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Helmut Kutin

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Datei:Save The World Awards 2009 show18 - Helmut Kutin.jpg
Helmut Kutin nimmt stellvertretend für SOS-Kinderdorf den Preis beim Save the World Award 2009 entgegen.

Helmut Kutin (* 4. Oktober 1941 in Bozen, Südtirol, Italien; † 23. April 2024 in Bangkok, Thailand<ref>Trauer bei SOS-Kinderdorf: Ehrenpräsident tot. In: krone.at. 22. April 2024, abgerufen am 22. April 2024.</ref><ref>Der Reisejournalist Axel N. Halbhuber, der eine Romanbiographie über Kutin verfasst hat, widmete Kutin in der Zeitung "Kurier" (Printversion vom 28. April 2024) einen Nachruf (hinter einer Bezahlschranke; in der Printversion S. 16) und eine Würdigung (in der Printversion S. 38).</ref>) war ein österreichischer Sozialmanager und von 1986 bis 2012 Präsident von SOS-Kinderdorf International. Im Zuge des Bekanntwerdens von Missbrauch und Gewalt in SOS-Kinderdörfern wurden auch gegen Kutin schwere Vorwürfe erhoben.

Leben und Wirken

Helmut Kutin war das fünfte Kind des Rechtsanwaltes Eduard Kutin und seiner Gattin Josefine. Kurz nacheinander starben seine älteste Schwester, als erstes Opfer des Serienmörders Guido Zingerle, und seine Mutter. Der Vater verlor aufgrund der politischen Situation die italienische Staatsbürgerschaft, die Familie wurde auseinandergerissen, und so kam Helmut Kutin als Halbwaise im Jahr 1953 in das erste SOS-Kinderdorf nach Imst in Tirol. Er wuchs im Haus „Frieden“, dem ersten SOS-Kinderdorf-Haus, auf. Kutin absolvierte die Pflichtschule in Imst, seine Jugendzeit verlebte er im SOS-Jugendhaus in Innsbruck. Er besuchte die dortige Lehrerbildungsanstalt, maturierte 1963 und begann danach ein Studium der Volkswirtschaft an der Universität Innsbruck. Er arbeitete bis 1967 im Tourismusbereich sowie als Erzieher, um sich das Studium zu finanzieren.

Nach Gesprächen mit Hermann Gmeiner und einer Sprachausbildung in Paris übernahm Helmut Kutin im Herbst 1967 seine erste Aufgabe im Rahmen von SOS-Kinderdorf International. Er begann mit dem Bau des ersten vietnamesischen SOS-Kinderdorfes in Saigon, dem heutigen Ho-Chi-Minh-Stadt. Im Jahr 1968 übernahm er die Leitung dieses Dorfes, das damals das größte SOS-Kinderdorf der Welt war. Er baute und betreute ein weiteres SOS-Kinderdorf und zwei Jugendeinrichtungen in Vietnam, ehe er 1976, ein Jahr nach Ende des Vietnamkriegs, das Land verlassen musste. Helmut Kutin verlegte seinen Arbeitsplatz für die Leitung der SOS-Kinderdörfer in Asien in das SOS-Kinderdorf Bangkok (Thailand). Im Dezember 1987 konnte mit der Regierung der Sozialistischen Republik Vietnam ein Vertrag über die Reaktivierung des SOS-Kinderdorfes in Ho-Chi-Minh-Stadt und die Errichtung eines zweiten SOS-Kinderdorfes in der Hauptstadt Hanoi unterzeichnet werden.

In Asien leistete Helmut Kutin, der in der Zwischenzeit zum stellvertretenden Generalsekretär von SOS-Kinderdorf International gewählt worden war, bahnbrechende Arbeit. Es ist ihm zu verdanken, dass in nicht einmal zehn Jahren über 50 SOS-Kinderdörfer und weitere 50 Zusatzeinrichtungen, wie Kindergärten, Hermann-Gmeiner-Schulen, Ausbildungszentren, Mutter-Kind-Einrichtungen und Krankenstationen errichtet werden konnten. Die SOS-Kinderdorf-Idee ist heute in zwölf Ländern Asiens fest etabliert, und ein ganz besonderes Ereignis war die Eröffnung von zwei SOS-Kinderdörfern in der Volksrepublik China im Frühjahr 1987.

