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Hans-Georg Backhaus

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Hans-Georg Backhaus (* 1929 in Remda; † 8. März 2026 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Ökonom und Philosoph und einer der bedeutendsten Wissenschaftler auf dem Gebiet der marxschen Werttheorie. Bereits in seinen Studienjahren begann eine langjährige Zusammenarbeit mit Helmut Reichelt. Beide gelten als Mitbegründer der Neuen Marx-Lektüre.

Leben

Backhaus emigrierte in den 1950er Jahren aus der DDR nach Westdeutschland. Er studierte Philosophie, Soziologie und Politische Ökonomie zunächst in Heidelberg, dann in Frankfurt am Main.<ref name=":1">Riccardo Bellofiore, Tomasso Redolfi Riva: Hans-Georg Backhaus: The Critique of Premonetary Theories of Value and the Perverted Forms of Economic Reality. In: Beverley Best, Werner Bonefeld, Chris O’Kane (Hrsg.): The SAGE Handbook of Frankfurt School Critical Theory. Band 1. Sage, London 2018, S. 386.</ref>

In den 1960er Jahren setzte er sich als Student mit der marxschen Werttheorie auseinander. Damals fand Backhaus zufällig ein Exemplar der von Marx-Interpreten meist vernachlässigten Erstauflage von Das Kapital (1867) in der Bibliothek von Hermann Brill (1895–1959). Laut Backhaus habe ihn dieser Fund unterschiedliche Konzeptionen der marxschen Werttheorie erkennen lassen und wesentlich beeinflusst, wie er damals Marx rezipierte.<ref>Hans-Georg Backhaus: Die Anfänge der neuen Marx-Lektüre. In: Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur marxschen Ökonomiekritik. 3. Auflage. Ca ira, Freiburg/Wien 2018, S. 29–30 (Erstausgabe: 1997).</ref> Er hielt im Wintersemester 1964/65 bei Theodor W. Adorno (1903–1969) ein Referat über die Kategorie der Verdopplung und die Wertformanalyse.<ref>Hans-Georg Backhaus: Die Anfänge der neuen Marx-Lektüre. In: Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur marxschen Ökonomiekritik. 3. Auflage. Ca ira, Freiburg/Wien 2018, S. 30–31 (Erstausgabe: 1997).</ref> Auf dieser Grundlage schrieb er seine 1968 abgeschlossene Diplomarbeit. Diese ist die Basis seines bekanntesten Aufsatzes Zur Dialektik der Wertform (1969). In der Folgezeit publizierte Backhaus mehrere Aufsätze zur marxschen Kritik der politischen Ökonomie, in denen er seine Marx-Interpretation selbstkritisch weiterentwickelte.<ref name=":1" />

Er arbeitete als Lehrbeauftragter an den Universitäten Frankfurt am Main und Bremen und war an der Gründung des Marx-Kolloquiums beteiligt, aus dem heraus 1994 die Marx-Gesellschaft e. V. mit Sitz in Hamburg entstand.

Zuletzt hatte Backhaus bei der Wahl zur Frankfurter Stadtverordnetenversammlung am 15. März 2026 für das Bündnis Sahra Wagenknecht kandidiert.<ref>Öffentliche Bekanntmachung der zugelassenen Wahlvorschläge für die Wahl der Stadtverordneten- versammlung, der Ortsbeiräte und der Kommunalen Ausländer- und Ausländerinnenvertretung am 15. März 2026 in Frankfurt am Main. In: Amtsblatt für Frankfurt am Main. Stadt Frankfurt am Main, 26. Januar 2026, abgerufen am 8. März 2026.</ref> Er verstarb jedoch zuvor am 8. März 2026.<ref>Abschied von Hans-Georg Backhaus. In: www.ca-ira.net. Abgerufen am 10. März 2026.</ref>

