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Volumnia Cytheris

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Volumnia war eine antike römische Mimendarstellerin und Kurtisane aus der Mitte des 1. Jahrhunderts v. Chr. Sie war eine Freigelassene vermutlich griechischer Herkunft und Geliebte zahlreicher namhafter Männer ihrer Zeit. Als Schauspielerin trat sie unter dem Namen Cytheris (griechisch Kytheris) auf;<ref>Die Identifikation der Freigelassenen des Publius Volumnius Eutrapelus, Volumnia, mit der Schauspielerin Cytheris beruht auf einer Interpretation, siehe Wilhelm Kroll: Kytheris 2. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XII,1, Stuttgart 1924, Sp. 218 f. Diese wird aber recht einhellig angenommen, siehe etwa Hans Georg Gundel: Volumnius 17. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band IX A,1, Stuttgart 1961, Sp. 883.</ref> in den Gedichten ihres Geliebten Gaius Cornelius Gallus begegnet sie als Lycoris. Über ihn sowie die Eclogae des Vergil ist sie mit der Entstehung der römischen Liebeselegie verknüpft.

Volumnias griechische Rufnamen Kytheris und Lykoris scheinen darauf hinzudeuten, dass sie ursprünglich Griechin war, die im Gefolge der römischen Unterwerfung Griechenlands wie andere für diese Zeit bezeugten Sklavinnen und Freigelassene nach Rom gekommen war.<ref>Alison Keith: Lycoris Galli/Volumnia Cytheris: a Greek Courtesan in Rome. In: Eugesta. Journal of Gender Studies in Antiquity. Nr. 1, 2011, S. 23–53 (online, PDF), hier S. 25–32.</ref> Sie war ursprünglich eine Sklavin des Publius Volumnius Eutrapelus, eines römischen Ritters, Anhängers des Marcus Antonius und engen Bekannten Marcus Tullius Ciceros. Von Volumnius freigelassen, stand sie gemäß römischen Recht auch weiter in den Diensten (operae) ihres nunmehrigen Patrons. Sie stand damit nicht nur ihrem Patron, sondern auch dessen sozialem Zirkel sowohl als Künstlerin als auch Geliebte zur Verfügung.<ref>Giusto Traina: Lycoris the Mime. In: Augusto Fraschetti (Hrsg.): Roman Women. University of Chicago Press, Chicago 2001, S. 82–99, hier S. 91; übernommen von Alison Keith: Lycoris Galli/Volumnia Cytheris: a Greek Courtesan in Rome. In: Eugesta. Journal of Gender Studies in Antiquity. Nr. 1, 2011, S. 23–53 (online, PDF), hier S. 25, Anm. 10, 38.</ref> Zu ihren Geliebten gehörten ihr früherer Besitzer Volumnius Eutrapelus, Marcus Antonius (der die Beziehung ca. 46 v. Chr. beendete, um Fulvia zu heiraten),<ref>Laut Cicero versprach Antonius Fulvia bei seiner Rückkehr aus Narbo im Herbst 45 v. Chr., seine Beziehung zu Cytheris abzubrechen: Cicero, Philippica 2,77.</ref> Marcus Iunius Brutus<ref>De viris illustribus urbis Romae 82,2.</ref> und der Politiker und Dichter Gaius Cornelius Gallus, der sie in seinen Werken Lycoris nannte. Dieser schrieb vier Bücher über seine Geliebte.<ref>Zu Gallus Servius, Zu den Eklogen 10,1; 10,6.</ref>

