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International Bertelsmann Forum

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Logo des International Bertelsmann Forum (1992–2001)
Datei:International Bertelsmann Forum 1996.jpg
International Bertelsmann Forum im Bundesgästehaus (1996)

Das International Bertelsmann Forum (kurz IBF) war eine Veranstaltungsreihe unter Federführung der gemeinnützigen Bertelsmann Stiftung. Sie wurde zwischen 1992 und 2006 in unregelmäßigen Abständen durchgeführt und beschäftigte sich vor allem mit Fragen der europäischen Zusammenarbeit. Zu den Teilnehmenden zählen Führungspersönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Kultur.

Geschichte

Horst Teltschik, ehemals außenpolitischer Berater Helmut Kohls, übernahm im Jahr 1991 die Geschäftsführung der Bertelsmann Stiftung. Unter seiner Führung wurden die internationale Verständigung und insbesondere die europäische Integration zu Schwerpunkten der Stiftungsarbeit. Als ein herausragendes Projekt in diesem Bereich etablierte man 1992 das International Bertelsmann Forum.<ref>Bertelsmann-Stiftung: 28 Millionen Mark für soziale Zwecke. Neue Perspektiven für die Marktwirtschaft gesucht. In: Handelsblatt. 11. Mai 1991, S. 14.</ref> Die Veranstaltung bot Führungspersönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien und Kultur eine Gelegenheit zum informellen Austausch abseits des Tagesgeschäfts.<ref>Chronik. Bertelsmann Stiftung, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. Mai 2020; abgerufen am 25. Mai 2020.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bertelsmann-stiftung.de</ref>

Im Vorfeld des International Bertelsmann Forum hatte die Bertelsmann Stiftung 1991 ein sogenanntes „Steering Committee“ berufen. Mitglieder waren unter anderem Leszek Balcerowicz, Carl Bildt, Jacques Delors, Felipe Gonzalez Márquez, Lord Geoffrey Howe, Henry A. Kissinger, Václav Klaus, Helmut Kohl, Miklös Nemeth und Eduard Schewardnadse. Das Komitee identifizierte die zentralen Punkte europäischer Politik, in denen offensichtlicher Veränderungsbedarf bestand. Ausgehend hiervon entwickelte der wissenschaftliche Projektpartner, die Forschungsgruppe Europa an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz unter der Leitung von Werner Weidenfeld, ein Grundsatzpapier für die weiteren Diskussionen der Teilnehmenden.<ref>International Bertelsmann Forum 1992. Bertelsmann Stiftung, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 8. Juli 2020; abgerufen am 25. Mai 2020.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.bertelsmann-stiftung.de</ref>

Das erste International Bertelsmann Forum wurde 1992 im Gästehaus der Deutschen Bundesregierung auf dem Petersberg bei Bonn ausgerichtet. 1993 führte man das Format mit einem Fokus auf den wirtschaftlichen Folgen des europäischen Umbruchs fort.<ref>Bertelsmann-Stiftung: Mohn kündigt deutliche Etataufstockung für 1993/94 an. Forschungsprogramm soll Reform der sozialen Marktwirtschaft ausloten. In: Handelsblatt. 28. Mai 1993, S. 10.</ref><ref>Warnungen vor einer „Re-Imperialisierung“ Rußlands. Welche Absichten hegt Moskau? Wirtschaftliche Folgen des europäischen Umbruchs. Ein Forum. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 25. Oktober 1993, S. 7.</ref> Unter den rund siebzig Teilnehmenden waren auch diverse Ministerpräsidenten.<ref>Ukraine sucht Anschluss an Europa. Präsident Krawtschuk fordert vollwertige Integration seines Landes und betont die stabilisierende Rolle Kiews. In: Der Tagesspiegel. 24. Oktober 1993.</ref> Stand zuvor die europäische Sicherheits- und Verteidigungspolitik im Fokus, rückte 1996 die europäische Integration auf die Agenda.<ref>Rainer Nahrendorf: Bertelsmann-Forum: Viel Zustimmung zum Konzept differenzierter Integration. Europa braucht strategischen Impuls. In: Handelsblatt. 22. Januar 1996, S. 7.</ref> Auf dem International Bertelsmann Forum 1998 wurde nicht nur über die äußere, sondern auch die innere Gestaltung der Zusammenarbeit europäischer Staaten debattiert.<ref>Mehr oder weniger Europa? Debatten über innere Gestaltung und äussere Beziehungen. In: Neue Zürcher Zeitung. 6. Juli 1998, S. 5.</ref>

