Zum Inhalt springen

Kleiner Sauerampfer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 25. Januar 2026 um 18:43 Uhr durch imported>SchlurcherBot (Bot: http → https).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Kleiner Sauerampfer
Datei:Ahosuolaheinä (Rumex acetosella).jpg

Kleiner Sauerampfer (Rumex acetosella), Habitus

Systematik
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Knöterichgewächse (Polygonaceae)
Unterfamilie: Polygonoideae
Gattung: Ampfer (Rumex)
Art: Kleiner Sauerampfer
Wissenschaftlicher Name
Rumex acetosella
L.

Der Kleine Sauerampfer (Rumex acetosella), auch Zwerg-Sauerampfer oder Kleiner Ampfer genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Ampfer (Rumex).

Beschreibung

Datei:Schapenzuring blad Rumex acetosella.jpg
Laubblatt mit spießförmiger Basis
Datei:Schapenzuring bloemen Rumex acetosella.jpg
Blüten
Datei:Rumex acetosella subsp. acetosella sl3.jpg
Blüten
Datei:Rumex acetosella fruits and seeds, Schapenzuring vruchten en zaden.jpg
Früchte und Samen
Datei:Rumex acetosella — Flora Batava — Volume v1.jpg
Illustration aus Flora Batava, Volume 1

Vegetative Merkmale

Der Kleine Sauerampfer ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 40 Zentimetern erreicht. Aus einem horizontalen Rhizom treiben für gewöhnlich mehrere Stängel bogig bis aufrecht aufsteigend aus. Die Stängel sind in der unteren Hälfte unverzweigt, oben aber oft verzweigend und rötlich überlaufen.

Die Laubblätter sind in Größe und Form sehr variabel, von 1,5 bis 5 Zentimeter lang, das Verhältnis zwischen Länge und Breite liegt zwischen drei und acht. An der Pflanzenbasis sind die Blätter oft lang gestielt, oberhalb der Stängelmitte aber nur kurzstielig oder sitzend. Die Grundblätter haben häufig eine deutlich spießförmige Basis mit zwei waagerecht abstehenden Basallappen, wohingegen bei den Stängelblättern oder inneren Rosettenblättern der Blattgrund oft abgestutzt ist. An den Blättern, die eine spießförmige Basis haben, ist der Mittellappen lanzettförmig und häufig spitz, keinesfalls aber eiförmig. Die Nebenblattscheiden haben eine lanzettlich zerschlitzte Spitze. Die Blätter haben einen bitteren Geschmack.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Mai bis Juli. Der rispige Blütenstand besitzt zahlreiche aufrechte oder leicht bogig abstehende, wenig verzweigte Seitenäste. Die Blüten sind in locker stehenden Knäueln angeordnet und entspringen in der Regel nicht der Achsel eines Tragblattes. Die Blüten sind meist eingeschlechtig und sehr selten zwittrig. In der Regel stehen männliche und weibliche Blüten auf verschiedenen Pflanzen.

Die Valven sind nicht oder nur kaum größer als die Frucht und mit dieser nicht verwachsen. Die Valven tragen erhabene Nerven und keine Schwielen. Die dunkelbraun-glänzenden Nussfrüchte sind mit einer Länge von 1,3 bis 1,5 Millimetern immer länger als breit. Die Fruchtreife beginnt erst ab Ende Juni, ein wichtiges Detail zur Abgrenzung vom Hüllfrüchtigen Sauerampfer (Rumex angiocarpus).

Vorkommen

Der Kleine Sauerampfer ist in fast ganz Europa beheimatet. Die Südgrenze des Verbreitungsgebietes ist Kreta, die Nordgrenze das Nordkap. Nach Osten hin ist Rumex acetosella durch ganz Sibirien bis zur Mandschurei und nach Japan verbreitet. Teilareale gibt es im Atlasgebirge, in Südwest- und Zentralasien sowie im nordöstlichen Kleinasien. In den USA gibt es neophytische Vorkommen, dort breitet sich Rumex acetosella invasiv aus und gilt als schädliches Unkraut („noxious weed“). Weiter ist die Art ein Neophyt in Australien, Neuseeland, Indien, Indonesien, Sri Lanka, den Philippinen, Hawaii, Mexiko, in der Karibik und in Südamerika.<ref name="GRIN" />

Der Kleine Sauerampfer braucht nährstoffarme, am besten leicht saure Böden, die optimalerweise eher locker als fest sind. Am häufigsten gedeiht der Kleine Sauerampfer in Heiden, auf sandigen Wiesen, Schotterflächen, sauren Matten, sauren Äckern oder Mauerritzen. In den Alpen steigt der Kleine Sauerampfer meist bis in Höhenlagen von etwa 1500 Metern auf. In den Allgäuer Alpen kommt er in Bayern am Südosthang des Fellhorns in einer Höhenlage von 1950 Metern vor.<ref name="Dörr-Lippert" /> Er kommt in Pflanzengesellschaften der Klasse Sedo-Scleranthetea, Nardo-Callunetea und der Verbände Polygonion avicularis, Epilobion angustifolii und des Unterverbands Digitario-Setarienion vor.<ref name="Oberdorfer2001" />

