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Kleinhirnsyndrom

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Klassifikation nach ICD-10
G46.4*<ref>Alphabetisches Verzeichnis zur ICD-10-WHO Version 2019, Band 3. Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI), Köln 2019, S. 449.</ref> Kleinhirnsyndrom (I60-I67†)
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ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Als Kleinhirnsyndrom wird ein Symptomkomplex von klinisch fassbaren Symptomen bezeichnet, die bei einer Schädigung des Kleinhirns oft gemeinsam auftreten.

Je nach Ausmaß und Lokalisation der Schädigung unterscheiden sich die Kleinhirnsyndrome im Einzelfall, da das Kleinhirn sehr unterschiedliche Aufgaben übernimmt. Unter Umständen erlaubt allein die Analyse des Beschwerdebildes eine Eingrenzung der geschädigten Region (topische Diagnostik).

Klinische Zeichen

Alle Symptome lassen sich auf zwei Grundstörungen zurückführen: die zerebelläre Ataxie und die Muskelhypotonie.<ref>Walter Gehlen, Heinz-Walter Delank: Neurologie. 12., vollständig überarbeitete Auflage. Thieme, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-13-129772-3, S. 174–176.</ref> Weitere Beeinträchtigungen in Motorik und Koordination sind Schwäche der Stützmuskulatur des Rumpfes, Nystagmus und koordinative Beeinträchtigung der Sprache (verwaschene oder skandierende Sprache).

Zudem sind Störungen bei schnell alternierenden Bewegungen (Dysdiadochokinese), bei Zielbewegungen (Dysmetrie und Intentionstremor) und im Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen (Asynergie) zu beobachten. Nystagmus, Intentionstremor und skandierende Sprache werden als Charcot-Trias zusammengefasst (nach Jean-Martin Charcot).

Werner Hacke (2010) zählt folgende häufige Kleinhirnsyndrome auf, wobei zu beachten ist, dass hier die Syndrome auf die Versorgungsgebiete der wichtigsten Arterien bezogen werden, die auch Teile des Hirnstamms versorgen:<ref>Werner Hacke: Neurologie. 13. Auflage. Springer, 2010, ISBN 978-3-642-12381-8, S. 190.</ref>

Bezeichnung Lokalisation Symptome
Syndrom der oberen Kleinhirnarterie Arteria cerebelli superior ipsilateral: Hemiataxie, Horner-Syndrom; kontralateral: Sensibilitätsstörung
Syndrom der unteren vorderen Kleinhirnarterie Arteria cerebelli inferior anterior ipsilateral (variabel): Hemiataxie, Vestibulocochlearis-Ausfall, Fazialis-Parese, Nystagmus, Opsoklonus
Syndrom der hinteren unteren Kleinhirnarterie Arteria cerebelli inferior posterior ipsilateral: Hemiataxie, Dysmetrie, Lateropulsion, Dysdiadochokinese, Nystagmus, Heiserkeit, Dysphagie; kontralateral: Dissoziierte Sensibilitätsstörung

Literatur

  • Peter Berlit: Basiswissen Neurologie. 5. überarb. und erw. Auflage. Springer, 2007, ISBN 978-3-540-33110-0, S. 232–233: 14.7.2 Kleinhirnsyndrome
  • Walter Gehlen, Heinz-Walter Delank: Neurologie. 12., vollständig überarbeitete Auflage. Thieme, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-13-129772-3, S. 174–176: 13.2.5 Kleinhirnsyndrome.

Weblinks

Einzelnachweise

<references />