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Zuckersteuer

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Eine Zuckersteuer ist eine Verbrauchsteuer auf Zucker und zuckerhaltige Lebensmittel. Mit dem Begriff werden auch speziell Steuern auf zuckerhaltige Getränke gemeint; in diesem Kontext werden Zuckersteuern auch Softdrinksteuer oder Limonadensteuer (engl. Sugar-sweetened beverage tax) genannt.

Geschichte

Zucker war ein kostbares Genussmittel, das in Mitteleuropa bis in die Neuzeit nur für reiche und adelige Leute zur Verfügung stand. Dieser Rohrzucker wurde daher auch „Weißes Gold“ genannt. Erst mit der industriellen Zuckerherstellung aus der Zuckerrübe konnte Zucker ab 1801 zu einem beliebten Lebensmittel für die breiten Massen werden. Damit war es aus Sicht des Staates ein ergiebiger und auch geeigneter Gegenstand der Besteuerung. Demnach handelte es sich nicht um eine Luxussteuer.

1840 wurde der Würfelzucker von Jacob Christoph Rad erfunden und 1841 das erste Zuckersteuergesetz in Preußen erlassen. Mit der Rohstoffsteuer wurden sowohl der Import von Rohzucker aus Übersee, als auch der heimische mit Zuckerrüben hergestellte Zucker besteuert. Später wurde die Steuer in eine reine Verbrauchsteuer umgewandelt. Faktisch handelte es sich bei dieser als Fabrikatsteuer erhobenen Abgabe um eine Art der Steuersubvention für zuckerproduzierende deutsche Großgrundbesitzer. Bemessungsgrundlage der Steuer war die angenommene durchschnittliche Zuckerausbeute aus den Rüben. Der weitaus größte Teil des in Deutschland produzierten Zuckers wurde exportiert, die Steuer wurde in diesem Fall in Höhe der tatsächlich exportierten Zuckermenge erstattet. Weil die reale Zuckerausbeute immer größer als die angenommene und besteuerte war, erhielten die Exporteure größere Beträge erstattet als sie zuvor als Steuer entrichtet hatten. Sie überschwemmten den Weltmarkt mit ihrem Zucker.<ref></ref>

In anderen Ländern (zum Beispiel England) wurde die Steuer nur auf den Import von Zucker erhoben. In diesen Fällen war die Steuererhebung einfach, weil sie lediglich auf dem Weg der Verzollung eingeführten Zuckers erfolgte. Als 1874 in England die Zuckersteuer abgeschafft wurde, stieg der Pro-Kopf-Zuckerverbrauch von 23 kg (1873) auf 31 kg (1880).

In den meisten anderen Ländern, die selbst Zucker produzierten, variierte der Gegenstand der Besteuerung. In Frankreich und Russland wurde die Steuer auf das fertige Endprodukt erhoben, in Belgien auf das halbfertige Produkt, also die Menge des produzierten Rübensaftes. In Deutschland schließlich wurde die Menge der gelieferten Zuckerrüben besteuert, die genaue Bezeichnung der Steuer war also Rübenzuckersteuer.

Zwecke

Mit Steuern auf zuckerhaltige Getränke und andere zuckerhaltige Lebensmittel werden, neben der Erzielung von Staatseinnahmen, vor allem Lenkungszwecke verfolgt: Die Bevölkerung soll zu einer gesünderen Ernährung bewegt und externe Kosten sollen vermieden werden, die der Gesellschaft bei übermäßigem Softdrink-Konsum im Gesundheitswesen und durch Produktivitätsverringerungen entstehen. Die Einnahmen können zweckgebunden verwendet werden, beispielsweise zur Reduzierung der Preise alternativer gesünderer Lebensmittel.<ref name="who2022ch12">Weltgesundheitsorganisation (Hrsg.): WHO manual on sugar-sweetened beverage taxation policies to promote healthy diets. 2022, ISBN 978-92-4005629-9, 1.2 Rationale for SSB-Taxes (who.int).</ref><ref>Peter Lloyd, Donald MacLaren: Should We Tax Sugar and If So How? In: The Australian Economic Review. Oktober 2018, doi:10.1111/1467-8462.12299.</ref>

