Zum Inhalt springen

Paul B. Baltes

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 13. Februar 2026 um 00:15 Uhr durch imported>Scottmsg.
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Paul B. Baltes (* 18. Juni 1939 in Saarlautern, heute: Saarlouis; † 7. November 2006 in Berlin) war ein deutscher Psychologe und einer der führenden Gerontologen weltweit. Er war Mitglied des Senats der Max-Planck-Gesellschaft.

Leben

Baltes studierte von 1959 bis 1963 Psychologie an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken und promovierte dort anschließend 1967. Bereits nach der Ablegung des Diploms verbrachte er ein Jahr an der University of Nebraska. Nach seiner Promotion war er 12 Jahre lang als Professor für Psychologie und Gerontologie an mehreren US-amerikanischen Universitäten tätig. Zuerst nahm er das Angebot von Warner Schaie für eine Professur an der West Virginia University an. Aus den „West Virginia Conferences on Lifespan Development“ entstand die Buchserie „Lifespan Development and Behavior“. 1972 wurde er Department Head of Human Development an der Pennsylvania State University.<ref>Curriculum Vitae Paul B. Baltes. Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, abgerufen am 30. August 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 1980 wurde Baltes wissenschaftliches Mitglied der Max-Planck-Gesellschaft und Direktor am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin. Von 1980 bis 2004 leitete er den Forschungsbereich Entwicklungspsychologie. Nach seiner Emeritierung 2004 wurde er Distinguished Professor an der University of Virginia, 2005 gründete er das Internationale Max-Planck-Forschungsnetzwerk zur Alternsforschung. Darüber hinaus blieb er bis zu seinem Lebensende Sprecher der International Max Planck Research School sowie Vorstandsmitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, zudem gehörte er dem Konvent für Technikwissenschaften der Union der deutschen Akademien der Wissenschaften an. Baltes war auch Initiator der Akademiengruppe Altern in Deutschland, die von 2006 bis 2009 bestand.

Die Forschungsschwerpunkte von Paul Baltes waren vor allem die geistige Entwicklung über die Lebensspanne, die Erforschung der Weisheit sowie methodologische Innovationen. Zusammen mit seiner Frau Margret M. Baltes (1939–1999), Professorin für Psychologische Gerontologie am Psychologischen Institut der Freien Universität Berlin, entwarf er eine Theorie erfolgreicher Entwicklung im Altern als Zusammenwirken von Selektionen, Optimierung und Kompensation.

International bekannt wurde Baltes dank des von ihm eingeführten Verfahrens „Testing the Limits“, einer Methodik zur Erkenntnis der Plastizität biopsychosozialer Entwicklungen. Zusammen mit Neil J. Smelser gab er die 26-bändige International Encyclopedia of the Social & Behavioral Sciences heraus, die im Elsevier-Verlag erschienen ist.

Baltes war unter anderem Mitinitiator der Berliner Altersstudie und der Margret M. Baltes und Paul B. Baltes Stiftung. Er starb im Alter von 67 Jahren nach einer langen, schweren Krebserkrankung.

Ehrungen

Er erhielt zahlreiche Wissenschaftspreise, Ehrungen, Ehrendoktorate und war Träger des Ordens Pour le Mérite für Wissenschaft und Künste. Er war Mitglied der American Academy of Arts and Sciences (seit 1991) und der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften. Seit 2000 Mitglied war er Mitglied des Ordens Pour le Mérite der Wissenschaften und Künste. Er hielt Ehrendoktorwürden der Universität Jyväskylä, Finnland (1990), Universität Stockholm, Schweden (1992), Universität Genf, Schweiz (2000) und Humboldt-Universität zu Berlin (2002).

Seit 2000 engagierte er sich als Vizepräsident der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, in der er seit 1992 Mitglied war. Er war Gründer der Jungen Akademie, einer gemeinsamen Unternehmung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Leopoldina.

Im Jahr 2000 wurde Baltes mit dem Longevity Prize der IPSEN Foundation ausgezeichnet. Am 16. Oktober 2001 wurde ihm von Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Paul B. Baltes Lecture

Seit 2008 veranstaltet die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften die jährliche Paul B. Baltes Lecture, für die führende internationale Psychologinnen und Psychologen als Vortragende nach Berlin eingeladen werden. Die Paul B. Baltes Lecture ist eine gemeinsame Initiative der Psychologie-Institute in Berlin and Potsdam (Freie Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technische Universität Berlin, Universität Potsdam, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung) und wird von der Margret M. and Paul B. Baltes Foundation unterstützt.

Werke (Auswahl)

Baltes war Autor oder Herausgeber von 18 Büchern und mehr als 250 Artikeln und anderen wissenschaftlichen Arbeiten.

2000
  • Autobiographical reflections: From developmental methodology and lifespan psychology to gerontology. In J. E. Birren & J. J. F. Schroots (Eds.), A history of geropsychology in autobiography (pp. 7–26). Washington, American Psychological Association.
1999
  • Alter und Altern als unvollendete Architektur der Humanontogenese. Nova Acta Leopoldina: Neue Folge, 81, 379–403.
  • Baltes, P. B; Baltes, M. M; Freund, A. M; Lang, F: The measurement of selection, optimization, and compensation (SOC) by self report: Technical report 1999. Materialien aus der Bildungsforschung No. 66. Berlin, Max-Planck-Institut für Bildungsforschung.
  • Karl Ulrich Mayer, Paul B. Baltes (Hrsg.): Die Berliner Altersstudie. Akademie Verlag GmbH, Berlin 1999, ISBN 978-3-05-002574-2.
1998
  • Testing the limits of the ontogenetic sources of talent and excellence. In: Behavioral and Brain Sciences, 21, 407–408.
  • Theoretical propositions of life-span developmental psychology: On the dynamics between growth and decline. In: M. Powell Lawton & T. A. Salthouse (Eds.), Essential papers on the psychology of aging (pp. 86–123). New York, New York University Press.
  • The Social Science Research Council: 75 years young. Items, 52, 69–72.
  • Baltes, P. B; Lindenberger, U; Staudinger, U. M: Die zwei Gesichter der Intelligenz im Alter. In: Spektrum der Wissenschaft: Digest "Altern, Krebs und Gene", 2:78–87.
1997
  • Gegen Vorurteile und Klischees: Die Berliner Altersstudie – Neue Erkenntnisse über die Zielgruppe alte Menschen. In: Häusliche Pflege, 4:224–228.

Weblinks

Literatur

Einzelnachweise

<references />

Vorlage:Hinweisbaustein