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Famicord

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FamiCord AG

colspan="2" class="notheme" style="background:#Vorlage:Standardfarbe; color:#Vorlage:Standardfarbe; padding:1em 0;" | Vita 34 logo.svg
Rechtsform Aktiengesellschaft<ref>VITA 34 AG Equity | A0BL84 | DE000A0BL849 | Share Price - Informationen der Frankfurter Wertpapierbörse. Abgerufen am 5. März 2023.</ref>
ISIN DE000A0BL849
Gründung 1997
Sitz Leipzig, DeutschlandDatei:Flag of Germany.svg Deutschland
Leitung
Mitarbeiterzahl 120 (31. Dezember 2019)<ref name="gb2019">Geschäftsbericht 2019. (PDF) In: vita34.de. Abgerufen am 31. Oktober 2020.</ref>
Umsatz 20,2 Mio. Euro (2019)<ref name="gb2019" />
Branche Arzneimittelindustrie
Website www.famicord.com
Stand: 31. Dezember 2019

Die Famicord AG (Eigenschreibweise: FamiCord) ist ein börsennotiertes Pharmaunternehmen mit Sitz in Leipzig, welche die größte private Nabelschnurblutbank mit rund 215.000 Stammzelldepots, darunter 5.000 Spende-Präparate, in Deutschland betreibt. Seit März 2007 ist die Famicord AG börsennotiert.

2025 nannte sich das Unternehmen von Vita 34 AG um in FamiCord AG. Der neue Name basiert auf einer Konzernmarke und soll die Expansion des Leipziger Unternehmens in weitere Geschäftsfelder unterstützen. Laut FamiCord bleibt die Marke Vita 34 im Endkundengeschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz erhalten.<ref>Vita 34 firmiert um: Neuer Name FamiCord AG. Abgerufen am 2. September 2025.</ref> Der alte Unternehmensname leitete sich vom Lateinischen vita (Leben) und CD34, einem Marker für Blutstammzellen, ab.

Geschichte

Famicord wurde am 28. April 1997 als VITA 34 Gesellschaft für Zelltransplantate mbH gegründet und erhielt die Zulassung als Arzneimittelhersteller. Nach eigenen Angaben ist sie damit die erste Nabelschnurblutbank in Europa. 2002 erfolgte die Umfirmierung in Vita 34 AG (Rechtsnachfolge). Vita 34 ist eine eingetragene Wort-/Bildmarke der Vita 34 AG. Im darauffolgenden Jahr zog das Unternehmen in die BIO CITY Leipzig um, wo ein „gläsernes Labor“ etabliert wurde, das Interessierten einen Einblick in den Herstellungsprozess erlaubt. Am 1. Januar 2004 wurde die Holding VITA 34 International AG gegründet und es folgte der Eintritt auf den US-Markt, zusammen mit der in Philadelphia beheimateten US-amerikanischen Nabelschnurblutbank Cor-Cell, Inc. Die Vita 34 AG hielt zwei Drittel der Aktien an Cor-Cell. Cor-Cell war das erste Unternehmen in den USA, das eine staatliche Lizenz zur Lagerung von Nabelschnurblutpräparaten erhielt. Die Unternehmensverluste in den Jahren 2005 und 2006 resultierten aus Verlusten des amerikanischen Holding-Partners Cor-Cell. Das Neukundengeschäft der Cor-Cell wurde am 1. Oktober 2006 jedoch wieder verkauft, das Bestandsgeschäft im Februar 2007, sodass heute das gesamte operative Geschäft über die Vita 34 AG abgewickelt wird. 2005 wurde erstmals ein zuvor bei Vita 34 eingelagertes Nabelschnurblut-Präparat in Deutschland angewendet.