Die Weltgesundheitsorganisation rät Regierungen, zuckerhaltige Getränke mit einer Sondersteuer von mindestens 20 Prozent zu belegen. Die Abgabe könne zu einem spürbaren Rückgang des Zuckerkonsums führen. Im Ergebnis würden weniger Menschen an Übergewicht, Adipositas, Zuckerkrankheit oder Karies leiden.<ref>WHO fordert: Limo und Cola müssen teurer werden, Süddeutsche Zeitung, 11. Oktober 2016</ref><ref>WHO urges global action to curtail consumption and health impacts of sugary drinks, World Health Organization (WHO), 11. Oktober 2016</ref> Mit ähnlichen Argumenten wird auch eine Fettsteuer diskutiert oder eine gemeinsame Besteuerung von fett- und zuckerhaltigen Lebensmitteln. Im Gegensatz zu Abgaben auf Fett und Zucker zielt eine diskutierte Fleischsteuer nicht hauptsächlich auf den Gesundheitsschutz, sondern primär auf eine nachhaltigere Landwirtschaft mit einem geringeren Flächenverbrauch, der Gesundheitsschutz ist hier ein Nebenaspekt.

Gestaltung und Wirkungen

Die Besteuerung zuckerhaltiger Getränke kann – je nach Ausgestaltung der Steuer – auf zweierlei Weise den Zuckerkonsum reduzieren: Zum einen können Hersteller den Getränken weniger Zucker zusetzen, um Steuern und Preiserhöhungen zu vermeiden. Zum anderen können höhere Endverbraucherpreise die Konsumenten dazu veranlassen, weniger zuckerhaltige Getränke zu kaufen.<ref name="who2022ch12"/> Eine bei den Herstellern erhobene Steuer führt aber nur insoweit zu einer Erhöhung der Endverbraucherpreise, als Hersteller und Handel die Steuer auf die Konsumenten überwälzen können. Bei Softdrinkssteuern wurden laut einer 2022 veröffentlichten Übersichtsarbeit im Mittel 82 % der Steuerlast überwälzt.<ref name="andreyeva2022">Tatiana Andreyeva, Keith Marple, Samantha Marinello et al.: Outcomes Following Taxation of Sugar-Sweetened Beverages: A Systematic Review and Meta-analysis. In: JAMA Health. 1. Juni 2022, doi:10.1001/jamanetworkopen.2022.15276.</ref> Verschiedene Studien deuten darauf hin, dass die Einführung von Steuern auf zuckerhaltige Getränke tatsächlich zur Verringerung des Zuckergehalts und zu einem verringerten Konsum besteuerter Getränke führt. Die Preiselastizität liegt bei −1 oder noch darunter: Ein 10 Prozent höherer Preis der Getränke führt zu einer um 10 oder mehr Prozent verringerten Nachfrage.<ref>Barry M. Popkin, Shu Wen Ng: Sugar-sweetened beverage taxes: Lessons to date and the future of taxation. In: PLOS Medicine. 7. Januar 2021, doi:10.1371/journal.pmed.1003412 (open access).</ref><ref>Scott Kaplan, Justin S. White, Kristine A. Madsen et al.: Evaluation of Changes in Prices and Purchases Following Implementation of Sugar-Sweetened Beverage Taxes Across the US. In: JAMA Health Forum. 5. Januar 2024, doi:10.1001/jamahealthforum.2023.4737.</ref><ref name="andreyeva2022"/>

Die Einführung einer Softdrinksteuer kann dazu führen, dass Konsumenten auf andere, ebenfalls ungesunde Alternativen ausweichen (Substitutionseffekt). In Mexiko wichen Konsumenten auf nicht-besteuerte Fruchtsäfte und Milchgetränke aus, die ebenfalls einen hohen Zuckergehalt aufweisen. Dem kann durch eine geeignete Steuerbasis begegnet werden.<ref name="schmacker2018">Renke Schmacker: Softdrinksteuer: Proportionale Steuer ist der vielversprechendste Ansatz (= DIW Aktuell. Nr. 10). 2018 (handle.net).</ref>

