Charter School
Charter Schools in den USA sind Schulen in freier Trägerschaft, deren Bau und Betrieb vom Staat finanziert werden.<ref>National Alliance for Public Charter Schools; aufgerufen am 19. Januar 2019; https://www.publiccharters.org/about-charter-schools/charter-school-faq</ref> Sie verlangen kein Schulgeld und zählen zum öffentlichen Schulwesen. Charter Schools genießen große Autonomie, das heißt, sie bestimmen ihre Lehrpläne selbst, wählen ihre Lehrer selbst aus und können sogar die Zahl der Unterrichtsstunden erhöhen.<ref>Charter School Träger KIPP; aufgerufen am 19. Januar 2019; https://www.kipp.org/faq/</ref> Ihr Betrieb beruht jeweils auf einem Vertrag („charter“) zwischen dem Schulträger und der Schulbehörde („school district“). Sie bieten Elementary Education, vergleichbar mit der Primarstufe (Grundschule) in Deutschland, und die weiterführende Secondary Education. Ob diese Schulen besser sind als herkömmliche öffentliche Schulen („public schools“), ist in den USA umstritten.<ref>Arianna Prothero, What are Charter Schools?, in: Education Week, Onlineausgabe, 9. August 2018; aufgerufen am 19. Januar 2019; https://www.edweek.org/ew/issues/charter-schools/</ref>
Grundlagen
Charter Schools werden von unterschiedlichen Akteuren gegründet. Dazu zählen laut Tageszeitung Die Welt, Online-Ausgabe „Privatleute, Milliardäre, Konzerne, Non-Profit-Organisationen, Universitäten und Forschungseinrichtungen“.<ref>Robin Alexander: Charter-Schulen. Die neueste Version des amerikanischen Traums. 31. Oktober 2014 (welt.de [abgerufen am 19. April 2019]).</ref> Die Träger der Schule sind in der Regel als gemeinnützig („non-profit“) anerkannt. Ein gutes Drittel aller Charter Schools wird von einer Management-Organisation geführt.<ref>Joseph Oluwole, Bruce D. Baker, Preston Green: Are Charter Schools the Second Coming of Enron?: An Examination of the Gatekeepers That Protect against Dangerous Related-Party Transactions in the Charter School Sector. ID 2924886. Social Science Research Network, Rochester, NY 27. Februar 2017 (ssrn.com [abgerufen am 19. April 2019]).</ref> Die erste Charter School eröffnete 1992 in Minnesota. 2010/2011 besuchten in den USA 1,8 Millionen Schülerinnen und Schüler eine Charter School. 2021/2022 waren es bereits 3,7 Millionen, mehr als doppelt so viel. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum sank die Zahl der Schülerinnen und Schüler, die eine herkömmliche Public School besuchen, von 47,4 Millionen auf 45,4 Millionen.<ref>National Center for Education Statistics. Abgerufen am 3. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Pro-Argumente
Befürworter erklären: Charter Schools sind flexibler und innovativer als traditionelle public schools. Sie können Lehrplan und Unterricht genau auf eine Zielgruppe und deren Bedürfnisse zuschneiden. So gibt es Charter Schools, die sich speziell an Afroamerikaner, indigene Amerikaner oder griechische Einwandererkinder richten.<ref>Diane Ravitch: The Death and Life of the Great American School System. Basic Books, New York 2010, ISBN 978-0-465-01491-0, S. 126.</ref> Andere Charter Schools werden gezielt in Stadtteilen gegründet, in denen viele Arme und Arbeitslose leben.<ref>Robin Alexander: Charter-Schulen. Die neueste Version des amerikanischen Traums. 31. Oktober 2014 (welt.de [abgerufen am 19. April 2019]).</ref> Die Gründung von Charter Schools sorgt außerdem dafür, dass Eltern ihre Kinder nicht zur nächstgelegenen Public School schicken müssen, sondern Wahlmöglichkeiten haben (school choice). Dadurch entsteht Wettbewerb unter den Schulen, was zu einer höheren Qualität des Bildungswesens führen soll.<ref>EdChoice (ehemals: Friedman Foundation for Educational Choice): How does school choice affect public schools? Abgerufen am 27. Mai 2021 (englisch).</ref>
Contra-Argumente
