Uranocircit
| Uranocircit | |
|---|---|
| Allgemeines und Klassifikation | |
| IMA-Symbol |
Urc-II<ref name="Warr"></ref> |
| Andere Namen |
|
| Chemische Formel | Ba[UO2|PO4]2·10-12H2O<ref name="StrunzNickel" /> |
| Mineralklasse (und ggf. Abteilung) |
Phosphate, Arsenate und Vanadate |
| System-Nummer nach Strunz (8. Aufl.) Lapis-Systematik (nach Strunz und Weiß) Strunz (9. Aufl.) Dana |
VII/D.20a VII/E.01-110 8.EB.05 40.02a.03.01 |
| Ähnliche Minerale | Autunit, Sabugalit, Saléeit, Zeunerit, Uranospinit |
| Kristallographische Daten | |
| Kristallsystem | tetragonal |
| Kristallklasse; Symbol | ditetragonal-dipyramidal; 4/m2/m2/m<ref name="Webmineral" /> |
| Raumgruppe | I4/mmm (Nr. 139)<ref name="StrunzNickel" /> |
| Gitterparameter | a = 7,01 Å; c = 20,46 Å<ref name="StrunzNickel" /> |
| Formeleinheiten | Z = 2<ref name="StrunzNickel" /> |
| Physikalische Eigenschaften | |
| Mohshärte | 2 bis 2,5 |
| Dichte (g/cm3) | 3,46 |
| Spaltbarkeit | vollkommen [001], deutlich [100] |
| Bruch; Tenazität | muschelig bis brüchig |
| Farbe | hell- bis dunkelgelbgrün |
| Strichfarbe | hellgelb |
| Transparenz | durchsichtig bis durchscheinend |
| Glanz | Perlmuttglanz<ref name="Mindat" /> |
| Radioaktivität | stark radioaktiv |
| Kristalloptik | |
| Brechungsindizes | nα 1,574<ref name="Mindat" /> nβ 1,583<ref name="Mindat" /> nγ 1,588<ref name="Mindat" /> |
| Doppelbrechung | δ 0,014<ref name="Mindat" /> |
| Optischer Charakter | zweiachsig negativ |
| Achsenwinkel | 2V = gemessen: 70°; berechnet: 72°<ref name="Mindat" /> |
| Pleochroismus | schwach: X = farblos; Y = Z = hellkanariengelb<ref name="Mindat" /> |
| Weitere Eigenschaften | |
| Besondere Merkmale | giftig, starke Fluoreszenz |
Uranocircit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“, das zur Gruppe der Uranglimmer gehört. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem mit der allgemeinen chemischen Zusammensetzung Ba[UO2|PO4]2·10-12H2O<ref name="StrunzNickel" />. Seit einer Neudefinition 1963 wird das Mineral nach seinem Gehalt an Kristallwasser aufgeteilt in
- Uranocircit-I – Ba[UO2|PO4]2·12H2O<ref name="IMA-Liste-2009" />
- Uranocircit-II – Ba[UO2|PO4]2·10H2O<ref name="IMA-Liste-2009" />
wobei der Mineralstatus des Uranocircit II aufgrund seiner Erstbeschreibung vor IMA-Gründung 1959 vererbt und die Neudefinition von Uranocircit I von der IMA-Kommission CNMNC ohne nähere Prüfung zunächst übernommen wurde, inzwischen aber nicht mehr anerkannt ist.<ref name="Witzke" /><ref name="IMA-Liste" />
Uranocircit entwickelt überwiegend tafelige Kristalle in blättrigen, stapelförmigen Mineral-Aggregaten, findet sich aber auch in Form erdiger bis pulvriger Überzüge von hell- bis dunkelgelbgrüner Farbe bei hellgelber Strichfarbe. Verunreinigte Kristalle können auch eine entsprechend dunklere bis schwarze Farbe annehmen. Oft sieht Uranocircit dem Autunit zum Verwechseln ähnlich, ist aber deutlich grüner (nach Klockmann „Zeisiggrün“).<ref name="Klockmann" />
Etymologie und Geschichte
Erstmals entdeckt wurde Uranocircit in der Nähe der Stadt Falkenstein im Vogtland in Sachsen. Beschrieben und benannt wurde das Mineral erstmals 1877 durch Albin Weisbach (1833–1901). Weisbach selbst gab für seine Benennung keine Erklärung ab. Der Name lässt sich jedoch in Anlehnung an seinen Urangehalt und nach seiner Typlokalität aus dem lateinischen Wort circos bzw. dem griechischen Wort kirkos ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value))<ref name="LiddellScott" /> für Falke oder Habicht ableiten.