Erkenntnisinteresse und Positionen

Backhaus erforschte primär den Fetischismus kapitalistischer Verhältnisse. Er untersuchte die besondere Gegenständlichkeit des ökonomischen Gegenstandes wie auch dessen widersprüchliche Struktur und stellte sich die Frage, wie man ihn mittels nichtempirischer Theorien erforschen könne.<ref>Hans-Georg Backhaus: Die Anfänge der neuen Marx-Lektüre. In: Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur marxschen Ökonomiekritik. 3. Auflage. Ca ira, Freiburg/Wien 2018, S. 34 (Erstausgabe: 1997): „Das Thema meiner Arbeiten ist im Grunde immer nur eines: das Problem des Fetischismus. Es stellt sich dreifach dar: als das der Gegenständlichkeit des ökonomischen Gegenstandes, dann als das Problem seiner widersprüchlichen Struktur, d. h. als das Problem von Einheit und Differenz und schließlich als das seiner Analyse auf der Grundlage nichtempirischer Theorien.“</ref> In diesem Zusammenhang hielt Backhaus Marx’ Analyse der Wertform für grundlegend.<ref>Hans-Georg Backhaus: Die Anfänge der neuen Marx-Lektüre. In: Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur marxschen Ökonomiekritik. 3. Auflage. Ca ira, Freiburg/Wien 2018, S. 34–35 (Erstausgabe: 1997).</ref> Er versuchte das fetischistische Denken der Nationalökonomen zu kritisieren, um dessen Aporien aufzuzeigen.<ref>Riccardo Bellofiore, Tomasso Redolfi Riva: Hans-Georg Backhaus: The Critique of Premonetary Theories of Value and the Perverted Forms of Economic Reality. In: Beverley Best, Werner Bonefeld, Chris O’Kane (Hrsg.): The SAGE Handbook of Frankfurt School Critical Theory. Band 1, S. 396–398.</ref>

Ein Schwerpunkt von Backhaus’ Forschungen war der marxsche Begriff von Kritik. Backhaus befasste sich mit dessen Bedeutung, Entwicklung und der Möglichkeit, Marx’ Kritik auf moderne Ansätze wie die Neoklassik oder den Neoricardianismus anzuwenden.<ref>Backhaus geht den historischen Wurzeln des marxschen Kritikbegriffs bis zu Marx’ Feuerbach- und Hegelrezeption nach. Vgl. Einige Aspekte des Marxschen Kritikbegriffs im Kontext seiner ökonomisch-philosophischen Theorie. In: Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur marxschen Ökonomiekritik. 3. Auflage, Ça ira, Freiburg/Wien 2018 (Erstausgabe: 1997); S. 399–419.

Für eine Anwendung der marxschen Kritik auf moderne ökonomische Theorien: Zum Kritikpotential der Marxschen Kategorialanalyse. In: Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur marxschen Ökonomiekritik. 3. Auflage, Ça ira, Freiburg/Wien 2018 (Erstausgabe: 1997); S. 421–430.</ref>

Backhaus deutete Marx’ Werttheorie als eine monetäre Werttheorie, die vor allem durch die Wertformanalyse fundiert wird. Letztere diene einer Wesensdefinition des Geldes.<ref name=":0">Hans-Georg Backhaus: Materialien zur Rekonstruktion der Marxschen Werttheorie. Teil III. In: Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur marxschen Ökonomiekritik. 3. Auflage. Ca ira, Freiburg/Wien 2018, S. 154 (Erstausgabe: 1997).</ref> In negativer Hinsicht sei Marx’ theoretische Arbeit eine Kritik an dem, was Backhaus als prämonetäre Werttheorien bezeichnete. Damit setzte Backhaus die marxsche Werttheorie der traditionellen marxistischen Interpretation und der subjektiven Werttheorie der Neoklassik entgegen.

