Binsenschneide
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| Binsenschneide | ||||||||||||
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| Datei:Cladium mariscus kz16.jpg
Binsenschneide (Cladium mariscus) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Cladium mariscus | ||||||||||||
| (L.) Pohl |
Die Binsenschneide (Cladium mariscus), auch Binsen-Schneide<ref name="FloraWeb" />, Schneidried<ref name="Berg2001" />, Schneidebinse oder Schneide genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Schneiden (Cladium) innerhalb der Familie der Sauergrasgewächse (Cyperaceae).
Beschreibung
Vegetative Merkmale
Die Binsenschneide wächst als wintergrüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 0,5 bis 2,5 Metern.<ref name="Schultze-Motel1980" /> Sie bildet mit langen Ausläufern, meist an Gewässerrändern, große, dichte Bestände. Der dicke, glatte, bei einem Durchmesser von bis zu 1 Zentimeter, am Grund sogar bis zu 4 Zentimeter runde oder etwas dreikantige Stängel ist bis zum Blütenstand beblättert.<ref name="Schultze-Motel1980" />
Die Blätter sind schraubig angeordnet.<ref name="Schultze-Motel1980" /> Die Blattscheiden sind gegenüber dem Spreitenansatz tief ausgerandet, gelb-braun und zuletzt schwarz-braun und meist stark netzaderig.<ref name="Schultze-Motel1980" /> Die Blattspreite ist 0,7 bis 1,5 Zentimeter breit; sie sind bis 2 Meter lang und am Rand und auf dem Kiel durch vorwärts gerichtete Stachelchen schneidend.<ref name="Schultze-Motel1980" />
Generative Merkmale
Die Blütezeit reicht von Juni bis Juli. Die Hüllblätter des Blütenstandes sind laubblattartig, die unteren lang und den Teilblütenstand überragend, die der endständigen Spirre ziemlich kurz.<ref name="Schultze-Motel1980" /> Der Blütenstand ist zusammengesetzt, 30 bis 50, selten bis zu 70 Zentimeter lang und besteht aus einer endständigen Spirre und drei bis sieben seitlichen, lang gestielten köpfchenartigen Spirren.<ref name="Schultze-Motel1980" /> Die Spirrenstiele sind bis zu 8 Zentimeter lang, die Spirrenäste bis zu 4 Zentimeter lang.<ref name="Schultze-Motel1980" /> Drei bis 15 Ährchen sind an den Auszweigungen des Blütenstandes köpfchenartig zusammengedrängt.<ref name="Schultze-Motel1980" /> Die Ährchen sind bei einer Länge von 3 bis 5 Millimetern sowie einer Breite von bis zu 1,5 Millimetern länglich bis länglich-eiförmig, enthalten meist zwei Blüten und tragen am Grund drei bis fünf sterile Spelzen.<ref name="Schultze-Motel1980" /> Die sterilen Spelzen sind 1,5 bis 2,5 Millimeter lang und etwa 1,5 Millimeter breit, die fertilen Spelzen sind etwa 4 Millimeter lang und bis zu 2 Millimeter breit, alle sind einfarbig hell-braun.<ref name="Schultze-Motel1980" /> Hypogyne Borsten fehlen. Jede Blüte enthält meist zwei, selten drei Staubblätter und meist drei Narben, selten zwei oder vier.<ref name="Schultze-Motel1980" />
Die glänzend dunkel-braune Frucht ist bei einer Länge von 3 bis 3,5 Millimetern sowie einer Breite von etwa 1,5 Millimetern eiförmig, im Querschnitt rund und in einem schildförmigen weißen Diskus sitzend und nach oben in einen lange Stachelspitze verschmälert.<ref name="Schultze-Motel1980" />
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 36 oder ca. 60.<ref name="Oberdorfer2001" />
Ökologie
Bei der Binsenschneide handelt es sich um einen Kryptophyten und Hydrophyten.
Vorkommen
Das Verbreitungsgebiet von Cladium mariscus umfasst die gemäßigten Gebiete Eurasiens, Nordafrika, der Neuen Welt und das Gebiet von Australien bis zu den Inseln des südwestlichen Pazifik.<ref name="POWO" /> In zahlreichen anderen Ländern ist sie ein Neophyt.<ref name="POWO" />
In Mitteleuropa fehlt die Binsen-Schneide in größeren Gebieten oder sie ist sehr selten, sie kommt dort nur vereinzelt, dann aber meist in kleineren Beständen vor, beispielsweise am Bodensee und im Alpenvorland.<ref name="Aichele2000" /> Die gegen Stickstoffsalze empfindliche Binsen-Schneide geht an fast allen ihren mitteleuropäischen Standorten zurück. Wesentlich liegt das an der Erschließung der Seeufer für den Badebetrieb bzw. für Campingplätze. Als Ursache für den Rückgang wurden auch klimatische Änderungen diskutiert, da die Binsen-Schneide, wie Samenfunde aus der Jungsteinzeit bezeugen, damals in Mitteleuropa weiter verbreitet war als heute.<ref name="Aichele2000" />
Die Binsen-Schneide gedeiht am besten einen sommerwarmen, wenigstens zeitweise überschwemmten, basenreichen, oft schlammigen und meist kalkhaltigen, ja kalkreichen Böden.<ref name="Aichele2000" /> Sie gedeiht nur in klimatisch günstigen Gegenden am Ufer stehender Gewässer hinter dem Schilfgürtel, sowie in Gräben oder in Flach- und Wiesenmooren.<ref name="Aichele2000" /> Sie ist eine Charakterart des Cladietum aus dem Verband Phragmition. Sie steigt in Tirol im Villermoor bei Innsbruck bis in eine Höhenlage von 830 Meter auf, ist aber meist steril.<ref name="Schultze-Motel1980" />
Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4w+ (überschwemmt aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 5 (basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 3 (mäßig nährstoffarm bis mäßig nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch), Salztoleranz = 1 (tolerant).<ref name="InfoFlora" />
Die Binsenschneide tritt in Deutschland meist an Rändern von Gewässern auf; solche sehr feuchten Standorte sind häufig saisonal überflutet, oder können zeitweilig trockenfallen. Meist handelt es sich um relativ kleine Standgewässer wie Seen, Teiche, Tümpel oder Gräben. Sie kommt auch in Brachen von Niedermooren vor. In Deutschland sind ihre Bestände seit Jahrzehnten bedroht u. a. durch die Absenkung des Grundwasserspiegels und der Kultivierung von Mooren. In vielen deutschen Bundesländern steht sie 1996 deshalb auch auf der Roten Liste der Gefäßpflanzen. Sie kommt in allen Teilen von Deutschland relativ selten vor.