Im März 2007 erfolgte der Börsengang der VITA 34 International AG, seit dem 27. März ist das Unternehmen an der Frankfurter Wertpapierbörse notiert. Im Mai 2010 erwarb Vita 34 die Mehrheit an dem spanischen Distributor Secuvitia S.L., dem bisherigen exklusiven Vertriebspartner von Vita 34 in Spanien. Die Vita 34 AG hält mittlerweile 88 % an dem spanischen Unternehmen. Die operative Tochter Vita 34 AG wurde 2011 auf die Muttergesellschaft Vita 34 International AG verschmolzen und firmiert seitdem ausschließlich unter dem Namen Vita 34 AG.

2012 führte die Vita 34 AG ein neues, barrierefreies Register für Nabelschnurblut-Stammzellen ein: www.stemcellsearch.org. Die Online-Plattform ermöglicht die kostenlose Recherche nach geeigneten Spenderpräparaten bei Vita 34. Im gleichen Jahr wurde der Leipziger Biotechnologie-Spezialist BioPlanta übernommen und auf die Vita 34 AG verschmolzen. Der BioPlanta-Chef André Gerth wurde in den Vorstand von Vita 34 berufen.<ref>Johannes Stoffels: Vita 34: Vorstandschef geht. 16. Mai 2012, abgerufen am 5. März 2023.</ref> Fokus der BioPlanta GmbH war die Produktion von pflanzlichen Wirkstoffen für den Umwelt- und Pharmaziebereich. Schon 2011 arbeitete die Vita 34 AG mit der BioPlanta GmbH innerhalb eines Forschungsprojektes zur Entwicklung eines Produktionsverfahrens von Frostschutzproteinen in Pflanzenbioreaktoren und deren Anwendung bei der Kältekonservierung von Stammzellen zusammen.

Ende 2012 bezog Vita 34 den neuen Gebäudekomplex BioCube, direkt neben der BioCity Leipzig. Das darin befindliche Lager hat Kapazitäten für 350.000 Präparate. Seit März 2013 ist neben der Entnahme von Nabelschnurblut auch die Einlagerung von Nabelschnurgewebe möglich. In diesem findet sich der Typ der mesenchymalen Stammzellen (MSC), die z. B. neues Bindegewebe, Knorpel sowie Knochen entstehen lassen können, in besonders großer Menge.

Mitte 2015 übernahm das Leipziger Biotech-Unternehmen Geschäftsanteile des serbischen Partners Bio Save sowie des Kooperationspartners Imunolita aus Litauen. Im September wurde der Kauf der dänischen Nabelschnurblutbank StemCare bekanntgegeben. Im Sommer 2017 übernahm Vita 34 den Anbieter Seracell aus Rostock um rund 14 Mio. Euro und erhöhte damit die Marktkonzentration für kommerzielle Einlagerungen in Deutschland.<ref>Frank Johannsen: Vita 34 nimmt Rostocker Billiganbieter vom Markt. In: LVZ.de (Leipziger Volkszeitung). 11. August 2017, abgerufen am 13. Oktober 2018.</ref><ref>Vita 34: Endspurt bei Übernahme von Seracell – Aktie mit Rekordhoch. (deraktionaer.de [abgerufen am 13. Oktober 2018]).</ref>

Unternehmensergebnis<ref>@1@2Vorlage:Toter Link/www.onvista.deUnternehmensgewinne (Seite nicht mehr abrufbar, festgestellt im März 2023. Suche im Internet Archive ) bei onvista.com</ref>
2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015<ref>Geschäftsbericht 2015 Vita 34 AG. (PDF) Abgerufen am 11. September 2024.</ref>
Umsatz in Mio. Euro 10,23 11,56 15,43 14,96 15,10 16,96 16,00 13,60 13,55 13,79 14,17
EBITDA in Mio. Euro 1,455 0,796 −0,428 −1,826 0,739 1,687 0,638 0,414 2,658 2,775 3,895
Gewinn in Mio. Euro −1,919 −2,866 −1,185 −1,71 0,60 0,35 1,19 −0,61 0,79 0,99 1,70

Die FamiCord AG ist mit 215.000 eingelagerten Präparaten (Stand Oktober 2018) die größte private Nabelschnurblutbank in Deutschland<ref>J. Jobst: Vita 34 – Die größte Stammzellenbank in Deutschland. In: Kigorosa.de. Roman Safreider, 26. September 2018, abgerufen am 13. Oktober 2018.</ref>. Die Aktiengesellschaft hat ihren Sitz in Leipzig und beschäftigt 100 Mitarbeiter (März 2017). Im Jahr 2014 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von 13,8 Millionen Euro und ein operatives Ergebnis (EBITDA) in Höhe von 2,8 Millionen Euro.

