Trockenurinal
Ein Trockenurinal (auch wasserloses Urinal) ist ein Urinal mit Ablauf, aber ohne Wasserspülung.
Herkömmliche Urinale benötigen pro Spülung mindestens drei Liter Wasser, wasserlose hingegen funktionieren ganz ohne Wasser und Spülvorrichtung.<ref name="EcoUrinal">Oeko-Innovationen: Wasserlose Urinale. Kein Wasserverbrauch und mehr Hygiene. (PDF, 170 kB) Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie, September 2009, abgerufen am 30. April 2015.</ref>
Das erste Trockenurinal im heutigen Sinne wurde Ende des 19. Jahrhunderts von Wilhelm Beetz nach Erfindung des von ihm so bezeichneten Ölsiphons entwickelt. Die ebenso von ihm entwickelte Sperrflüssigkeit nannte er Urinol.
Funktionsweise
Trockenurinale können auf verschiedenen Art und Weisen betrieben werden. Die bekanntesten Funktionsweisen sind ein Siphon mit einer „Sperrflüssigkeit“ oder mit einem Membran.
Siphon mit „Sperrflüssigkeit“
In den Siphon wird eine biologisch abbaubare „Sperrflüssigkeit“ eingefüllt. Diese Flüssigkeit ist leichter als Urin und hydrophob. Der schwerere Urin kann somit durch die Sperrflüssigkeit hindurch abfließen, ohne sich mit dieser zu vermischen. Im Gegensatz zum herkömmlichen Urinal, bei dem der Geruchsverschluss durch das im Siphon verbleibende Spülwasser erfolgt, wird im Trockenurinal das Entweichen unangenehmer Gerüche durch die oben schwimmende Sperrflüssigkeit verhindert und somit kein Wasser verbraucht.<ref>Ein Pissoir ohne Wasserspülung? So funktioniert das Trockenurinal. 25. Juli 2016, abgerufen am 3. Februar 2026.</ref>
Membran-Technologie
Die andere Form der Trockenurinale arbeitet mit einer flüssigkeitsdurchlässigen Membran. Diese nutzen häufig die Schlauchmembrantechnik. Das Schlauchmembran öffnet sich, sobald sich Flüssigkeit auf die Membran legt, und fließt dann durch den Schlauch hindurch. Danach sieht sich der Schlauch selbstständig wieder zusammen. Der Geruch bleibt unterhalb des Membrans.<ref>Geruchsverschluss für Urinale – Membran-System. Culu, 3. Februar 2026, abgerufen am 3. Februar 2026.</ref>
Beide Formen müssen gewartet werden (Sperrschicht nachfüllen beziehungsweise Membran ersetzen). Außerdem ist bei der Ausführung mit einer Membran sicherzustellen, dass keine Fremdkörper in das Urinal geworfen werden können (zum Beispiel Zigarettenkippen). Dieses System wird auch in Kombination mit einer Spüldüse angeboten, die mit einem Liter Wasser pro Spülung auskommen soll.
Ein drittes System arbeitet mit einem Schwimmer in einem flüssigkeitsgefüllten Behälter. Er wird durch auftreffende Flüssigkeit niedergedrückt, sodass diese abfließen kann, anschließend drückt er wieder nach oben gegen den Ablauf, sodass keine Kanalgase austreten können. Wartungsaufwand kann hier durch Undichtigkeiten der Schwimmer-Ablaufverbindung auftreten (ggfs. Austausch oder Reinigung der Teile).
Einsatz
Von den etwa sechs Millionen Urinalen in Deutschland waren 2006 etwa 5000 (davon 450 schon seit der Expo 2000 in Hannover) und 2009 etwa 100.000 wasserlos.<ref name="EcoUrinal" />
Gerade in Off-Grid-Gebieten und in Kombination mit Trockentrenntoiletten werden wasserlose Urinale bereits recht standardmäßig verwendet. Ein Beispiel ist die Toilettenanlage im Wildpark, die auf dem Foto erkennbar ist.<ref>Trockentrenntoilettenanlage. ABEREUS, abgerufen am 3. Februar 2026.</ref> Ein anderes Beispiel hierfür sind die Hütten des Deutschen Alpenvereins (DAV).<ref>Grenzen des Machbaren. Deutscher Alpenverein, 2025, abgerufen am 3. Februar 2026.</ref>
Weblinks
Einzelnachweise
<references />