Systematik und Verbreitung
Die Erstveröffentlichung erfolgte 1753 unter dem Namen Schoenus mariscus durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 42. Die Neukombination zu Cladium mariscus <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Pohl wurde 1809 durch Johann Baptist Emanuel Pohl in Tentamen Florae Bohemicae Band 1, S. 32 veröffentlicht. Ein weiteres Synonym für Cladium mariscus <templatestyles src="Person/styles.css" />(L.) Pohl ist Isolepis martii <templatestyles src="Person/styles.css" />Roem. & Schult.<ref name="Euro+Med" />
Je nach Autor gibt es wenige Unterarten:<ref name="POWO" />
- Cladium mariscus subsp. californicum <templatestyles src="Person/styles.css" />(S.Watson) Govaerts: Sie kommt von den südwestlichen und südlich-zentralen Vereinigten Staaten bis zu den mexikanischen Bundesstaaten Sonora und Coahuila vor.<ref name="POWO" />
- Cladium mariscus subsp. intermedium <templatestyles src="Person/styles.css" />Kük.: Sie kommt in Australien und in Neukaledonien vor.<ref name="POWO" />
- Cladium mariscus subsp. jamaicense <templatestyles src="Person/styles.css" />(Crantz) Kük.: Sie ist in der Neotropis verbreitet und ist in zahlreichen Ländern Afrikas, in Neuguinea, Madagaskar und Indonesien ein Neophyt.<ref name="POWO" /><ref name="POWO" />
- Cladium mariscus subsp. mariscus: Sie kommt in Europa vor, von Nordafrika bis zum Kaukasusraum und vom Himalaja bis in die gemäßigten Gebiete Ostasiens.<ref name="POWO" />
Nutzung
Diese Sumpfpflanze wurde früher zum Decken der Dächer verwendet und ihre sehr scharf gezähnten, starren, schneidigen Blätter können bei Berührung Verletzungen hervorrufen.
Einzelne größere Bestände der Binsenschneide gibt es noch auf der Insel Gotland in Schneidriedsümpfen (Agmyr). Dieses „Gras“, schwedisch „Ag“, wurde dort früher zum Decken der Dächer von Häusern und Schafunterständen verwendet.
Literatur
Einzelnachweise
<references> <ref name="FloraWeb"> Cladium mariscus (L.) Pohl, Binsen-Schneide. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Cladium mariscus (L.) Pohl In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Aichele2000"> Dietmar Aichele, Hans-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. Band 5: Schwanenblumengewächse bis Wasserlinsengewächse. 2. überarbeitete Auflage, Franckh-Kosmos, Stuttgart 2000, ISBN 3-440-08048-X. </ref> <ref name="Berg2001"> Verzeichnis der Syntaxa im Tabellenband der „Pflanzengesellschaften Mecklenburg-Vorpommerns und ihre Gefährdung“. (download; MS Word; 90 kB) C. Berg et al., 2001, S. 2, abgerufen am 23. September 2010: „12.2b Unterordnung: Kalk-Sumpfsimsen- und Schneiden-Riede mäßig nährstoffarmer, kalkreicher Senken- und Uferstandorte“. </ref> <ref name="Schultze-Motel1980"> Wolfram Schultze-Motel: Familie Cyperaceae. S. 75–76. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 3. Auflage, Band II, Teil 1, Verlag Paul Parey, Berlin und Hamburg 1980, ISBN 3-489-54020-4. </ref> <ref name="Euro+Med"> P.Jiménez-Mejías, M.Luceño (2011+): Cyperaceae. Datenblatt Cladium mariscus In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="POWO"> Datenblatt Cladium mariscus bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science. </ref> </references>
Weblinks
- Binsenschneide. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Vorlage:BIB
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
- [[[:Vorlage:IUCN/Weblink]] Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:IUCN“ ist nicht vorhanden.] in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2013.2. Eingestellt von: R. V. Lansdown, D. Juffe Bignoli, 2012. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.
- Günther Blaich: Datenblatt mit Fotos.
- Gerhard Nitter: Steckbrief mit Fotos.