Eine Untersuchung der dänischen Softdrinksteuer, die 2012–2014 erhoben wurde, deutet darauf hin, dass die Wirkung von der Selbstkontrolle der Konsumenten abhängt: Zwar bewirkten Steuervariationen im Mittel deutliche Änderungen der Nachfrage. Aber Konsumenten mit wenig Selbstkontrolle reduzierten nach Steuererhöhungen ihre gekaufte Menge kaum, Steuersenkungen wirkten hingegen auf alle nahezu gleich nachfragesteigernd. Menschen mit niedriger Selbstkontrolle wären aber gerade die, denen eine Zuckersteuer bei der Erreichung langfristiger Ziele helfen sollte, weniger Zucker zu sich zu nehmen. Eine stufenweiser Steuertarif wie in Großbritannien, der stärker an den Produzenten ansetzt den Zuckergehalt zu verringern, könnte daher wirksamer sein.<ref>Renke Schmacker: Zuckersteuer: Reaktion der Konsument*innen hängt stark von deren Selbstkontrolle ab. In: DIW Wochenbericht. Nr. 23, 2024, S. 335–341 (diw.de).</ref>

Ob die in verschiedenen Staaten existierende Besteuerung von unverarbeitetem Zucker oder von mit Zuckerzusätzen versehenen Lebensmittel tatsächlich einen Rückgang des Zuckerkonsums, von Übergewicht und ernährungsbezogenen Krankheiten bewirkt hat, ließ sich in einer 2020 veröffentlichten Übersichtsarbeit mangels aussagekräftiger Studien noch nicht einschätzen.<ref>Manuela Pfinder, Thomas L Heise, Michele Hilton Boon, Frank Pega, Candida Fenton, Ursula Griebler, Gerald Gartlehner, Isolde Sommer, Srinivasa Vittal Katikireddi, Stefan K Lhachimi: Taxation of unprocessed sugar or sugar‐added foods for reducing their consumption and preventing obesity or other adverse health outcomes. In: Cochrane Database of Systematic Reviews. April 2020, doi:10.1002/14651858.CD012333.pub2.</ref><ref name="gfrp2023"/> Die meisten Steuern gab es Ende der 2010er-Jahre noch nicht lange genug, um Aussagen über gesundheitliche Effekte treffen zu können.<ref>Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages (Hrsg.): Studien zu gesundheitlichen Auswirkungen einer Zuckersteuer. WD 9 – 3000 – 028/18, 20. Mai 2018.</ref>

Steuern auf zuckerhaltige Getränke wirken regressiv, d. h. Haushalte mit niedrigen Einkommen werden prozentual höher belastet, wenn sie ihre Konsumgewohnheiten nicht anpassen. Dem stehen die progressiv wirkenden Gesundheitseffekte gegenüber, die bei einem Ausweichen auf gesündere Alternativen entsprechend zum Tragen kommen. Darüber hinaus kann mit den Einnahmen aus einer Zuckersteuer gezielt ein Ausgleich geschaffen werden.<ref name="schmacker2018"/>

Zuckersteuern nach Staat

Datei:Sugary drink taxes.svg
Staaten mit Steuern auf zuckerhaltige Getränke (rot: Steuer in Kraft, orange: aufgehoben, Stand: 09/2020)

Softdrinksteuern gab es 2023 in mehr als 50 Staaten, darunter in Europa Belgien, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Kroatien, Lettland, Polen, Portugal, Spanien und Ungarn.<ref name="gfrp2023">University of North-Carolina, Chapel Hill: Global Food Research Program (Hrsg.): Sugary drink taxes around the world. 2023 (globalfoodresearchprogram.org).</ref> Hinzu kamen in einzelnen Staaten Steuern auf verschiedene besonders zuckerhaltige Lebensmittel.<ref>Thomas Severin, Harald Jatzke: Bei der Zuckersteuer von anderen Staaten lernen. In: Gesundheit und Gesellschaft, Ausgabe 6/2020. AOK, abgerufen am 8. Dezember 2023.</ref>

Deutschland

Die Zuckersteuer wurde in Deutschland zum 1. Januar 1993 mit Inkrafttreten des Europäischen Binnenmarkts zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen abgeschafft.<ref>Abgeschaffte und ausgelaufene Steuern, Manager Magazin, 5. Dezember 2002</ref>