Laut Backhaus ist „Wert“ als Resultat der Arbeit zunächst prämonetär. Dagegen könne sich der Wert jedoch nur in monetären Tauschwertstrukturen realisieren.<ref>Hans-Georg Backhaus: Die Anfänge der neuen Marx-Lektüre. In: Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur marxschen Ökonomiekritik. 3. Auflage. Ca ira, Freiburg/Wien 2018, S. 32–33 (Erstausgabe: 1997): „An diesen Überlegungen ist prinzipiell festzuhalten, doch sollte man sich hüten, den „prämonetären Wert“ schlechthin zu verwerfen. Es bleibt dabei, daß ein prämonetärer Tauschwert sich nicht pluralisieren läßt, also auch die beliebten Modelle einer naturalwirtschaftlichen, d. h. aber prämonetären Tauschwirtschaft an logischen Widersprüchen kranken; doch kann dies nicht heißen, daß auch der prämonetäre „absolute“ Wert sich nicht denken läßt. Der Marxsche „Mehrwert“ ist natürlich auch ein prämonetärer, und jener Wert überhaupt […] ist gleichfalls ein prämonetärer. Allerdings vermag die „Entwicklung“ des Widerspruchs nicht eine tauschwertbestimmte Ware hervorzubringen, sondern nur eine preisbestimmte; die „allgemeinen Charaktere“ des prämonetären Werts überhaupt „erscheinen“ und realisieren sich nicht in einer prämonetären Tauschwertstruktur, sondern sogleich in der monetären Ware-Geld-Struktur. Der prämonetäre Wert überhaupt vermag sich nicht in einem prämonetären Tauschwert zu realisieren, aber in seinem eigenen prämonetären Charakter ist er insofern höchst real. Dieser Wert ist […] der Motor der „dialektischen Entwicklung“, ein Prinzip, das sich letztlich erst in der Weltmarktbewegung des Kapitals realisiert.“</ref> Backhaus untersuchte intensiv die Erstauflage von Das Kapital (1867). Vor allem auf dieser Grundlage erblickte er den Sinn der marxschen Wertformanalyse darin, zu zeigen, dass man einen prämonetären Warentausch überhaupt nicht widerspruchslos denken könne.<ref>Hans-Georg Backhaus: Die Anfänge der neuen Marx-Lektüre. In: Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur marxschen Ökonomiekritik. 3. Auflage. Ca ira, Freiburg/Wien 2018, S. 32 (Erstausgabe: 1997).</ref> Er betonte nicht nur den engen Zusammenhang von Wert- und Geldtheorie, sondern auch den Zusammenhang von Wert- und Kapitaltheorie.<ref>Hans-Georg Backhaus: Materialien zur Rekonstruktion der Marxschen Werttheorie. Teil III. In: Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur marxschen Ökonomiekritik. 3. Auflage. Ca ira, Freiburg/Wien 2018, S. 151 (Erstausgabe: 1997): „Aus der Marxschen ›Werttheorie‹ lassen sich also viererlei Problembereiche ableiten: 1. die Begründung und Entwicklung des Werts als Bestimmungsgrund des Austauschverhältnisses. Es handelt sich hierbei um die traditionellen Probleme der quantitativen Werttheorie; 2. die Kritik der prämonetärer Werttheorien; 3. die Begründung einer bestimmten Geldtheorie; 4. Kritik der den prämonetären Werttheorien korrespondierenden Geldtheorien, deren Aporien vor allem aus der Trennung der organisch zusammengehörigen Kategorien Wert und Geld hervorgegangen sein sollen. Diese vier Problemkreise beziehen sich nur auf die ›Werttheorie im engeren Sinn‹. Wert ist nun aber noch bloß ›erscheinender‹ und als solcher Geld, Wert im emphatischen Sinn ist ›prozessierender‹ und somit Kapital. Demzufolge ist auch nur die Werttheorie i. e. S. Geldtheorie, in einem weiteren und eigentlich Sinn ist sie Theorie des Kapitals.“</ref>

Im Diskurs über die marxsche Wertformanalyse, deren Deutung sehr umstritten ist, plädierte Backhaus für eine sogenannte logische Lesart.<ref>Für eine kurze Übersicht über den Diskurs um das Verhältnis von Logischem und Historischem in Marx’ Werk: Wolfgang Fritz Haug: Historisches/Logisches. In: Wolfgang Fritz Haug (Hrsg.): Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus. Bd. 6,1: Hegemonie bis Imperialismus. Argument Verlag, Hamburg 2004; Sp. 335–367.

Dort skizziert Haug unter anderem, wie Backhaus seine diesbezüglichen Positionen veränderte; vgl. Sp. 359–362.</ref> Er gestand zu, dass andere Interpretationsweisen relativ plausibel seien.<ref>Eine Auseinandersetzung mit anderen Lesarten, in denen Backhaus die logische Lesart relativiert und anderen Lesarten Konzessionen macht, findet sich vor allem im dritten Teil seiner Materialien zur Rekonstruktion der Marxschen Werttheorie. Vgl. Hans-Georg Backhaus: Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur marxschen Ökonomiekritik. 3. Auflage, Ça ira, Freiburg/Wien 2018, S. 129–227 (Erstausgabe: 1997). </ref> Jedoch müsse man Das Kapital bzw. die Wertformanalyse „logisch“ lesen, um die Probleme, vor denen Marx gestanden habe, verstehen und lösen zu können.<ref name=":0" /> Die Spuren, die für diese Lesart sprechen, hielt Backhaus im Spätwerk von Marx für relativ schwer rekonstruierbar. Im vierten Teil seiner Materialien zur Rekonstruktion der Marxschen Werttheorie kam er daher zu dem Schluss, man müsse kritisch nur das Brauchbare aus Marx’ Werk aufgreifen, um die Probleme besser zu lösen.<ref>Hans-Georg Backhaus: Materialien zur Rekonstruktion der Marxschen Werttheorie. Teil IV. In: Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur marxschen Ökonomiekritik. 3. Auflage. Ca ira, Freiburg/Wien 2018 (Erstausgabe: 1997): „Was Adam Smith von Marx vorgeworfen wurde, daß in dessen Werttheorie ein „esoterischer“ und ein „exoterischer Teil“ zu unterscheiden sei, wiederholt sich in anderer Weise in der Marxschen Werttheorie: ebenso wie bei Smith laufen die beiden Darstellungsweisen „nicht nur unbefangen nebeneinander, sondern durcheinander und widersprechen sich fortwährend“. (26.2/162) Hieraus ergibt sich die Notwendigkeit einer kritischen Rekonstruktion. Sie kann nur bedeuten, daß man die Marxsche Theorie [Backhaus zitiert nun Jürgen Habermas; d. V.] „auseinandernimmt und in neuer Form wieder zusammensetzt, um das Ziel, das sie sich gesetzt hat, besser zu erreichen“.“</ref>

