrtausendwende wurde Shackleton als vorbildliche Führungspersönlichkeit wiederentdeckt, die es in extremen Situationen vermochte, ihre Untergebenen zu außergewöhnlichen Leistungen zu motivieren.

Herkunft

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Wappen der Familie Shackleton

Ernest Shackleton kam im Kilkea House,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Foto vom Kilkea House (Memento vom 4. Februar 2012 im Internet Archive) (abgerufen am 23. Juni 2010).</ref> einem Anwesen in der Nähe der Ortschaft Athy, als zweites von zehn Kindern<ref group="A" ><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Ernest Shackleton und seine Geschwister (Memento vom 6. Februar 2012 im Internet Archive) (Foto von ca. 1890): (v. l. n. r.) Kathleen (1884–1961), Ethel (1878–1935), Clara (1881–1958), Frank (1876–1941), Amy (1875–1953), Ernest, Eleanor (1879–1960), Alice (1872–1938), Gladys (1887–1962) und Helen (1882–1962) (abgerufen am 30. Juli 2010).</ref> des Grundbesitzers Henry Shackleton (1847–1920) und dessen Frau Henrietta Letitia Sophia (geborene Gavan, 1845–1929) zur Welt.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Foto von Shackletons Eltern (Memento vom 6. Februar 2012 im Internet Archive) (abgerufen am 24. Juni 2010).</ref> In engstem Zusammenhang mit seinem späteren Leben steht die Tatsache, dass die Challenger am Tag nach seiner Geburt als erstes Schiff mit zusätzlichem maschinellen Antrieb den südlichen Polarkreis überquerte.<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 38.</ref> Shackletons väterliche Vorfahren, deren Linie sich bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen lässt, waren Quäker aus der nordenglischen Grafschaft Yorkshire, die bereits seit 1720 in Irland lebten.<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 36.</ref> Zum englischen Seefahrer Martin Frobisher besteht ein entferntes Verwandtschaftsverhältnis.<ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 4.</ref> Shackletons einziger Bruder Francis<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Foto von Francis „Frank“ Shackleton (Memento vom 10. Februar 2012 im Internet Archive) (abgerufen am 24. Juni 2010).</ref> (genannt Frank, 1876–1941) geriet 1907 in Verdacht, am Raub der irischen Kronjuwelen beteiligt gewesen zu sein.<ref>Huntford, Shackleton, S. 227–228.</ref>

Der Leitspruch der Familie Shackleton, deren Name sich von demjenigen eines Weilers in der Nähe des Dorfes Heptonstall in Yorkshire ableitet, lautet „Fortitudine Vincimus“ (im Englischen: „by endurance we conquer“, im Deutschen: „Durch Ausdauer zum Sieg“).<ref name="mi8">Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 8.</ref> Das etwa seit dem Jahr 1600 existierende Familienwappen trägt drei goldene Spangen auf rotem Grund.<ref name="mi8" />

Oftmals wurde versucht, Shackletons Eigenschaften und Charakterzüge von seiner Herkunft abzuleiten, doch nach Meinung seiner Biographen Margery und James Fisher ist dies unzutreffend oder bestenfalls eine verkürzte Darstellung. „Shackletons Mut und Kampfeslust waren ebenso wenig typisch nordenglisch, wie sein Charme und seine Vorliebe für Poesie typisch irisch waren. Ein Studium seiner Herkunft liefert einen Hintergrund, erklären kann es ihn jedoch nicht.“<ref>Fisher: Shackleton. S. 1.</ref>

Frühe Lebensjahre

Kindheit und Jugend (1874–1890)

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Der elfjährige Ernest Shackleton

Im Zuge des Land War und des allgemeinen Niedergangs der Landwirtschaft in Irland Ende des 19. Jahrhunderts entschloss sich Shackletons Vater, eine neue berufliche Richtung einzuschlagen. 1880 zog die Familie nach Dublin, wo Henry Shackleton in den nächsten vier Jahren am Trinity College Medizin studierte. Im Dezember 1884 verließ die Familie Irland, und Shackletons Vater eröffnete eine Arztpraxis in Croydon unweit von London. Diese gab er bereits nach sechs Monaten auf, um sich schließlich erfolgreich in Sydenham als Arzt niederzulassen.<ref>Huntford, Shackleton, S. 6–9.</ref>

Seit frühester Jugend war Ernest Shackleton ein begeisterter Leser. Zugang zu Literatur und Dichtung erhielt er durch seinen Vater. Besonders faszinierten ihn die Abenteuerromane des englischen Romanciers George Alfred Henty und von Jules Verne.<ref>Kimmel, Ice Story, S. 4–5.</ref> Sein Lieblingsbuch soll Life with the Esquimaux<ref>Charles Francis Hall: Life with the Esquimaux. Low, Son & Marston, London 1864, Vol. I und Vol. II (abgerufen am 7. Januar 2010).</ref> des Polarforschers Charles Francis Hall gewesen sein.<ref name="nimrod44">Riffenburgh: Nimrod. S. 44.</ref> Über seine besondere Vorliebe für die Suche nach verborgenen Schätzen, seinen schon früh ausgeprägten Drang nach Unabhängigkeit und seine mitreißende Begeisterungsfähigkeit, die ihm auch als Erwachsenem erhalten blieb, sind zahlreiche Anekdoten überliefert. Zu Beginn seiner schulischen Ausbildung wurde Shackleton von einer Hauslehrerin unterrichtet. Seit die Familie in Sydenham wohnte, besuchte er die Fir Lodge Preparatory School. Von seinen Mitschülern wurde der für sein Alter groß und kräftig gebaute Ernest als freundlich und wohlwollend beschrieben.<ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 23.</ref> Durch sein reizbares Temperament scheute er sich dennoch nicht, seine Fäuste zu gebrauchen, wenn jemand etwas Negatives über seine Herkunft oder seinen irischen Akzent sagte.<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 37.</ref>

Im Sommer 1887 wechselte Shackleton an das angesehene Dulwich College. Den vom Großmachtsanspruch des Empire geprägten Unterricht, zu dessen wichtigsten Bausteinen christlicher Militarismus und militärische Tugenden zählten,<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 43.</ref> beschrieb Shackleton selbst als langweilig. „Über Geographie und Literatur habe ich in der Schule nie viel gelernt“.<ref>Huntford, Shackleton, S. 6.</ref> Er war nach Meinung seiner Lehrer kein besonders guter Schüler und „scherte sich einen feuchten Kehricht um den Unterricht“,<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 45. Zitiertes Originaldokument: Mrs. J.Q Rowett im Gespräch mit Autor James Fisher (1912–1970), SPRI MS 1456/75.</ref> dennoch schloss er 1890 als Fünftbester von 30 Schülern seines Jahrgangs ab.<ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 24.</ref>

Dienst bei der Handelsmarine (1890–1901)

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Shackleton als Seekadett auf der Hoghton Tower

Shackletons Vater wollte eigentlich, dass er Medizin studiert. Schließlich gab er jedoch dem Wunsch seines Sohnes nach, in der Seefahrt sein Auskommen zu suchen. Da er eine Ausbildung auf der Britannia, dem Schulschiff der Royal Navy, finanziell nicht ermöglichen konnte, schickte er den 16-jährigen Ernest zur Handelsmarine.<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 46.</ref> Shackleton heuerte im April 1890 in Liverpool als Seekadett auf der Hoghton Tower<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Foto der Hoghton Tower (Memento vom 18. Januar 2012 im Internet Archive) (abgerufen am 23. Juni 2010).</ref> an, einem Rahsegler der North Western Shipping Company.<ref>Huntford, Shackleton, S. 11.</ref> In den folgenden vier Jahren erlernte er das Schifffahrtshandwerk von Grund auf, besuchte ferne Länder und hatte Umgang mit Menschen verschiedener Herkunft und Bildungsschichten.<ref>Huntford, Shackleton, S. 13–18.</ref> Gleich die erste Reise führte ihn mitten im Winter bei schweren Stürmen um Kap Hoorn nach Valparaíso und Iquique, wo das Schiff sechs Wochen lang gelöscht und neue Fracht an Bord genommen wurde. Dabei lernte Shackleton, wie man Fracht mit Hilfe von Booten unbeschädigt zwischen einem Schiff und der Küste hin und her transportiert – Techniken, die sich bei seinen späteren Expeditionsreisen als hilfreich erweisen sollten.<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 49.</ref> Insgesamt nahm Shackleton an drei Seereisen auf der Hoghton Tower teil, bevor er im Juli 1894 an die Seefahrtschule in London ging und dort am 4. Oktober die Prüfung als Zweiter Offizier bestand.<ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 43.</ref>

Durch Vermittlung eines Schulfreundes vom Dulwich College erhielt Shackleton im November 1894 den Posten des Dritten Offiziers auf dem Trampschiff Monmouthshire mit Kurs Ferner Osten. Eine zweite Reise auf demselben Schiff führte ihn nach China.<ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 45–48.</ref>

Am 24. Januar 1895, als Shackleton im Indischen Ozean weilte, landete Carsten Egeberg Borchgrevink im Rahmen der Antarctic-Expedition am Cape Adare an und nahm für sich in Anspruch, als erster Mensch antarktisches Festland betreten zu haben.<ref group="A">Carsten Egeberg Borchgrevink, Informationen auf southpole.com (abgerufen am 13. Januar 2010). Diesen Anspruch konnte Borchgrevink nicht endgültig geltend machen. Vermutlich wurde das antarktische Festland bereits durch John Davis oder Edward Bransfield erstmals betreten.</ref> Der Zufall wollte es, dass Shackleton sich späteren Aussagen zufolge genau zu dieser Zeit entschloss, Polarforscher zu werden.<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 57.</ref>

Als er 1896 von seiner zweiten Reise auf der Monmouthshire zurückkehrte, legte er die Prüfung als Erster Offizier ab. Nach seiner Zeit als Zweiter Offizier auf der Flintshire, einem Dampfschiff der Welsh Shire Line, erhielt er 1898 schließlich in Singapur das Kapitänspatent.<ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 49–50.</ref> Als Angestellter der Union-Castle Line war Shackleton nachfolgend auf dem Linienschiff Tantallon Castle<ref>Foto der Tantallon Castle (abgerufen am 23. Juni 2010).</ref> im Post- und Passagierverkehr zwischen Southampton und Kapstadt tätig. Ein Schiffskamerad beschrieb ihn als „fernab vom Charakter gewöhnlicher junger Offiziere“, eigenbrötlerisch, jedoch nicht abweisend, „Keats und Browning rezitierend“, eine Mischung aus Empfindsamkeit und Aggressivität und dennoch sympathisch.<ref>Huntford, Shackleton, S. 20–23.</ref> Bei Ausbruch des Buren-Krieges 1899 wurde Shackleton Dritter Offizier auf der Tintagel Castle<ref>Foto der Tintagel Castle (abgerufen am 23. Juni 2010).</ref> für den Transport von Soldaten in die Kapkolonie. In Kapstadt kam es dabei zur Begegnung mit Rudyard Kipling, den er als namhaften Co-Autor für sein erstes eigenes Buch gewinnen wollte.<ref group="A" >Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 54. Bei besagtem Buch handelte es sich um das Werk O.H.M.S. An illustrated record of the voyage of S.S. >Tintagel Castle<.</ref>

Ähnlich wie sein späterer Rivale Robert Falcon Scott, der sich in der Routine der Royal Navy eingeengt fühlte, hatte auch Shackleton nicht das Gefühl, in der Handelsmarine seinen Ehrgeiz befriedigen zu können. Ein Kollege bei der Union-Castle Line erklärte später: „Ihn reizte die Gelegenheit, aus der Monotonie von Methode und Routine auszubrechen – aus einem Dasein, das seine Individualität irgendwann erstickt hätte.“<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 76. Zitiertes Originaldokument: J.A. Hussey in einem Brief an Hugh Robert Mill vom 27. Juli 1922, SPRI MS 100/49/1–5.</ref> Kurz nachdem er zum Fellow der Royal Geographical Society berufen worden war, begann Shackletons Karriere als Entdecker, nicht zu einem geringen Teil deshalb, weil er darin die Möglichkeit sah, reich und berühmt zu werden. Im März 1900 lernte er den Lieutenant der British Army Cedric Longstaff (1876–1950) kennen, dessen Vater Llewellyn Longstaff (1841–1918) einer der Sponsoren der Discovery-Expedition war.<ref>Huntford, Shackleton, S. 25–30.</ref> Shackleton nutzte seine Freundschaft zu Cedric, um sich bei dessen Vater um die Teilnahme an der Discovery-Expedition zu bewerben. Longstaff war so von Shackletons Eifer und Überzeugungskraft beeindruckt, dass er Sir Clements Markham, den Schirmherr der Expedition, anwies, ihn als Expeditionsteilnehmer zu akzeptieren. Am 17. Februar 1901 erhielt Shackleton den Posten des Dritten Offiziers auf dem Expeditionsschiff Discovery. Im Juni 1901 wurde er zum Sub-Lieutenant der Royal Naval Reserve (RNR) ernannt.<ref>Huntford, Shackleton, S. 42.</ref><ref> London Gazette. Nr. 27322, HMSO, London, 11. Juni 1901, S. 3926 (Digitalisat, englisch).</ref> Damit endete Shackletons Dienst bei der Handelsmarine.<ref group="A" >Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton S. 54–55. Seine letzte Fahrten im Dienst der Handelsmarine unternahm Shackleton jeweils als Dritter Offizier im Oktober 1900 an Bord der Gaika und im Januar 1901 auf der Carisbrooke Castle.</ref>

Teilnahme an der Discovery-Expedition (1901–1903)

