HM Cancri
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| Doppelstern RX J0806.3+1527 | ||
|---|---|---|
| Vorlage:Sternkarte | ||
| Beobachtungsdaten Äquinoktium: J2000.0, Epoche: J2000.0 | ||
| Vorlage:AladinLite | ||
| Sternbild | Krebs | |
| Scheinbare Helligkeit | 21 mag | |
| Astrometrie | ||
| Entfernung | 1600 Lj (490 pc) | |
| Orbit | ||
| Periode | 321,5 s | |
| Große Halbachse | 0,0005 AE | |
| Einzeldaten | ||
| Namen | A; B | |
RX J0806.3+1527, manchmal abgekürzt als J0806 bezeichnet, auch bekannt unter der Variablenbezeichnung HM Cancri (HM Cnc), ist ein Doppelsternsystem<ref name="Roelofs2010" /> aus zwei Weißen Zwergen mit je etwa einer halben Sonnenmasse, die einander in einer Entfernung von nur rund 80.000 Kilometer<ref name="chandra" /> (etwa 1/5 des mittleren Abstands Mond-Erde<ref name="chandra" /><ref name="moonfact" />) in knapp 5½ Minuten<ref name="Roelofs2010" /> umkreisen, entsprechend einer mittleren Umlaufgeschwindigkeit von 400 Kilometer pro Sekunde.<ref name="alpha" /> J0806 ist etwa 1.600 Lichtjahre von der Erde entfernt und befindet sich im Sternbild Krebs.<ref name="chandra" /> Im visuellen und im Röntgenbereich treten Helligkeitsvariationen mit einer Periode von 321,5 Sekunden auf.
HM Cancri wurde 1999 mit dem am Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik gebauten Satelliten ROSAT als Quelle von Röntgenstrahlen entdeckt. Die beobachtete Röntgenstrahlung entsteht vermutlich an den magnetischen Polen der beiden Weißen Zwerge.<ref name="alpha" />
J0806 hält zwei astronomische Rekorde: Es ist das Doppelsternsystem mit der kürzesten bislang bekannten Umlaufzeit und dazu auch noch das engste.<ref name="Sterne" /> Diese Entdeckung gelang einem internationalen Forscherteam um Gijs Roelofs vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics in Cambridge (USA). Über ihre Erkenntnisse berichteten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift The Astrophysical Journal Letters.<ref name="Sterne" />
Gijs Nelemans von der Radboud-Universität in Nijmegen (Niederlande) sagte, die beiden Sterne müssten in einer früheren Phase Masse verloren und sich einander angenähert haben. Was genau dazu führte, sei noch nicht bekannt.<ref name="Sterne" /> Die Sterne kommen sich jährlich um einen halben Meter näher.<ref>„Pro Jahr wird die Umlaufzeit momentan um 1,2 Millisekunden schneller und der Abstand um einen halben Meter geringer, so dass die Sterne in ein paar hunderttausend Jahren zusammenstoßen werden“ jumk.de</ref> Es wird vermutet, dass das System in einem Röntgen- oder Gammaflash (Gammablitz) enden wird.<ref name="alpha" /> Die Sterne liegen so nahe beieinander, dass Materie von einem Stern zum anderen fließt und dort auf den Äquator fällt.<ref name="Sterne" /> Deswegen wird vermutet, dass es eine Akkretionsscheibe um den kleineren Stern gibt.<ref name="MPG2010" />
Mittels Spektralmessungen am 10-Meter-Keck-I-Teleskop auf Hawaii bestätigte sich, dass die vor 11 Jahren gemessene 5,36-Minuten-Periode die Umlaufzeit eines Doppelsterns ist. Denn während sich die beiden Sterne umkreisen, verursacht die Kreisbewegung der Sterne eine jeweils periodische Verschiebung der Spektrallinien vom kürzeren blauen zum längeren roten Wellenlängenbereich und zurück. Diesen optischen Doppler-Effekt nutzten die Forscher, um die Umlaufgeschwindigkeit von HM Cancri zu messen.<ref name="Sterne" /> Da HM Cancri sehr lichtschwach ist, mussten laut Arne Rau vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik<ref name="MPG2010" />, dem Beobachtungsleiter auf Hawaii, hunderte von Spektren in kürzester Zeit aufgenommen werden.<ref name="Sterne" /> Die scheinbare Helligkeit von HM Cancri beträgt nur 21 mag. Das entspricht einem Millionstel der Helligkeit der schwächsten am Sternenhimmel mit bloßen Augen erkennbaren Objekte.
Arne Rau vertritt auch die Auffassung, dass das Sternsystem in ein paar Millionen Jahren zu einer Supernova vom Typ Ia werden könne.<ref name="rau" /> Zunächst rechnet er auch mit einem zukünftigen Auseinanderdriften, denn „wenn der leichtere Stern Masse verliert, wird er größer. Dadurch verschiebt sich das Massenzentrum nach außen und die Perioden werden länger“.<ref name="rau" />
Das System sollte auch die stärkste bekannte Quelle von vermuteten Gravitationswellen sein. Mit dem Projekt eLISA/NGO, einem für 2034 geplanten, aus drei Satelliten bestehenden interferometrischen Gravitationswellendetektor der ESA, sollen deswegen die Gravitationswellen von HM Cancri gemessen werden. Die Abstrahlung von Gravitationswellen würde auch die beobachtete Verringerung der Periode um 1,2 Millisekunden pro Jahr gut erklären. Arne Rau sagte zu den erwarteten durch HM Cancri entstehenden Gravitationswellen: „Es wäre ein Schock, sollte HM Cancri nicht [durch LISA] gesehen werden, zudem würde es eine der Hauptaussagen aus Einsteins allgemeiner Relativitätstheorie in Frage stellen.“<ref name="rau" />
Weblinks
- [[[:Vorlage:Alpha Centauri/URL]] Vorlage:Alpha Centauri/Titel] aus der Fernseh-Sendereihe alpha-Centauri (ca. 15 Minuten). Erstmals ausgestrahlt am 25. Okt. 2006.
- NASA Sees Orbiting Stars Flooding Space with Gravitational Waves – Pressemitteilung der NASA vom 30. Mai 2005
- T. E. Strohmayer: Precision X-Ray Timing of RX J0806.3+1527 with Chandra: Evidence for Gravitational Radiation from an Ultracompact Binary. In: The Astrophysical Journal, Ausgabe 627, 2005, S. 920 ff.
Einzelnachweise
<references> <ref name="Roelofs2010"> G. H. A. Roelofs, A. Rau, T. R. Marsh, D. Steeghs, P. J. Groot, G. Nelemans: Spectroscopic Evidence for a 5.4-Minute Orbital Period in HM Cancri. In: The Astrophysical Journal Letters. Band 711, Nr. 2, 2010, S. L138, doi:10.1088/2041-8205/711/2/L138. </ref>
<ref name="moonfact">NASA Factsheet on Earth's moons (Englisch) und elementare Berechnungen aus diesen Daten</ref>
<ref name="Sterne">BIG-SCREEN Internetportal, Lippstadt: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />HM Cancri ( vom 13. März 2010 im Internet Archive)</ref>
<ref name="chandra">Chandra-Röntgenteleskop, RX J0806.3+1527: Orbiting Stars Flooding Space with Gravitational Waves</ref>
<ref name="alpha">Video BR-alpha/alpha-centauri</ref>
<ref name="MPG2010">Wilder Ringelreihen der Sterne – Pressemitteilung der Max-Planck-Gesellschaft vom 8. März 2010.</ref>
<ref name="rau">Der Standard, Österreich</ref>
</references>