Trettmann
Trettmann (* 9. Oktober 1973 als Stefan Richter in Karl-Marx-Stadt,<ref>Mathias Wöbking: Der Dancehall-Direktor: Ronny Trettmann feiert in der Distillery sein Debütalbum, in LVZ, 2. Mai 2013</ref><ref>NEO MAGAZIN ROYALE mit Jan Böhmermann vom 3. Oktober 2019. Abgerufen am 29. April 2020.</ref> heute Chemnitz) ist ein deutscher Hip-Hop-, RnB- und Dancehall-Sänger. Weithin bekannt wurde er ab 2016 mit deutschsprachigem Trap und Cloud Rap, wobei er seine Texte in einem Stil zwischen Rap und moduliertem Gesang vorträgt.
Leben und Karriere
Kindheit und Jugend
Stefan Richter wuchs zusammen mit seinem älteren Bruder bei seiner Mutter auf. Die Familie lebte im Wohngebiet Fritz Heckert, einem großen Plattenbau-Neubaugebiet.<ref name="Zeit-2018-45">Marcel Laskus: Kratzer in der Platte. In: Die Zeit, Nr. 45/2018, vom 31. Oktober 2018.</ref> Als früheste musikalische Einflüsse bezeichnete er später die Plattensammlung seiner Mutter sowie „Black Music“ im Westradio.<ref name="Juice-2017-11-17">Wenzel Burmeier: Trettmann: »Was gibt es Schöneres, als wenn sich Styles mischen?«. In: Juice vom 17. November 2017.</ref>
Erste Eindrücke von Hip-Hop erlangte er 1984 durch den Auftritt der B-boys-Gruppe New York City Breakers in der Fernsehsendung Wetten, dass..? sowie durch den Film Beat Street,<ref name="Juice-2017-11-17" /> der 1985 in die DDR-Kinos kam.<ref>Hip Hop in der DDR: Improvisiert und originell. MDR vom 21. April 2016.</ref> Richter begann Breakdance zu tanzen und schloss sich verschiedenen Chemnitzer Crews an.
Zur selben Zeit wurde er Mitglied des Zentralen Pionier- und FDJ-Ensembles Karl-Marx-Stadt,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Trettmann x Ines Anioli ( vom 22. Januar 2019 im Internet Archive). Interview vom 5. Juli 2018 auf Talk-o-mat.</ref> das in einer Extra-Schulklasse unterrichtet wurde. Zusätzlich zum normalen Unterricht erhielten die Schüler und Schülerinnen dort eine Ausbildung in Orchester- und Chormusik, Tanz und Sprechen.<ref>Falk Bittner: Wiedersehen nach 25 Jahren: Erinnerung an „Rosen für Teddy“. In: Freie Presse vom 6. August 2014.</ref> Dafür wechselte er 1984 die Schule,<ref>Klasse 5e im Jahre 1984 auf ZPE-Treffen 2014.</ref> und besuchte ab der 5. Klasse die E-Klasse an der Fritz-Schmenkel-Schule in Chemnitz-Schönau.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Oberschule Schönau / Siegmar ( vom 21. Dezember 2018 im Internet Archive)</ref> Richter legte das Abitur nach der Wende in Chemnitz ab, eine Ausbildung oder ein Studium schloss er nicht an.
