Fischmehl
Als Fischmehl bezeichnet man getrocknete und gemahlene Fische oder Teile von Fischen, denen der eingedickte Presssaft zugesetzt werden kann (Fischvollmehl). Küstenfischmehl kann in mäßigen Mengen Beifang, insbesondere Krebstiere, Seesterne und Muscheln, enthalten.
Fettfische werden vor der Verarbeitung zu Fischmehl meist gepresst, um Fischöl zu extrahieren.<ref name="Windsor">M. L. Windsor for the UK Department of Trade and Industry, Torry Research Station. <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Fish meal. Torry Advisory Note No. 49 ( vom 1. Januar 2019 im Internet Archive) Published by FAO in partnership with Support unit for International Fisheries and Aquatic Research (SIFAR, 2001) Bibliographical information from <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />FAO index page ( vom 30. Dezember 2018 im Internet Archive)</ref>
Marco Polo beobachtete bereits im 14. Jahrhundert auf seinen Reisen, dass getrockneter Fisch zur Fütterung von Nutztieren eingesetzt wurde.<ref name="Windsor" />
Verwendung
2021 wurden etwa ein Viertel aller weltweit im Meer gefangenen Fische zu Fischmehl verarbeitet.<ref name="FlaExtension2015">R. D. Miles and F. A. Chapman. FA122: The Benefits of Fish Meal in Aquaculture Diets Fisheries and Aquatic Sciences Department, UF/IFAS Extension. Original publication date November 2005. Reviewed January 2015.</ref>
Fischmehl wird überwiegend als Beimischung zu Futtermitteln genutzt. Seit 2010 wurde rund die Hälfte des produzierten Fischmehls zur Fütterung von Fischen in der Aquakultur eingesetzt (die wiederum ungefähr die Hälfte der Speisefische auf dem Markt bereitstellt).<ref name=":1" /><ref name=Freyrev2016>Fry JP et al. Environmental health impacts of feeding crops to farmed fish. Environ Int. 2016 May;91:201-14. Review. Free full text</ref><ref>NOAA NOAA-USDA Alternative Feeds Initiative page accessed June 3, 2016</ref> Etwa 20 % der Menge wurde als Schweinefutter und um die 12 % als Hühnerfutter verwendet. Der Preis für Fischmehl pendelt seit 2000 zwischen dem zwei- bis dreifachen von Sojamehl.<ref name="FlaExtension2015" />
Die Biologische Wertigkeit ist abhängig von der Zusammensetzung der Aminosäuren im verwendeten Fisch (siehe auch Wertigkeit von Proteinen), sie sinkt mit dem abnehmenden Anteil an Fischfleisch. Hochwertiges Fischmehl enthält typischerweise zwischen 60 % und 72 % Protein nach Gewicht.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Manufacture, Storage, Composition And Use Of Fish Meal.] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL; abgerufen am 4. September 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref>
Das Verfüttern von Tiermehl an Rinder war seit Anfang des 21. Jahrhunderts wegen der BSE-Problematik in der EU verboten.<ref>Hermann Steffen: Vorzüge von Fischmehl schwer ersetzbar. In: www.agrarzeitung.de. 15. Mai 2001, abgerufen am 19. September 2020.</ref> Aufgrund der gestiegenen Preise für pflanzliche Futtermittel darf Fischmehl nach einem EU-Beschluss seit 2017 wieder in der Kälber- und Lämmeraufzucht eingesetzt werden.<ref>Einsatz von fischmehlhaltigen und blutprodukthaltigen Futtermitteln in Tierhaltungsbetrieben. Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 22. April 2021; abgerufen am 19. September 2020.</ref> Auch in der Schweiz darf Fischmehl als Bestandteil von Futtermitteln für Nichtwiederkäuer und von pulverförmigen Milchaustauschfuttermitteln für Kälber unter bestimmten Umständen verwendet werden.<ref>Art. 29 Verfütterung von Fischmehl an Nichtwiederkäuer und an Kälber. In: SR 916.441.22 Verordnung vom 25. Mai 2011 über tierische Nebenprodukte (VTNP). 1. Juni 2018, abgerufen am 5. Januar 2020.</ref> Die Verwendung zur Supplementierung von Mischfutter für Hühner wird zunehmend substituiert durch den Einsatz der schwefelhaltigen synthetischen Aminosäure DL-Methionin und des Hydroxyanalogen von Methionin.
