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Nevirapin

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Strukturformel
Strukturformel von Nevirapin
Allgemeines
Freiname Nevirapin
Andere Namen

11-Cyclopropyl-4-methyl-5,11-dihydro-6H-dipyrido[3,2-b:2,3-e]-[1,4]diazepin-6-on

Summenformel C15H14N4O
Kurzbeschreibung

weißes bis fast weißes Pulver<ref name="Ph. Eur.">Eintrag Vorlage:Linktext-Check beim Europäisches Direktorat für die Qualität von Arzneimitteln (EDQM)Vorlage:Abrufdatum</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
PubChem 4463
DrugBank DB00238
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Arzneistoffangaben
ATC-Code

J05AG01

Wirkstoffklasse

Virustatikum, nichtnukleosidische Reverse-Transkriptase-Inhibitoren

Wirkmechanismus

nicht-kompetitive Hemmung der reversen Transkriptase

Eigenschaften
Molare Masse 266,30 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Schmelzpunkt

247–249 °C<ref name="RÖMPP Online" />

pKS-Wert

2,8<ref name="RÖMPP Online">Eintrag zu Nevirapin. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Löslichkeit

praktisch unlöslich in Wasser, wenig löslich bis schwer löslich in Dichlormethan, schwer löslich in Methanol<ref name="Ph. Eur." />

Sicherheitshinweise
Bitte die Befreiung von der Kennzeichnungspflicht für Arzneimittel, Medizinprodukte, Kosmetika, Lebensmittel und Futtermittel beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="Sigma">Datenblatt Vorlage:Linktext-Check bei Sigma-AldrichVorlage:Abrufdatum (PDF).</ref>
keine GHS-Piktogramme

H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze<ref name="Sigma" />
Toxikologische Daten

400 mg·kg−1 (LD50Ratteoral)<ref name="Ph. Eur." />

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Nevirapin (NVP, Handelsname Viramune®; Hersteller Boehringer Ingelheim) ist ein Arzneistoff zur Behandlung von HIV-1-infizierten Patienten im Rahmen einer antiretroviralen Kombinationstherapie.

Geschichte

Nevirapin war der erste zugelassene Vertreter der Substanzklasse der nichtnukleosidischen Reverse-Transkriptase-Inhibitoren (NNRTI). Die Zulassung erfolgte 1996 in den USA und 1997 in Europa.

Nebenwirkungen

Wegen der möglichen Hepatotoxizität (Transaminasenerhöhung 10–15 %) sollten die Leberwerte in den ersten zwei Monaten zweiwöchentlich kontrolliert werden, danach zunächst monatlich, da mehr als die Hälfte der hepatotoxischen Episoden nach den ersten drei Monaten auftreten. Bei Hepatotoxizität ist die Therapie zu unterbrechen, bis die Leberwerte wieder die Ausgangswerte erreicht haben.

Seltener sind Fieber, Übelkeit, Schläfrigkeit, Kopf- und Muskelschmerzen. Diese können mit und ohne Hepatotoxizität und/oder Exanthem auftreten.<ref>Nevirapin | hivbuch.de. Abgerufen am 15. August 2020.</ref><ref>HIV-Medikamente - Nevirapin. Abgerufen am 15. August 2020.</ref>

Wechselwirkungen

Nevirapin ist ein Induktor von CYP3A und möglicherweise auch von CYP2B6, mit einer maximalen Induktion innerhalb von zwei bis vier Wochen nach Beginn der Behandlung mit Mehrfachgaben. Wirkstoffe, die auf diesen Wegen metabolisiert werden, können verringerte Plasmaspiegel aufweisen, wenn sie zusammen mit Nevirapin angewendet werden. Daher wird die sorgfältige Überwachung der therapeutischen Wirksamkeit von gemeinsam mit Nevirapin angewendeten Arzneimitteln, die der Cytochrom-P450-Metabolisierung unterliegen, empfohlen.

Die gleichzeitige Anwendung von pflanzlichen Zubereitungen, die Johanniskraut enthalten, ist kontraindiziert, da reduzierte Plasmakonzentrationen und verminderte klinische Wirkungen von Nevirapin resultieren können.

Nevirapin kann die Plasmakonzentration oraler Kontrazeptiva vermindern. Patientinnen sollten daher eine andere Verhütungsmethode wählen.<ref>Avoxa-Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH: Nevirapin|Viramune®|83|1998. Abgerufen am 15. August 2020.</ref>

Pharmakologie

Nevirapin bindet nicht-kompetitiv an die Reverse Transkriptase von HIV-I, nahe der Substratbindungsstelle für Nukleoside. Dadurch wird die katalytisch aktive Bindungsstelle blockiert. Es können nun weniger Nukleoside binden und die Polymerisation wird deutlich verlangsamt. Bedingt durch den Wirkmechanismus ist bereits durch eine einfache Mutation der Bindungsstelle die Entwicklung einer Resistenz des HI-Virus möglich. Hierdurch ergibt sich zusätzlich eine Resistenz gegen andere nichtnukleosidische RT-Inhibitoren, da diese eine gemeinsame Bindungsstelle haben. Daher ist ein Einsatz nur in einer Kombinationstherapie empfohlen.<ref>Grant D. Schauer, Kelly D. Huber, Sanford H. Leuba, Nicolas Sluis-Cremer: Mechanism of allosteric inhibition of HIV-1 reverse transcriptase revealed by single-molecule and ensemble fluorescence. In: Nucleic Acids Research. Band 42, Nr. 18, 13. Oktober 2014, S. 11687–11696, doi:10.1093/nar/gku819, PMC 4191400 (freier Volltext).</ref>

Eine Wirkung auf HIV-II besteht nicht, da dieses eine andere Bindungsstelle aufweist.

Einzelnachweise

<references />

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