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Shackleton (zweiter von links) an Bord der Discovery

Die National Antarctic Expedition, wie die Discovery-Expedition offiziell bezeichnet wurde, ging auf die Initiative von Sir Clements Markham zurück, dem damaligen Präsidenten der Royal Geographical Society. Die Forschungsreise sollte mit dem Ziel durchgeführt werden, allgemeinwissenschaftliche und geographische Erkundungen in der Antarktis vorzunehmen.<ref>Fisher: Shackleton. S. 19–20.</ref> Geleitet wurde sie durch den Offizier der Royal Navy Robert Falcon Scott, der erst kurz zuvor zum Commander befördert worden war.<ref>Savours, The Voyages of the Discovery, S. 9.</ref> Obwohl das Forschungsschiff Discovery nicht zur Royal Navy gehörte, verlangte Scott von der Schiffsmannschaft, den Offizieren und den wissenschaftlichen Expeditionsteilnehmern, sich der in der britischen Kriegsmarine üblichen Disziplin unterzuordnen.<ref>Fiennes, Captain Scott, S. 35.</ref> Shackleton akzeptierte dies, obwohl er seit Schulzeiten militärischen Drill verabscheute und stattdessen einen zwangloseren Führungsstil bevorzugte.<ref>Crane, Scott of the Antarctic, S. 171–172.</ref> Seine Aufgaben waren wie folgt umrissen: „Verantwortlich für die Untersuchung des Meerwassers, die Versorgung der Offiziersmesse, für den Frachtraum, die Lagerbestände und Versorgungsgüter […] ferner für das Unterhaltungsprogramm.“<ref>Fisher: Shackleton. S. 23.</ref>

Nachdem die Discovery am 6. August 1901 von Cowes in See stach, erreichte sie nach Zwischenaufenthalten in Kapstadt und dem neuseeländischen Lyttelton im Januar 1902 den Rand des antarktischen Ross-Schelfeises. Nach Ankerung in einer kleinen Bucht nahm Shackleton am 4. Februar an einem Ballonaufstieg auf der Schelfeistafel teil und machte dabei die ersten Luftaufnahmen in der Antarktis.<ref>Wilson, Diary of the Discovery Expedition, S. 111.</ref> Nach Erreichen des Winterquartiers am McMurdo Sound unternahm er zusammen mit den Wissenschaftsoffizieren Edward Wilson und Hartley Ferrar die erste Schlittenexkursion zur Erkundung einer sicheren Route über das Schelfeis für den geplanten Marsch in Richtung Südpol.<ref>Wilson, Diary of the Discovery Expedition, S. 115–118.</ref> Außerdem fungierte er im Winter 1902, als die Discovery vom Packeis eingeschlossen wurde, als Herausgeber des Expeditionsmagazins The South Polar Times.<ref>Fiennes, Captain Scott, S. 78.</ref> Nach Meinung des Schiffstewards Clarence Hare (1880–1967) war Shackleton durch seine ungezwungene Art „bei der Mannschaft der beliebteste Offizier.“<ref>Huntford, Shackleton, S. 76.</ref> Für die Annahme, Shackleton sei bei der Führung der Männer in Konkurrenz zu Scott getreten, hat es jedoch nie stichhaltige Beweise gegeben.<ref>Fiennes, Captain Scott, S. 83.</ref> Scott wählte Shackleton, um mit ihm und Edward Wilson den Marsch nach Süden über das Ross-Schelfeis zu unternehmen. Der Südpol war dabei nicht das eigentliche Ziel, wenngleich es für Scott von großer Bedeutung war, eine möglichst hohe südliche Breite zu erreichen.<ref group="A">Wilson, Nimrod Illustrated, S. 9. Scott hatte als Ziel eine geographische Breite von mindestens 85°S vorgegeben.</ref> Dass Scotts Wahl auf Shackleton fiel, zeugt einerseits vom großen Vertrauen, das der Expeditionsleiter seinem Dritten Offizier entgegenbrachte,<ref>Fisher: Shackleton. S. 58.</ref> andererseits hätte Scotts Entscheidung wegen der grundverschiedenen Charakterzüge beider Männer nicht schlechter ausfallen können.<ref group="A">Riffenburgh: Nimrod. S. 117: „Eine derart schlechte Wahl hat es nicht mehr gegeben, seit Richard Francis Burton zusammen mit John Hanning Speke zum Tanganjikasee aufbrach.“</ref>

Erster Marsch nach Süden

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Shackleton, Scott und Wilson (v. l. n. r.) beim Aufbruch zum Südpol am 2. November 1902. Auf dem mit Wimpeln geschmückten Transportschlitten hinter den drei Männern ist rechts von Shackleton dessen Familienwappen zu erkennen.

Der Marsch, den Scott später als „eine Verbindung aus Erfolg und Scheitern“<ref>Scott, The Voyage of the Discovery, Band 2, S. 93.</ref> bezeichnete, begann am 2. November 1902. Shackleton, Scott und Wilson erzielten einen neuen Südrekord, als sie am 30. Dezember 82°17′S erreichten und damit die Leistung Carsten Egeberg Borchgrevinks vom 16. Februar 1900 (78°50′S)<ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 153.</ref> überboten.<ref group="A">Crane, Scott of the Antarctic, S. 214–215. Neuerliche Berechnungen auf Grundlage von Shackletons Fotografien und Wilsons Zeichnungen ergaben, dass sie möglicherweise nur 82°11′ erreicht haben.</ref> Ihr Vorwärtskommen wurde durch ihre fehlende Erfahrung im Umgang mit den Schlittenhunden<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 110.</ref> und durch den Umstand, dass zahlreiche Tiere an verdorbenem Futter erkrankten, erheblich behindert.<ref>Crane, Scott of the Antarctic, S. 205.</ref> Alle 22 Hunde starben während des Marsches. Auf dem Rückweg kam es möglicherweise zu Ereignissen, deren Auswirkungen auf das persönliche Verhältnis zwischen Shackleton und Scott noch heute kontrovers diskutiert werden. Unzweifelhaft ist, dass alle drei Männer zunächst an zeitweiliger Schneeblindheit, Erfrierungen und schließlich auch an Skorbut litten. Hiervon besonders betroffen war Shackleton, der zuletzt nicht mehr in der Lage war, beim Ziehen des Transportschlittens mitzuwirken. Nach Scotts späterer Schilderung musste Shackleton sogar über lange Strecken auf dem Schlitten transportiert werden.<ref>Preston, A First Rate Tragedy, S. 65–66.</ref> Shackleton widersprach dieser Darstellung<ref name="Hu143">Huntford, Shackleton, S. 143–144.</ref> und wurde hierbei durch die Tagebucheintragungen Edward Wilsons bestätigt.<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 156. Zitiertes Originaldokument: SPRI MS 232/2.</ref>

Am 4. Februar 1903 erreichten die drei Männer schließlich ihr Basislager auf der Hut-Point-Halbinsel. Nach einer Untersuchung Shackletons durch den Expeditionsarzt Reginald Koettlitz (1861–1916), die ohne eindeutigen Befund blieb, entschied Scott, Shackleton auf dem Schiff Morning, das als Entsatz für die Discovery seit Januar 1903 im McMurdo Sound vor Anker lag, nach Hause zu schicken. Scott schrieb: „In seinem gegenwärtigen Gesundheitszustand sollte er [Shackleton] kein weiteres Risiko der Mühsal eingehen.“<ref>Scott, The Voyage of the Discovery, Band 2, S. 127–128.</ref> Möglicherweise war Scotts eigentliches Motiv einerseits sein Ärger über Shackletons Beliebtheit bei anderen Expeditionsteilnehmern, so dass er Shackletons zweifelhaften Gesundheitszustand als willkommene Gelegenheit sah, einen lästigen Rivalen loszuwerden.<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 105.</ref><ref>Huntford, Shackleton, S. 114–118.</ref> Andererseits schildert die Scott-Biografin Diana Preston, Shackleton habe sich mit seiner „Neigung, Dinge zu hinterfragen und der Obrigkeit Widerstand zu leisten“, der Disziplin widersetzt, die für Scott von großer Bedeutung gewesen war.<ref>Preston, A first rate Tragedy, 1997, S. 68:{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)”</ref> Jahre später, als die „drei Polarritter“<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 118. Zitiertes Originaldokument: Louis Bernacchi, Tagebucheintrag vom 6. November 1902, SPRI MS 353/3.</ref> bereits nicht mehr lebten, behauptete Scotts stellvertretender Expeditionsleiter Albert Armitage, Shackleton habe ihm anvertraut, dass es zwischen diesem und Scott auf dem Weg nach Süden zum handfesten Streit gekommen sei.<ref group="A">Riffenburgh: Nimrod. S. 123: Nach Aussage von Albert Armitage (Notiz an Hugh Robert Mill vom 24. Mai 1924) habe Shackleton ihm anvertraut, dass Scott diesen eines Morgens als „Idiot“ beschimpft habe. Daraufhin habe Shackleton geantwortet:„Na gut, Du bist der blödeste Idiot von allen, und jedes Mal, wenn Du es wagst, so mit mir zu sprechen, bekommst Du es zurück.“ Zitiertes Originaldokument: SPRI MS 367/1.</ref> Ferner habe laut Armitage Scott dem Expeditionsarzt gedroht: „Wenn er [Shackleton] nicht krank nach Hause fährt, wird er unehrenhaft entlassen.“<ref>Preston, A First Rate Tragedy, S. 68. Zitiertes Originaldokument: Albert Armitage in einer Notiz an Hugh Robert Mill vom 24. Mai 1924, SPRI MS 367/1.</ref> Für Armitages Behauptung finden sich jedoch keine weiteren Belege. Shackleton seinerseits verhielt sich loyal zu Scott, bis dieser ihn in dessen Buch The Voyage of the Discovery von 1905 mehrfach herablassend als „unser Invalide“ bezeichnete.<ref>Scott, The Voyage of the Discovery, Band 2, S. 85 und S. 90.</ref> Beide Polarforscher behandelten sich zwar in der Öffentlichkeit mit Respekt und Höflichkeit<ref>Crane, Scott of the Antarctic, S. 310.</ref>, doch gemäß seinem Biographen Roland Huntford war Shackletons Haltung zu Scott seither geprägt von Verachtung und Abneigung. Sein verletzter Stolz habe danach verlangt, „in die Antarktis zurückzukehren und Scott zu übertreffen.“<ref name="Hu143" />

Rückkehr ins Zivilleben (1903–1907)

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Shackletons Frau Emily mit den Kindern Cecily, Edward und Raymond (v. l. n. r.)

Shackleton verließ die Antarktis an Bord der Morning am 2. März 1903. Zuvor hatte er noch vergeblich versucht, seinen Untergebenen Charles Reginald Ford (1880–1972) an seiner Stelle zur Heimkehr zu bewegen, um dessen Posten als Zahlmeister an Bord der Discovery übernehmen zu können.<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 126. Zitiertes Originaldokument: Charles Reginald Ford in einem Brief an die Autorin Margery Fisher (1913–1992) vom 12. Januar 1956, SPRI MS 1456/78.</ref> Nach einem kurzen Erholungsurlaub in Neuseeland fuhr er nach Zwischenaufenthalten in San Francisco und New York zurück nach England, wo er im Juni 1903 eintraf.<ref>Fisher: Shackleton. S. 78–80.</ref> Dort wurde seine Ankunft als erster Rückkehrer der Expedition bereits begierig erwartet. Die Admiralität bedurfte Informationen aus erster Hand, um weitere Vorkehrungen für die Rettung der auf der Ross-Insel vom Eis eingeschlossenen Männer zu treffen.<ref>Huntford: Shackleton. S. 119–120.</ref> Mit dem Einverständnis Markhams nahm Shackleton eine befristete Stelle für das Ausrüsten und Beladen des zweiten Rettungsschiffs, der Terra Nova, an, lehnte jedoch das Angebot ab, als Erster Offizier in die Antarktis zurückzukehren. Eine besondere Genugtuung war für ihn aber, dass ein Arzt der Admiralität ihn für diensttauglich erklärt hatte.<ref name="ri130">Riffenburgh: Nimrod. S. 130.</ref> Stattdessen half er bei der Ausstattung der argentinischen Korvette Uruguay zur Rettung der in Not geratenen Männer der Nordenskjöld-Expedition.<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 131.</ref>

Shackletons Versuch, eine dauerhafte Anstellung bei der Royal Navy zu erhalten, scheiterte trotz der Fürsprache Markhams und William Huggins, des Präsidenten der Royal Society.<ref name="ri130" />

Im Herbst 1903 arbeitete Shackleton als Journalist und Mitherausgeber des 1898 vom Verleger Sir Arthur Pearson (1866–1921) gegründeten Royal Magazine, beendete diese ihn nicht ausfüllende Tätigkeit jedoch schon nach wenigen Wochen.<ref>Mill: The Life of Sir Ernest Shackleton. S. 84.</ref> Nach einer Vortragsreise zur Discovery-Expedition nach Dundee und Aberdeen wurde ihm mit Unterstützung seines Freundes Hugh Robert Mill (1861–1950)<ref name="fi26" group="A">Fisher: Shackleton. S. 26: Shackleton und Mill lernten sich bei der Discovery-Expedition kennen und schätzen. Mill unterstützte als Ozeanograph und Meteorologe die vorbereitenden Arbeiten für das wissenschaftliche Programm der Expedition und unterwies Shackleton in die Untersuchung von Meerwasser. Als die Discovery Madeira erreichte, war Mills Aufgabe erfüllt, und er kehrte nach England zurück.</ref> die seit kurzem vakante Stelle des Sekretärs und Schatzmeisters der Royal Scottish Geographical Society (RSGS) angeboten, die er am 14. Januar 1904 antrat.<ref>Huntford: Shackleton. S. 124–128.</ref> Durch die Heirat am 9. April desselben Jahres mit Emily Dorman (1868–1936), die er bereits seit 1897 kannte, stellte sich auch privates Glück ein. Im Februar 1905 kam Shackletons erster Sohn Raymond (1905–1960) zur Welt, und im Dezember 1906 wurde seine einzige Tochter Cecily (1906–1957) geboren.<ref>Mill: The Life of Sir Ernest Shackleton. S. 87, S. 91 und S. 93.</ref>