Deutschland setzt seit 2015 auf Selbstverpflichtungen der Wirtschaft zur Verringerung des Zuckeranteils in Softdrinks. Der mittlere Zuckeranteil ging zwischen 2015 und 2021 um 2 % von 5,3 auf 5,2 g pro 100 ml zurück, deutlich unter dem Ziel einer 9 %igen Verringerung und deutlich unter der Verringerung um 29 %, die es in Großbritannien im gleichen Zeitraum gab und das seit 2017 auf eine Zuckersteuer setzt.<ref>Peter von Philipsborna, Oliver Huizingac, Anna Leibingera, Diana Rubin, Jacob Burnsa, Karl Emmert-Feese, Sara Pedron, Michael Laxy, Eva Rehfuessa: Interim Evaluation of Germany’s Sugar Reduction Strategy for Soft Drinks: Commitments versus Actual Trends in Sugar Content and Sugar Sales from Soft Drinks. In: Annals of Nutrition and Metabolism. 2023, doi:10.1159/000529592 (open access).</ref>

Mit Aussagen wie „Zucker macht krank“<ref>Zu viel Zucker macht die Deutschen krank, Der Tagesspiegel, 23. März 2015</ref> und „es gibt keinen Bedarf, Zucker … als Lebensmittel aufzunehmen“<ref>foodwatch kritisiert Informationspolitik der Bundesregierung zum Thema Zucker, Foodwatch, 1. November 2016</ref> werben Krankenkassen-Fachleute und die Nicht-Regierungs-Organisation Foodwatch für die Wiedereinführung der Zuckersteuer in Deutschland und werden dabei von Mitgliedern des Bundestags-Gesundheitsausschusses unterstützt.<ref>Krankenkassenchef für Zuckersteuer, Handelsblatt, 29. Dezember 2016</ref><ref>Wegen Diabetes und Übergewicht: CDU- und SPD-Politiker fordern Zuckersteuer, Huffington Post, 24. August 2016</ref> Auch die Zukunftskommission Landwirtschaft empfiehlt in ihrem 2021 erschienenen Abschlussbericht eine Abgabe auf Zucker.<ref>Zukunft Landwirtschaft. Eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe - Empfehlungen der Zukunftskommission Landwirtschaft. Zukunftskommission Landwirtschaft, August 2021, abgerufen am 16. Oktober 2021.</ref>

Ein Forschungsteam von der Technischen Universität München und der Universität Liverpool kam 2023 zu dem Ergebnis, dass eine Zuckersteuer auf süße Erfrischungsgetränke in Deutschland allein innerhalb der nächsten 20 Jahre bis zu 16 Milliarden Euro sparen und zahlreiche Erkrankungen vermeiden würde. Das Team simulierte mehrere Varianten von Zuckersteuern. Wenn die Steuer je nach der Zuckermenge variieren würde, würden die Rezepturen der Getränke verändert und die Menge des verkauften Softdrinks werde zurückgehen.<ref>dpa: Zuckersteuer könnte 16 Milliarden Euro sparen und Krankheiten vermeiden (faz.net vom 21. November 2023)</ref>

Im Juli 2024 forderten 9 der 16 Bundesländer die Bundesregierung auf, eine Steuer auf besonders zuckerhaltige Getränke zu prüfen. Zur Begründung wird angeführt, dass trotz freiwilliger Selbstverpflichtung und Zusagen der Industrie in Deutschland der durchschnittliche Zuckergehalt von z. B. Softgetränken in den vergangenen Jahren nicht in dem Maße gesunken sei, wie es für eine gesundheitsförderliche Ernährung erforderlich wäre.<ref>Neun Bundesländer fordern Zuckersteuer. In: Tagesschau.de. 25. Juli 2024, abgerufen am 11. Dezember 2024.</ref>

Im März 2026 übergab die Finanzkommission Gesundheit ihren ersten Bericht an Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) mit Vorschlägen zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen zählt die Einführung einer gestaffelten Steuer auf zuckergesüßte Erfrischungsgetränke. Die Finanzkommission schätzt die jährlichen Steuereinnahmen dieser Zuckersteuer im ersten vollen Jahr nach Einführung auf rund 450 Millionen Euro.<ref name="FKG-Bericht">Erster Bericht der Finanzkommission Gesundheit. Bundesministerium für Gesundheit, 30. März 2026, abgerufen am 25. April 2026.</ref> Hinzu kommen mittel- und langfristig erwartete Einsparungen im System der gesetzlichen Krankenversicherung von 20 bis 170 Millionen Euro, weil Erkrankungen vorgebeugt werden kann.<ref>Was eine Zuckerabgabe bringen könnte in www.tagesschau.de vom 29. April 2026, abgerufen am selben Tag</ref>