Kritiker sagen: Eine Reihe von Charter-School-Trägern ist gewerkschaftsfeindlich eingestellt und praktiziert eine Personalpolitik des „Heuern und Feuerns“.<ref name="ravitch_124">Diane Ravitch: The Death and Life of the Great American School System. Basic Books, New York 2010, ISBN 978-0-465-01491-0, S. 124.</ref> Die Fluktuation von Lehrkräften an Charter Schools ist auch deshalb hoch, Schülerinnen und Schüler müssen sich immer wieder an neue Lehrer gewöhnen.<ref name="ravitch_124" /> Charter Schools haben im Gegensatz zu anderen Public Schools die Möglichkeit, zumindest indirekt ihre Schüler auszusuchen.<ref>Kevin G. Welner: The Dirty Dozen: How Charter Schools Influence Student Enrollment. April 2013, abgerufen am 19. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> So gibt es Charter Schools, die ihre Formulare nur auf Englisch anbieten, was für Einwandererfamilien eine Hürde darstellt. Andere Schulen nehmen nur Kinder auf, die gute Vornoten in Mathematik mitbringen. Eine Studie von 2018 kommt zu dem Schluss, dass Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen an Charter Schools insgesamt unterrepräsentiert sind.<ref>Julie F. Mead / Suzanne E. Eckes: How School Privatization Opens the Door for Discrimination. (PDF) Dezember 2018, abgerufen am 19. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Auf Kritik stoßen zudem die hohen Gehälter, die einige Charter-School-Manager beziehen.<ref>Melissa Klein: Charter school CEOs get massive paychecks thanks to private donners. in: New York Times, Online-Ausgabe, 14. Juli 2018, abgerufen am 19. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Gründung und Betrieb von Charter Schools führen nach Meinung der Charter-School-Skeptiker nicht zu mehr Qualität im Bildungswesen. Denn Charter Schools entziehen dem Staat Gelder, die für herkömmliche public schools fehlen.
- Förderer
Charter Schools und deren Verbände werden von großen US-Stiftungen und Milliardären finanziell gefördert. Dazu zählen die Bill & Melinda Gates Foundation, die Eli and Edythe Broad Foundation (Baubranche, Versicherungen) und die Walton Family Foundation („Walmart“).<ref>Diane Ravitch: The Death and Life of the Great American School System. Basic Books, New York 2010, ISBN 978-0-465-01491-0, S. 195.</ref> Die US-Präsidenten George W. Bush, Bill Clinton und Barack Obama unterstützten Charter Schools. Auch US-Präsident Donald Trump gehört zu den Befürwortern.<ref>Eliza Shapiro: With Democratic Wins, Charter Schools Face a Backlash in N.Y. and Other States,. in: New York Times, Online-Ausgabe, 9. November 2018, abgerufen am 19. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Studien zur Qualität
Wissenschaftliche Untersuchungen kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen.<ref>Arianna Prothero: What are Charter Schools? in: Education Week, Online-Ausgabe, 9. August 2018, abgerufen am 19. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Eine Studie der Stanford University von 2009 ergab, dass Schüler an Charter Schools in Mathematik und Lesen schlechter abschneiden als Schüler, die eine herkömmliche Public School besuchen.<ref>Center for Research on Education Outcomes (CREDO), Stanford University: Multiple Choice: Charter School Performance in 16 States. (PDF) 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 2. April 2019; abgerufen am 19. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Eine Studie der University of California, San Diego aus dem Jahr 2014 zeigte auf: Charter Schools produzieren „höhere Lernerfolge in Mathematik“ („higher academic gains in math“) als traditionelle Public Schools. „Keine signifikante Unterschiede“ („no significant differences“) gebe es hingegen beim Lesen.<ref>Julian R. Betts / Y. Emily Tang: A Meta-Analysis of the Literature on the Effect of Charter Schools on Student Achievement. Working Paper. (PDF) August 2014, abgerufen am 19. