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Harry Piel

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Datei:Harry Piel 1928 by Alexander Binder.jpg
Harry Piel um 1928 auf einer Fotografie von Alexander Binder

Harry Piel (* 12. Juli 1892 in Benrath; † 27. März 1963 in München) war ein deutscher Regisseur, Schauspieler, Autor und Produzent.

Leben

Datei:Harry-Piel,-Sein-größter-Bluff-(1927).jpg
Werbeeinschaltung für den Kinostart in Wien, 1927

Harry Piels Vater war der Gastwirt Hubert August Piel, seine Mutter dessen Frau Agnes, geborene Meisen. 1896 zogen seine Eltern mit ihm nach Düsseldorf, wo sie eine Kantine, ein Hotel und später ein Restaurant betrieben. Nach dem Besuch der Volksschule in Benrath und des Gymnasiums in Derendorf wollte er zunächst mit einem Wanderzirkus umherziehen. Sein Vater beendete dieses Abenteuer und brachte ihn 1909 als Kadett auf einem Segelschulschiff unter, der Grossherzogin Elisabeth, der heutigen Duchesse Anne (ein gleichnamiges Segelschulschiff ist heute in der Unterweserstadt Elsfleth beheimatet). Wegen eines angeblichen Herzklappenfehlers heuerte er ab, er begann eine kaufmännische Lehre, die er 1911 abbrach, um in Paris Kunstflieger zu werden. Dazu kam es jedoch nicht, laut eigenen Aussagen lernte Piel einen Filmregisseur kennen, der ihn mit ins Filmatelier nahm. Die Eindrücke wirkten mächtig auf den jungen Piel, zurück in Deutschland gründete er die „Kunst-Film-Verlags-Gesellschaft“. Anfang 1912 drehte der erst 19-Jährige seinen ersten Spielfilm: Schwarzes Blut (1912), bei dem er als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent wirkte. In den Hauptrollen spielten Curt Goetz und Erna Nitter. Ditekt anschließend drehte Piel den zweiten Teil von Schwarzes Blut, den er noch während der Fertigstellung in Dämone der Tiefe umbenannte. Der dritte und letzte Film in Eigenproduktion war mit Der Börsenkönig betitelt. Kurz nachdem er seine Firma schließen musste, begann er im Herbst 192 als Regisseur und Autor bei der finanzkräftigen Continental-Kunstfilm GmbH, bei der er seine Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Ludwig Trautmann und dem Kameramann Willi Hameister begann. Ihr erster gemeinsamer Film war Der Triumph des Todes, gefolgt von Schatten der Nacht, erneut aus der Feder Piels. Und damit schrieb der Zwanzigjährige Ende 1912 ein Stück Filmgeschichte: Mit Ludwig Trautmann als Detektiv Brown schuf der Autor und Regisseur Piel den ersten Seriendetektiv des Kinos der Kaiserzeit. Besonders abenteuerlich inszeniert ist die Verfolgungsjagd, bei der Brown die Verbrecherbande Nachtschatten zur Strecke bringen muss - dafür kamen ein Zug, eine extra Lokomotive sowie das Luftschiff Parseval PL VI zum Einsatz. Sie war das erste Schiff, das mit Stollwerck einen Namen bekam. Der Erfolg von Schatten der Nacht war so groß, dass Piel und Trautmann noch vier weitere Detektiv-Brown Abenteuer drehten. Die dreiteilige Menschen und Masken-Serie wurde ein Kassenschlager in Europa, in den USA und in Australien. Weitere Filme sollten im Abenteuer- und Sensationsgenre folgen, in denen immer mehr „Action“ eingebaut wurde. Bald erhielt Piel den Beinamen „Dynamit-Regisseur“, da er einen Sprengmeister kannte, der ihn mit Informationen über bevorstehende Objektsprengungen versorgte, die Piel geschickt in seine Filme einzubauen wusste. 1915 wurde Piel das Hinter-der-Kamera-stehen zu langweilig und er begann, auch vor der Kamera zu agieren. Sein Versuch mit einer eigenen Produktionsfirma Harry Piel & Co. Berlin Fuß zu fassen, begann und endete auch im Jahr 1915 mit dem Film Das verschwundene Los (1915), zu dem er auch das Drehbuch beisteuerte.<ref>Gerhard Lamprecht: Deutsche Stummfilme 1915–1916. Deutsche Kinemathek e. V., Berlin 1969, S. 41.</ref> Der erste Film mit ihm als Hauptdarsteller, Die große Wette, kann dem Science-Fiction-Sujet zugerechnet werden, musste er sich doch mit so genannten „Maschinenmenschen“ auseinandersetzen.

In Unter heißer Zone (1916) wurden erstmals waghalsige Raubtierszenen eingebaut, was Piel in weiteren Filmen, teilweise nach eigenen Dressuren, immer wieder aufgreifen sollte.<ref>Während der Studioaufnahmen zu Panik, 1927, wurde Piel von einem Tiger angefallen und stürzte aus einer Höhe von über fünf Metern in die Tiefe. – Siehe: Der Filmschauspieler Harry Piel von einem Tiger angefallen. In: Neue Freie Presse, Abendblatt, Nr. 22708/1927, 5. Dezember 1927, S. 5 Mitte. (online bei ANNO).Vorlage:ANNO/Wartung/nfp</ref> Es folgten eine Reihe von Filmen (1918–1919) um den von Heinrich Schroth dargestellten Detektiv „Joe Deebs“. Mit dem Film Der große Unbekannte (1919) begann er unter dem Namen „Harry Peel“ auch international bekannt zu werden. 1927 spielte er sogar in einer Doppelrolle mit Marlene Dietrich zusammen in dem Film Sein größter Bluff. Ebenfalls 1927 heiratete Piel in zweiter Ehe die Schauspielerin Dary Holm (1897–1960),<ref>Landesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Schöneberg II, Nr. 33/1927 (kostenpflichtig abrufbar auf Ancestry.com)</ref> die auch in einigen seiner Filme die weibliche Hauptrolle spielte. 1928 gründete Piel mit der Ariel-Film bereits seine fünfte Firma, die bis zur Verstaatlichung 1939 Bestand hatte. In den Kriegs- und Nachkriegsjahren gab es einen volkstümlichen Reim: Harry Piel / sitzt am Nil / wäscht die Beene (Beine) mit Persil.

