Fackelzug
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Ein Fackelzug (auch Fackelmarsch) ist ein nächtlicher Umzug vieler Personen mit brennenden Fackeln.
Ursprünge
Bereits im Antiken Griechenland gab es Fackelläufe und Fackeltänze.<ref name="bischoff_meyer_298">Eugen Bischoff und Franz Sales Meyer: Die Festdekoration in Wort und Bild. Leipzig 1897, S. 298.</ref> Fackeln waren bei den antiken Römern üblicher als bei den antiken Griechen. Die Fackel war ein Symbol der griechischen und römischen Götter Diana, Ceres, Bellona, Hymenaios, Hekate (Phosphorus); Anhänger dieser Götter veranstalteten gelegentlich Fackelzüge. Bei den bacchanalischen Umzügen trugen Frauen Fackeln. Auch bei nächtlichen Begräbnissen im antiken Rom wurden Fackeln getragen (fax sepulcralis).<ref>A Dictionary of Greek and Roman Antiquities. 1890, FAX.</ref>
Am Berliner Hof gehörten sie noch Ende des 19. Jahrhunderts zum Repertoire bei Hochzeitsfeiern.<ref name="bischoff_meyer_298" /> Auch von feierlichen Leichenbegängnissen sind Fackelzüge bekannt, etwa 1482 beim Begräbnis von Maria von Burgund.<ref name="bischoff_meyer_298" /> Später dienten Fackelzüge auch abseits der Höfe zur Ehrung „hervorragender Persönlichkeiten“.<ref name="bischoff_meyer_298" />
Politische Fackelzüge
Der Fackelzug wird auch für politische Demonstrationen eingesetzt. In Deutschland fanden diese im größeren Maße in der Zeit des Nationalsozialismus sowie in der DDR statt, jedoch zogen bereits 1817 nach dem Ende der offiziellen Feierlichkeiten des Wartburgfestes in Eisenach Teilnehmer mit einem Fackelzug auf den nahegelegenen Wartenberg, um dort der Völkerschlacht zu gedenken, nach Abschluss der Gedenkfeier führten verbleibende Teilnehmer eine symbolische Bücherverbrennung durch.
In Österreich fanden in der Zwischenkriegszeit Fackelzüge zum Maifeiertag statt, ab 1926 als fixe Massenkundgebung der Arbeiterjugend am Vorabend des Feiertags; ebenso wurden die sozialistischen Massenfestspiele mit Fackelzügen abgeschlossen; Feuer und Flamme auf sozialdemokratischen Plakaten als Symbol des Aufbruchs verwendet.<ref name="mertens">Wiener Zeitung vom 9. Dezember 2005: Christian Mertens: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Flammen, Sonnen, Fackelzüge. Das Feuer als Element der politischen Inszenierungen in der Zwischenkriegszeit. ( vom 15. Februar 2006 im Internet Archive)</ref>
Fackelzüge im Nationalsozialismus
In der Zeit des Nationalsozialismus waren Fackelzüge ein Mittel der Propaganda und demonstrierten die Herrschaft im öffentlichen Raum.
Am „Tag der Machtergreifung“ (30. Januar 1933) fand ein fünfstündiger Fackelzug statt.<ref name="mertens" /> Da die dort entstandenen Aufnahmen Propagandaminister Joseph Goebbels wenig beeindruckend schienen, ließ er sie im Sommer 1933 für den Film SA-Mann Brand nachstellen.<ref>Caroline Fetscher: Hitlers Machtübernahme. Januar 1933: Propaganda und Wirklichkeit. In: Tagesspiegel vom 28. Januar 2013, abgerufen am 15. Dezember 2021.</ref>
Fackelzüge in der DDR
Fackelzüge waren ein Mittel der DDR-Propaganda, so wird im Vorspann des Propagandafilms Berlin – Hauptstadt der DDR 1974 ein Fackelzug der Freien Deutschen Jugend gezeigt, der an den DDR-Regierungsmitgliedern und den ausländischen Gästen vorbeiführt.