Während der 1990er-Jahre mussten Musiker der Chemnitzer Hip-Hop-Szene laut einer Aussagen DJ Rons vor Neonazis flüchten, nur wegen ihres Hip-Hop-Styles.<ref name="Taz">Johann Voigt: Rap ist oft immer noch sexistisch. In: taz.de. Die Tageszeitung, 30. Juni 2024, abgerufen am 30. Januar 2025.</ref> In der Dokumentation Trettmann: Aufs Maul, weil er kein Nazi war erzählte Trettmann selbst, dass sie sich in den Anfangsjahren der Chemnitzer Hip-Hop-Szene hätten bewaffnen müssen. Die gemeinsame Erfahrung verarbeitet er im Lied NAWW, das im März 2024 auf seiner EP Your Love Is King erschien.<ref>Trettmann: Folge 1: Trettmann: Aufs Maul, weil er kein Nazi war (S01/E01). In: ardmediathek.de. ARD Kultur, Westdeutscher Rundfunk, 15. Oktober 2024, abgerufen am 30. Januar 2025 (Interview mit Trettmann ab Minute 20:00).</ref>
Reggae
Anfang der 1990er Jahre reiste er erstmals nach Jamaika, ein Reiseziel, das ihn musikalisch stark beeinflusste.<ref>Ralf Theil: Mit Trettmann & KitschKrieg auf Jamaika: „Billie Holiday“. In: Red Bull Magazine vom 14. März 2018.</ref> In den folgenden Jahren arbeitete er in verschiedenen Aushilfsjobs, unter anderem im Schallplattenladen „Kiox“ des Vaters von Felix Kummer.<ref>Julia Friese: Felix Kummer und Trettmann geben Chemnitz nicht auf – wir haben sie in ihrer Heimatstadt getroffen. In: Musikexpress. 15. November 2019, abgerufen am 13. Juni 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Nebenbei legte er Platten auf.<ref name="rap.de-2018-07-27">Krissi Kowsky: 12 Jahre Trettmann – seine Karriere in Songs. In: rap.de, Berlin vom 27. Juli 2018.</ref> Eine Zeitlang lebte er in Berlin, 2001 zog er nach Leipzig, um mit seinen Freunden vom Reggae-Soundsystem Rotzlöffel HiFi Partys zu veranstalten und als MC aufzutreten.<ref>Die Sonne Sachsens. Interview in Die Freie presse vom 15. September 2017.</ref>
Mit seiner Debüt-Single Der Sommer ist für alle da! unter dem damaligen Künstlernamen Ronny „RT“ Trettmann kam Richter 2006 für vier Wochen in die deutschen Singlecharts. Der Name sollte ähnlich wie „Dreadman“ klingen, also Mann mit Dreads.<ref name="Spiegel-2010-12-19">Frauke Lüpke-Narberhaus. Junge Mundart-Musiker: Reggae auf Sächsisch – Ronny Trettmann. In: Spiegel Online vom 19. Dezember 2010.</ref> Ronny Trettmann sang seine Songs in sächsischem Dialekt und persiflierte die deutsche Reggae/Dancehall-Szene.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Eintrag zu Ronny Trettmann ( vom 5. Januar 2015 im Internet Archive) auf der Website der Initiative Musik gGmbH</ref> Der Kaffee-Mix (2006) fasst die frühen Produktionen bei dem Label Germaican Records zusammen. 2007 eröffnete er die große Bühne auf dem Summerjam-Festival und hatte seinen ersten Auftritt beim Splash-Festival. 2008 machte er mit Hand ab! auf den sogenannten „Leipziger Bleiskandal“ aufmerksam: In Leipzig war mit Blei gestrecktes Marihuana in Umlauf gebracht worden und hatte mehrere Dutzend Menschen vergiftet.<ref>Busse, Fiedler Leichtle, Hentschel, Stumvoll: Bleiintoxikationen durch gestrecktes Marihuana in Leipzig. In: Deutsches Ärzteblatt, Jg. 105 (2008), Nr. 44, S. 757–762, doi:10.3238/arztebl.2008.0757.</ref>
Im Frühjahr 2008 beendete Richter die Zusammenarbeit mit Germaican Records und gründete sein eigenes Label Heckert Empire. Zusammen mit Soulforce, Musikproduzenten aus Krefeld, die auch ein Soundsystem betrieben, veröffentlichte er im Herbst desselben Jahres den Heckert Empire Mix und entfernte sich damit immer mehr von dem Image des reinen Comedy-Künstlers. In seinem Lied Großvater setzt er sich 2008 mit der Vergangenheit seiner Großeltern auseinander.<ref name="rap.de-2018-07-27" /> 2010 trat er etwa 40 Mal im Jahr auf, sein erstes Studioalbum Zwei chlorbleiche Halunken erschien, aufgenommen zusammen mit Rüdiger Schramm alias Ranking Smo. Den sächsischen Dialekt und damit den Comedy-Act hatte Trettmann bis dahin endgültig abgelegt.<ref name="Spiegel-2010-12-19" /> Vor der Veröffentlichung seines Albums Tanz auf dem Vulkan (2013) sammelte er mittels Crowdfunding Geld für Promotion, Marketing und Produktion eines Tonträgers. Vom gesammelten Geld wurde auch das Video zur Singleauskopplung Ostseemuse produziert.<ref>Lisa Kühnert: Birnenpfeffi mit Zimt: Ronny Trettmann mit neuem Album im Atomino, 371stadtmagazin.de.</ref>