Management

Der Vorstand der FamiCord AG besteht aus zwei Mitgliedern: Wolfgang Knirsch (CEO) und Falk Neukirch (CFO). Der Aufsichtsrat hat zurzeit vier Mitglieder. Aufsichtsratsvorsitzender ist Frank Köhler, außerdem gehören Steffen Richtscheid und Gerrit Witschaß sowie Mariola Söhngen dem Aufsichtsrat an.

Hauptanteilseigner sind mit 16,5 % Gründer und Management, HSCI OJSC mit 11,2 % sowie die Axxion S.A. mit 3,3 % (September 2015).

Tätigkeitsgebiet

Datei:BioCity und BioCube.jpg
BioCube neben der BIO CITY Leipzig – Sitz der FamiCord AG

Die FamiCord beschäftigt sich mit der Gewinnung, Aufbereitung und Langzeitkonservierung von Stammzellen aus Nabelschnurblut und -gewebe. Seit 2002 besteht die sogenannte Geschwisterinitiative: Eltern erhalten die Möglichkeit einer kostenfreien Einlagerung von Nabelschnurblut-Stammzellen eines Neugeborenen im Fall eines schwer erkrankten Geschwisters. Im Jahr 2007 erweiterte die Vita 34 ihr Angebotsspektrum mit VitaPlusSpende. Dabei werden die gewebespezifischen Merkmale des Stammzellpräparates mit Zustimmung der Eltern anonymisiert an ein öffentliches Stammzellregister übermittelt und stehen damit potenziell erkrankten Empfängern zur Verfügung. Im Falle einer Anforderung der Spende über das Stammzellregister können die Eltern entscheiden, ob sie die Spende freigeben, und bekommen in diesem Fall die Kosten der Einlagerung zurückerstattet. Diese Spendeoption bietet Vita 34 in fast jeder Entbindungsklinik in Deutschland an.

2013 erweiterte die Vita 34 AG ihr Angebot um die Einlagerung von stammzellreichem Nabelschnurgewebe. Die Nabelschnur enthält vor allem mesenchymale Stammzellen (MSC). Diese Zellen sind unter anderem in der Lage, Bindegewebe, Knorpel und Knochen zu bilden.

Behördliche Genehmigungen und Zulassungen

Die Famicord AG besitzt alle notwendigen behördlichen Genehmigungen und Zertifizierungen, wie die Herstellungserlaubnis für Nabelschnurblut als Eigen- und Fremdblut, die Genehmigung für den Einsatz bei Bluterkrankungen und für den Einsatz der ersten europäischen Typ-1-Diabetes-Studie. Die Genehmigungen gelten zudem für die weltweite Abgabe, beispielsweise für Therapien in den USA. Als einzige deutsche Nabelschnurblutbank besitzt die Famicord AG die Zulassung vom deutschen Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel (Paul-Ehrlich-Institut) für die Herstellung und Abgabe von allogenen Präparaten. Die Famicord AG verfügt über ein eigenes Labor mit staatlicher Akkreditierung für die Good-Manufacturing-Practice-Herstellung (GMP) von Stammzellpräparaten. Seit 1997 besitzt die Famicord AG diese Erlaubnis. 2012 entwickelte die Famicord AG das weltweit erste Verfahren, mit dem die gesamte Nabelschnur eingelagert werden kann. Famicord erfüllt als einziges Unternehmen in Deutschland die behördlichen Anforderungen, Nabelschnurgewebe für die Herstellung von Stammzellpräparaten einzulagern.