Systematik

Die morphologischen Unterschiede zwischen Hüllfrüchtigen Sauerampfer (Rumex angiocarpus), Schmalblättrigem Ampfer (Rumex tenuifolius), Kleinem Sauerampfer (Rumex acetosella) und Rumex graminifolius sind nicht scharf herauszuarbeiten und rechtfertigen so kaum eigene Arten. Genetisch bilden die vier aber eine polyploide Reihe:

  • Rumex angiocarpus <templatestyles src="Person/styles.css" />Murb., 2n = 14 (diploid)
  • Rumex tenuifolius <templatestyles src="Person/styles.css" />(Wallr.) A.Löve, 2n = 28 (tetraploid)
  • Rumex acetosella <templatestyles src="Person/styles.css" />L., 2n = 42 (hexaploid)
  • Rumex graminifolius <templatestyles src="Person/styles.css" />Georgi ex Lamb., 2n = 56 (oktoploid)

Diese verschiedenartigen Chromosomensätze und existierende Sterilitätsbarrieren rechtfertigen jedoch eine Einordnung in vier verschiedene Arten. Gelegentlich werden sie jedoch dennoch in eine Sammelart Rumex acetosella agg. zusammengefasst.

Es gibt von Rumex acetosella etwa vier Unterarten:<ref name="GRIN" />

  • Rumex acetosella <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. acetosella
  • Rumex acetosella subsp. acetoselloides <templatestyles src="Person/styles.css" />(Balansa) Den Nijs: Sie kommt in Griechenland, Bulgarien, auf der Krim, in der Türkei, in Syrien und im Libanon vor.<ref name="GRIN" />
  • Rumex acetosella subsp. multifidus <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Schübl. & G. Martens: Sie kommt in Italien, Albanien, Bulgarien, Mazedonien und in Griechenland vor.<ref name="GRIN" />
  • Rumex acetosella subsp. pyrenaicus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Pourr. ex Lapeyr.) Akeroyd: Sie kommt in Portugal, Spanien, Frankreich, Italien, in Marokko und in Algerien vor.<ref name="GRIN" />

Kleiner Sauerampfer und der Mensch

Vorlage:Hinweisbaustein Der Kleine Sauerampfer (lateinisch früher auch accidula und wie der Wiesen-Sauerampfer acetosa genannt<ref>Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 153.</ref>) gehört je nach Naturraum zu den häufigen bis sehr häufigen oder nur zerstreut auftretenden Arten. Aufgrund seiner breiten ökologischen Valenz und der Eigenschaft sich gut auf von Menschen neu geschaffenen Standorten anzusiedeln und zumindest vorübergehend auch zu behaupten, ist die Art weder rückläufig noch schutzbedürftig. Der Kleine Sauerampfer verträgt eine zweifache Mahd ab Juni und ist gegen Brände nur wenig empfindlich.

Pflanzenteile enthalten reichlich Oxalsäure, die in größeren Mengen für den Menschen, besonders für Nierenkranke, gesundheitsschädlich ist. Wird er vom Vieh in großen Mengen gefressen, verursacht er Durchfall.

Der älteste fossile Nachweis des Kleinen Sauerampfers stammt aus dem Boreal/Atlantikum und wurde 1931 bei Moosburg (Federsee) gefunden. Die älteste literarische Erwähnung für Baden-Württemberg ist von Johann Bauhin aus dem Jahr 1592. Auch Hieronymus Harder sammelte diese Art in Baden-Württemberg schon im 16. Jahrhundert.

Einzelnachweise

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Dörr-Lippert">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 443–444.</ref> </references>

Literatur

  • Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. Eibengewächse bis Schmetterlingsblütengewächse. Band 2. Franckh-Kosmos, Stuttgart 1994, ISBN 3-440-06192-2.
  • Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 1: Allgemeiner Teil, Spezieller Teil (Pteridophyta, Spermatophyta). 2., ergänzte Aufl., Eugen Ulmer, Stuttgart 1993, ISBN 3-8001-3322-9.
  • Sergei L. Mosyakin: Rumex. In: (online) (in englischer Sprache).
  • Li Anjen, Alisa E. Grabovskaya-Borodina, Sergei L. Mosyakin: Rumex. In: (online) (in englischer Sprache).

Weblinks

Commons: Kleiner Sauerampfer (Rumex acetosella) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Vorlage:Hinweisbaustein