Hinsichtlich der Frage, wie die marxsche Methode zu rekonstruieren ist, plädierte Backhaus dafür, dass Marx-Interpreten auf die erst postum veröffentlichten Manuskripte Grundrisse (1857/58) bzw. den sogenannten Urtext (1858) von Zur Kritik der Politischen Oekonomie. Erstes Heft (1859) achten sollten; seit einschließlich Zur Kritik habe Marx seine Methode teilweise versteckt und mitunter in seinen veröffentlichten Werken in vereinfachter Form nur Ergebnisse präsentiert.<ref>Hans-Georg Backhaus: Die Anfänge der neuen Marx-Lektüre. In: Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur Marxschen Ökonomiekritik. 3. Auflage. Ca ira, Freiburg/Wien 2018, S. 11–18 (Erstausgabe: 1997).</ref> Backhaus kritisierte, wie Friedrich Engels (1820–1895) und im Anschluss daran auch viele traditionelle Interpreten Marx’ Methode deuteten. Das betrifft vor allem das Verhältnis von kategorialer Entwicklung und Historischem in Marx’ Kritik der politischen Ökonomie. In diesem Zusammenhang kritisierte Backhaus die mitunter so genannte logisch-historische Methode und die Theorie der einfachen Warenproduktion.<ref>Vgl. Hans-Georg Backhaus: Materialien zur Rekonstruktion der Marxschen Werttheorie. Teil IV. In: Hans-Georg Backhaus: Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur marxschen Ökonomiekritik. 3. Auflage, Ça ira, Freiburg/Wien 2018 (Erstausgabe: 1997).

Eine detaillierte Kritik von Backhaus an Engels’ Deutung von Marx’ Methode findet sich im Abschnitt von § 4 bis § 6 bzw. S. 241–265.

Die Kritik an der Interpretation des Anfangs von Das Kapital als Theorie einfacher Warenproduktion findet man beispielsweise in § 2 bzw. S. 232–237.</ref> Jedoch habe Marx selbst begünstigt, dass man ihn so deuten könne.<ref>Hans-Georg Backhaus: Materialien zur Rekonstruktion der Marxschen Werttheorie. Teil IV. In: Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur marxschen Ökonomiekritik. 3. Auflage. Ca ira, Freiburg/Wien 2018, S. 249–250 und S. 293–295 (Erstausgabe: 1997).</ref>

Wirkung

Laut Jan Hoffs Studie Marx global (2009) war die Tatsache, dass Backhaus in den 1960er Jahren auf die vernachlässigte Erstauflage von Das Kapital (1867) stieß und diese eingehend untersuchte, folgenreich. Dieser Fund sei ein Grund dafür gewesen, dass mehrere Marx-Interpreten in Westdeutschland die verschiedenen Ausgaben von Das Kapital hinsichtlich dessen, wie Marx die Werttheorie bzw. Wertformtheorie konzipierte, miteinander verglichen hätten.<ref>Jan Hoff: Marx global. Zur Entwicklung des internationalen Marx-Diskurses seit 1965. Akademie Verlag, Berlin 2009, S. 83–84.</ref>