Produktion und ökologische Folgen
Die Produktion von Fischmehl erfolgte früher überwiegend aus Abfällen, die nach dem Filetieren von Speisefischen entstanden. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurde Fischmehl in Großbritannien und anderen Ländern überwiegend als Düngemittel eingesetzt.<ref name="Windsor" />
In den letzten Jahrzehnten ist daneben aber auch ein Zweig der Hochseefischerei entstanden, der bestimmte Fischarten ausschließlich zur Fischmehlgewinnung fängt. Diese Praxis wird teilweise kritisch betrachtet, weil diese Fische dem Ökosystem entzogen werden und ähnlich wie bei den Speisefischen Hering und Kabeljau die Überfischung bzw. Ausrottung einzelner Fischarten droht. Zudem wird kritisiert, dass die traditionellen Fanggründe der lokalen Bevölkerung in Mitleidenschaft gezogen werden, die proteinhaltigen Produkte in die reichen Industriestaaten verkauft werden und nur wenige Unternehmen davon profitieren. Bei der Fischerei mit Netzen besteht auch die Möglichkeit, dass Delfine gefangen und getötet werden.<ref>Anette Stohl: Hochsee- und Tiefseefischerei: Überfischung, ausrotten – ausbeuten – vernichten! In: delfinhilfe.de. 3. April 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 16. Mai 2021; abgerufen am 13. April 2021.</ref>
Etwa 6 Millionen Tonnen Fisch werden jährlich ausschließlich zur Verarbeitung zu Fischmehl gefangen. Zur Herstellung von einer Tonne Mehl werden 4 bis 5 Tonnen Frischfisch gebraucht.<ref name="FlaExtension2015" />
Weltweit liefert die Peruanische Sardelle den größten Anteil an der gesamten Fischmehlproduktion.
In bestimmten Regionen werden jedoch vorwiegend andere Fischarten zu Fischmehl verarbeitet:<ref name="FlaExtension2015" /><ref name="Windsor" /><ref name="Cashion2016">{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). (PDF; 1,5 MB) In: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value). {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), 2016, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 11. Juni 2016; abgerufen am 2. September 2022 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Europa: Franzosendorsch, Lodde, Gefleckter Großer Sandaal / Ungefleckter Großer Sandaal, Makrele, in Skandinavien auch Sprotte, Hering und Blauer Wittling
- Japan: Sardine, Makrelenhechte, Makrele
- USA: Brevoortia patronus, Brevoortia tyrannus, Köhler
Hauptlieferanten für Fischmehl sind Chile, Peru (weltgrößter Produzent), Dänemark, Norwegen und Panama. Kleinere Lieferanten sind etwa die Färöer-Inseln, Island und Indien. Fischmehl wird beim Import in die Europäische Union auf Salmonellen und Fremdbeimengungen, insbesondere von Tiermehlen, Federmehlen oder Fleischmehlen, untersucht.
Fischmehl werden Antioxidantien zugesetzt, um die Selbstentzündung durch die Oxidation der enthaltenen mehrfach ungesättigten Fettsäuren zu verhindern.<ref name="FlaExtension2015" /> Bis 2001 wurde überwiegend Ethoxyquin verwendet, typischerweise im Bereich von 200 bis 1000 mg/kg.<ref name="Windsor" /> Seit 2020 darf dieser Stoff aufgrund vermuteter gesundheitlicher Risiken innerhalb der EU nicht mehr als Futtermittelzusatzstoff eingesetzt werden.<ref>Ethoxyquin | Aquakulturinfo. Abgerufen am 23. Juli 2021.</ref><ref>Fischfutter mit Pestizid: Noch immer Ethoxyquin in fast allen Zuchtlachsen In: srf.ch, 19. Dezember 2017, abgerufen am 19. Dezember 2017.</ref>
Im Jahr 2021 wurde über mit Arsen, Phosphaten und Nitraten belastete Abfälle aus der Fischmehlproduktion in Afrika berichtet.<ref name=":1" />
Die meisten Fischmehlprodukte enthalten gewisse Anteile an Mikroplastik.<ref name=":0">Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2</ref>
Weblinks
- Stinkendes Exportgut: Fischmehl, Geld und fette Kälber. In: Spiegel Online. 4. Mai 2008, abgerufen am 19. Juni 2014 (Spiegel-Artikel über die Produktion von Fischmehl in Peru).
- aquakulturinfo.de
Einzelnachweise
<references > <ref name=":1"> Ian Urbina: Chinas Trawler fischen Afrikas Küsten leer – für unseren Lachs aus Norwegen. In: Der Spiegel. Abgerufen am 10. Mai 2021. </ref> </references >