Tansanit
Tansanit ist eine blaue bis violette Varietät des Minerals Zoisit. Er wird wie die rosarote Varietät Thulit ausschließlich als Schmuckstein verwendet.
Wie Zoisit kristallisiert Tansanit im orthorhombischen Kristallsystem und entwickelt meist durchsichtige, prismatische bis säulige Kristalle, die eine Länge von mehreren Zentimetern erreichen können und einen glasähnlichen Glanz auf den Oberflächen zeigen. Spaltflächen schimmern dagegen eher perlmuttartig.<ref name="KosmosEdelsteine" />
Etymologie und Geschichte
Die ersten Funde des transparenten, purpur-bläulich- bis lilafarbenen Tansanit gab es 1967 im Norden Tansanias.
Laut der gängigen Version wurde Tansanit am 7. Juli 1967 von Manuel de Souza, einem Schneider aus Goa und nebenberuflichen Goldsucher, entdeckt. Er fand durchsichtige Fragmente blauer und blau-violetter Edelsteinkristalle auf einem Hügel in der Nähe von Mererani, etwa 40 km südöstlich von Arusha.<ref>Unearthing Tanzania's Treasure: The Remarkable Discovery of Tanzanite. Abgerufen am 27. Januar 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Regierung Tansanias bestreitet dies jedoch und argumentiert, dass der erste Entdecker des Tansanits der örtliche Bewohner Jumanne Mhero Ngoma war,<ref>Tansanit: ein seltener und atemberaubender afrikanischer Edelstein. Abgerufen am 27. Januar 2025.</ref> der den Edelstein bereits im Januar 1967 und damit mehrere Monate vor de Souza gefunden haben soll.<ref>Tanzanian gemstone finder living in poverty. Abgerufen am 27. Januar 2025.</ref>
Bekannt wurde der Stein erst durch den New Yorker Juwelier Tiffany. Dieser benannte ihn nach seinem Herkunftsort Tansania, da die Bezeichnung Zoisit ihn zu sehr an das englische Wort für Selbstmord („suicide“) erinnerte.
Eigenschaften
Farbe und optische Effekte
Die blauviolette Farbe ist auf den Einbau von Spuren von Vanadium-Kationen zurückzuführen, wobei die Absorptionsbande (absorbierter Wellenlängenintervall innerhalb eines Spektrums) von V4+ bei 380 nm zu- und die von V3+ bei 350 nm beim Erhitzen abnimmt.<ref name="Mindat" />
Sehr ausgeprägt ist die Mehrfarbigkeit (Pleochroismus) des Tansanits in den Farben purpur, blau und braun oder gelb.<ref name="Schumann" /> Je größer der Stein, umso intensiver die Farbe. Dank seiner ungewöhnlichen Ausstrahlung und mit Hilfe von Tiffany avancierte er rasch zu einem der begehrtesten Edelsteine der Welt.<ref name="gemstone.org"/>
Physikalische und chemische Eigenschaften
Mit einer dem Zoisit entsprechenden Mohshärte von 6 bis 7 gehört Tansanit zu den mittelharten Mineralen, die nicht ganz der sogenannten „Edelsteinhärte“ von über 7 entspricht.
Je nach Anteil der Fremdbeimengungen hat Tansanit eine Dichte zwischen 3,2 und 3,4.
Die optisch positiven Brechungsindices werden mit nα = 1,691; nβ = 1,692<ref name="KosmosEdelsteine" /> und nγ = 1,700 angegeben.<ref name="KosmosEdelsteine" /> Die Doppelbrechung ist mit 0,009<ref name="Schumann" /> sehr gering (zum Vergleich: Calcit, Doppelspat 0,172).
Bildung und Fundorte
Tansanit bildet sich vorwiegend aus hydrothermalen Lösungen in Gängen und Klüften von Gneisen.
Das einzige abbauwürdige und kommerziell genutzte Vorkommen an hochwertigen Tansanit-Kristallen ist noch in den Gilewy Hills bei Arusha in Tansania.<ref name="KosmosEdelsteine"/><ref name="Schumann"/> Die aktuellen Funde erreichen allerdings nur selten die herausragende Qualität früherer Jahre.<ref name="carat-online"/>
Aus der Region Hindukusch in Pakistan wurden zwar ebenfalls Tansanitfunde gemeldet, allerdings erreichen diese Steine weder die Farbgüte noch die Reinheit derjenigen aus Tansania und lassen sich auch durch Brennen nicht in die begehrte blauviolette Farbe überführen.<ref name="carat-online" /><ref name="Edelsteinlabor-Pschichholz" />
Verwendung als Schmuckstein
Normalerweise tritt Tansanit in Größen zwischen 0,5 und 10 Karat auf. Selten finden sich auch größere Kristalle und Tansanit-Katzenaugen. Zwei der bisher größten bekannten Tansanite wurden in einer nicht näher benannten Grube in Tansania gefunden. Die beiden Edelsteine haben jeweils eine Länge von 30 cm und eine Dicke von etwa 10 cm. Mit einem Gesamtgewicht von mehr als 14 kg (9,27 kg und 5,103 kg) erzielten sie beim Verkauf an das lokale Bergbauministerium eine Summe von 7,74 Milliarden Tansania-Schilling (3,35 Millionen US-Dollar).<ref name="Guardian" />
Zuvor galt der 22 Zentimeter hohe und 11.000 Karat schwere „Kilimandscharo“ als größter bekannter Tansanitkristall.<ref name="world-of-crystals"/>
Wegen seiner hohen Transparenz ist das Mineral als Schmuckstein sehr beliebt und erzielt hohe Preise. Aufgrund seiner ausgeprägten Spaltbarkeit nach einer Richtung reagiert Tansanit nicht nur empfindlich auf Druckbelastungen, wie sie bei Schleif- und Fassarbeiten auftreten, sondern auch auf ungleichmäßige Wärmebelastungen bzw. rasche Temperaturwechsel. Bereits das Abnehmen des Reparaturgegenstandes von der Lötkohle oder das Auflegen des Stücks am Lötblech oder Brettstock zur Abkühlung kann zu Rissen im Stein führen.<ref name="beyars.com"/> Ebenso wenig verträgt der Edelstein eine Reinigung im Ultraschallgerät. Auch auf Säuren bzw. Säuregemische reagiert er empfindlich.