Offenbar trug sie mit großem Erfolg Werke Vergils und seines Freundes, ihres Geliebten Cornelius Gallus, vor, wie der Vergil-Kommentator Servius beschreibt: „Es wird gesagt, dass [Vergils] Ekloge 6 zu so großem Applaus rezitiert wurde, dass sogar Cicero, als Cytheris (die Vergil in seiner letzten Ekloge Lycoris nennt) im Theater die Ekloge sang, begeistert war und fragte, von wem das Gedicht sei.“<ref>Servius, Zu Ekloge 6,11. Vgl. Vergil, Eclogae 10,2–3.</ref> Sie wird teilweise als meretrix (Prostituierte), teilweise als mima bezeichnet, also eine Darstellerin des römischen Mimus, der im Verständnis der männlichen römischen Elite eng mit Prostitution und sexueller Freizügigkeit verbunden war. Cicero beschreibt in einem seiner Briefe auch ein convivium (Bankett), dem er beigewohnt habe und bei dem Lycoris „unter“ (infra) dem Gastgeber Volumnius Eutrapelus gelegen habe.<ref>Cicero, Epistulae ad familiares 9,26,1 (an Lucius Papirius Paetus), siehe Giusto Traina: Lycoris the Mime. In: Augusto Fraschetti (Hrsg.): Roman Women. University of Chicago Press, Chicago 2001, S. 82–99, hier S. 95.</ref>

Plutarch berichtet in seiner Antonius-Biographie, übereinstimmend mit Briefen des Cicero, dass Marcus Antonius Volumnia Kytheris nach 49 v. Chr. mit auf seine offizielle Reise durch Italien nahm, wo sie auch öffentlich als Teil seines Gefolges auftrat. Sie begleitete ihn sogar bis ins Militärlager, was Cicero wütend anprangerte, weil es nicht den überkommenen mores der römischen Elite entspreche.<ref>Plutarch, Antonius 9,4; Cicero, Philippica 2,58–62 (entstanden Herbst 44 v. Chr.); Cicero, epistulae ad Atticum 10,10,5 (3. Mai 49 v. Chr.); 10,16,5 (14. Mai 49 v. Chr.).</ref> Vergils 10. Ekloge (datiert auf 37–35 v. Chr.) ist eine Liebeselegie für seinen Freund Cornelius Gallus, nachdem dieser von seiner Geliebten Lycoris verlassen wurde, die einem anderen gefolgt sei. Lykoris, ein auch ansonsten bezeugter Name römischer freigelassener Frauen dieser Zeit, leitete sich von Lykoreus ab, dem Gott der Asylsuchenden, einer Epiklese des Apollon.<ref>Alison Keith: Lycoris Galli/Volumnia Cytheris: a Greek Courtesan in Rome. In: Eugesta. Journal of Gender Studies in Antiquity. Nr. 1, 2011, S. 23–53 (online, PDF), hier S. 29. Vgl. Ryszard Gansiniec: Lykoreus 2. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band XIII,2, Stuttgart 1927, Sp. 2384 f.</ref> Ihr Künstlername Kytheris leitete sich von Kythera ab, einer mit Aphrodite assoziierten griechischen Insel; auch dies war ein verbreiteter Name.<ref>Alison Keith: Lycoris Galli/Volumnia Cytheris: a Greek Courtesan in Rome. In: Eugesta. Journal of Gender Studies in Antiquity. Nr. 1, 2011, S. 23–53 (online, PDF), hier S. 45.</ref>

Literatur

  • Marieluise Deißmann-Merten: Volumnia 7. In: Der Kleine Pauly (KlP). Band 5, Stuttgart 1975, Sp. 1329.
  • Giusto Traina: Lycoris the Mime. In: Augusto Fraschetti (Hrsg.): Roman Women. University of Chicago Press, Chicago 2001, S. 82–99.
  • Alison Keith: Lycoris Galli/Volumnia Cytheris: a Greek Courtesan in Rome. In: Eugesta. Journal of Gender Studies in Antiquity. Nr. 1, 2011, S. 23–53 (online, PDF).
  • S. Mazzarino: Contributo alla lettura dei Nuovo Gallus (JRS, 1979, 157 ss) e alla storia della mima “lycoris”. In: Helicon. Band 21–22, 1980–1981, S. 3–26.

Weblinks

Anmerkungen

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