Im Jahr 1985 wurde Helmut Kutin, noch zu Lebzeiten Hermann Gmeiners, von diesem selbst zu seinem Nachfolger ernannt. Die Präsidentschaft übernahm Kutin nach dem Tod von Gmeiner im Jahr 1986. Seitdem war Kutin bis 2012 Präsident des Dachverbandes SOS-Kinderdorf International und gleichzeitig auch Präsident von SOS-Kinderdorf Österreich. In den Jahren 1988, 1993, 1998, 2003 und 2008 wurde er in diesen Funktionen bestätigt.

Im Jahre 2012 löste Siddhartha Kaul Kutin als Präsident von SOS-Kinderdorf International ab.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Neuer Präsident Siddhartha Kaul will eine Million Kinder erreichen (Memento vom 1. Juli 2012 im Internet Archive) sos-kinderdorf.at, ohne Autor, ohne Datum.</ref> Kutin wurde aus diesem Anlass zum Ehrenpräsidenten ernannt.<ref>Curriculum vitae of Helmut Kutin, Honorary President – SOS Children’s Villages International. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 22. September 2015; abgerufen am 7. Oktober 2015 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Er blieb weiterhin Vorsitzender des Aufsichtsrats von SOS-Kinderdorf Österreich<ref>Die SOS-Kinderdorf-Organisation. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 21. Oktober 2015; abgerufen am 10. Oktober 2015.</ref> und hauptamtlicher Vorstandsvorsitzender des deutschen Unterstützungsvereins SOS Kinderdörfer weltweit – Hermann-Gmeiner-Fonds e. V.<ref>Website von SOS-Kinderdörfer weltweit. Abgerufen am 10. Oktober 2015.</ref>

Im April 2024 starb Kutin im Alter von 82 Jahren.<ref>Trauer bei SOS-Kinderdorf: Ehrenpräsident tot. In: krone.at. 22. April 2024, abgerufen am 22. April 2024.</ref> Seine Urne wurde in Imst beigesetzt.<ref>Langjähriger Föderationspräsident Helmut Kutin verstorben. In: sos-kinderdorf.de. 29. April 2024, abgerufen am 28. Oktober 2025.</ref>

Unter Kutins Leitung wurden weltweit über 154 neue SOS-Kinderdörfer gegründet. Seit dem Fall des Eisernen Vorhangs mit der Öffnung des Ostens von Europa im Jahr 1989 lag der Schwerpunkt seiner Arbeit in diesem Bereich, womit es dadurch fast in allen Staaten Osteuropas heute zumindest ein SOS-Kinderdorf gibt.

Auszeichnungen

Kritik

Während Helmut Kutin Präsident von SOS-Kinderdorf International war, geriet die Organisation in die Kritik, weil Fälle von körperlicher, sexualisierter und psychischer Gewalt in mehreren Kinderdörfern – unter anderem in Nepal, Afrika und Europa – nicht rechtzeitig aufgearbeitet wurden.<ref>Berichte von Missbrauchsvorwürfen bei SOS-Kinderdorf Nepal. Abgerufen am 29. Oktober 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Laut Recherchen der Wochenzeitung Falter und Berichten von ORF, Der Standard und Die Presse wusste Kutin spätestens ab 2015 von schweren Missbrauchsvorwürfen gegen einen österreichischen Großspender, der in SOS-Einrichtungen in Nepal mehrfach Jungen sexuell missbraucht haben soll. Interne E-Mails aus 2014 und 2017 enthalten den Vermerk „Kutin weiß Bescheid“ und zeigen, dass er dem mutmaßlichen Täter trotz bestehendem Besuchsverbot Aufenthalte in einem SOS-Trainingslager genehmigte.<ref>SOS-Kinderdorf: Neue Vorwürfe in Causa um Großspender. 28. Oktober 2025, abgerufen am 29. Oktober 2025.</ref>

Kritiker werfen Kutin vor, Hinweise auf Missbrauch und strukturelles Versagen innerhalb der Organisation ignoriert oder vertuscht zu haben. Eine unabhängige Untersuchung (ICC-Report, 2021<ref>FINAL REPORT on the investigative work of the Independent ChildProtection Commission (ICC). In: sos-kinderdorf.at. 17. März 2023, abgerufen am 29. Oktober 2025.</ref>) bestätigte systemische Mängel im Kinderschutz während seiner Amtszeit, darunter unzureichende Aufsicht, fehlende Schutzmechanismen und mangelnde Reaktion auf interne Warnungen.

Weblinks

Commons: Helmut Kutin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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VorgängerAmtNachfolger
Hermann GmeinerPräsident von SOS-Kinderdorf International
1986–2012
Siddhartha Kaul

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