Im Februar 1906 ließ sich der in geschäftlichen Dingen völlig unerfahrene Shackleton auf ein dubioses Spekulationsgeschäft für den Transport russischer Truppen von Wladiwostok zur Ostsee ein, das jedoch nicht zustande kam.<ref>Fisher: Shackleton. S. 97–98.</ref> Darüber hinaus versuchte er erfolglos, bei den Unterhauswahlen 1906 als Kandidat der Liberalen Unionisten in Dundee in der Politik Fuß zu fassen.<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 136–142.</ref> Schließlich machte ihn der Industrielle William Beardmore zum Sekretär einer Kommission, die sich mit der Konstruktion neuer Gasmotoren beschäftigte. Seine Aufgabe bestand darin, Beardmores Kunden zu umgarnen und seine Berufskollegen in London und Glasgow bei Laune zu halten.<ref>Fisher: Shackleton. S. 99.</ref><ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 143.</ref>

Trotz dieser finanziell gesicherten Anstellung machte Shackleton keinen Hehl aus seinem Ehrgeiz, als Leiter einer eigenen Expedition in die Antarktis zurückzukehren. Beardmore war bereit, ihn bei dieser Unternehmung mit einer Bürgschaft in Höhe von £ 7000 (inflationsbereinigt etwa 1.153.000 Euro)<ref name="money">Umrechnung mit Hilfe von Vorlage:Inflation und Vorlage:Wechselkurs.</ref> zu unterstützen.<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 148–149.</ref> Weitere Investoren blieben allerdings vorerst aus. Dennoch wagte es Shackleton, im Februar 1907 seine Pläne der Royal Geographical Society zu präsentieren. Eine detaillierte Veröffentlichung folgte kurz danach im Geographical Journal.<ref>Mill: The Life of Sir Ernest Shackleton. S. 105.</ref><ref>Ernest Shackleton (1907): A new british antarctic expedition. Geographical Journal 29 (3), S. 329–333 (abgerufen am 17. Februar 2011).</ref>

Nimrod-Expedition (1907–1909)

Datei:Ernest Shackleton.jpg
„Der Boss“ Ernest Shackleton am Cape Royds im Februar 1908

Shackletons erste eigene Forschungsreise firmierte unter dem Namen British Antarctic Expedition. Aus wissenschaftlicher Sicht wurde sie zu seiner bedeutendsten Unternehmung. Nie zuvor wurde ein größeres Gebiet des bisher unbekannten antarktischen Festlands erschlossen. Fehlerhafte kartographische Vermessungen der Discovery-Expedition<ref group="A">Crane, Scott of the Antarctic, S. 392–393: Scott selbst bezeichnete die Arbeiten seines leitenden Geographen Charles Royds (1876–1931) als „grauenhaft und schlampig“.</ref> wurden dabei korrigiert. Shackletons leitender Biologe James Murray führte die erste umfassende Studie zu den antarktischen Süßwasserprotozoen und niederen Mehrzellern durch.<ref group="A">Die Ergebnisse der zoologischen Forschungsarbeiten wurden in folgendem Werk zusammengetragen: James Murray: Reports of the Scientific Investigations – Britisch Antarctic Expedition 1907–9, William Heinemann, London 1910, Vol. I und Vol. II.</ref>

Von Beginn an hatte Shackleton mit großen Finanzierungsproblemen zu kämpfen, da zunächst weder die Royal Geographical Society noch die britische Regierung Geld zur Verfügung stellten. Er bemühte sich nach Kräften, neben Beardmore weitere Sponsoren aus seinem wohlhabenden Freundes- und Bekanntenkreis zu finden. Zu ihnen gehörte unter anderen der erst 20-jährige Sir Philip Brocklehurst, der sich seine Teilnahme an der Expedition durch eine Spende von £ 2000 (inflationsbereinigt etwa 330.000 Euro)<ref name="money" /> erkaufte.<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 175–176.</ref>

Als hauptsächliche Ziele der Reise hatte Shackleton das Erreichen des geographischen und des antarktischen magnetischen Südpols ausgegeben.<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 144.</ref> Wenige Wochen bevor das Expeditionsschiff Nimrod im August 1907 von Cowes zur Fahrt nach Neuseeland aufbrach, trotzte Robert Falcon Scott seinem ehemaligen Untergebenen das Versprechen ab, sich vom McMurdo Sound fernzuhalten, da Scott diese Region für sich als hoheitliches Operationsgebiet für eine weitere eigene Antarktisexpedition beanspruchte. Shackleton erklärte sich widerwillig bereit, sein Winterquartier entweder am Barrier Inlet oder auf der Edward-VII-Halbinsel zu suchen.<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 161. Zitiertes Originaldokument: Brief von Ernest Shackleton an Robert Falcon Scott vom 17. Mai 1907, SPRI MS 1537/2/15/21.</ref>

Am Neujahrstag 1908 verließ die Nimrod den Hafen von Lyttelton. Um Kohle zu sparen, wurde das Schiff durch den Dampfer Koonya bis zum südlichen Polarkreis geschleppt. Shackleton hatte die Eignergesellschaft der Koonya und die neuseeländische Regierung dazu überreden können, die dafür anfallenden Kosten zu übernehmen.<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 197.</ref>

Am 23. Januar kam die Schelfeisbarriere in Sicht. Gemäß der Vereinbarung mit Scott steuerte die Nimrod den östlichen Abschnitt der Barriere an. Shackleton musste feststellen, dass sich das Barrier Inlet seit den Zeiten der Discovery-Expedition zu einer großen Bucht geweitet hatte, die wegen der dort gesichteten großen Anzahl an Walen Bay of Whales getauft wurde.<ref>Shackleton, The Heart of the Antarctic, S. 47.</ref> Aufgrund der angetroffenen instabilen Eisverhältnisse in der Bucht schloss Shackleton die Errichtung des Winterquartiers auf der Schelfeistafel aus. Nachdem auch der Vorstoß zur Edward-VII-Halbinsel durch Treibeismassen verhindert wurde, entschied er sich, entgegen der Vereinbarung mit Scott nun doch zum McMurdo Sound zu fahren. Auch wenn nicht alle Expeditionsteilnehmer der gleichen Meinung waren, so entsprang diese Entscheidung, der späteren Darstellung des Zweiten Offiziers Arthur Edward Harbord folgend, „nur dem gesunden Menschenverstand.“<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 210. Zitiertes Originaldokument: Arthur Harbord im Gespräch mit James Fisher am 9. Juni 1956, SPRI MS 1456/70.</ref> Scott dagegen sah sich von Shackleton getäuscht und beschimpfte ihn als „berufsmäßigen Lügner“.<ref>Huntford, Shackleton, S. 304. Zitiert aus einem Brief von Robert Falcon Scott an John Scott Keltie (1840–1927), leitender Geograph der RGS, vom 28. März 1908.</ref>

Der McMurdo Sound wurde am 29. Januar 1908 erreicht, doch entgegen der eigentlichen Planung konnte die Nimrod wegen dichten Packeises nicht bis zur alten Basis der Discovery-Expedition auf der Hut-Point-Halbinsel vordringen. Stattdessen wurde das Winterquartier weiter nördlich am Cape Royds auf der Westseite der Ross-Insel errichtet.<ref>Shackleton, The Heart of the Antarctic, S. 52–56.</ref> Trotz widriger Bedingungen war die Stimmung unter den Expeditionsteilnehmern sehr gut. Dies lag nicht zuletzt an Shackletons Umgang mit den Männern. Philip Brocklehurst offenbarte viele Jahre später, dass Shackleton die Fähigkeit besaß, „jeden Expeditionsteilnehmer seine Wertschätzung spüren zu lassen. Er sorgte dafür, dass wir uns wichtiger fühlten, als wir eigentlich sein konnten.“<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 248. Zitiertes Originaldokument: Philip Brocklehurst im Gespräch mit James Fisher vom 16. Dezember 1955, SPRI MS 1456/95.</ref>

Zweiter Marsch nach Süden

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Shackleton nach dem gescheiterten Marsch zum Südpol an Bord der Nimrod (März 1909)

„Die große Reise nach Süden“<ref>Mills, Frank Wild, S. 72.</ref>, wie Frank Wild den „Angriff“ auf den Südpol bezeichnete, begann am 29. Oktober 1908. Am 9. Januar 1909 erreichten Shackleton, Wild, Jameson Adams und Eric Marshall nach einem mühsamen und gefahrvollen Marsch eine südliche Breite von 88°23′S und stellten damit einen neuen Rekord in der größten Annäherung an einen der beiden geographischen Erdpole auf. Der Südpol war nur noch 180 km von ihnen entfernt, doch schlechte Wetterverhältnisse, schwindende Vorräte, mangelhafte Ausrüstung und zunehmende Erschöpfung machten ein weiteres Vorwärtskommen unmöglich. Shackleton notierte enttäuscht: „Wir haben unser Möglichstes getan. Haben den südlichen Rekord um 366 Meilen und den nördlichen um 77 übertroffen. […] und doch ist das alles nicht der Pol.“<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 306–307. Zitiertes Originaldokument: Eintrag in Ernest Shackletons Expeditionstagebuch vom 9. Januar 1909, SPRI MS 1537/3/6.</ref>

Auf dem Hinweg hatten die vier Männer als erste das Ross-Schelfeis in voller Länge durchquert, den Beardmore-Gletscher entdeckt und waren über diesen als erste auf das zentrale Polarplateau vorgedrungen.<ref>Mills, Frank Wild, S. 82–90.</ref> Der Rückweg zum McMurdo Sound, auf dem sie gezwungenermaßen größtenteils auf halbe Ration gesetzt waren,<ref group="A">Markham, The Lands of Silence, S. 479: Nach Meinung Markhams war der von Shackleton kalkulierte Bedarf an Lebensmitteln von vornherein „zweifellos in der Menge unzureichend.“</ref> wurde zum Wettlauf gegen die Zeit und den Hunger. Am 30. Januar überließ Shackleton dem an Ruhr erkrankten Wild einen eigentlich ihm zugedachten Keks; eine Geste, zu der Wild bemerkte: „Ich nehme an, niemand sonst auf der Welt kann wirklich ermessen, welche Großzügigkeit und Sympathie darin zum Ausdruck kam; ich weiß es, und Gott ist mein Zeuge, dass ich es nie vergessen werde. Mit keinem Geld der Welt hätte man diesen einen Keks kaufen können.“<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 336. Zitiertes Originaldokument: Eintrag in Frank Wilds Expeditionstagebuch vom 31. Januar 1909, SPRI MS 944/1.</ref> Die vier Männer erreichten die Hut-Point-Halbinsel Anfang März 1909 gerade noch rechtzeitig, um von der Nimrod aufgenommen zu werden.

Neben dem Südrekord zählte die erstmalige Gipfelbesteigung des Vulkans Mount Erebus zwischen dem 5. und 11. März 1908 zu den Erfolgen der Expedition.<ref>Riffenburgh, Nimrod, S. 233–238.</ref> Darüber hinaus erreichten die Australier Edgeworth David und Douglas Mawson zusammen mit dem schottischen Arzt Alistair Mackay am 16. Januar 1909 als erste den antarktischen magnetischen Pol bei 72°15′S, 155°16′O im nordöstlichen Viktorialand.<ref>Riffenburgh, Nimrod, S. 321. Zitiertes Originaldokument: Tannat William Edgeworth David, Narrative, in Ernest Henry Shackletons The Heart of the Antarctic, S. 309–311.</ref>

Nach Beendigung der Expedition wurde Shackleton in Großbritannien als Held gefeiert. Die Erlebnisse während dieser Reise veröffentlichte er in dem Buch The Heart of the Antarctic. Seine Frau Emily berichtete später: „Die einzige Erklärung, die er [Shackleton] mir zum Nichterreichen des Südpols gab, war: ‚Ein lebendiger Esel ist besser als ein toter Löwe, nicht wahr?‘, und ich antwortete: ‚Natürlich, Liebling, soweit es mich betrifft.‘“<ref>Huntford, Shackleton, S. 300.</ref>

Zeit nach der Nimrod-Expedition (1909–1914)

Verehrung durch die Öffentlichkeit

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Veranstaltungsplakat zu einem von Shackletons öffentlichen Vorträgen

