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Atossa

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Vorlage:Hinweisbaustein Atossa (altgriechisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), altpersisch Hutausā/Hutauthā; * 550 v. Chr.; † 475 v. Chr.) war die älteste Tochter von Kyros II.<ref>Yancy Huges Domicnik: Acting Other: Atossa and Instability in Herodotus. In: Cambridge University Press on behalf of The Classical Association (Hrsg.): The Classical Quarterly. Vol. 57, No. 2, 2007, S. 433.</ref> und der Kassandane; ihr Name bedeutet „Gutes schenkend“.

Leben

Sie war zunächst mit ihrem Halbbruder Kambyses II. verheiratet. Geschwisterehen, bereits im Reich Elam üblich, von den Persern übernommen, sollten die Abstammung rein halten und wurden deswegen von den Griechen verspottet. Sie galt als die gebildetste Frau am Hofe – sie konnte schreiben – und stand der Palastverwaltung vor. Nach Kambyses’ II. Tod wurde sie vom Mager Gaumata geehelicht, um nach dessen Tod von Dareios I. ebenso zur Hauptgemahlin und Vorsteherin des Harems ernannt zu werden.<ref>Sandison A. T.: The first recorded case of inflammatory mastitis--Queen Atossa of Persia and the physician Democedes. In: Medical history. Band 3 (4), 1959, S. 317–318.</ref> Abgesehen von Atossa, die als Ehefrau von Darius fungierte, existierten auch Artystone (Atossas Schwester) und Parmys (Smerdis' Tochter und Kyros' Enkelin). Gemäß Sandison ist Atossa als die authentische Königin zu betrachten, während die beiden anderen lediglich Nebenfrauen waren.<ref>Sandison A.T: The first recorded case of inflammatory mastitis--Queen Atossa of Persia and the physician Democedes. In: Medical history. Band 3 (4), 1959, S. 318.</ref>

Für den Wandel in der Religionspolitik von Dareios zu Xerxes wird auch der Einfluss der Atossa verantwortlich gemacht. Atossa gelingt es, ihren Mann zu überreden, in Griechenland einzufallen. Am darauffolgenden Tag reagiert Dareios I. auf ihre Äußerungen.<ref>Yancy Huges Domicnik: Acting Other: Atossa and Instability in Herodotus. In: Cambridge University Press (Hrsg.): The Classical Quarterly. Vol. 57, No. 2, 2007, S. 434.</ref> Auf dieser Grundlage lässt sich konstatieren, dass Frauen „play a salient role in the historical world as Herodotus portrays it“.<ref>Blok (2002), S. 225</ref> Atossas Argumentation gründet auf der Prämisse, dass das Vertrauen der Bürger in seine Rolle durch die Ausführung der Tat gestärkt werden würde (Hdt. 3.134) – „so that the Persian might understand that their ruler is a real man“ (Hdt. 3.134.2).

Herodot (VII,3) behauptet über sie: „Atossa setzte alles durch, was sie wollte.“ Herodot erzählt auch, es sei dem griechischen Arzt Demokedes gelungen, Atossa von einer Brusterkrankung (vielleicht Mastitis, jedenfalls sicher kein Brustkrebs) zu heilen.<ref>Zur Art der Erkrankung Atossas siehe Philip Huyse: Die persische Medizin auf der Grundlage von Herodots Historien. In: Ancient Society 21, 1990, S. 141–148, hier: 143 und Anm. 9; Markwart Michler: Demokedes von Kroton. In: Gesnerus 23, 1966, S. 213–229, hier: 226 und Anm. 51.</ref> Die Königin kontaktierte Demokedes erst zu einem späteren Zeitpunkt, da sie sich für ihren gesundheitlichen Zustand schämte.<ref>Yancy Huges Domicnik: Acting Other: Atossa and Instability in Herodotus. In: Cambridge University Press (Hrsg.): The Classical Quarterly. Band 3 (4), Vol. 57, No. 2, 2007, S. 433.</ref> „While it was small, she hid it and did not tell anyone about it, out of shame, but later, when she was in pain, she sent for Democedes and showed it to him“ (Hdt. 3.133.1). Damocedes hatte die Möglichkeit, die für die Heilung der Königin vorgesehene Belohnung selbst zu bestimmen. Von essentieller Bedeutung war, dass es sich nicht um eine Angelegenheit handelte, die ihren guten Ruf in Schande ziehen könnte. Er bat Atossa um Unterstützung bei seiner Rückkehr nach Griechenland, was schließlich auch gelang, da Dareios ihn vor dem Einmarsch in Griechenland auf eine Erkundungsreise schickte.<ref>Sandison A.T: The first recorded case of inflammatory mastitis--Queen Atossa of Persia and the physician Democedes. In: Medical history. Band 3 (4), 1959, S. 318–319.</ref> Nach ihrer Heilung lebte Atossa ein normales Leben.<ref>Sandison A.T: The first recorded case of inflammatory mastitis--Queen Atossa of Persia and the physician Democedes. In: Medical history. Band 3 (4), 1959, S. 319.</ref>

Allerdings ist Herodots Darstellung stark umstritten. Der Oxforder Altertumswissenschaftler Malcolm Davies vertritt die Hypothese, der Name Atossa und die über sie überlieferten Nachrichten seien von Herodot erfunden und die tatsächliche Mutter des Xerxes sei unbekannt. Davies weist darauf hin, dass Ktesias von Knidos nichts von Atossa weiß und dass ihr Name auf der Behistun-Inschrift fehlt.<ref>Malcolm Davies: From rags to riches: Democedes of Croton and the credibility of Herodotus. In: Bulletin of the Institute of Classical Studies 53-2, 2010, S. 19–44, hier: 42–44.</ref>

Der griechische Tragiker Aischylos verarbeitete die Gestalt der Atossa literarisch in seinem Drama Die Perser. Er nennt ihren Namen im Text nicht, sondern bezeichnet sie nur als „die Königin“. Die einzige Erwähnung ihres Namens vor Vers 159 kann aus einem Scholion stammen, das nicht zum ursprünglichen Text gehörte, sondern später in ihn eingefügt wurde.<ref>Henry D. Broadhead (Hrsg.): The Persae of Aeschylus, Cambridge 1960, S. XXVI und Anm. 1; zur Rolle Atossas im Stück S. XXVI-XXVIII. Vgl. Alexander F. Garvie (Hrsg.): Aeschylus: Persae, Oxford 2009, S. 106.</ref>

Söhne der Atossa mit Dareios I.

(Quelle: <ref>Sandison A.T: The first recorded case of inflammatory mastitis – Queen Atossa of Persia and the physician Democedes. In: Medical history. Band 3 (4), 1959, S. 318.</ref>)

Eponyme

Der Asteroid (810) Atossa ist nach ihr benannt.<ref>Dictionary of Minor Planet Names, Band 1 in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.</ref>

Literatur

  • Amélie Kuhrt, Heleen Sancisi-Weerdenburg: Atossa. In: Der Neue Pauly. Band 2, Metzler, Stuttgart 1997, Sp. 220.
  • Rüdiger Schmitt: Atossa. In: Encyclopædia Iranica Band 3, London 1989, S. 13f.
  • Bernhard Kytzler: Frauen der Antike. Von Aspasia bis Zenobia. Artemis, München & Zürich 2000, ISBN 3-7608-1224-4, S. 36.

Weblinks

Anmerkungen

<references />