Da der Tansanit eine für Edelsteine relativ geringe Mohshärte von 6,5 bis 7 aufweist, die unter der von Quarz (7) liegt, muss auch beim Tragen von Tansanitschmuck die Empfindlichkeit des Steins berücksichtigt werden. Bei grober Behandlung können sonst unter Umständen schnell Kratzer entstehen.
Manipulationen und Imitationen
Ein großer Teil der im Handel befindlichen Tansanite wird durch Brennen bei etwa 400 bis 500 °C<ref name="Schumann"/> aus graubraunen bis gelbbraunen Zoisiten hergestellt. Das Brennen verstärkt zudem die blaue Farbe schwach gefärbter Steine.
Der Prozess des Brennens kann nach heutigem Stand der Wissenschaft nicht immer eindeutig nachgewiesen werden. Eine Möglichkeit ist die Untersuchung des Pleochroismus mit einem Polarisationsfilter. Natürliche, nicht gebrannte Tansanite zeigen häufig ein Farbwechsel von Blau (Bläulich-Violett) zu Goldbraunen. Gebrannte Tansanite zeigen einen Pleochoismus von Blau zu Blauviolett. Ein weiteres Indiz für Hitzebehandlung können (wie z. B. bei Korund bekannt) sogenannte Sprengrisse sein. Diese kommen allerdings in gebrannten Tansaniten selten vor.
Tansanit wird auch durch gefärbtes Glas (billige Variante) oder Dubletten imitiert.
Verwechslungsgefahr aufgrund der Farbe besteht zudem mit Amethyst, Cordierit, Lazulith, Saphir und blauem Spinell.
Synthetischer Tansanit ist bisher unbekannt. Bei dem auf Mineralbörsen gelegentlich angebotenen „synthetischen Tansanit“ handelt es sich meist um synthetischen Forsterit.<ref name="Bruder"/>
Siehe auch
Literatur
- Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S. 176.
- Bernhard Bruder: Geschönte Steine. Das Erkennen von Imitationen und Manipulationen bei Edelsteinen und Mineralien. Neue Erde, Saarbrücken 2005, ISBN 3-89060-079-4, S. 101.
Weblinks
- Mineralienatlas: Tansanit (Wiki)
Einzelnachweise
<references> <ref name="beyars.com">Edelstein-Knigge von Prof. Leopold Rössler – Tansanit. In: beyars.com. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 30. Dezember 2019; abgerufen am 25. Juni 2020. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> <ref name="Bruder"> Bernhard Bruder: Geschönte Steine. Das Erkennen von Imitationen und Manipulationen bei Edelsteinen und Mineralien. Neue Erde, Saarbrücken 2005, ISBN 3-89060-079-4, S. 101. </ref> <ref name="carat-online"> Edelsteinlexikon – Tansanit. In: carat-online.at. Abgerufen am 25. Juni 2020. </ref> <ref name="Edelsteinlabor-Pschichholz"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Edelsteinlabor Dieter Pschichholz: Tansanit (PDF 786 kB) ( vom 7. April 2014 im Internet Archive) </ref> <ref name="gemstone.org"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />ICA Gem Bureau Idar-Oberstein, Tansanit ( vom 30. November 2016 im Internet Archive) </ref> <ref name="Guardian"> Jason Burke: Tanzanian mine owner celebrates discovery of $3.3m gemstones. In: theguardian.com. The Guardian, 25. Juni 2020, abgerufen am 25. Juni 2020. </ref> <ref name="KosmosEdelsteine"> Jaroslav Bauer, Vladimír Bouška: Edelsteinführer. Verlag Werner Dausien, Hanau/Main 1993, ISBN 3-7684-2206-2, S. 206. </ref> <ref name="Mindat"> Tanzanite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 30. März 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="Schumann"> Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten. 1900 Einzelstücke. 16., überarbeitete Auflage. BLV Verlag, München 2014, ISBN 978-3-8354-1171-5, S. 176. </ref> <ref name="world-of-crystals">Matthias Benz: Merelani Mine – Die Fundstelle der weltberühmten Tansanite. World of Crystals, 1. Juni 2013, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 27. Juni 2020; abgerufen am 25. Juni 2020. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> </references>