Das Typmineral wurde 1874 von Weißbach in die Mineralogische Sammlung der TU Bergakademie Freiberg aufgenommen.<ref name="KatHam" />
In den Aufzeichnungen von Paul Heinrich von Groth 1878 wird Uranocircit auch als Bariumuranit bezeichnet.<ref name="Lüschen" />
Klassifikation
In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Uranocircit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate, Vanadate“ und dort zur Abteilung „Wasserhaltige Phosphate, Arsenate und Vanadate mit fremden Anionen“, wo er gemeinsam mit Autunit, Bassetit, Fritzscheit, Heinrichit, Kahlerit, Kirchheimerit, Natrouranospinit, Nováčekit, Sabugalit, Saléeit, Torbernit, Uramphit, Uranospathit, Uranospinit und Zeunerit in der „Uranit-Reihe“ mit der Systemnummer VII/D.20a steht.
In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/E.01-110. Dies entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Uranyl-Phosphate/Arsenate und Uranyl-Vanadate mit [UO2]2+–[PO4]/[AsO4]3− und [UO2]2+–[V2O8]6−, mit isotypen Vanadaten (Sincositreihe)“, wo Uranocircit zusammen mit Autunit, Fritzscheit, Heinrichit, Kahlerit, Natroautunit (D), Rauchit, Sabugalit, Saléeit, Torbernit, Trögerit, Uranospinit und Zeunerit die „Autunitgruppe“ mit der Systemnummer VII/E.01 bildet.<ref name="Lapis" />
Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte<ref name=IMA-Liste-2009 /> 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Uranocircit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung „Uranylphosphate und Arsenate“ ein. Hier ist das Mineral in der Unterabteilung „UO2 : RO4 = 1 : 1“ zu finden, wo es zusammen mit Autunit, Heinrichit, Hydronováčekit, Kahlerit, Kirchheimerit, Metarauchit, Nováčekit, Saléeit, Torbernit, Uranospinit, Xiangjiangit und Zeunerit die „Autunitgruppe“ mit der Systemnummer 8.EB.05 bildet.
In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Uranocircit die System- und Mineralnummer 40.02a.03.01. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserhaltige Phosphate etc.“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserhaltige Phosphate etc., mit A2+(B2+)2(XO4) × x(H2O), mit (UO2)2+“ in einer unbenannten Gruppe mit der Systemnummer 40.02a.03, in der auch Metauranocircit eingeordnet ist.
Kristallstruktur
Uranocircit kristallisiert tetragonal in der Raumgruppe I4/mmm (Raumgruppen-Nr. 139) mit den Gitterparametern a = 7,01 Å und c = 20,46 Å sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />
Uranocircit besteht aus Phosphat-Tetraedern, die mit verzerrten oktaedrischen Uranoxidgruppen verknüpft sind. Die Phosphat- und Urangruppen liegen in Schichten, die nur schwach durch Wassermoleküle zusammengehalten werden. Dies ergibt die typische plattige Struktur, die perfekte Spaltrichtung und die relative Weichheit. An der Luft verliert der Uranocircit ein Teil seines Kristallwassers und wird zu Metauranocircit. Dabei werden die Kristalle trüb und die Stücke noch brüchiger.
Eigenschaften
Das Mineral ist durch seinen Bariumgehalt giftig und durch seinen Urangehalt von bis zu 43,9 % stark radioaktiv<ref name="Dörfler" /> mit einer spezifischen Aktivität von etwa 78.650 Bq/g<ref name="Webmineral" /> (zum Vergleich: natürliches Kalium 31,2 Bq/g).
Unter kurz- und langwelligem UV-Licht zeigt Uranocircit eine helle, grüne Fluoreszenz.<ref name="Webmineral" /> Einige Uranocircite fluoreszieren unter blauem Licht.
Nach einiger Zeit an der Luft oder durch Erhitzen verliert Uranocircit einen Teil seines Kristallwassers und wandelt sich in Metauranocircit um.