Nach seiner Rückkehr von der Nimrod-Expedition wurden Shackleton hohe Ehren zuteil. König Edward VII. ernannte ihn am 12. Juli 1909 zum Commander of the Royal Victorian Order und schlug ihn am 13. Dezember desselben Jahres zum Ritter (Knight Bachelor).<ref>Fisher: Shackleton. S. 272.</ref><ref> London Gazette. Nr. 28321, HMSO, London, 24. Dezember 1909, S. 9763 (Digitalisat, abgerufen am 1. Oktober 2013, englisch).</ref> Die Royal Geographical Society verlieh ihm die Polarmedaille in Gold,<ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 168.</ref> jedoch mit dem zuvor herabwürdigenden Hinweis an den Hersteller: „Wir stellen anheim, die Medaille nicht so groß zu machen wie jene, die Capt. Scott verliehen wurde.“<ref>Fisher: Shackleton. S. 251. Zitiert aus dem Brief von John Scott Keltie an Cuthbert Bayes (Hersteller der Medaille) vom 19. April 1909.</ref> Clements Markham hatte seinen Einfluss bei der Gelehrtengesellschaft geltend gemacht, um Shackleton für dessen gebrochenes Versprechen gegenüber seinem Protegé Scott abzustrafen. Weitere Expeditionsteilnehmer wurden mit einer silbernen Ausführung der Medaille geehrt.<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 379.</ref> Auf besondere Empfehlung des Prince of Wales wurde Shackleton zum „Younger Brother“ der britischen Gesellschaft für Seefahrt und Meereskunde Trinity House ernannt.<ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 161.</ref> Auch im Kreis anderer Polarforscher wie Fridtjof Nansen und Roald Amundsen wurde seinen Errungenschaften Respekt und Anerkennung gezollt. Amundsen schrieb überschwänglich: „Die englische Nation hat durch Shackletons Tat in der Antarktisforschung einen Sieg errungen, der nie mehr übertroffen werden kann.“<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 395. Zitiertes Originaldokument: Brief von Roald Amundsen an John Scott Keltie vom 25. März 1909, SPRI MS 1456/16.</ref>

Abseits der offiziellen Auszeichnungen wurden Shackletons Leistungen von der britischen Öffentlichkeit mit großer Begeisterung aufgenommen. Während des gesamten Sommers 1909 wurde er gefeiert und geehrt, um Vorträge gebeten, zum Essen, Abendgesellschaften und Empfängen eingeladen. Seine Popularität untermauerte er durch sein bescheidenes Auftreten, denn er war ständig bemüht, die Leistungen der anderen Teilnehmer seiner Expedition hervorzuheben.<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 376.</ref> Verschiedene Einzelpersonen und Gruppen versuchten, ihn missbräuchlich als Sprachrohr für ihre Interessen zu vereinnahmen. Dies galt in gewisser Hinsicht auch für die irische Presse. Der in Dublin erscheinende Evening Telegraph titelte: „South Pole Almost Reached By An Irishman“, und auch der Dublin Express schrieb Shackletons Erfolge dessen irischem Erbe zu.<ref>Huntford, Shackleton, S. 298–299.</ref>

Sehr viel nüchterner fiel dagegen die kaufmännische Bilanz seiner Expedition aus. Die Kosten der Reise betrugen £ 45.000 (inflationsbereinigt etwa 7,31 Mio. Euro)<ref name="money" />, und Shackleton war nicht in der Lage, ausstehende Darlehen und Bürgschaften zurückzuzahlen. Die britische Regierung bewahrte ihn durch einen öffentlichen Zuschuss in Höhe von £ 20.000 (inflationsbereinigt etwa 3,25 Mio. Euro)<ref name="money" /> vor dem unmittelbaren finanziellen Ruin. Es ist jedoch wahrscheinlich, dass zudem ein Teil seiner Schulden zunächst gestundet und schließlich nicht mehr eingefordert wurde.<ref>Huntford, Shackleton, S. 314–315.</ref>

Unternehmerische Tätigkeiten und neue Herausforderungen

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Sir Ernest Shackleton mit seinem dreijährigen Sohn Edward im Jahr 1914

Ab 1910 unternahm Shackleton ausgedehnte Vortragsreisen, absolvierte öffentliche Auftritte und stellte seinen guten Ruf in den Dienst sozialer Projekte. Darüber hinaus versuchte er sich erneut als Geschäftsmann, indem er sich zum Beispiel an einer Tabakfirma<ref>Huntford, Shackleton, S. 351–352.</ref> und am Verkauf von Sammelbriefmarken mit dem Aufdruck „King Edward VII Land“ in Erinnerung an ein während der Nimrod-Expedition mit Hilfe der neuseeländischen Post im Winterquartier eingerichtetes Postamt beteiligte.<ref>Huntford, Shackleton, S. 312.</ref> Außerdem hoffte er auf Gewinne aus einer Beteiligungskonzession an einer Goldmine in Ungarn.<ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 184.</ref> Keine dieser Unternehmungen war ertragreich. Den Lebensunterhalt für seine Familie, die sich durch die Geburt seines zweiten Sohnes Edward im Juli 1911 vergrößerte, bestritt er hauptsächlich durch bezahlte Vorträge. Inzwischen wohnte er mit seiner Frau und den drei Kindern in Sheringham. Die Idee, eine weitere Expedition in die Antarktis zu leiten, hatte Shackleton in jener Zeit aus verschiedenen Gründen aufgegeben.<ref group="A">Fisher: Shackleton. S. 282: Am 6. Juni 1910 kolportierte der Toronto Star eine Expeditionsreise Shackletons zusammen mit dem kanadischen Generalgouverneur Albert Grey zur Erforschung der Hudson Bay.</ref> Von unschätzbarem Wert für seinen alten Weggefährten Douglas Mawson war dagegen seine Unterstützung bei der Mittelbeschaffung für die Australisch-Ozeanische Antarktisexpedition (1911–1914).<ref>Riffenburgh: Nimrod. S. 393.</ref><ref>Mawson, The Home of the Blizzard, Band 1, S. xv.</ref>

Die Wiederaufnahme seiner Forschertätigkeit hing vor allem von den Ergebnissen der Terra-Nova-Expedition (1910–1913) seines Kontrahenten Robert Falcon Scott ab.<ref group="A">Fisher: Shackleton. S. 278–279: An Bord der Lusitania auf dem Weg nach New York äußerte Shackleton im März 1910 gegenüber Reportern die Hoffnung, bereits 1911 mit einer weiteren Expedition beginnen zu können.</ref> Dessen Expeditionsschiff war im Juli 1910 in Cardiff in See gestochen. Im Frühjahr 1912 erreichte die Welt die Nachricht, dass Roald Amundsen den Südpol erobert hatte. Scotts tragisches Schicksal war zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt. Shackleton wandte sich einem Projekt zu, das ursprünglich der schottische Antarktisforscher William Speirs Bruce geplant hatte, mangels finanzieller Unterstützung jedoch wieder aufgab: Eine transkontinentale Antarktisdurchquerung von der Küste des Weddell-Meeres über den Südpol hinweg bis zum McMurdo Sound. Bruce zeigte sich erfreut darüber, dass Shackleton seine Pläne übernahm, die sich in zentralen Punkten mit der vom deutschen Forschungsreisenden Wilhelm Filchner im Mai 1911 gestarteten Expedition überschnitten.<ref>Huntford, Shackleton, S. 367.</ref> Im Dezember 1912 erhielt Shackleton die Nachricht, dass Filchner mit seiner Reise gescheitert war. Hierdurch war für ihn der Weg frei für die „letzte große Herausforderung der Antarktisreisen“.<ref>Shackleton, South, S. vii.</ref>

Endurance-Expedition (1914–1917)

Datei:South - the story of Shackleton's last expedition, 1914-1917 - The Leader (cropped).jpg
Shackleton an Bord der Endurance (fotografiert von Frank Hurley)

Shackleton betitelte seinen neuerlichen Anlauf zum Südpol selbstbewusst mit Imperial Trans-Antarctic Expedition.<ref group="A">David Sanderson, Nicholas May: How a letter to The Times helped launch Shackleton’s ill-fated Antarctic expedition. in: The Times vom 29. Dezember 1913, S. 6 (abgerufen am 21. Dezember 2010): „Ich habe mir die Freiheit genommen, die Expedition ‚The Imperial Trans-Antarctic Expedition‘ zu benennen, weil ich fühle, dass nicht allein die Menschen dieser [britischen] Inseln, sondern unsere Angehörigen in allen Ländern unter dem Union Jack bereit sind, die Durchführung des gesamten Forschungsprogramms, dem meine Kameraden und ich selbst verpflichtet sind, zu unterstützen.“</ref> Seine Absichten hatte er am 29. Dezember 1913 in einem Brief an die London Times offengelegt.<ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 195.</ref> Vorgesehen waren zwei getrennt voneinander vorgehende Mannschaften. Die erste (die sogenannte Weddell Sea Party) unter der Führung Shackletons sollte mit dem Expeditionsschiff Endurance durch das Weddell-Meer bis zur Vahsel-Bucht (77° 49′ S, 35° 7′ W

 {{#coordinates:−77,816666666667|−35,116666666667|
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  }}) am Rand des Filchner-Ronne-Schelfeises vordringen, von wo aus ein sechsköpfiges Team zur Durchquerung der Antarktis aufbrechen sollte. Die zweite unter der Leitung von Aeneas Mackintosh sollte mit einem weiteren Schiff, der Aurora, zum McMurdo Sound fahren. Der Auftrag dieser Mannschaft (der sogenannten Ross Sea Party) lautete, über die Länge des Ross-Schelfeises und möglichst bis zur Mündung des Beardmore-Gletschers Depots mit Nahrungsmitteln und Brennstoff anzulegen, die es den von der Vahsel-Bucht kommenden Männern ermöglichen sollte, die Durchquerung des antarktischen Kontinents über eine Gesamtstrecke von etwa 2800 km zu komplettieren.<ref>Shackleton, South, S. vii–xv.</ref>

Anders als bei der Nimrod-Expedition fiel Shackleton das Anwerben von Sponsoren nun verhältnismäßig leicht. Der schottische Unternehmer James Caird (1837–1916) und weitere vermögende Geschäftsleute steuerten Beträge in fünfstelliger Höhe bei.<ref>Huntford, Shackleton, S. 375–377.</ref> Auch die britische Regierung beteiligte sich mit £ 10.000 (inflationsbereinigt etwa 1,53 Mio. Euro)<ref name="money" />.<ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 198.</ref> Trotz der finanziellen Zuwendungen war auch diese Expedition erneut unterfinanziert, womit insbesondere Aeneas Mackintosh bei der Organisation der Ross Sea Party zu kämpfen hatte.<ref group="A">Fisher: Shackleton. S. 306 und 316: Die Daily Mail bezifferte in ihrer Ausgabe vom 10. Januar 1920 die Gesamtkosten auf etwa £ 80.000 (inflationsbereinigt etwa 5,01 Mio. Euro). Mackintosh war gezwungen, in Australien weitere Investoren anzuwerben, um das Expeditionsschiff Aurora ausrüsten zu können.</ref> Das öffentliche Interesse war enorm. Shackleton erhielt mehr als 5000 Bewerbungen für die Teilnahme an der Expedition.<ref>Fisher: Shackleton. S. 308.</ref> Seine Auswahlkriterien waren mitunter exzentrisch. Im Glauben, dass Charakter und Temperament wichtiger seien als technische Fähigkeiten,<ref>Huntford, Shackleton, S. 386.</ref> stellte er seinen Bewerbern häufig überraschende Fragen. Vom Physiker Reginald James (1891–1964) wollte er beispielsweise wissen, ob dieser singen könne. Bei anderen entschied er sich kurzentschlossen nach dem ersten Eindruck.<ref>Fisher: Shackleton. S. 312.</ref> Außerdem erwartete er von jedem Expeditionsteilnehmer unabhängig von dessen eigentlicher Aufgabe, auch niedere Arbeiten wie das Deckschrubben zu übernehmen.<ref>Alexander, Endurance, S. 16.</ref>

Am 3. August 1914 trat Großbritannien in den Ersten Weltkrieg ein. Shackleton stellte daraufhin sein Expeditionsschiff Endurance samt Ausrüstung und Mannschaft der britischen Admiralität zur Verfügung. Deren damaliger Erster Lord Winston Churchill gab jedoch die Order aus, die Vorbereitungen zur Expeditionsreise fortzusetzen.<ref group="A">Shackleton, South, S. xiv. Shackleton erhielt nur eine Stunde nach seinem Angebot ein Telegramm der Admiralität mit einem einzigen Wort: „Weitermachen.“</ref> So lief die Endurance am 8. August mit Kurs Süd aus dem Hafen von Plymouth aus. Shackleton verließ England am 27. September, um in Buenos Aires zur Mannschaft zu stoßen.<ref>Fisher: Shackleton. S. 324–325.</ref>

Untergang der Endurance

Datei:Endurance Final Sinking.jpg
Das sinkende Expeditionsschiff Endurance im November 1915

Die Endurance fuhr am 5. Dezember 1914 von Südgeorgien wie geplant Richtung Süden in das Weddell-Meer. Früher als erwartet stieß man auf Treibeis, welches das weitere Vorwärtskommen behinderte. Am 19. Januar 1915 schließlich war die Endurance südöstlich zur Küste von Prinzregent-Luitpold-Land und in Sichtweite zur Filchner-Ronne-Schelfeistafel komplett von Meereis umschlossen.<ref>Shackleton, South, S. 29–30.</ref> Der Zeitplan für das Erreichen der Vahsel-Bucht war nicht mehr einzuhalten. Shackleton entschied deshalb am 24. Februar, das Schiff für eine Überwinterung vorzubereiten.<ref>Shackleton, South, S. 36.</ref> Während der folgenden Monate driftete die Endurance im Meereis gefangen langsam in nordwestliche Richtung. Als im September das Eis aufzubrechen begann, war der Schiffsrumpf den sich durch die Drift auftürmenden Eismassen ausgesetzt.<ref>Shackleton, South, S. 63–66.</ref> Bis zu diesem Zeitpunkt hatte Shackleton noch immer gehofft, das Schiff käme aus dem Eis frei, um wieder nach Osten in Richtung der Vahsel-Bucht fahren zu können. Am „Schicksalstag“,<ref>Shackleton, South, S. 74.</ref> wie Shackleton den 27. Oktober 1915 später bezeichnete, gab er das Schiff auf. Die Expeditionsteilnehmer verließen die Endurance mit Proviant und Ausrüstung und errichteten auf dem Eis ein Winterquartier (das sogenannte Camp Ocean).<ref>Shackleton, South, S. 75–76.</ref> Am 21. November sank das vom Eis zerdrückte Schiff.<ref>Shackleton, South, S. 99.</ref>