Empfohlen wird eine Besteuerung nach Zuckergehalt: Getränke mit weniger als 5 Gramm Zucker pro 100 Milliliter sollen steuerfrei bleiben; für Getränke mit einem Zuckergehalt von 5 bis unter 8 Gramm pro 100 Milliliter wird eine Steuer von 26 Cent je Liter vorgeschlagen, ab 8 Gramm pro 100 Milliliter 32 Cent je Liter. Die Steuerhöhe soll regelmäßig an die Inflation angepasst werden.<ref>Kommission der Regierung rät zur Zuckersteuer. In: Lebensmittel Zeitung. Abgerufen am 25. April 2026.</ref> Nina Warken äußerte sich im April 2026 grundsätzlich offen und erklärte, sie sei „sehr dafür, auch neben Alkohol und Tabak das Thema Zuckersteuer anzugehen“.<ref>Debatte über Abgabe: Wie Völkel und Eckes-Granini eine Zuckersteuer bewerten. In: Lebensmittel Zeitung. Abgerufen am 25. April 2026.</ref> Das Bundeskabinett plant die Einführung einer Zuckersteuer auf Getränke ab 2028.<ref>Anja Braun: Die Zuckersteuer auf Getränke soll 2028 kommen. In: SWR. 29. April 2026, abgerufen am 29. April 2026.</ref>

Großbritannien

Seit April 2018 gilt in Großbritannien eine Zuckersteuer für zuckerhaltige Getränke mit Ausnahme von Fruchtsäften, Getränken auf Milchbasis und den Produkten sehr kleiner Unternehmen. Getränke mit mehr als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter werden mit einer Abgabe von 18 Pence pro Liter belegt. Softdrinks mit mehr als acht Gramm Zucker pro 100 Milliliter werden mit 24 Pence pro Liter besteuert.

Die Einführung der Steuer wurde im Haushaltsplan vom März 2016 angekündigt. Zweck der Steuer ist die Bekämpfung der Adipositas bei Kindern.<ref>Budget 2016. (PDF) HM Treasury, abgerufen am 7. April 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Dies soll auf zwei Wegen geschehen: Die Produzenten sollen Anreize bekommen den Zuckergehalt der Getränke zu senken, und Konsumenten sollen zuckerärmere Getränke bevorzugen.<ref name=":0">Childhood Obesity: A Plan for Action. (PDF) HM Government, August 2016, abgerufen am 7. April 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Steuereinnahmen sollen in den Ausbau von Sportanlagen und Sportprogrammen in Schulen fließen.<ref>ÖKO-TEST Verlag, Patrick Junker: Zuckersteuer: Großbritannien führt Abgabe auf Getränke ein. Abgerufen am 30. März 2018.</ref><ref></ref>

2015 wurde geschätzt, dass die Kosten im staatlichen Gesundheitssystem (National Health Service) für Adipositas-bedingte Erkrankungen 5,1 Milliarden Pfund pro Jahr betrugen. Zusammen mit den Ausgaben bezüglich Diabetes ergab sich ein Betrag, der die Ausgaben für Polizei, Feuerwehr und Justizsystem übersteigt.<ref name=":0" />

In den Jahren 2015 bis 2018 ging die Gesamtmenge des mit zuckerhaltigen Getränken verkauften Zuckers um 29 % zurück. Die Reduktion ließ sich zu knapp drei Vierteln auf die Verringerung des Zuckeranteils in den Getränken zurückführen – viele Unternehmen reduzierten die Zuckermenge in ihren Getränken um 15 % und mehr – und zu etwas mehr als einem Viertel auf ein verändertes Kaufverhalten. Die Veränderungen werden zu einem Gutteil der Zuckersteuer zugeschrieben.<ref>Amount of sugar sold in soft drinks drops by 29% in the UK. University of Oxford, Nuffield Department of Primary Care Health Sciences, 13. Januar 2020, abgerufen am 19. Oktober 2021.</ref> Zwar ging der Zuckerkonsum schon vor Einführung der Steuer zurück, doch ein Jahr nach der Einführung beschleunigte sich der Rückgang deutlich. Kinder nahmen 2019 geschätzt etwa 23 % weniger Zucker durch den Konsum von Softdrinks zu sich gegenüber einem „Weiter-so“-Szenario ohne Steuer, bei Erwachsenen könnten es an die 40 % gewesen sein.<ref>Nina Trivedy Rogers, Steven Cummins, Catrin P Jones, Oliver Mytton, Mike Rayner, Harry Rutter, Martin White, Jean Adams: Estimated changes in free sugar consumption one year after the UK soft drinks industry levy came into force: controlled interrupted time series analysis of the National Diet and Nutrition Survey (2011–2019). In: Journal of Epidemiology and Community Health. Juli 2024, doi:10.1136/jech-2023-221051.</ref>