Bildung und Fundorte
Uranocircit bildet sich als Sekundärmineral in der Oxidationszone von Uran-Lagerstätten,<ref name="Dörfler" /> wo er sich unter anderem parallel verwachsen mit Autunit und Torbernit findet.<ref name="Rösler" />
Als seltene Mineralbildung konnte Uranocircit nur an wenigen Fundorten nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand: 2016) rund 90 Fundorte<ref name="MindatAnzahl" /> als bekannt gelten. Neben seiner Typlokalität Streuberg in Bergen trat das Mineral in Deutschland noch in der naheliegenden Grube bei Mechelgrün/Zobes (Neuensalz, siehe dazu auch Lagerstätte Zobes/Bergen des Unternehmens Wismut) und bei Tirpersdorf im Vogtland und an mehreren Orten im Erzgebirge in Sachsen, bei Eisenbach und in der Grube Krunkelbach bei Menzenschwand in Baden-Württemberg sowie am Pauliberg bzw. bei Schwandorf in Bayern auf.
Erwähnenswert aufgrund außergewöhnlicher Uranocircitfunde sind unter anderem Damětice im Okres Klatovy in Tschechien, wo tafelige Kristalle von bis zu einem Zentimeter Durchmesser gefunden wurden.
In Österreich fand sich das Mineral bisher nur am Prinzenkogel bei Rettenegg in den Fischbacher Alpen in der Steiermark.
Weitere Fundorte liegen in Australien, Brasilien, Bulgarien, China, Demokratische Republik Kongo, Frankreich, Japan, Madagaskar, Niger, Polen, Portugal, Südkorea und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).<ref name="Fundorte" />
Verwendung
Unter Sammlern ist Uranocircit aufgrund seiner schönen Kristallausbildungen und starken Fluoreszenz eine begehrte Mineralprobe.<ref name="Mineralienatlas" />
Vorsichtsmaßnahmen
Da Uranocircit ein relativ stark alphastrahlendes Material ist, sollte das Mineral nicht in den Organismus gelangen. Weil die Kristalle leicht zu kleinen Partikeln zerbrechen, die dann an den Fingern haften bleiben, sollten nach der Berührung und Untersuchung der Steine unverzüglich die Hände gewaschen werden, um eine Aufnahme in den Körper zu verhindern, wo es durch eine sehr lange Verweildauer und den ständigen Alphazerfall krebserregend wirkt. Nach dem Umgang mit dem Material sollte der Arbeitsplatz mit einer UV-Lampe – ein Geldscheinprüfgerät ist ausreichend – auf die unter UV-Licht auffällig leuchtenden Partikel untersucht werden, die sonst unerkannt zu einer Gefährdung führen würden.
Siehe auch
Literatur
- Albin Weisbach: Mineralogische Mittheilungen. I. Walpurgin, II. Zeunerit und Uranospinit, III. Uranocircit, IV. Bismutosphärit, V. Roselith, VI. Kobaltspath. In: Jahrbuch für das Berg- und Hüttenwesen im Königreiche Sachsen. Abhandlungen, 1877, S. 42–53 (PDF 1,6 MB; S. 7)
- Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 655.
Weblinks
- Mineralienatlas:Uranocircit (Wiki)
- Thomas Witzke (Stollentroll): Die Entdeckung von Uranocircit
Einzelnachweise
<references> <ref name="Dörfler"> Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 190 (Dörfler Natur). </ref> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Uranocircit beim Mineralienatlas und bei Mindat </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="KatHam"> Typmineral-Katalog des Mineralogisch-Petrografischen Instituts der Universität Hamburg (Weblink) </ref> <ref name="Klockmann"> Paul Ramdohr, Hugo Strunz: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. 16. Auflage. Ferdinand Enke Verlag, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8, S. 655. </ref> <ref name="Lapis"> Stefan Weiß: Das große Lapis Mineralienverzeichnis. Alle Mineralien von A – Z und ihre Eigenschaften. Stand 03/2018. 7., vollkommen neu bearbeitete und ergänzte Auflage. Weise, München 2018, ISBN 978-3-921656-83-9. </ref> <ref name="LiddellScott"> Henry George Liddell, Robert Scott: A Greek-English Lexicon - kirkos </ref> <ref name="Lüschen"> Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. Ott Verlag, Thun und München 1968, S. 338. </ref> <ref name="Mindat"> Uranocircite bei mindat.org (englisch) </ref> <ref name="MindatAnzahl"> Mindat - Anzahl der Fundorte für Uranocircit </ref> <ref name="Mineralienatlas"> Mineralienatlas:Uranocircit </ref> <ref name="Rösler"> Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 650. </ref> <ref name="StrunzNickel"> Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 524. </ref> <ref name="Webmineral"> Webmineral – Uranocircite (englisch) </ref> <ref name="Witzke"> Thomas Witzke (Stollentroll): Die Entdeckung von Uranocircit </ref> </references>