Hans-Hermann Weyer
Hans-Hermann Weyer-Graf von Yorck (* 22. April 1938 in Berlin; † 15. August 2023<ref>Michael Schilling: Der letzte Paradiesvogel: Trauer um Konsul Hans-Hermann Weyer. In: Abendzeitung. 18. August 2023, abgerufen am 18. August 2023. </ref> in Rio de Janeiro, Brasilien) war ein deutscher Titelhändler. In den Medien wurde er meist als Konsul Weyer bezeichnet, er selbst trat als Consul Weyer Graf von Yorck auf.<ref>Consul Weyer Graf von Yorck. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar); abgerufen am 15. Januar 2021.</ref>
Leben
Weyer wurde in Berlin geboren und wuchs dort auf. Als sein Vater 1955 aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft heimkehrte, hatte seine Mutter diesen bereits für tot erklären lassen und den britischen Offizier Clifford Davis geheiratet. Erst nach Jahren konnte Weyer seinen Vater in Uruguay aufspüren. Sein Bruder wurde Pilot bei einer deutschen Fluggesellschaft.
Sein Stiefvater Davis soll Weyer Zugang zu Diplomatenkreisen verschafft haben, über die dieser Geschäftsbeziehungen mit den Botschaftern armer Länder aufnahm, die sich keine Berufskonsulate leisten konnten. Damals vermittelte Weyer nach eigenen Angaben 465 Honorarkonsulate. Weyer behauptete 2009, über ein Vermögen von „knapp unter 300 Millionen“ Euro zu verfügen,<ref>TV-Interview bei Exclusiv – Das Starmagazin (RTL) am 13. Dezember 2009.</ref> im Jahre 2019 „450 Millionen auf der Kante“ zu haben.<ref>Abendzeitung: Der Titelhändler Consul Weyer: Die Eitelkeit stirbt nie. 16. Oktober 2019, abgerufen am 31. Dezember 2021.</ref> Ein Schwerpunkt seiner Geschäftstätigkeit lag in Südamerika,<ref>Großhändler der Eitelkeit. Abgerufen am 22. September 2025.</ref> wo er mit Paraguays damaligem Diktator Alfredo Stroessner persönliche Kontakte gepflegt haben soll.<ref>Alfredo Stroessner. In: Der Spiegel. 14. November 1982, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 20. August 2023]).</ref>
Der zahlungskräftigen Kundschaft vermittelte Weyer Adoptionen durch meist verarmte Mitglieder von Adelshäusern. Er selbst ließ sich 1996<ref>Merkur.de. Abgerufen am 5. März 2026.</ref> von einer Gräfin von Yorck adoptieren. In der Öffentlichkeit trat Weyer gelegentlich in von ihm entworfenen Uniformen auf.<ref>In Uniform posiert Hans Hermann Weyer mit seiner Frau Christina am in ... Abgerufen am 25. Dezember 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Name Hans Weyer: Hans Hermann Weyer – Alchetron, The Free Social Encyclopedia. 18. August 2017, abgerufen am 25. Dezember 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Kurze Zeit machte Weyer als Vorsitzender und Kanzlerkandidat der am 18. November 1979 in München gegründeten Deutschen Freiheitspartei (DFP) Schlagzeilen.<ref name="spiegel-39867469">PERSONALIEN: Rudolf Hanauer, Hans Herrmann Weyer, Eduard Pestel, Heribert Burkert, Volker Hauff. In: Der Spiegel. Nr. 48, 1979 (online).</ref> Nach eigenen Angaben hatte die Partei 26.000 Mitglieder.<ref name="spiegel-14326912">PERSONALIEN: Hans Hermann Weyer. In: Der Spiegel. Nr. 36, 1980 (online).</ref> Die DFP trat zur Bundestagswahl 1980 nur mit einem Direktkandidaten im Wahlkreis Freising an und erreichte 96 Stimmen.<ref>Statistisches Bundesamt Wiesbaden: Wirtschaft und Statistik 10/80. Hrsg.: Statistisches Bundesamt Wiesbaden. Verlag W. Kohlhammer, 1980, S. 659 f. (statistischebibliothek.de [PDF]).</ref>
Im Jahr 1991 heiratete Weyer die Ärztin Christina Scholtyssek (* 1963), eine Tochter des Diplomaten Karl-Heinz Scholtyssek. Über viele Jahre war Weyer in Fernseh-Talkshows<ref name="spiegel-13687526">In den 1990er Jahren wurde er zum Beispiel in der spätabendlichen NDR-Talk-Show Visavis mit der Sozialwissenschaftlerin und Publizistin Jutta Ditfurth konfrontiert: Talk-Shows: Gehen ist Gold. In: Der Spiegel. Nr. 5, 1993 (online).</ref> zu Gast und erschien in der Berichterstattung zahlreicher Klatschblätter sowie in der Werbung für den Milchproduzenten Onken.
Weyer starb am 15. August 2023 in Rio de Janeiro im Alter von 85 Jahren. Er wurde auf dem Bad Godesberger Burgfriedhof beigesetzt.<ref>Consul Hans-Hermann Weyer ist gestorben. In: General-Anzeiger. 18. August 2023, abgerufen am 6. März 2026.</ref>
Werke
- Schwarz-rot-goldene Titelträger. Ein indiskretes Handbuch für die große Karriere. München 1971 (mit Joachim Hemmann und Richard Kerler)
- Ich, der schöne Consul. Karrieren für die Wunderkinder. Goldmann Verlag, München 1986, ISBN 3-7770-0426-X.
Schallplatten
- Von Hamburg nach Hawaii (nur auf Cover abgebildet; Kompilation, Ariola 1962)
- C’est La Vie, Ma Chérie / Du hast so lange nicht gelacht (als Konsul Weyer; Single, Metronome 1966)
TV
- Titel, Orden, Consulate (RTL, 1991, 8 Ausgaben)
Literatur
- Der Dekorateur. In: Der Spiegel. Nr. 45, 1990 (online).
Weblinks
- Literatur von und über Hans-Hermann Weyer im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Vorlage:IMDb/1
- Consul Weyer Graf von Yorck
- Consul Weyer (weyeriana.de)
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Weyer, Hans-Hermann |
| ALTERNATIVNAMEN | Weyer-Graf von Yorck, Hans-Hermann (vollständiger Name) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Titelhändler |
| GEBURTSDATUM | 22. April 1938 |
| GEBURTSORT | Berlin |
| STERBEDATUM | 15. August 2023 |
| STERBEORT | Rio de Janeiro, Brasilien |