Etwa zwei Monate lang kampierte die Mannschaft auf einer großen Eisscholle in der Hoffnung, durch die Eisdrift zur rund 400 km entfernten Paulet-Insel zu gelangen, auf der es ein von Otto Nordenskjöld hinterlassenes Lager gab.<ref>Shackleton, South, S. 95.</ref> Nachdem mehrere Versuche, die Insel zu Fuß zu erreichen, gescheitert waren, ließ Shackleton im Vertrauen darauf, dass die Eisdrift sie zu sicherem Land bringen würde, auf einer anderen Eisscholle ein weiteres Quartier (das sogenannte Camp Patience) errichten.<ref>Shackleton, South, S. 107.</ref> Am 17. März 1916 waren sie bis auf 97 km an die Pauletinsel herangekommen,<ref>Fisher: Shackleton. S. 366.</ref> doch sie konnten sie aufgrund unüberwindbarer Eismassen nicht erreichen. Am 9. April brach ihre Eisscholle auseinander. Shackleton entschied daraufhin, in den drei mitgeführten Rettungsbooten das nächstgelegene Land anzusteuern.<ref>Shackleton, South, S. 122–123.</ref> Einmal mehr beeindruckte er dabei durch seine Selbstlosigkeit. Er überließ Frank Hurley seine Handschuhe, nachdem dessen eigene bei der Bootsfahrt verlorengegangen waren. Als Konsequenz litt Shackleton unter Erfrierungen an seinen Fingern.<ref>Hurley, Shackleton′s Argonauts, S. 103.</ref> Nach fünf qualvollen Tagen erreichten die 28 völlig erschöpften Männer schließlich Elephant Island. Dies war das erste Mal nach 497 Tagen auf See und Meereis, dass sie wieder festen Boden unter den Füßen hatten.<ref>Heacox, Shackleton – The Antarctic Challenge, S. 136.</ref>

Im Beiboot nach Südgeorgien

Datei:AllSafeAllWell.jpg
Abfahrt von Elephant Island in der James Caird<ref group="A">Murphy u. a., Mit der Endurance in die Antarktis, S. 196–197: Shackleton betitelte in seinem Buch South dieses Foto mit „All safe! All well!“ (siehe S. 242). Wie sich jedoch herausstellte, hatte Frank Hurley diese Nitrozelluloseaufnahme verändert, um die Rettung am 30. August 1916 darzustellen. In Wirklichkeit wurde das Foto am Ostersonntag (24. April 1916) bei der Abfahrt der James Caird gemacht.</ref>

Elephant Island war wenig einladend und lag abseits der bekannten Schiffsrouten. Folglich entschied Shackleton, eine Seereise über 800 Seemeilen (etwa 1500 km) im offenen Boot zu den Walfangstationen in Südgeorgien zu wagen, um Hilfe zu holen.<ref>Shackleton, South, S. 158–160.</ref> Nach Beratungen mit seinem Stellvertreter Frank Wild wählte er das Rettungsboot James Caird, das vom Schiffszimmermann Harry McNish für die Fahrt vorbereitet wurde. Shackleton wurde von Kapitän Frank Worsley, Tom Crean, den Matrosen John Vincent (1879–1941) und Timothy McCarthy (1888–1917) sowie McNish begleitet. Letzterer hatte sich nach dem Untergang der Endurance zeitweilig den Befehlen Shackletons widersetzt. Obwohl Shackleton ihn hierfür später von der Auszeichnung mit der Polar-Medaille ausschloss, wollte er an dieser Stelle nicht auf die Fähigkeiten des eigenwilligen Schotten verzichten.<ref>Huntford, Shackleton, S. 475–476 und S. 656.</ref>

Die Crew der James Caird nahm Verpflegung für maximal vier Wochen mit,<ref>Shackleton, South, S. 164–165.: Genaue Zusammenstellung der Verpflegung.</ref> da Shackleton davon ausging, in dieser Zeit entweder Südgeorgien zu erreichen oder zugrunde zu gehen.<ref>Alexander, Endurance, S. 137.</ref> Am Ostermontag, dem 24. April 1916, stachen die sechs Männer in See. In den folgenden 15 Tagen segelten sie in ihrem kleinen Boot, das ständig Gefahr lief zu kentern, ostwärts durch den aufgepeitschten Südatlantik. Dank Worsleys Navigationskünsten kam die Küste Südgeorgiens am 8. Mai in Sicht, doch eine Anlandung wurde durch Sturm und starken Seegang zunächst verhindert.<ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 226.</ref> Schließlich erreichten sie die King Haakon Bay auf der menschenleeren Südseite der Insel. Nach einigen Tagen der Erholung entschied Shackleton, keinen weiteren Versuch zu wagen, im Boot zu den Walfangstationen im Norden zu gelangen. Stattdessen plante er, eine Querung Südgeorgiens auf einer Route zu riskieren, die nie zuvor begangen worden war.<ref>Huntford, Shackleton, S. 574.</ref> Ohne McNish, Vincent und McCarthy machte er sich mit Crean und Worsley vom Lagerplatz an der Cave Cove<ref>Shackleton, South, S. 182.</ref> auf den Weg, um am 20. Mai 1916 nach 36 Stunden über das zentrale Gebirge die Walfangstation in Stromness zu erreichen.<ref>Worsley, Shackleton's Boat Journey, S. 211–212.</ref>

Der Erste, der den Marsch von Shackleton, Worsley und Crean wiederholte, war im Oktober 1955 der britische Forscher Verner Duncan Carse (1913–2004). In Erinnerung an die Leistung der Erstbegeher schrieb er: „Ich weiß nicht, wie sie es geschafft haben, nur, dass sie es schafften – drei Männer des Heldenzeitalters der Polarforschung mit einem 50 Fuß langen Seil zwischen ihnen – und das Beil des Zimmermanns.“<ref>Fisher: Shackleton. S. 386.</ref>

Rettung der Männer auf Elephant Island

Datei:Elephant island party.jpg
Die auf Elephant Island gestrandeten Expeditionsteilnehmer (es fehlen Frank Hurley und Perce Blackborow)<ref group="A">Murphy u. a., Mit der Endurance in die Antarktis, S. 209: Perce Blackborow (1896–1949) lag mit erfrorenen Zehen in der Schutzhütte. Frank Hurley, der dieses Foto am 10. Mai 1916 machte, nannte es „die bunteste und ungepflegteste Ansammlung, die je auf eine Platte projiziert wurde.“</ref>

Unmittelbar nach der eigenen Rettung sandte Shackleton ein Schiff aus, das McNish, Vincent und McCarthy in der King-Haakon-Bay aufnahm. Währenddessen bemühte er sich um die Organisation zur Rettung der auf Elephant Island gestrandeten Männer. Die ersten drei Anläufe wurden durch schwierige Eisverhältnisse vereitelt. Schließlich wandte er sich an die chilenische Regierung, die ihm den Schlepper Yelcho unter dem Kommando von Luis Pardo zur Verfügung stellte. Die Yelcho erreichte Elephant Island am 30. August 1916 und konnte alle 22 verbliebenen Expeditionsteilnehmer der Weddell Sea Party wohlbehalten an Bord nehmen.<ref>Alexander, Endurance, S. 166–169 und S. 182–195.</ref>

Das Schicksal der Ross Sea Party war weniger glücklich. Die Gruppe um Aeneas Mackintosh war am Cape Evans gestrandet, nachdem das Expeditionsschiff Aurora im Sturm vom Anker losgerissen wurde und abtrieb. Die an Bord verbliebene Mannschaft fuhr nach Neuseeland zurück, da eine Rückkehr zur Ross-Insel wegen einer beschädigten Ruderanlage und aufgrund des einsetzenden Winters nicht möglich war. Im Dezember 1916 ging Shackleton in Neuseeland an Bord, um sich an der Rettung der in der Antarktis verbliebenen Männer zu beteiligen. Trotz großer Entbehrungen hatte die Ross Sea Party ihre Aufgaben beim Anlegen der nun nicht mehr gebrauchten Depots erfüllt. Als die Aurora am 10. Januar 1917 Cape Evans erreichte, musste Shackleton erfahren, dass Mackintosh, Arnold Spencer-Smith und Victor Hayward (1888–1916) dabei ums Leben gekommen waren.<ref>Huntford, Shackleton, S. 634–641.</ref>

Teilnahme am Ersten Weltkrieg und Nachkriegszeit (1917–1920)

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Major Ernest Shackleton

Shackleton kehrte nach Vorträgen über die Endurance-Expedition in Australien und den USA im Mai 1917 nach England zurück. Er litt zu diesem Zeitpunkt bereits an einer Herzschwäche, deren Ursache vermutlich eine körperliche Überanstrengung durch die Strapazen seiner Expeditionen war. Außerdem begann er, sich zunehmend zu betrinken.<ref>Alexander, Endurance, S. 192.</ref><ref>Huntford, Shackleton, S. 653.</ref> Mit inzwischen 43 Jahren war er eigentlich schon zu alt für den Militärdienst. Dennoch folgte er dem Beispiel seiner Kameraden auf der Endurance-Expedition und meldete sich als Kriegsfreiwilliger für den Fronteinsatz in Frankreich.<ref>Huntford, Shackleton, S. 649.</ref> Stattdessen reiste er zunächst im Oktober 1917 im diplomatischen Auftrag des damaligen britischen Informationsministers Edward Carson nach Buenos Aires, um die chilenische und argentinische Regierung zum Kriegseintritt ihrer Länder auf Seiten der Alliierten zu bewegen.<ref>Huntford, Shackleton, S. 658–659.</ref> Von dieser erfolglosen Mission kehrte er im April 1918 zurück.

Im Auftrag der Northern Exploration Company begab er sich danach auf eine Reise zur Erkundung der Bergbaubedingungen auf Spitzbergen. Hinter dieser Scheinfirma verbarg sich das Kriegsministerium, das mit Shackletons Hilfe beabsichtigte, auf den staatenlosen, aber vom neutralen Norwegen beanspruchten Inseln eine Militärbasis zu errichten.<ref>Huntford, Shackleton, S. 661–663.</ref> Auf dem Weg dorthin erkrankte Shackleton in Tromsø, vermutlich an einem leichten Herzinfarkt. Jedenfalls zwang ihn die Erkrankung zur Rückkehr nach England, wo er im Juli 1918 in den temporären Rang eines Majors befördert<ref> London Gazette (Supplement). Nr. 30920, HMSO, London, 24. September 1918, S. 11408 (Digitalisat, englisch).</ref> und Ende August 1918 zu den britischen Interventionstruppen in Nordrussland geschickt wurde, die sich seit dem Juni 1918 auf Seiten der Weißen am Russischen Bürgerkrieg beteiligten. Er war verantwortlich für die Arktisausrüstung und den Materialtransport nach Murmansk.<ref>Frank Worsley: Endurance. An Epic of Polar Adventure. Geoffrey Bles, London 1939, S. 230 ff. (englisch).</ref> Mit dem Waffenstillstand von Compiègne endete der Erste Weltkrieg am 11. November 1918 de facto. Shackleton kehrte im März 1919 nach Hause zurück. Er plante eine Fortsetzung seiner Aktivitäten in Nordrussland, diesmal zur wirtschaftlichen Förderung der Region. Zu diesem Zweck begab er sich auf die Suche nach weiteren Investoren, doch alle Planungen kamen nach dem militärischen Sieg der Bolschewiki zum Erliegen.<ref>Huntford, Shackleton, S. 671–672.</ref> Shackleton begab sich daraufhin erneut auf Vortragsreisen, und im Dezember 1919 wurde sein Buch zur Endurance-Expedition mit dem Titel South veröffentlicht.<ref>Fisher: Shackleton. S. 439–440.</ref> Für seine militärischen Verdienste in Nordrussland wurde Shackleton als Officer des Order of the British Empire ausgezeichnet.<ref name="mi292">Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 292.</ref>

Quest-Expedition und Tod (1920–1922)

Siehe Hauptartikel: Quest-Expedition und deren Mannschaftsliste

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Shackletons Grab in Grytviken (Südgeorgien)

Im Laufe des Jahres 1920 begann Shackleton, zunehmend ermüdet von seiner Vortragstätigkeit, die Möglichkeiten zu einer dritten eigenen Expedition auszuloten. Er dachte ernsthaft über eine Unternehmung in die damals noch weitgehend unerforschte Beaufortsee nach und weckte hierfür auch das Interesse der kanadischen Regierung.<ref name="fi441–446">Fisher,Shackleton, S. 441–446.</ref> Mit Geld, das ihm sein Schulfreund John Quiller Rowett (1874–1924) zur Verfügung stellte, kaufte er den norwegischen Robbenfänger Foca I, den er in Quest umbenannte.<ref name="fi441–446" /> Aus Gründen, die er nicht öffentlich machte, änderte Shackleton seine Absicht, in die Arktis zu reisen, und plante stattdessen eine „ozeanographische und sub-antarktische Expedition“.<ref name="fi441–446" /> Der genaue Zweck dieser Reise blieb verborgen. Shackleton nannte die Umrundung des antarktischen Kontinents und die Suche nach „verschollenen“ sub-antarktischen Inseln als Ziele.<ref name="hu684">Huntford, Shackleton, S. 684.</ref> Rowett erklärte sich bereit, die gesamte Expedition zu finanzieren, die seither offiziell als Shackleton-Rowett Expedition bezeichnet wurde und England am 24. September 1921 verließ.<ref name="hu684" />

Shackleton hatte einigen seiner früheren Begleiter der Nimrod- und Endurance-Expeditionen die versprochenen Prämien nicht ausbezahlt. Dennoch hielten viele von ihnen ihrem „Boss“, wie sie Shackleton nannten, die Treue und nahmen auch an dieser Reise teil.<ref name="hu684" /> Als das Expeditionsschiff Rio de Janeiro erreichte, erlitt Shackleton vermutlich einen Herzinfarkt.<ref>Huntford, Shackleton, S. 687.</ref> Er verweigerte eine eingehende medizinische Untersuchung und Behandlung, so dass die Quest ihre Fahrt fortsetzte und am 4. Januar 1922 in den Hafen von Grytviken (Südgeorgien) einlief. In der Nacht rief Shackleton den Schiffsarzt Alexander Macklin (1889–1967) zu sich, weil er sich unwohl fühlte und an Rückenschmerzen litt.<ref>Fisher: Shackleton. S. 476–478.</ref> Nach Macklins eigener Darstellung habe er Shackleton gesagt, dieser sei überarbeitet und solle ein geregelteres Leben führen. Shackleton habe ihn gefragt: „Sie wollen immer, dass ich Dinge aufgebe. Was sollte ich denn aufgeben?“, woraufhin Macklin antwortete: „Hauptsächlich den Alkohol, Boss.“ Nur kurze Zeit später, etwa gegen 3:30 Uhr<ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 277.</ref> (nach anderer Überlieferung um 2:50 Uhr<ref>Wild, Shackleton's Last Voyage, S. 65.</ref>) am Morgen des 5. Januar 1922, erlitt Shackleton einen tödlichen Herzinfarkt.