Datei:Dary Holm und Harry Piel.jpg
Dary Holm und Harry Piel

Der Übergang zum Tonfilm machte Piel mit der Doppelgänger-Komödie Er oder ich (1930) keine Probleme. Bis 1939 sollten noch viele erfolgreiche Abenteuerfilme folgen, so Schatten der Unterwelt (1931), Jonny stiehlt Europa (1932), Das Schiff ohne Hafen (1932, zum Teil gedreht in Bremerhaven), Ein Unsichtbarer geht durch die Stadt (1933), Der Dschungel ruft (1935) und Sein bester Freund (1937). Dann begannen jedoch Schwierigkeiten, als der Film Panik (1940–43) wegen allzu realistischer Darstellung von Luftangriffen verboten wurde. 72 Negative von seinen Filmen, darunter fast alle Stummfilme, wurden bei einem Fliegerangriff vernichtet. In der Endphase des Zweiten Weltkriegs nahm ihn Joseph Goebbels in die Gottbegnadeten-Liste der Schauspieler auf, die er für seine Propagandafilme benötigte.<ref name="Klee457">Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 457.</ref> Dadurch wurde Piel vor einem Kriegseinsatz, auch an der Heimatfront, bewahrt.

Harry Piel war zum 1. Mai 1933 der NSDAP beigetreten (Mitgliedsnummer 3.020.327)<ref>Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/32420828</ref> und war förderndes Mitglied der SS gewesen<ref name="Klee457"/>. Da er dies nach dem Zusammenbruch des Dritten Reiches zunächst verschwiegen hatte, wurde er mit sechs Monaten Haft und fünf Jahren Berufsverbot belegt. Nach seiner Entnazifizierung gründete Harry Piel dann am 17. März 1950 in Wiesbaden (das Ehepaar Piel bezog 1949 eine Villa in Wiesbaden Nerotal 1) erneut die „Ariel-Film“, mit der er jedoch nur noch mäßigen Erfolg hatte. Nach dem Hausverkauf zogen die Piels in eine Mietwohnung; 1958 verließen sie Wiesbaden und wohnten zur Miete in der Emil-Riedel-Str. 4 in München. Die Firma wurde am 26. Januar 1960 gelöscht. Nach einem seiner letzten Filme, Gesprengte Gitter (1940/53), der nach einem umgearbeiteten Skript von Panik gedreht wurde, zog sich Piel aus dem Filmgeschäft zurück. Er starb an den Folgen eines Gehirnschlags in einer Münchner Privatklinik im Alter von 70 Jahren.<ref>HARRY PIEL 12.VII.1892 - 27.III.1963. In: Der Spiegel. 2. April 1963, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 5. Juni 2023]).</ref>

Grabstätte

Die Grabstätte von Harry Piel befindet sich im alten Teil des Münchner Waldfriedhofs (Grabnr. 220-3-77)<ref>Franz Schiermeier: Waldfriedhof München, Übersichtsplan der Grabmäler, 2021, ISBN  978-3-948974-07-7 Titel auf Verlagsseite</ref>.

Verwandtschaft

Der Schauspieler Ralph Morgenstern ist ein Großneffe von Harry Piel.

Filmografie

Literatur

  • Hemma Marlene Prainsack: Grober Unfug! Harry Piel und das Kino der Sensationen edition text + kritik Film-Erbe, 2026. ISBN 978-3-689-30251-1. Herausgegeben von Chris Wahl
  • Matias Bleckman: Harry Piel. Ein Kino-Mythos und seine Zeit. Filminstitut der Landeshauptstadt Düsseldorf, 1992, ISBN 3-929098-01-6
  • Matias Bleckman: Harry Piel – Regisseur, Schauspieler. In: CineGraph – Lexikon zum deutschsprachigen Film, Lieferung 14, 1989.
  • Matias Bleckman: Piel, Harry. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 20. Duncker & Humblot, Berlin 2001, ISBN 3-428-00201-6, S. Vorlage:VonBis (deutsche-biographie.de).
  • Hemma Marlene Prainsack: Harry Piel. Daredevil Director. In: Le Giornate del Cinema Muto 2023.
  • Gerald Ramm:Als Woltersdorf noch Hollywood war. Stummfilmzeit im Osten Berlins. 3. Auflage. Bock & Kübler, Fürstenwalde 1996, ISBN 3-86155-069-5.
  • Gerald Ramm: Das märkische Grabmal. Vergessene Filmlegenden zweier Drehorte. Ramm, Woltersdorf/Schleuse 1997, ISBN 3-930958-06-6.
  • Kay Weniger: Das große Personenlexikon des Films. Die Schauspieler, Regisseure, Kameraleute, Produzenten, Komponisten, Drehbuchautoren, Filmarchitekten, Ausstatter, Kostümbildner, Cutter, Tontechniker, Maskenbildner und Special Effects Designer des 20. Jahrhunderts. Band 6: N – R. Mary Nolan – Meg Ryan. Schwarzkopf und Schwarzkopf, Berlin 2001, ISBN 3-89602-340-3, S. 237 f.

Weblinks

Anmerkungen und Einzelnachweise

<references/>

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