Backhaus’ Aufsatz Zur Dialektik der Wertform (1969) erzielte relativ hohe Auflagen. Der Aufsatz wurde in mehrere Sprachen übersetzt.<ref>Hans-Georg Backhaus: Die Anfänge der neuen Marx-Lektüre. In: Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur marxschen Ökonomiekritik. 3. Auflage. Ca ira, Freiburg/Wien 2018, S. 31 (Erstausgabe: 1997).</ref> Einige betrachten ihn als Gründungsdokument der Neuen Marx-Lektüre.<ref name=":1" />

Die Texte von Backhaus wurden auch in realsozialistischen Staaten rezipiert. In den 1970er Jahren machte Professor Wladimir Petrowitsch Schkredow an der Moskauer Lomonossow-Universität in seinen Seminaren Backhaus’ Texte zur Pflichtlektüre.<ref>Jan Hoff: Marx global. Zur Entwicklung des internationalen Marx-Diskurses seit 1965. Akademie Verlag, Berlin 2009, S. 133.</ref> Wie Backhaus kritisierte auch Schkredow die traditionelle Interpretation, wonach Das Kapital mit der einfachen Warenproduktion beginne. Einige Marx-Forscher in der DDR rezipierten diese Kontroverse.<ref>Jan Hoff: Marx global. Zur Entwicklung des internationalen Marx-Diskurses seit 1965. Akademie Verlag, Berlin 2009, S. 132–133.</ref>

Im englischsprachigen Raum verbreiteten insbesondere das Forschungsprojekt Konstanz-Sydney und das Projekt Open-Marxism Backhaus’ Forschungsergebnisse.<ref>Jan Hoff: Marx global. Zur Entwicklung des internationalen Marx-Diskurses seit 1965. Akademie Verlag, Berlin 2009, S. 186–187 und S. 202.</ref>

Kritik

Zwar gilt Backhaus als ein Initiator einer neuen Marx-Lektüre, aber einige ihrer Vertreter kritisierten Backhaus’ Sicht auf vermeintliche Brüche, Historisierungen und Popularisierungstendenzen in Marx’ Werk.<ref>Eine Übersicht über einige wichtige kritische Beiträge findet sich in Ingo Elbes Dissertation über die Neue Marx-Lektüre. Vgl. Ingo Elbe: Marx im Westen. Die neue Marx-Lektüre in der Bundesrepublik seit 1965. 2. Auflage, Akademie Verlag, Berlin 2010, S. 285–298.</ref>

Schriften

Monografie

  • Dialektik der Wertform. Untersuchungen zur Marxschen Ökonomiekritik. Ça ira, Freiburg i. Br. 1997, ISBN 3-924627-52-5.

Beiträge (Auswahl)

  • Zur Dialektik der Wertform. In: Alfred Schmidt (Hrsg.): Beiträge zur marxistischen Erkenntnistheorie. 2. Auflage, Frankfurt am Main 1970; S. 128–152.
  • Materialien zur Rekonstruktion der Marxschen Werttheorie. In: Hans-Georg Backhaus et alii (Hrsg.): Gesellschaft. Beiträge zur Marxschen Theorie 1. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1974; S. 52–77.
  • Materialien zur Rekonstruktion der Marxschen Werttheorie 2. In: Hans-Georg Backhaus et alii (Hrsg.): Gesellschaft. Beiträge zur Marxschen Theorie 3. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1975; S. 122–159.
  • Materialien zur Rekonstruktion der Marxschen Werttheorie 3. In: Hans-Georg Backhaus et alii (Hrsg.): Gesellschaft. Beiträge zur Marxschen Theorie 11. Suhrkamp, Frankfurt am Main 1978; S. 16–177.
  • Zur Marxschen »Revolutionierung« und »Kritik« der Ökonomie. Die Bestimmung ihres Gegenstandes als Ganzes »verrückter Formen«. In: Mehrwert. Beiträge zur Kritik der politischen Ökonomie. 25, 1984; S. 7–35.
  • Zum Problem des Geldes als Konstituens oder Apriori der ökonomischen Gegenständlichkeit. In: Probleme des Klassenkampfs. Zeitschrift für politische Ökonomie und sozialistische Politik. Heft 62, 1986; S. 23–62.
  • Elementare Mängel in der traditionellen Rezeption der Marxschen Form-Analyse. Bemerkungen anläßlich von Band 12 der Marxistischen Studien »Internationale Marx-Engels-Forschung«. In: Marxistische Studien. Jahrbuch des IMSF. 13, 1987; S. 402–414.
  • Einige Aspekte des Marxschen Kritikbegriffs im Kontext seiner ökonomisch-philosophischen Theorie. In: Marx-Engels-Forschung heute 1 (= Schriften der Marx-Engels-Stiftung, 13); Neuss 1989; S. 48–64.
  • Zum Kritikpotential der Marxschen Kategorialanalyse. In: Marx-Engels-Forschung heute 2 (= Schriften der Marx-Engels-Stiftung, 14). Wuppertal 1990; S. 83–96.
  • Wie ist der Wertbegriff in der Ökonomie zu konzipieren? Zu Michael Heinrich: Die Wissenschaft vom Wert. (mit Helmut Reichelt) In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge 1995. Hamburg, 1995; S. 60–94.
  • Die Irrtümer der nationalökonomischen Marx-Kritik als Grundmängel der nationalökonomischen Theoriebildung. In: Helmut Brentel et alii (Hrsg.): Gegensätze. Elemente kritischer Theorie. Festschrift für J. Ritsert. Frankfurt am Main 1996; S. 32–47.
  • Über den Doppelsinn der Begriffe »Politische Ökonomie« und »Kritik« bei Marx und in der Frankfurter Schule. In: Stefan Dornuf, Reinhard Pitsch (Hrsg.): Wolfgang Harich zum Gedächtnis. Eine Gedenkschrift in zwei Bänden. Bd. 2, München 2000; S. 12–213.