Macklin stellte bei der Autopsie des Leichnams als Todesursache eine Arteriosklerose in den Koronargefäßen fest, die sich durch Shackletons angegriffenen Allgemeinzustand verschlimmert habe.<ref name="al193">Alexander, Endurance, S. 193.</ref> Leonard Hussey, wie Macklin ein Veteran der Endurance-Expedition, erklärte sich bereit, die Überführung des Leichnams nach Großbritannien zu begleiten. In Montevideo erreichte ihn die Nachricht von Shackletons Frau Emily, man möge ihren Mann in Südgeorgien bestatten. Hussey kehrte mit dem Sarg auf dem Dampfer Woodville<ref name="al193" /> nach Grytviken zurück, wo Shackleton am 5. März nach einer kurzen Andacht in der örtlichen lutherischen Kirche auf dem benachbarten Friedhof beigesetzt wurde.<ref name="fi481–483">Fisher: Shackleton. S. 481–483.</ref><ref>Wild, Shackleton's Last Voyage, S. 176.</ref> In Macklins Tagebuch findet sich am 4. Mai 1922 der Eintrag: „[Ich] denke, das ist es, was ‚der Boss‘ für sich selbst gewollt hätte. Allein auf einer Insel und fernab der Zivilisation, umgeben von der stürmisch tobenden See in der Nähe einer seiner größten Heldentaten.“<ref>Lot Description 224, Christie’s London, 18. April 2000 (abgerufen am 6. Januar 2010).</ref> Da die Quest Grytviken bereits verlassen hatte, war Hussey neben einigen norwegischen Seeleuten der einzige von Shackletons Gefährten, der der Zeremonie beiwohnte.<ref>Leonard Hussey: Sir Ernest Shackleton – Funeral Service in South Georgia. In: Barrier Miner vom 5. Mai 1922 (abgerufen am 17. April 2013).</ref><ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 278–279.</ref>

Nachwirkungen

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Shackletons Statue am Hauptgebäude der Royal Geographical Society in Kensington

Noch vor der Überführung von Shackletons Leichnam nach Südgeorgien wurde er in der Kirche zur Heiligen Dreifaltigkeit von Montevideo aufgebahrt<ref>P2002/28/908, Foto von Shackletons aufgebahrtem Sarg. Scott Polar Research Institute (SPRI) (abgerufen am 19. Februar 2010).</ref> und mit vollen militärischen Ehren verabschiedet. Zudem fand am 2. März 1922 im Beisein von König Georg V. und weiterer Angehöriger der Königsfamilie ein Gedenkgottesdienst in der St Paul’s Cathedral statt.<ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 280.</ref> Innerhalb des nächsten Jahres veröffentlichte sein Freund Hugh Robert Mill (1861–1950)<ref name="fi26" group="A" /> die erste Biographie mit dem Titel The Life of Sir Ernest Shackleton. Erlöse aus dem Verkauf dieses Buches kamen Shackletons Familie zugute, denn er hinterließ Schulden in Höhe von etwa £ 40.000 (inflationsbereinigt etwa 3,4 Mio. Euro)<ref name="money" />. Zudem wurde eine Gedenkstiftung ins Leben gerufen, um die Ausbildung seiner Kinder finanzieren zu können.<ref>Fisher: Shackleton. S. 485.</ref>

In den folgenden Jahrzehnten wurde Shackletons Popularität durch diejenige seines Rivalen Captain Scott überstrahlt. Allein in Großbritannien wurden für diesen mehr als 30 Denkmäler, Statuen und sogar Kirchenfenster angefertigt.<ref>Jones, The Last Great Quest, S. 295–296.</ref> Erst 1932 enthüllte man auch für Shackleton ein von Edwin Lutyens entworfenes Denkmal an der Fassade des Gebäudes der Royal Geographical Society in Kensington,<ref group="A">Fisher: Shackleton. S. 481 (Foto), 486–487. Lutyens Entwurf wurde vom englischen Bildhauer Charles Jagger (1885–1934) als bronzene Statue umgesetzt. Ursprünglich sollte Shackletons Statue als Denkmal auf einem Sockel freistehend errichtet werden. Da sich jedoch in London kein geeigneter Standort fand, nahm man das Angebot der Royal Geographical Society an, die Statue in einer Fassadennische am Hauptgebäude der Gesellschaft aufzustellen.</ref> doch darüber hinaus gab es nur wenige andere öffentliche Gedenkveranstaltungen. Die Presse interessierte sich mehr für den auf tragische Weise während des Rückwegs vom Südpol zu Tode gekommenen Scott. Ein vierzigseitiges Heft im Rahmen der Serie Great Exploits (zu deutsch: Große Heldentaten) aus dem Verlag Oxford University Press von 1943 blieb bis weit in die 1950er Jahre hinein das einzig vorhandene Druckerzeugnis über Shackleton neben Mills Biographie.<ref>Barczewski, Antarctic Destinies, S. 209.</ref>

Im Jahr 1957 veröffentlichten Margery (1913–1992) und James Fisher (1912–1970) eine vielbeachtete Biographie unter dem Titel Shackleton, und im Jahre 1959 folgte Alfred Lansing (1921–1975) mit seinem Buch Endurance: Shackleton’s Incredible Voyage.<ref>Das Buch erschien im deutschen Sprachraum unter dem Titel 635 Tage im Eis: Die Shackleton-Expedition, Goldmann Verlag, München 2000.</ref> Diese waren die ersten einer ganzen Reihe von Büchern, die Shackleton in einem überaus positiven Licht erscheinen ließen. Gleichzeitig veränderte sich allmählich die Sichtweise auf Scott, die in Roland Huntfords 1979 erschienenem Buch Scott and Amundsen in einer vernichtenden Abrechnung gipfelte.<ref name="ba282">Barczewski, Antarctic Destinies, S. 282.</ref> Diese negative Darstellung Scotts wurde allgemein akzeptiert<ref>Fiennes, Captain Scott, S. 482.</ref>, da der Heldentypus, wie ihn Scott verkörperte, dem veränderten kulturellen Werteverständnis des ausgehenden 20. Jahrhunderts zum Opfer fiel.<ref name="ba282" /> Innerhalb weniger Jahre hatte Shackleton im öffentlichen Ansehen Scott überflügelt. So wurde Shackleton in der von der BBC produzierten Sendung 100 Greatest Britons (zu deutsch: Die 100 größten Briten) im Jahre 2002 auf Platz 11 gewählt. Scott landete dagegen nur auf Platz 54.<ref>Barczewski, Antarctic Destinies, S. 283.</ref>

Zu Beginn des neuen Jahrtausends wurden Shackletons Fähigkeiten, in einer vermeintlich ausweglosen Situation seine Untergebenen zu Höchstleistungen zu motivieren, auch von Managementratgebern entdeckt, die sich mit seinen Führungsqualitäten und der Übertragung auf den Berufsalltag auseinandersetzen (siehe Coaching). Bereits rund ein halbes Jahrhundert zuvor bezeichnete Jameson Adams, der stellvertretende Leiter der Nimrod-Expedition, Shackleton als den „ohne Einschränkung bedeutendste[n] Führer, der jemals über Gottes Erde wandelte.“<ref>Fisher: Shackleton. S. 123. Zitiertes Originaldokument: Jameson Adams im Gespräch mit James Fisher vom 5. Oktober 1955, SPRI MS 1456/63.</ref> An Universitäten in Großbritannien und den USA wurden Shackletons Führungsmethoden zum Inhalt betriebswirtschaftlicher Seminare.<ref name="ba294–295">Barczewski, Antarctic Destinies, S. 294–295.</ref> Ferner gibt es inzwischen zahlreiche reformpädagogische Schulen (sogenannte Shackleton Schools) nach dem Vorbild des Outward Bound, in denen die Shackleton zugemessenen Charaktereigenschaften wie Standhaftigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Kreativität im Rahmen eines erlebnispädagogischen Unterrichts vermittelt werden.<ref name="ba294–295" />

Shackletons Traum von einer transkontinentalen Durchquerung der Antarktis erfüllte sich rund 40 Jahre später durch den Everestbezwinger Edmund Hillary und den englischen Polarforscher Vivian Fuchs bei der Commonwealth Trans-Antarctic Expedition (1955–1958).<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />The Commonwealth Trans-Antarctic Expedition 1956–1958 (Memento vom 27. Februar 2011 im Internet Archive) Zeitblick Nr. 23, Mai/Juni 2007 (abgerufen am 14. Januar 2010).</ref> Ranulph Fiennes wiederholte dies im Rahmen der Transglobe Expedition (1980–1981).<ref>The Antarctic - Transglobe Expedition. Abgerufen am 9. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Beide Expeditionen fanden unter enormem technischen Aufwand statt. Im Jahr 1989/1990 durchquerten Reinhold Messner und Arved Fuchs die Antarktis erstmals im klassischen Stil,<ref>Reinhold Messner, <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Panorama Antarktis (Memento vom 11. Januar 2010 im Internet Archive) (abgerufen am 14. Januar 2010).</ref> gefolgt von der ersten Solodurchquerung durch den Norweger Børge Ousland zum Jahreswechsel 1996/97.<ref>Fastest solo crossing of Antarctica. In: Guinness-Buch der Rekorde (englisch, abgerufen am 10. März 2015).</ref> Arved Fuchs wiederholte im Jahr 2000 außerdem Shackletons Bootsfahrt von Elephant Island nach Südgeorgien in einem Nachbau der James Caird, allerdings unter Zuhilfenahme moderner Navigations- und Kommunikationstechnik. Ferner unternahm er bei derselben Expedition den Marsch von Shackleton, Worsley und Crean durch Südgeorgien.<ref>Arved Fuchs, <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Shackleton 2000 (Memento vom 23. September 2015 im Internet Archive) (abgerufen am 6. August 2015).</ref> Zum Jahreswechsel 2008/2009 fand unter der Leitung von Henry Worsley (1960–2016), ein Nachkomme von Kapitän Frank Worsley, die Shackleton Centenary Expedition statt, bei der auf den Spuren der Nimrod-Expedition der historische Marsch Richtung Südpol wiederholt und die damals noch fehlenden 97 Meilen komplettiert wurden.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Shackleton Centenary Expedition“ (Memento vom 1. September 2009 im Internet Archive) (abgerufen am 21. Februar 2011).</ref> Worsley starb am 24. Januar 2016 in einem Krankenhaus im chilenischen Punta Arenas an den Folgen einer Peritonitis, nachdem er wenige Tage zuvor seinen Versuch, die Antarktis allein und ohne zusätzliche Hilfe zu durchqueren, wegen Dehydrierung 48 km vor Erreichen des Ziels per Notruf und anschließender Bergung hatte abbrechen müssen.<ref>Abenteurer starb kurz vor Durchquerung der Antarktis. Meldung auf orf.at, 25. Januar 2016 (abgerufen am 25. Januar 2016).</ref>