Anwendungen von Nabelschnurblut

Bei Famicord ist prozessiertes Nabelschnurblut sowohl in der Forschung als auch in der klinischen Praxis eingesetzt worden. Bisher konnte das bei der Famicord AG eingelagerte Blut nach eigenen Angaben 30 Mal angewendet werden. Stammzellen aus Nabelschnurblut sind in vielen Anwendungsgebieten der Regenerativen Medizin sehr gefragt.

Forschungsengagement und Kooperationen

Die Famicord AG beteiligt sich zusammen mit Forschungseinrichtungen und Universitäten an Studien in der Stammzellforschung. Aktuell sind weltweit 284 klinische Studien registriert, die sich mit der Transplantation von Nabelschnurblut mit den spezifischen Anwendungsgebieten befassen. Darunter zählen auch folgende Studien, an denen die Famicord AG beteiligt ist:

2012 begann die Famicord AG u. a. zusätzlich zwei weitere Forschungsprojekte. Zum einen untersucht die Famicord AG in Kooperation mit der Abteilung Hämatologie der Universität zu Leipzig die Wirksamkeit von mesenchymalen Stammzellen aus der Nabelschnur bei Blutstammzelltransplantationen in der Leukämiebehandlung. Ziel ist es, die lebensbedrohliche Immunreaktion von fremdem Gewebe gegen das eigene Gewebe (Graft-versus-Host-Erkrankung) zu unterdrücken. Dabei werden die mesenchymalen Stammzellen aus dem Nabelschnurgewebe gewonnen. Darüber hinaus entwickelt dieFamicord AG aktuell Vitalitätsmarker für die Qualitätssicherung bei kryokonservierten Pflanzen in Biobanken.

International Business

Über Vertriebspartner und Tochtergesellschaften ist die Famicord AG neben Deutschland in 20 Ländern tätig, u. a. in Österreich, der Schweiz, der Slowakei, Italien, Spanien, Slowenien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Mazedonien, Bulgarien, Rumänien und Kroatien. Darüber hinaus bestehen Engagements in Chile, Vietnam und Mexiko für den Aufbau regionaler Nabelschnurblutbanken. Dabei stellt die Famicord AG den Kooperationspartnern Prozess-Know-how zur Verfügung. Die Kooperationspartner werden zertifiziert und geschult.

Kritik

Zwei Journalisten deckten in einem investigativen Elternratgeber im Herbst 2011 auf, dass Vita34 verdeckt pseudo-unabhängige Websites betreibe und sogar Journalisten unter falschem Namen schreiben, um den Anschein unabhängiger Berichterstattung zu wecken.<ref>Julia Heilmann, Thomas Lindemann: Babybeschiss. Wie Eltern über den Wickeltisch gezogen werden. Hoffmann und Campe, 2011, S. 33–42.</ref> Spiegel Online hat das inklusive weiterer Indizien für diese umstrittene PR-Praxis in einem Artikel vom 26. Dezember 2011 wiedergegeben.<ref>Thomas Lindemann: Dubiose Heilmethoden: Wie man mit Elternangst Geschäfte macht. In: Spiegel Online. 26. Dezember 2011 (spiegel.de [abgerufen am 23. Mai 2025]).</ref>

Das Gläserne Labor

2003 eröffnete die Famicord das erste gläserne Stammzelllabor in der BIO CITY Leipzig. Jeder Interessierte hat die Möglichkeit, das GMP-High-Tech-Labor zu besichtigen oder an einer Führung teilzunehmen. Es wird der Prozess bis hin zur Kryokonservierung der Stammzellpräparate gezeigt. Das Labor ist mit einer 360-Grad-Aufnahme auch im Internet zu sehen.<ref>Inspektion erwünscht – Das Gläserne Labor in neuem Glanz. Vita 34, 2. September 2013, abgerufen am 23. Mai 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Vita 34. In: parentsguidecordblood.org. Abgerufen am 23. Mai 2025.</ref>

Weblinks

Einzelnachweise

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