Karl-Dieter Bodack
Karl-Dieter Bodack (* 1938 in Stuttgart; † 13. März 2025 in Gröbenzell<ref name="ek-2025-5-50">Ein weiser „Weichensteller“: Zum Tod von Prof. Dipl.-Ing. Karl-Dieter Bodack. In: Eisenbahn-Kurier. Nr. 5, Mai 2025, ISSN 0170-5288, S. 50.</ref>) war ein deutscher Ingenieur und Designer sowie Hochschulprofessor. Bekannt wurde er durch die Gestaltung der Züge des 1988 eingeführten Interregio-Systems der Deutschen Bundesbahn.
Werdegang
Karl-Dieter Bodack wurde 1938 in Stuttgart geboren. Seine Kindheit verbrachte er in Mühlhausen/Thüringen und im Ruhrgebiet.<ref name="ek-2025-5-50" />
Bodack legte die Mittlere Reife ab und machte anschließend eine Ausbildung zum Betriebsschlosser in einer anthroposophischen Lehrwerkstatt in Wanne-Eickel.<ref name="ek-2025-5-50" /> Ab 1958 studierte er Maschinenbau in Essen, Ulm und Stuttgart sowie anschließend Betriebswirtschaft in Berkeley. Nach dem Studium arbeitete er als Entwicklungsingenieur, unter anderem bei der Touristik Union International (TUI).<ref name="Interregio-EK" />
Er ging 1970 zur Deutschen Bundesbahn. Er bekleidete dort bzw. bei der Deutschen Bahn Führungspositionen. Unter anderem leitete er zwei Werkstätten und wirkte bei der Planung von Intercity-Verkehren.<ref name="ek-2025-5-50" /> Er war einer der Gründer der Planungsgesellschaft für innovative Fahrzeugausstattungen (PFA), die ältere Schnellzug-Wagen zu Interregio-Wagen mit neuem Innendesign umbaute.<ref name="mm-1992-336">S. Risch: Ganz neue Züge. In: Manager-Magazin. Nr. 11, 1992, ISSN 0341-4418, S. 336–341.</ref> Auch gestaltete Bodack die Innenausstattung der Reisezugwagen des TUI-FerienExpress.<ref name="Interregio-EK">InterRegio. Die abenteuerliche Geschichte eines beliebten Zugsystems. EK-Verlag, Freiburg 2005, ISBN 3-88255-149-6.</ref> Um 1992 arbeitete er für das Design Center der Deutschen Bundesbahn.<ref name="horizont-1992-18-14">Vorlesungsreihe zum Design-Management. In: Horizont. Nr. 18, 30. April 1992, S. 14.</ref> Im gleichen Jahr war er Abteilungsleiter beim Bundesbahn-Zentralamt München. Das Interregio-Bistro gestaltete er als Weiterentwicklung seiner Arbeit im TUI-FerienExpress nach den Grundsätzen der Organischen Architektur. Zu Architektur wie Organisation zitierte er häufig Rudolf Steiner, gestützt durch Marktforschung und Zielgruppenanalyse.<ref name="Interregio-EK" />
Er war seit seinem Ausscheiden bei der Bahn Berater für die soziale Entwicklung von Initiativen und Unternehmen und gründete einen interdisziplinären Studiengang Design an der Hochschule Coburg. Er hatte dort eine Professur im Studiengang Integriertes Produktdesign inne.<ref>Aus dem Senat. (PDF) In: FHC Blitz Info. Hochschulleitung der FHC, April 2000, S. 4, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 17. Februar 2020; abgerufen am 17. Februar 2020. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
Im März 2012 kandidierte er ohne Erfolg für ein Vorstandsmandat beim Fahrgastverband Pro Bahn,<ref>Stefan Hennigfeld: Jörg Bruchertseifer ist neuer Bundesvorsitzender bei Pro Bahn. Eisenbahnjournal Zughalt.de, 25. März 2012, abgerufen am 25. März 2012.</ref> wurde aber zum Mitglied des Schiedsgerichtes von Pro Bahn gewählt.<ref>Pro Bahn Post (PDF; 575 kB) Jahrgang 25, Heft 301 vom April 2012, S. 8</ref>
Bodack galt als vehementer Kritiker der Unternehmensstrategie der Deutschen Bahn AG. Vor allem kritisierte er die schrittweise ersatzlose Abschaffung des InterRegios. Er zitierte die Wirtschaftswoche vom 27. Mai 2004, Artikel Fliegende Schweine: die DB habe „das meist gefragte Produkt, das ‚Brot-und-Butter-Geschäft‘, vergleichbar mit der Golf-Klasse der PKW-Hersteller, beseitigt“.<ref name="Interregio-EK" /> Aus diesem Grunde sei der Börsengang der Deutsche Bahn AG illusorisch. Bodack bezeichnete das als „sozial und gesellschaftlich gut“, weil sonst nach Verkauf an Investoren diese „sowohl Mitarbeiter als auch Fahrgäste mit ihren Renditeforderungen belasten … und … von den Regierungen immer höhere Subventionen erpressen könnten.“<ref name="Interregio-EK" />
Er war Mitbegründer des Bündnisses Bürgerbahn statt Börsenbahn und wirkte bei Bahn für Alle mit. Er war Mitglied der Schlichtung zu Stuttgart 21 und veröffentlichte mehrere kritische Artikel zu Stuttgart 21.
Er starb am 13. März 2025 plötzlich und unerwartet in Gröbenzell.<ref name="ek-2025-5-50" />
Veröffentlichungen
- Literatur von und über Karl-Dieter Bodack im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- InterRegio. Die abenteuerliche Geschichte eines beliebten Zugsystems. EK-Verlag, Freiburg 2005, ISBN 3-88255-149-6.
- Sich selbst entdecken – Andere verstehen, Schritte zu Selbstentwicklung und erfolgreicher Zusammenarbeit. 6. Auflage Aachen 2013, ISBN 978-3-8440-2219-3.
- Der Weg der Bahn – ein wirtschaftliches und ökologisches Desaster. Offene Akademie, Daaden 2012, ISBN 978-3-941194-08-3.
- Ein Leben mit Spuren. Als Anthroposoph bei der Deutschen Bahn. Info3 Verlag, Frankfurt am Main 2019, ISBN 978-3-95779-103-0.
Literatur
- Karl-Dieter Bodack im Gespräch mit Thomas Edelmann. In: Oliver Götze / Ursula Bartelsheim / Janina Baur (Hrsg.): Design & Bahn. Eine Gestaltungsgeschichte. Prestel, München 2021, ISBN 978-3-7913-7921-0, S. 202–205.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Bodack, Karl-Dieter |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Verkehrswissenschaftler |
| GEBURTSDATUM | 1938 |
| GEBURTSORT | Stuttgart |
| STERBEDATUM | 13. März 2025 |
| STERBEORT | Gröbenzell |