Am 20. November 1998 wurde am Scott Polar Research Institute (SPRI) der Universität Cambridge die Shackleton Memorial Library eröffnet, in der Originaldokumente zu Shackletons Forschungsreisen archiviert sind.<ref>The Shackleton Memorial Library, Scott Polar Research Institute (SPRI), University of Cambridge, Lensfield Road, Cambridge CB2 1ER (abgerufen am 2. November 2010).</ref> Im kulturhistorischen Museum von Athy, unweit seines Geburtsortes, wird seit 2001 im Rahmen einer alljährlich im Herbst stattfindenden Veranstaltung an Ernest Shackleton und seine Verdienste um die Polarforschung erinnert.<ref>The Shackleton Previous Autumn Schools. Abgerufen am 9. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Bei Polarkreuzfahrten zur Antarktischen Halbinsel und nach Südgeorgien gehören Besuche von Point Wild auf Elephant Island und an Shackletons Grab inzwischen zum Pflichtprogramm. Der Erhalt der am Cape Royds während der Nimrod-Expedition errichteten Hütte, die in Neuseeland als internationales Kulturerbe angesehen wird, liegt in den Händen des New Zealand Antarctic Heritage Trust.<ref>Shackleton's Hut. Abgerufen am 9. Januar 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Am 5. März 2022, dem 100. Jahrestag der Beerdigung Shackletons, entdeckte ein Team um den britischen Unterwasserarchäologen Mensun Bound (* 1953) das Wrack seines Expeditionsschiffs Endurance (siehe dazu Endurance22).<ref>Tagesschau: „Endurance“-Wrack der Shackleton-Expedition in der Antarktis gefunden auf YouTube, 9. März 2022, abgerufen am 9. März 2022.</ref><ref>Endurance is Found. In: endurance22.org. 9. März 2022, abgerufen am 9. März 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Am 9. Juni 2024, im Jahr von Shackletons 150. Geburtstag, fand ein Team der Royal Canadian Geographical Society vor der Küste Labradors das gleichfalls gut erhaltene Wrack der Quest.<ref name="RCGS Quest">Royal Canadian Geographical Society finds wreck of Quest, Shackleton’s last ship. In: Webseite der RCGS, 12. Juni 2024, abgerufen am 14. Juni 2024 (englisch).</ref><ref name="Tagesspiegel Quest">Letztes Schiff von Polarforscher Shackleton entdeckt. In: Tagesspiegel, 14. Juni 2024, abgerufen am 14. Juni 2024.</ref>

Shackletons Tod markiert den Endpunkt des sogenannten Goldenen Zeitalters der Antarktisforschung, einer Epoche von Entdeckungsreisen zur naturwissenschaftlichen und geographischen Erforschung des noch weitgehend unbekannten antarktischen Kontinents ohne moderne Hilfsmittel.<ref name="KTL" group="A" /> Im Vorwort seines Buches The Worst Journey in the World hob der Polarforscher Apsley Cherry-Garrard die Bedeutung ihrer Hauptfiguren wie folgt heraus: „Gebt mir Scott als wissenschaftlich-geografischen Expeditionsleiter, […] gebt mir Amundsen für eine rasche und effiziente Polarexpedition, aber gebt mir Shackleton, wenn sich das Schicksal gegen mich verschworen zu haben scheint und ich einen Ausweg suche.“<ref>Cherry-Garrard, The worst Journey in the World, Band 1, S. viii.</ref>

Wissenswertes

Auszeichnungen

Für seine Verdienste um die Erforschung der Antarktis erhielt Shackleton zahlreiche Auszeichnungen und Ehrenmitgliedschaften im In- und Ausland. Am 28. Juni 1909 nahm er im Anschluss an die Nimrod-Expedition in der Royal Albert Hall die Polarmedaille in Gold aus den Händen des Prince of Wales entgegen<ref>Fisher: Shackleton. S. 250–251.</ref> und am 13. Dezember 1909 wurde er von König Edward VII. durch Ritterschlag als Knight Bachelor in den persönlichen Adelsstand erhoben. Darüber hinaus war Shackleton Träger folgender Orden:<ref name="NYT1922" /><ref name="mi292" />

London Gazette. Nr. 28049, HMSO, London, 9. August 1907, S. 5447 (Digitalisat, englisch).</ref>

  • Commander des Royal Victorian Order (Großbritannien, 1909)<ref>

London Gazette. Nr. 28271, HMSO, London, 16. Juli 1909, S. 5461 (Digitalisat, englisch).</ref>

London Gazette. Nr. 31376, HMSO, London, 30. Mai 1919, S. 6975 (Digitalisat, englisch).</ref>

Am 9. Juli 1901 wurde Shackleton in den Bund der Freimaurer aufgenommen. Seine Loge war die Navy Lodge No. 2616 der Vereinigten Großloge von England.<ref>Ernest Henry Shackleton als Freimaurer. Webseite der Grand Lodge of British Columbia and Yukon (abgerufen am 3. September 2010).</ref>

Im Juni 1914 verlieh ihm die Universität Glasgow die Ehrendoktorwürde (engl. honorary degree of LL.D.).<ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 199.</ref>

Namensgeber für geographische und andere Objekte

Datei:De gerlache shackleton sverdrup crater.jpg
Der Shackleton-Krater am Südpol des Mondes (Aufnahme der Sonde Clementine von 1994)

Eine vollständige Übersicht nach Shackleton benannter Orte und solcher, die mit ihm in Verbindung stehen, ist im Low-Lattitude Antarctic Gazetteer – Series 2<ref>Low-Lattitude Antarctic Gazetteer – Series 2 (abgerufen am 24. Januar 2010).</ref> und auf der Webseite GeoNames.com<ref>Geographische Objekte, die nach Ernest Shackleton benannt sind, Informationen auf GeoNames.com (abgerufen am 6. Oktober 2011).</ref> zu finden.

Shackleton in Lyrik und Prosa

  • Der Gewaltmarsch über das südgeorgische Gebirge hinweg nach der körperlich und seelisch zermürbenden Fahrt im Rettungsboot im Rahmen der Endurance-Expedition inspirierten den amerikanisch-britischen Lyriker T. S. Eliot zu einer Strophe seines Gedichtes The Waste Land (zu deutsch: Das wüste Land):<ref>T. S. Eliot, The Waste Land, Zeile 359–365 (abgerufen am 20. Mai 2010).</ref>

„Who is the third who walks always beside you?
„Wer ist der Dritte, der stets neben Dir geht?
When I count, there are only you and I together
Wenn ich zähle, sind es nur Du und ich zusammen.
But when I look ahead up the white road
Doch wenn ich nach vorne die weiße Straße entlang schaue,
There is always another one walking beside you
geht immer noch jemand anderer neben Dir,
Gliding wrapt in a brown mantle, hooded
gleitend, in einen braunen Mantel gehüllt, vermummt.
I do not know whether a man or a woman
Ich weiß nicht, ob Mann oder Frau
— But who is that on the other side of you?“
— Doch wer ist es, der an Deiner anderen Seite geht?

Anlass zu dieser Passage des Gedichts war die Erzählung von Shackleton, dass sowohl er als auch seine zwei Gefährten während des Gewaltmarsches über den verschneiten Bergrücken von Südgeorgien immer wieder das Gefühl gehabt hätten, von einem vierten Wesen begleitet zu werden.<ref>Shackleton, South, S. 211.</ref> Der kanadische Autor John G. Geiger beschreibt dieses Phänomen angelehnt an Eliots Darstellung einer imaginären dritten Person als Third Man Factor, das auch andere, wie die Bergsteiger Frank Smythe und Reinhold Messner, in Extremsituationen erfahren haben.<ref>National Public Radio: Guardian Angels Or The 'Third Man Factor'? Beitrag vom 13. September 2009 (englisch). Abgerufen am 16. Juli 2020.</ref>
  • Der Roman The Woman Thou Gavest Me des britischen Autors Hall Caine (1853–1931) aus dem Jahr 1913 ist eine fiktive Biographie, die stark an die Lebensgeschichte Shackletons bis zur Nimrod-Expedition angelehnt ist. Caines Protagonist Martin Conrad organisiert nach der Teilnahme an einer Schiffsreise eine eigene Expedition in die Antarktis, um den Südpol zu erobern.<ref>Hall Caine, The Woman Thou Gavest Me, J. B. Lippincott, Philadelphia & London 1913 (abgerufen am 24. November 2010).</ref>
  • Kurz nach Shackletons Tod im Jahre 1922 erschien der Roman Spinster of this Parish des britischen Autors W. B. Maxwell (1866–1938). Maxwell verneinte zwar mit diesem Buch jegliche Anspielung auf Shackleton. Die Charakterzüge seiner Hauptfigur, des Polarforschers Anthony Dyke, und diverse Kapitel dessen fiktiver Lebensgeschichte (z. B. die Durchquerung des antarktischen Kontinents und der Streit mit einem rivalisierenden Polarforscher) haben jedoch große Ähnlichkeit mit Shackleton.<ref>W. B. Maxwell, Spinster of this Parish, Gosset & Dunlap, New York 1922 (abgerufen am 24. November 2010).</ref> Begünstigt durch den Tod Shackletons wurde das Buch ein Erfolg. Allein 1922 erschien es in fünf Auflagen, gefolgt von einer Volksausgabe 1923 und weiteren Auflagen in den Folgejahren.<ref>Fisher: Shackleton. S. 252.</ref>
  • Shackleton bewunderte die großen britischen Lyriker des 19. Jahrhunderts wie Alfred Tennyson, John Keats und insbesondere Robert Browning, aus deren Werken er bei öffentlichen Vorträgen gern rezitierte oder deren Verse sich in seinen Expeditionsberichten wiederfinden. Er selbst versuchte sich ebenfalls in der Dichtkunst. Beispiele hierfür sind die Gedichte Erebus<ref>Shackleton u. a., The Antarctic Book, S. 21–22.</ref> und Aurora Australis,<ref>Shackleton u. a., The Antarctic Book, S. 25.</ref> die er im Winterquartier der Nimrod-Expedition verfasste.

Besonderheiten

  • Wie andere Polarforscher auch, so erhielt Shackleton Spitznamen und verwendete Pseudonyme. Als Expeditionsleiter nannten ihn seine Untergebenen voller Respekt „The Boss“.<ref>Marr, Into the Frozen South, „Publisher’s Note“.</ref> Frank Wild und andere Freunde riefen ihn auch „Shackles“ oder „Shackle“.<ref name="nick">Some Antarctic Nicknames, The Antarctic Circle, Webseite von Robert B. Stephenson (Jaffrey, New Hampshire, USA) (abgerufen am 6. Januar 2010).</ref> Weniger geläufig sind die Titel „Old Cautious“, der ihm während der Endurance-Expedition wegen seines vermeintlich übervorsichtigen Handelns verliehen wurde,<ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 221.</ref> und „Nemo“, den Shackleton selbst als Pseudonym in Anlehnung an die Hauptfigur des Romans 20.000 Meilen unter dem Meer von Jules Verne verwendete.<ref name="nimrod44" /> Aus dem umfangreichen Briefverkehr mit seiner Frau Emily sind die Kosenamen „Emicky“, „Micky“, „Mikeberry“ und „Mikleham“ bekannt, deren Ursprung in Shackletons irischer Abstammung liegen.<ref name="nick" />
  • Shackleton ist der einzige Polarforscher, der zweimal einen Südrekord aufstellte (Discovery-Expedition, 30. Dezember 1902, gemeinsam mit Robert Falcon Scott und Edward Wilson: 82°17′S (nach neuerlichen Berechnungen eher 82°11′S) und Nimrod-Expedition, 9. Januar 1909, gemeinsam mit Frank Wild, Jameson Adams und Eric Marshall: 88°23′S).
  • Im Juli 1909 wurde Shackleton die Ehre zuteil, als Wachsfigur bei Madame Tussauds ausgestellt zu werden.<ref>Mill, The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 162.</ref><ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Foto der Wachsfigur von Ernest Shackleton bei Madame Tussauds (Memento vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive) (abgerufen am 14. September 2010).</ref>
  • Für seine Vortragsreise durch Deutschland und Österreich im Anschluss an die Nimrod-Expedition ab Januar 1910 erlernte Shackleton eigens die deutsche Sprache. Ein Reporter schrieb hierzu: „Seine Aussprache war derart gut, dass man nur schwerlich glauben kann, er [Shackleton] habe sich erst kürzlich mit der Sprache vertraut gemacht.“<ref>Fisher: Shackleton. S. 275.</ref>
  • In der Zeit nach seiner Heirat bis zu seinem Tod zog Shackleton mit seiner Familie nicht weniger als sechsmal um. Mit Beginn seiner Anstellung bei der Royal Scottish Geographical Society (RSGS) wohnten sie in Edinburgh und zuletzt in einem Haus in Kensington. Das Haus Mainsail Haul in Sheringham, das sie im Jahre 1910 bezogen, war 1919 im Besitz des Komponisten Ralph Vaughan Williams, der die Musik zu dem Film Scotts letzte Fahrt (1948) schuf.<ref>Sites associated with Sir Ernest Shackleton, The Antarctic Circle, Webseite von Robert B. Stephenson (Jaffrey, New Hampshire, USA) (abgerufen am 10. Januar 2010).</ref>
  • Am 18. Juni 1912 wurde Shackleton als Experte für das Navigieren in polaren Gewässern von der Kommission zur Untersuchung des Untergangs der Titanic unter der Leitung von Rufus Isaacs und Robert Finlay angehört.<ref>Fisher: Shackleton. S. 291–295.</ref>
  • Shackleton soll mehrere außereheliche Affären gehabt haben. Verbrieft ist eine zeitweilige Liebesbeziehung mit der US-amerikanischen Schauspielerin Rosalind Chetwynd (1879–1922).<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„Your husband is safe“ (Memento vom 3. Dezember 2016 im Internet Archive), The Cherry Tree 2/2006, S. 2–3 (abgerufen am 6. August 2015).</ref>
  • Shackleton hatte eine Neigung zum Aberglauben. So markierte die Zahl 9 wiederkehrend wichtige Etappen in seinem Leben. Am 9. April 1904 heiratete er seine Frau Emily, und am 9. Januar 1909 erreichte Shackleton seine höchste südliche Breite während der Nimrod-Expedition. Am 9. Juli 1913 war er Trauzeuge bei der Hochzeit seines Freundes Philip Brocklehurst. Eine silberne Ausführung der Zahl 9 war an Shackletons Kabinentür auf dem Expeditionsschiff Quest angebracht. Der neunarmige Stern wurde zu seinem persönlichen Emblem, das auch auf seinem Grabstein verewigt ist. Schließlich starb Emily Shackleton nach mehrmonatiger schwerer Krankheit am 9. Juni 1936.<ref>Fisher: Shackleton. S. 485–486.</ref><ref>Emily Shackletons Grab in Coldwaltham, West Sussex (abgerufen am 29. Juni 2010).</ref> Ferner wurde das Wrack der Quest am 9. Juni 2024 durch ein Team der Royal Canadian Geographical Society vor der Küste Labradors entdeckt.<ref name="RCGS Quest" /><ref name="Tagesspiegel Quest" />
  • Shackletons Grab schmückte zunächst ein einfaches Holzkreuz, das 1928 durch eine Granitstele ersetzt wurde.<ref>Fisher: Shackleton. S. 480–481.</ref> Auf der Rückseite der Stele ist ein Vers aus Robert Brownings Gedicht The Statue and the Bust angebracht: „I hold … that a man should strive to the uttermost for life’s set price“ (zu Deutsch: „Ich behaupte … ein Mann sollte um den Preis des Lebens nach dem Äußersten streben“).<ref>Rückseite von Shackletons Grabstein (abgerufen am 28. Juni 2011).</ref>
  • Der Erstbesteiger des Mount Everest, Sir Edmund Hillary, zählte Ernest Shackleton zu seinen Vorbildern.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />„From beekeeper to world explorer“ (Memento vom 27. August 2008 im Internet Archive), Interview mit Sir Edmund Hillary vom 16. November 1991 in San Francisco (abgerufen am 11. Januar 2011).</ref>
  • Shackleton wurde mehrfach in Fernsehfilmen und -serien dargestellt, beispielsweise von David Schofield in der vierteiligen Miniserie Shackleton (1983) oder von James Aubrey in der Folge Poles Apart der britischen TV-Serie Last Place on Earth (1985). Am bekanntesten ist sicherlich Kenneth Branagh im preisgekrönten, von Charles Sturridge inszenierten, Mehrteiler Ernest Shackleton (Shackleton, 2002).<ref>Vorlage:IMDb/1Vorlage:IMDb/Wartung/Unnötige Verwendung von Parameter 2.</ref>
  • Unter dem Projektnamen Eureka veröffentlichte der Hamburger Multiinstrumentalist Frank Bossert 2009 das Konzeptalbum Shackleton’s Voyage, das eine musikalische Reminiszenz an die Endurance-Expedition darstellt.<ref>Frank Bossert: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />EUREKA (Memento vom 3. Dezember 2013 im Internet Archive) (abgerufen am 15. Januar 2010).</ref>
  • Vier Jahre nach deren Fund bargen 2010 Mitarbeiter des New Zealand Antarctic Heritage Trust fünf Kisten mit Whisky und Cognac, die seit 1909 unter der am Kap Royds auf der Ross-Insel errichteten Expeditionshütte der Nimrod-Expedition verschüttet waren.<ref> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Shackleton liebte Whisky (Memento vom 5. Oktober 2010 im Internet Archive). In: Polar News vom 22. Dezember 2009 (abgerufen am 30. August 2010).</ref><ref>Ernest Shackletons Whisky in Antarktis entdeckt. In: Welt Online vom 6. April 2010 (abgerufen am 16. August 2010).</ref> Eine Flasche des sogenannten Shackleton-Whisky zum Sammlerwert von ca. 200.000 US-Dollar wurde in einer Episode der US-Fernsehserie White Collar als Fälschungsobjekt benutzt.
  • 2014 veröffentlichte der britische Illustrator William Grill unter dem Titel Shackleton's Journey sein erstes Kinderbuch, eine preisgekrönte Abhandlung über die Endurance-Expedition. Anlässlich der deutschen Ausgabe im Folgejahr urteilte Freddy Langer in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, es gleiche „einer Fleißarbeit aus dem Archiv“, Grill hake die Expeditionsgeschichte „Punkt für Punkt ab, als folge er stur dem Logbuch“.<ref>Freddy Langer: „Shackletons Reise“ für Kinder: Eine Geschichte vom Scheitern und vom Siegen. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, FAZ.net. 5. Februar 2016, abgerufen am 5. Januar 2022.</ref>