Literatur

  • Riccardo Bellofiore, Tomasso Redolfi Riva: Hans-Georg Backhaus. The Critique of Premonetary Theories of Value and the Perverted Forms of Economic Reality. In: Beverley Best, Werner Bonefeld, Chris O’Kane (Hrsg.): The SAGE Handbook of Frankfurt School Critical Theory. Bd. 1. Sage, London 2018; S. 386–401.
  • Ingo Elbe: Marx im Westen. Die neue Marx-Lektüre in der Bundesrepublik seit 1965. 2. Auflage, Akademie Verlag, Berlin 2010.
  • Wolfgang Fritz Haug: Logisches/Historisches. In: Wolfgang Fritz Haug (Hrsg.): Historisch-kritisches Wörterbuch des Marxismus. Bd. 6,1: Hegemonie bis Imperialismus. Argument Verlag, Hamburg 2004; Sp. 335–367.
  • Stephan Grigat: Fetisch und Freiheit. Über die Rezeption der Marxschen Fetischkritik, die Emanzipation von Staat und Kapital und die Kritik des Antisemitismus. ça ira, Freiburg 2007, ISBN 978-3-924627-89-8.
  • Jan Hoff: Kritik der klassischen politischen Ökonomie. Zur Rezeption der werttheoretischen Ansätze ökonomischer Klassiker durch Karl Marx. Köln 2004, ISBN 3-89438-314-3.
  • Jan Hoff: Marx global. Zur Entwicklung des internationalen Marx-Diskurses seit 1965. Akademie Verlag, Berlin 2009.
  • Christine Kirchhoff, Hanno Pahl, Christoph Engemann, Judith Heckel, Lars Meyer (Hrsg.): Gesellschaft als Verkehrung. Perspektiven einer neuen Marx-Lektüre. Festschrift für Helmut Reichelt. Freiburg 2004, ISBN 3-924627-26-6.
  • Ken Kubota: Die dialektische Darstellung des allgemeinen Begriffs des Kapitals im Lichte der Philosophie Hegels. Zur logischen Analyse der politischen Ökonomie unter besonderer Berücksichtigung Adornos und der Forschungsergebnisse von Rubin, Backhaus, Reichelt, Uno und Sekine (PDF; 193 kB). In: Beiträge zur Marx-Engels-Forschung. Neue Folge 2009. S. 199–224. doi:10.4444/100.100.de.
  • Lars Meyer: Absoluter Wert und allgemeiner Wille. Zur Selbstbegründung dialektischer Gesellschaftstheorie. Bielefeld 2005, ISBN 978-3-89942-224-5.
  • Dieter Wolf: Fiktion eines Wertbegriffs Online-Version (211 Seiten pdf; 897 kB), Teil C, Seite 137–210. In: Dieter Wolf, Heinz Paragenings: Zur Konfusion des Wertbegriffs. Beiträge zur „Kapital“- Diskussion. Hamburg 2004, ISBN 978-3-88619-651-7, (Berliner Verein zur Förderung der MEGA-Edition e. V., Wissenschaftliche Mitteilungen Heft 3).

Weblinks

Einzelnachweise

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