Bedeutsame Fackelzüge fanden 1989 zum 40. Tag der Republik (DDR) in Ost-Berlin statt.<ref>FDJ. „Wir kleben auch nicht an irgendeinem Namen“ in Deutschlandfunk vom 27. November 2014. (abgerufen am 8. August 2023)</ref>
Fackelaufmarsch als Methode der politischen Einschüchterung
Im Gegensatz zur unorganisierten Form, in Filmen und Büchern als klassisch mit Fackeln und Heugabeln bewaffnet beschriebener Mob bzw. Lynchmob bezeichnet, werden Fackeln auch als Mittel der politischen Einschüchterung eingesetzt. So etwa als am 3. Dezember 2021 etwa 30 Angehörige der Gruppe „Freie Sachsen“ mit Fackeln vor das Wohnhaus der sächsischen Gesundheitsministerin Petra Köpping in Grimma zog, um gegen die Schutzmaßnahmen zur COVID-19-Pandemie zu demonstrieren.<ref>Fackelzug bei Corona-Protest. In: ZDF vom 6. Dezember 2021. (Abgerufen am 11. Dezember 2021)</ref><ref>Per Telegram zum Fackelzug. In: DW vom 4. Dezember 2021. (Abgerufen am 11. Dezember 2021)</ref><ref>Mob zieht mit Fackeln vor Wohnhaus von Sachsens Gesundheitsministerin. In: Der Tagesspiegel vom 4. Dezember 2021. (Abgerufen am 11. Dezember 2021)</ref>
Fackelzüge der Sozialistischen Jugend Österreich
In der Neuzeit finden ebenso Fackelzüge mit politischem Hintergrund statt. Beispielhaft kann hierzu der Fackelzug der Sozialistischen Jugend Österreich angeführt werden, der jährlich stattfindet, Anliegen und Forderungen aus dem politisch linken Spektrum nach außen trägt<ref>Beispielhaft: 2025: „Zukunft statt Krise“; 2024: „Wien gegen Rechts“; 2023: „Kein Platz für Rassismus“</ref> und deren Besucherzahlen, laut Presse jährlich steigend, bei mehren tausend Teilnehmern liegt.<ref>Fackelzug 2025 | Wien. Abgerufen am 10. September 2025.</ref><ref>2025: 5500 Besucher; 2024: 5000 Besucher; 2023: 4000 Besucher</ref>
Akademische Fackelzüge
Der Fackelzug ist ein alter akademischer Brauch<ref name="bischoff_meyer_298" />, der auch heute noch von Studentenverbindungen ausgeübt wird.<ref>Henry Bernhard: 200 Jahre Wartburgfest. Nationalgedanken damals und heute. In: Deutschlandfunk vom 22. Oktober 2017.</ref><ref>Coburg. Ungestörter Zapfenstreich. In: Neue Presse (Coburg) vom 15. Juni 2011.</ref><ref>Michael Stürzenhofecker: Burschentag in Eisenach. Fackelzug in die Vergangenheit. In: Der Spiegel Panorama vom 25. Mai 2013.</ref> Dies wird jedoch von einem Teil der Politik als nicht mehr zeitgemäß kritisiert.<ref>Richard Padberg: Coburger Convent: Wenn Studentenverbindungen die Stadt spalten. In: BR24 vom 4. Juni 2021.</ref>
Mit einem Fackelzug ehren Studenten verdiente und allseits geschätzte Professoren, zum Beispiel bei der Emeritierung.
Fackelzüge in der Jugendarbeit
Seit langem werden Fackelzüge vor allem von Jugendlichen veranstaltet – zur Unterhaltung oder als gestaltendes Element für Ferienlager, etwa bei Pfadfindern, der Jungschar, den Falken, bei Nachtübungen oder als Abschluss von Lagerfeuern.
Zu Kinder-Umzügen mit Laternen, siehe Laternelaufen.
Religiöse Fackelzüge
Fackelzüge werden auch für religiöse Zwecke eingesetzt, so bei Fackelprozessionen (siehe auch: Lichterprozession) wie beispielsweise zum Korbiniansfest in Freising<ref>Corinna Bail: Korbiniansfest per Livestream. In: Süddeutsche Zeitung vom 18. November 2020.</ref> oder in Lourdes<ref>Lourdes. In: Kurt Tucholsky: Erzählungen und Prosastücke. Gesammelte Schriften (1907–1935).</ref>.
Trivia
Giacomo Meyerbeer komponierte in den 1850er Jahren einen Fackeltanz (Marche aux Flambeaux)<ref>www.worldcat.org/title/marche-aux-flambeaux/oclc/16452394</ref>, der auch als Fackelmarsch bezeichnet wurde.<ref>Nachrichten. Spa. In: Gustav Bock (Hrsg.): Neue Berliner Musikzeitung vom 15. August 1855, S. 263.</ref>
Auch bei militärischen Feiern wie Gelöbnissen, Appellen oder bei Großen Zapfenstreichen marschieren Fackelträger auf.
Literatur
- Eugen Bischoff und Franz Sales Meyer: Die Festdekoration in Wort und Bild. Leipzig 1897, S. 298–302.
- Wiener Zeitung vom 9. Dezember 2005: Christian Mertens: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Flammen, Sonnen, Fackelzüge. Das Feuer als Element der politischen Inszenierungen in der Zwischenkriegszeit. ( vom 15. Februar 2006 im Internet Archive)
Einzelnachweise
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