Irland

Seit dem 1. Mai 2018<ref>Government welcomes European Commission approval of Sugar-Sweetened Drinks Tax (Presseerklärung der irischen Regierung vom 24. April 2018)</ref> gilt in Irland eine Zuckersteuer von 20 Cent pro Liter für Getränke mit mehr als fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter. Für Getränke mit mehr als acht Gramm Zucker pro 100 Milliliter gilt eine Zuckersteuer von 30 Cent.<ref></ref><ref></ref>

Mexiko

Mexiko weist eine der weltweit höchsten Fettleibigkeitsraten auf. Stand 2022 waren drei von vier Mexikanern übergewichtig, gut 30 Prozent fettleibig.<ref>Thomas Milz: American Way of Life: Mexiko hat ein Fettleibigkeitsproblem. In: Neue Zürcher Zeitung. 8. August 2022, ISSN 0376-6829 (nzz.ch [abgerufen am 23. Oktober 2024]).</ref>

Im Herbst 2013 war in Mexiko eine Steuer von einem Mexikanischen Peso pro Liter auf zuckerhaltige Getränke sowie eine 5-prozentige Steuer auf Junkfood beschlossen worden.<ref>Héctor Figueroa Alcantara: Aprueba Senado en lo general el esquema de impuestos 2014. 28. Oktober 2013, abgerufen am 23. Oktober 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Zuvor hatten Limonadenhersteller durch eine Medienkampagne versucht, das mexikanische Abgeordnetenhaus und den Senat von dem Gesetzesvorhaben abzubringen. Die Limonadenhersteller argumentierten u. a., dass eine solche Maßnahme nicht dazu beitragen würde, die Fettleibigkeit in Mexiko zu reduzieren und zudem Hunderte von Mexikanern, die in der Zuckerrohrindustrie arbeiten, arbeitslos machen würde.<ref>Industriales y productores cañeros rechazan IVA a refrescos | Red Política – El Universal. 3. März 2016, abgerufen am 23. Oktober 2024.</ref> Innerhalb eines Jahres nach Umsetzung des Gesetzes gingen die Verkäufe von Limonade in Mexiko laut einer Studie um 6 % zurück. Beim ärmsten Teil der Bevölkerung ging der Limonadenkonsum um 9 % innerhalb eines Jahres nach Einführung der Zuckersteuer zurück. Die Käufe von Wasser und unversteuerten Getränken stiegen innerhalb eines Jahres nach Einführung der Zuckersteuer deutlich an. Die Autoren der Studie forderten die mexikanischen Behörden auf, die Zuckersteuer zu verdoppeln, um den Zuckerkonsum weiter zu senken. Die Autoren der Studie räumten zwar ein, dass die Auswirkungen der Getränkesteuer moderat seien, merkten aber an, dass Untersuchungen nahelegten, dass eine 20-prozentige Steuer auf zuckerhaltige Getränke erforderlich sei, um den Zuckerkonsum so weit zu reduzieren, dass sich dies merklich positiv auf die Gesundheit der Gesellschaft auswirkt.<ref>Mexican Soda Tax Helps Curb Consumption, Study Shows. In: wsj.com. The Wall Street Journal, 7. Januar 2016, abgerufen am 23. Oktober 2024.</ref><ref>M Arantxa Colchero, Barry M Popkin, Juan A Rivera, Shu Wen Ng: Beverage purchases from stores in Mexico under the excise tax on sugar sweetened beverages: observational study. In: BMJ. Januar 2016, doi:10.1136/bmj.h6704 (open access).</ref>