Zitate von und über Shackleton

„Sir Ernest Shackleton scheiterte mit der Zielsetzung in seinen [sic!] zwei Antarktisexpeditionen, doch in seinem Scheitern hatte er einen größeren Erfolg als wenn er seine Ziele erreicht hätte. Ich betrachte ihn als den größten unter allen Führern der Antarktis.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Russell Owen (1898–1952): The Antarctic Ocean, S. 195.

„Um ein großartiger Führer zu sein, genügt es nicht, einen starken Willen zu haben, [oder] ein Vorbild extremer Ausdauer zu sein. Letztlich war es Shackletons Fähigkeit zu begeistern, die ihn zum größten Führer in der gesamten Geschichte der Antarktis machte.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Margery (1913–1992) und James Fisher (1912–1970): Shackleton. S. 220.

„Shackleton hatte eine bemerkenswerte Gabe, richtige und schnelle Entscheidungen zu treffen, die eine Katastrophe abwendeten, und seine Größe als Forscher ist diesem Gespür zuzusprechen. Der Erfolg seiner Expeditionen lag ihm sehr am Herzen, doch die Sicherheit und Gesundheit derjenigen, die unter ihm dienten, kam an erster Stelle; und die Tatsache, dass er keinen seiner Männer verlor, kann als die wunderbarste seiner Taten und als sein größter Triumph angesehen werden.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />J. Gordon Hayes (1877–1936): The Conquest of the South Pole. S. 55.

„Der Name Sir Ernest Shackleton ist für alle Zeiten in den Annalen der Antarktisforschung in Lettern aus Feuer niedergeschrieben.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Roald Amundsen (1872–1928): The South Pole Vol. II, S. 114.

„Für Shackleton war die National Antarctic Expedition eine Gelegenheit und sonst nichts. […] Er war weder polaren Regionen besonders zugeneigt noch besaß er einen überragenden Forschergeist.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Hugh Robert Mill (1861–1950): The Life of Sir Ernest Shackleton, S. 57.

„Was die Wissenschaft anbelangt, gebt mir Scott, für Schnelligkeit und Tüchtigkeit gebt mir Amundsen, aber wenn es zu einer Katastrophe kommt und die Lage hoffnungslos ist, dann fallt auf die Knie und fleht um Shackleton.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Edmund Hillary (1919–2008): in Antje Strubel: Ice Story. Shackletons Kampf in der Antarktis<ref>Ice Story. Shackletons Kampf in der Antarktis. In: Deutschlandfunk. 23. Januar 2001, abgerufen am 29. April 2019.</ref>

„Man muss sich entscheiden, ob man ein Wissenschaftler oder ein erfolgreicher Expeditionsleiter sein will. Beides zugleich ist nicht möglich.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Ernest Shackleton (1874–1922): in Beau Riffenburgh: Nimrod. S. 409

„Ein Mann muss sich an ein neues Ziel gewöhnen, sobald das alte untergeht.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Ernest Shackleton, Tagebucheintrag, während sein Schiff vom Packeis zermalmt wird: Agnes Fazekas, Ernest Shackleton - Einer für alle, Geschichte 9/2024, Seite 76–77, VDZ-Nummer: 7276

„Übermenschliche Anstrengungen sind einen Dreck wert, solange sie nicht zu Resultaten führen.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Ernest Shackleton (1874–1922): in Elizabeth Knowles (Hrsg.): Oxford Dictionary of Quotation. S. 647.

„Schwierigkeiten sind letztlich nur Dinge, die überwunden werden müssen.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Ernest Shackleton (1874–1922): The Heart of the Antarctic, S. 189.

„Männer für gefährliche Reise gesucht. Geringer Lohn, bittere Kälte, lange Monate kompletter Dunkelheit, ständige Gefahr, sichere Rückkehr ungewiss. Ehre und Anerkennung im Erfolgsfall.“

– <templatestyles src="Person/styles.css" />Ernest Shackleton (1874–1922): in Julian Watkins, The 100 Greatest Advertisements, S. 1<ref group="A">The Antarctic Circle: Die genaue Quelle des vielleicht berühmtesten Shackleton-Zitats ist unklar. Immer wieder wurde behauptet, Shackleton habe 1912 oder 1913 eine gleichlautende Anzeige in der London Times oder einer anderen britischen Zeitung im Vorfeld der Endurance-Expedition geschaltet. Dies konnte bisher nicht belegt werden (abgerufen am 16. November 2010).</ref>

Zitierte Literatur

Shackleton-Biografien

  • Margery und James Fisher: Shackleton. James Barrie Books, London 1957.
  • Roland Huntford: Shackleton. Hodder & Stoughton, London 1985, ISBN 0-340-25007-0.
  • Hugh Robert Mill: The Life of Sir Ernest Shackleton. William Heinemann, London 1923 (archive.org [abgerufen am 10. September 2009]).

Zeitgenössische ergänzende Werke

  • Roald Amundsen: The South Pole. Band 2. John Murray, London 1912 (Vol. II [abgerufen am 15. November 2010]).
  • Apsley Cherry-Garrard: The worst Journey in the World, Band 1. Constable & Co., London 1922 (worstjourneyinwo01cher [abgerufen am 6. Januar 2010]).
  • J. Gordon Hayes: The Conquest of the South Pole. Thornton Butterworth, London 1932.
  • Frank Hurley: Shackleton′s Argonauts. Angus and Robertson, Sydney 1948.
  • Clements Markham: The Lands of Silence. University Press, Cambridge 1921 (archive.org [abgerufen am 4. Januar 2020]).
  • James Marr: Into the Frozen South. Cassell & Co., London 1923 (archive.org [abgerufen am 25. November 2010]).
  • Douglas Mawson: The Home of the Blizzard, Vol. I. William Heinemann, London 1915 (archive.org [abgerufen am 26. Mai 2010]).
  • Russell Owen: The Antarctic Ocean. Whittlesey House, New York 1941 (archive.org [abgerufen am 11. November 2010]).
  • Robert Falcon Scott: The Voyage of the Discovery, Vol. II. Macmillan, London 1905 (archive.org [abgerufen am 11. September 2009]).
  • Ernest Shackleton u. a.: The Antarctic Book. William Heinemann, London 1909 (archive.org [abgerufen am 25. November 2010]).
  • Ernest Shackleton: The Heart of the Antarctic. William Heinemann, London 1910 (archive.org [abgerufen am 11. September 2009]).
  • Ernest Shackleton: South. Macmillan, New York 1920 (archive.org [abgerufen am 4. Januar 2010]).
  • Frank Wild: Shackleton’s Last Voyage. Cassell & Co., London 1923 (archive.org [abgerufen am 14. Januar 2010]).
  • Edward Adrian Wilson: Diary of the Discovery Expedition. Blandford Press, London 1975, ISBN 0-7137-0431-4.
  • Frank Worsley: Shackleton’s Boat Journey. Pimlico, London 1999, ISBN 0-7126-6574-9.
  • Manuskriptsammlung des Scott Polar Research Institute (Akronym: SPRI MS), Universität Cambridge.

Neuzeitliche ergänzende Werke

  • Caroline Alexander: Endurance. Bloomsbury Publishing, London 1998, ISBN 0-7475-4123-X.
  • Stephanie Barczewski: Antarctic Destinies. Hambledon Continuum, London 2007, ISBN 978-1-84725-192-3.
  • David Crane: Scott of the Antarctic. Harper Collins, London 2005, ISBN 0-00-715068-7.
  • Ranulph Fiennes: Captain Scott. Hodder & Stoughton, London 2003, ISBN 0-340-82697-5.
  • Kim Heacox: Shackleton – The Antarctic Challenge. National Geographic, Washington D.C. 1999, ISBN 0-7922-7536-5.
  • Max Jones: The Last Great Quest. Oxford University Press, Oxford 2003, ISBN 0-19-280483-9.
  • Elizabeth Cody Kimmel: Ice Story – Shackleton’s Lost Expedition. Clarion Books, New York 1999, ISBN 0-395-91524-4.
  • Elizabeth Knowles (Hrsg.): Oxford Dictionary of Quotations. Oxford University Press, Oxford 2009, ISBN 0-19-923717-4.
  • Leif Mills: Frank Wild. Caedmon of Whitby, Whitby 1999, ISBN 0-905355-48-2.
  • Shane Murphy u. a.: Mit der Endurance in die Antarktis: Shackletons Südpol-Expedition 1914–1917; die legendären Photos von Frank Hurley / [aus dem Engl. von Gertrude Wilhelm]. DuMont, Köln 2001, ISBN 3-7701-5870-9.
  • Diana Preston: A First Rate Tragedy. Constable & Co., London 1997, ISBN 0-09-479530-4 (google.de [abgerufen am 25. Februar 2011]).
  • Beau Riffenburgh: Nimrod. Berlin Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-8270-0530-2.
  • Ann Savours: The Voyages of the Discovery. Catham Publishing, London 2001, ISBN 1-86176-149-X.
  • Kelly Tyler-Lewis: The Lost Men. Bloomsbury Publishing, London 2006, ISBN 978-0-7475-8414-8.
  • Julian Watkins: The 100 Greatest Advertisements. Dover Publications, Mineola 1959, ISBN 978-0-486-20540-3 (google.de [abgerufen am 16. November 2010]).
  • David M. Wilson: Nimrod Illustrated. Reardon Publishing, Cheltenham 2009, ISBN 1-873877-90-0.

Weblinks

Commons: Ernest Shackleton – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen

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Einzelnachweise

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