1999 fand das International Bertelsmann Forum erstmals außerhalb Deutschlands statt. Vor dem Hintergrund der Osterweiterung folgte man der Einladung des polnischen Staatspräsidenten Aleksander Kwaśniewski in den Warschauer Palast.<ref>Paul Stoop: Eine neue Ostpolitik soll her. Debatten über die EU-Erweiterung beim Bertelsmann-Forum. In: Der Tagesspiegel. 28. Juni 1999, S. 5.</ref><ref>Wolfgang Proissl: Polen überdenkt Haltung zu Verfassung. In: Financial Times Deutschland. 11. Januar 2004.</ref> Öffentliche Beachtung erhielt die Entwicklung einer europäischen Perspektive für Russland, die Ukraine und Weißrussland.<ref>Gabriele Lesser: Der lange Weg in ein geeintes Europa. In: Die Tageszeitung. 29. Juni 1999, S. 10.</ref> In den folgenden Jahren blieb die Erweiterung der Europäischen Union ein wichtiges Thema, ebenso wie die Entwicklung einer gemeinsamen Außenpolitik.<ref>„Wählen Sie die Nummer von Prodi!“ Politiker aus Ost und West diskutierten am Wochenende über „das entgrenzte Europa“. In: Berliner Zeitung. 22. Januar 2001, S. 4.</ref><ref>Matthias Maus: Internationales Bertelsmann-Forum: Außenpolitiker blicken ratlos in eine düstere Zukunft. In: Abendzeitung. 25. September 2006, S. 3.</ref> Die Beratungen zu einer gemeinsamen europäischen Verfassung spielten ebenfalls eine große Rolle.<ref>Wolfgang Proissl: Polen überdenkt Haltung zu Verfassung. In: Financial Times Deutschland. 11. Januar 2004.</ref>

Das zehnte (und letzte) International Bertelsmann Forum fand 2006 im Weltsaal des Auswärtigen Amts am Werderschen Markt in Berlin-Mitte statt. Dort präsentierte Bundeskanzlerin Angela Merkel die Eckpunkte für Deutschlands Vorsitz im Rat der Europäischen Union.<ref>Bernhard Hänel: Fünf Leitsätze für ein starkes Europa. Merkel besucht Internationales Bertelsmann Forum. In: Neue Westfälische. 23. September 2006.</ref>

Themen und Orte

  • 1992, Bundesgästehaus, Bonn: „Die Zukunft Europas: Alternativen – Strategien – Optionen“
  • 1993, Bundesgästehaus, Bonn: „Die Zukunft Europas: Die politische Agenda für die neunziger Jahre“
  • 1996, Bundesgästehaus, Bonn: „Das neue Europa - Strategien differenzierter Integration“
  • 1998, Schloss Bellevue, Berlin: „Europa vor der Vollendung – Das Profil der großen Europäischen Union“
  • 1999, Präsidentenpalast, Warschau: „Mittel- und Osteuropa auf dem Weg in die Europäische Union“
  • 2001, Auswärtiges Amt, Berlin: „Das entgrenzte Europa – Strategien politischer Gestaltung“
  • 2002, Vilnius: „Building the Wider Europe“
  • 2004, Auswärtiges Amt, Berlin: „Europas Alternativen: Aufgaben und Perspektiven der großen Europäischen Union“
  • 2005, Zagreb: „Südosteuropa auf dem Weg in die Europäische Union“
  • 2006: Auswärtiges Amt, Berlin: „Die strategischen Antworten Europas“

Teilnehmende (Auswahl)

Kritik

Das International Bertelsmann Forum gilt den Kritikern der Bertelsmann Stiftung als Beispiel für ihren politischen Einfluss, der nicht demokratisch legitimiert ist und in erster Linie eigenen Zwecken dient.<ref>Harald Schumann: Macht ohne Mandat. In: Der Tagesspiegel. 24. September 2006, S. 7.</ref><ref>Rudolph Bauer: Gemeinwohl und Eigeninteresse. Das globale Engagement der Bertelsmann-Stiftung. In: Neue Zürcher Zeitung. 30. März 2007, S. 68.</ref>

Weblinks

Commons: International Bertelsmann Forum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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