Eine 2016 in der PLoS Medicine veröffentlichte Studie kam zu dem Schluss, dass eine 10-prozentige Verbrauchssteuer auf Limonaden „über einen Zeitraum von zehn Jahren 189.300 neue Fälle von Typ-2-Diabetes, 20.400 Schlaganfälle und Herzinfarkte sowie 18.900 Todesfälle bei Erwachsenen zwischen 35 und 94 Jahren verhindern könnte“. Der Studie zufolge könnte „allein die Verringerung der Diabetesfälle zu Einsparungen von 983 Millionen US-Dollar bei den prognostizierten Gesundheitskosten führen“.<ref name=":1">Mexico's soda tax will save 18,900 lives and more than $983 million over 10 years, study says. In: latimes.com. Los Angeles Times, 3. November 2016, abgerufen am 23. Oktober 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Luz Maria Sánchez-Romero, Joanne Penko, Pamela G. Coxson, Alicia Fernández, Antoinette Mason, Andrew E. Moran, Leticia Ávila-Burgos, Michelle Odden, Simón Barquera, Kirsten Bibbins-Domingo: Projected Impact of Mexico’s Sugar-Sweetened Beverage Tax Policy on Diabetes and Cardiovascular Disease: A Modeling Study. In: PLoS Medicine. 1. November 2016, doi:10.1371/journal.pmed.1002158.</ref>

Schweiz

Eine Standesinitiative des Kantons Neuenburg über eine Zuckersteuer in der Schweiz wurde 2018/19 vom Parlament abgelehnt.<ref>17.308 | Für ein Bundesgesetz über zuckerhaltige Produkte und für einen beschränkten Zugang zu Nahrungsmitteln mit hohem Energiegehalt. In: parlament.ch. Abgerufen am 30. Oktober 2019.</ref> Aktuell diskutiert der Grosse Rat des Kantons Neuenburg über eine Kantonale Zuckersteuer.<ref>Neuchâtel: le projet de taxe sur les boissons sucrées à nouveau renvoyé en commission, auf arcinfo.ch</ref> Eine Standesinitiative des Kantons Genf zur Einführung einer nationalen Zuckersteuer ist ebenfalls pendent im Parlament. Im Ständerat wurde die Standesinitiative unter Verweis auf freiwillige Massnahmen durch die Industrie einstimmig abgelehnt.<ref>Mais im Bundeshuus 5.0: WBK-N sucht Kompromiss, auf parlament.ch</ref>

Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) setzt seit 2015 mit der Erklärung von Mailand auf freiwillige Zuckerreduktion bei den Lebensmittelherstellern.<ref>Zuckerreduktion, auf blv.admin.ch</ref> Gemäß der IG Erfrischungsgetränke reduzieren die Hersteller den Zuckergehalt seit Jahren freiwillig.<ref>Weniger Zucker in Süssgetränken: Bund strebt Deal mit Coca-Cola und Co. an, Aargauer Zeitung vom 20. November 2021</ref>

Fanta und Orangina enthalten heute (2019) in der Schweiz mehr als doppelt so viel Zucker wie in Großbritannien.<ref>Lars Gotsch: Fanta & Co. - Das süssere Leben in der Schweiz. In: srf.ch. 19. September 2018, abgerufen am 30. Oktober 2019.</ref><ref>Brigitte Wenger, Amanda Arroyo: Weniger Zucker - Ein Würfel – viele Interessen. In: srf.ch. 29. Oktober 2019, abgerufen am 30. Oktober 2019.</ref>

Vereinigte Arabischen Emirate

Die Vereinigten Arabischen Emirate führten zum 1. Januar 2026 eine Softdrinksteuer ein, die an den Zuckergehalt gekoppelt ist. Als Begründung wurden steigende Zahlen von Diabetes und Fettleibigkeit in der Region genannt.<ref>Softdrinksteuer in Emiraten greift zum neuen Jahr. In: Ärzteblatt. 30. Dezember 2025, abgerufen am 1. Januar 2026.</ref>

Siehe auch

Literatur

  • Manuela Pfinder, Thomas L Heise, Michele Hilton Boon, Frank Pega, Candida Fenton, Ursula Griebler, Gerald Gartlehner, Isolde Sommer, Srinivasa Vittal Katikireddi, Stefan K Lhachimi: Taxation of unprocessed sugar or sugar‐added foods for reducing their consumption and preventing obesity or other adverse health outcomes. In: Cochrane Database of Systematic Reviews. April 2020, doi:10.1002/14651858.CD012333.pub2.
  • Zuckersteuer. In: Meyers Konversations-Lexikon. 4. Auflage. Band 16, Verlag des Bibliographischen Instituts, Leipzig/Wien 1885–1892, S. 982.

Weblinks

Wiktionary: Zuckersteuer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

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