Trettmann
Seit 2016 tritt Richter nur noch als Trettmann auf.<ref>Trettmann: „2016 fühlt es sich an, als wäre meine Zeit reif.“, backspin.de, 1. Februar 2016</ref> In diesem Jahr veröffentlichte er mit KitschKrieg in rascher Folge drei EPs, die ein Musikkritiker als „wolkige[n] KitschKrieg-Beats […] nach Cloudrap-Art“ bezeichnete.<ref name="FAZ-2017-10-06">Kornelius Friz: Da lebt noch was im Beton. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 6. Oktober 2017.</ref>
Durch Gastauftritte auf dem kommerziell erfolgreichen Album Palmen aus Plastik der Musiker RAF Camora und Bonez MC wurde Trettmann 2016 einem größeren Publikum bekannt. Mit seinem Album #DIY erreichte er 2017 erstmals die deutschen Albumcharts auf Platz 17.<ref>#DIY Platz 17</ref> Im Jahr 2018 blieb Richter gemeinsam mit den Rappern Gzuz, Ufo361 und Gringo mit dem Lied Standard, welches von seinen Stammproduzenten KitschKrieg produziert wurde, mehrere Wochen auf Platz 1 der deutschen Charts.
Am 13. September 2019 wurde das selbstbetitelte Album Trettmann in Zusammenarbeit mit KitschKrieg veröffentlicht, das Platz 2 der deutschen Charts erreichte.
2022 sagte er aus gesundheitlichen Gründen alle Festivalauftritte des Jahres ab. Im März 2023 erschien sein Album Insomnia.<ref>Christin Rodrigues: Album verschoben: Trettmann äußert sich zu seinem Gesundheitszustand. Abgerufen am 13. September 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Die Sängerin Uschi Brüning wirkte 2024 an Trettmanns Song NAWW (Nach Allem Was War) mit – ihr Gesangs-Part ist am Ende des Liedes zu hören.<ref>Brüning: Teile Trettmanns Sicht auf Wendezeit, mdr.de (MDR Kultur), 15. April 2024, abgerufen am 10. Juli 2025.</ref>
Trettmann lebt in Leipzig. Bis 2023 arbeitete er mit KitschKrieg in Berlin-Kreuzberg.
Diskografie
Vorlage:Eingebundene Diskografie
Auszeichnungen
- 2017: 1. Platz in der Kategorie „Solokünstler National“: Trettmann<ref name="Juice-Awards-2017">JUICE Awards 2017: Das sind die Gewinner (national). In: JUICE Magazin vom 9. Februar 2018.</ref>
- 2017: 1. Platz in der Kategorie „Mixtape / EP National“: Megaloh x Trettmann x KitschKrieg – Herb & Mango<ref name="Juice-Awards-2017" />
- 2017: 1. Platz in der Kategorie „Album National“: #DIY<ref name="Juice-Awards-2017" />
- 2018: 1. Platz in der Kategorie „Bester Song National“: KitschKrieg ft. Trettmann, Gringo, Ufo361 & Gzuz – Standard<ref>David Büchler: Hiphop.de Awards 2018: Das sind die Gewinner. In hiphop.de vom 20. Januar 2019.</ref>
- 2017: 1. Platz in der Kategorie „Bestes Album National“: Trettmann - #DIY<ref>Saskia Meister: Hiphop.de Awards 2017: Die Gewinner!. In hiphop.de vom 12. Januar 2018.</ref>
- 2018: in der Kategorie „Lieblings-Solokünstler“ (#DIY)<ref name="PfP">Gewinner 2018. preisfuerpopkultur.de, 19. Oktober 2018, abgerufen am 25. Oktober 2018.</ref>
- 2018: in der Kategorie „Lieblingsalbum“ (#DIY)<ref name="PfP" />
- 2018: in der Kategorie „Lieblingslied“ (Grauer Beton)<ref name="PfP" />
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Trettmann |
| ALTERNATIVNAMEN | Trettmann, RT (Pseudonym); Richter, Stefan (wirklicher Name); Trettmann, Ronny (Pseudonym) |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Reggae-Sänger |
| GEBURTSDATUM | 9. Oktober 1973 |
| GEBURTSORT | Karl-Marx-Stadt |