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Laut einer Studie der Stanford University von 2017 gilt: Charter Schools, die von kommerziellen Unternehmen geführt werden, erzielen schlechtere Ergebnisse als Charter Schools, die von non-profit-Einrichtungen geleitet werden.<ref>Center for Research on Education Outcomes (CREDO), Stanford University: Charter Management Organizations 2017. (PDF) Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 11. September 2017; abgerufen am 19. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> Zwei Studien von 2016 wählten als Merkmal für Schulqualität, wie hoch das Einkommen der Schul-Absolventen ist. Wieder ergeben die Resultate kein einheitliches Bild: Die Studie der Georgia State University, Vanderbilt University und des Mathematic Policy Research beschäftigte sich mit Schul-Absolventen in Florida und kam zum Schluss: Wer eine Charter School besucht hat, erzielt höhere Einkommen als jene, die auf einer traditionellen Public School waren.<ref>Tim R. Sass / Ron W. Zimmer / Brian P. Gill / T. Kevin Booker: Charter High School’s Effects on Long-Term Attainment and Earnings. (PDF) in: Journal of Policy Analysis and Management, Vol.00, No.0, 1-24, 2016, abgerufen am 19. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Zu einem anderen Ergebnis kam eine Untersuchung der Harvard University und der Princeton University. Sie beschäftigte sich mit Absolventen in Texas und fand heraus: Charter-School-Absolventen verdienen weniger.<ref>Will S. Dobbie / Roland G. Fryer Jr.: Charter Schools And Labor Market Outcomes. (PDF) National Bureau of Economic Research, Cambridge, Massachusetts, August 2016, abgerufen am 19. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Eine Studie der Stanford University von 2023 sagt aus, dass Schülerinnen und Schüler an Charter Schools bessere Schulleistungen erzielen als ihre Altersgenossen an Public Schools.<ref>Stanford University: The National Charter School Study III 2023. Abgerufen am 3. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Dem gegenüber urteilt die Bildungsforscherin Helen F. Ladd, dass Charter Schools bildungspolitische Ziele wie Chancengleichheit torpedieren.<ref>Helen F. Ladd: How Charter Schools Undermine Good Education Policymaking. National Education Policy Center, 10. November 2022, abgerufen am 3. November 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Korruption und Missmanagement
Die US-Bildungsforscherin Diane Ravitch berichtete 2013 von einer Charter-School-Kette in Arizona, die für eine Million US-Dollar Lehrbücher bestellte – bei einer Firma, die einem Mitglied des Charter-School-Aufsichtsrates gehörte.<ref name="ravitch_172">Diane Ravitch: Reign of Error. The Hoax of the Privatization Movement and the Danger to America's Public Schools. Alfred A. Knopf, New York 2013, ISBN 978-0-385-35088-4, S. 172.</ref> Der Betreiber einer anderen Charter-School-Kette war gleichzeitig Eigentümer eines Unternehmens, das die Charter Schools mit Waren und Dienstleistungen versorgte.<ref name="ravitch_172" /> Im Jahr 2004 meldete die California Charter Academy (CCA) Bankrott an, 6.000 Schüler standen nach den Sommerferien vor verschlossenen Türen.<ref>Sam Dillon: Collapse of 60 Charter Schools Leaves Californians Scrambling. in: New York Times, Online-Ausgabe, 17. September 2004, abgerufen am 19. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> 2007 wurden zwei ehemalige CCA-Verantwortliche angeklagt. Sie standen im Verdacht, öffentliche Gelder in Millionenhöhe veruntreut zu haben. Bis September 2017 kam es allerdings nie zu einem Gerichtsverfahren.<ref>Beau Yarbrogh: California Charter Academy fraud case may be ‘close’ to a resolution, says chief assistant district attorney. in: The Sun, Online-Ausgabe, 29. September 2017, abgerufen am 19. April 2019 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Einzelnachweise
<references />