Pogrom
Der oder das Pogrom ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) von {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) steht für Hetze und gewalttätige Angriffe gegen Leben und Besitz einer religiösen, nationalen oder ethnischen Minderheit mit Duldung oder Unterstützung der Staatsgewalt.<ref name="EncBrit">pogrom. In: britannica.com. Encyclopædia Britannica, 13. Dezember 2018, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 28. Oktober 2021; abgerufen am 28. Oktober 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)): „a mob attack, either approved or condoned by authorities, against the persons and property of a religious, racial, or national minority.“</ref> International entwickelte sich der Begriff ab 1881 aus den antijüdischen Angriffen im zaristischen Russland.<ref name="Bergmann2002s441" /> Er ist in die Umgangssprache und die wissenschaftliche Fachsprache übergegangen.
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. Etymologie – Herkunft des Begriffs
Der Begriff Pogrom stammt vom russischen {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value).
Die russisch-deutschen Wörterbücher von 1798 bis 1911 übersetzen 1. „{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), a, m. die Verwüstung, Verheerung“<ref name="Riga1798">Johann Heym: Deutsch-Russisches und Russisch-Deutsches Wörterbuch – Russisch und Deutscher Theil. Zweyter oder Russisch und Deutscher Theil. Hartknoch, Riga 1798, OCLC 633276437, Sp. 1307 (2308 Spalten).</ref><ref name="Riga1879">Iwan Jakowlewitsch Pawlowski: Russko-německij slovarʹ. 2. Auflage. Kimmel, Riga 1879, OCLC 162803810, S. 763 (1340 S., Russisch-deutsches Wörterbuch).</ref><ref name="Riga1911">Iwan Jakowlewitsch Pawlowski: Русско-нѣмецкій словарь. Wörterbuch. 3. Auflage. Izdanīe Kimmelja, Carl Friedrich Fleischer, Riga, Leipzig 1911, OCLC 248954591, S. 1083 f. (1774 S., Russisch-deutsches Wörterbuch).</ref>, „Zertrümmerung;“<ref name="Riga1911" /> „2. das Ungewitter“<ref name="Riga1879" /><ref name="Riga1911" />, „Donnerwetter, die Hechelei“.<ref name="Riga1911" /> Die zugehörigen Verben lauteten „{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value), v. a. in kleine Stücke zerbrechen, zerschlagen; verheeren, verwüsten.“<ref name="Riga1798" /> und „[{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)]-{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) v. a. 1, verheeren, verwüsten (durch den Krieg); 2, auf’s Haupt schlagen (den Feind); zerstreuen; 3, zerschlagen, zertrümmern“.<ref name="Riga1879" />
Die internationale Verbreitung und Bedeutung des Begriffs Pogrom entwickelte sich aus den antijüdischen Übergriffen der Jahre 1881 bis 1883 in Russland.<ref name="Bergmann2002s441" />
Der Begriff Pogrom wurde in Deutschland ab etwa 1900 verwendet,<ref>Ernst Wasserzieher: Woher? Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 2. Auflage. Dümmler, Berlin 1918, OCLC 7565289, S. 106 (158 S.): „Pogrom n um 1900 v. russ. pogróm Verwüstung.“</ref> die Konversationslexika führen den Begriff seit Anfang des 20. Jahrhunderts (Meyers 1908<ref>Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 16. Leipzig 1908, S. 65.</ref>), bereits in der Bedeutung der „Verwüstung“ bezogen auf den Überfall eines Teils der Bevölkerung auf einen anderen Teil, speziell mit dem Bezug zu den Judenhetzen in Russland im 19. Jahrhundert (Brockhaus 1911).<ref>Brockhaus’ Kleines Konversations-Lexikon. 5. Auflage. Band 2. Brockhaus, Leipzig 1911, OCLC 162721730, S. 426 (1046 S.): „Pogróm (russ.; der), Verwüstung, Zertrümmerung, namentlich der Überfall eines Teils der Bevölkerung auf einen anderen Teil derselben, wie er besonders bei den Judenhetzen in Rußland vorgekommen ist.“</ref> 1982 lautete der Eintrag des russischen Wörterbuchs der Berliner Akademie der Wissenschaften ausschließlich: „{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) 2 Pogrom, Hetze und blutige Ausschreitungen gegen eine andere Nationalität, besonders gegen Juden“.<ref>Hans Holm Bielfeldt: Russko-nemeckij slovarʹ – Russisch-Deutsches Wörterbuch. 14. Auflage. Akademie der Wissenschaften, Berlin 1982, OCLC 603843130, S. 614 (1119 S.): „{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) 2 Pogrom, Hetze und blutige Ausschreitungen gegen eine andere Nationalität, besonders gegen Juden“</ref>
Bedeutung
Das Pogrom wird soziologisch definiert als einseitige und höchstens gering organisierte, nicht-staatliche, von der Mehrheitsbevölkerung ausgehende Form extralegaler Gewalt, die sich gegen eine weitgehend wehrlose ethnische Gruppe richtet, wenn die Mehrheit keine Abhilfe des Staates gegen eine empfundene Normverletzung durch die Minderheit erwartet.<ref>Werner Bergmann: Tumulte – Excesse – Pogrome: kollektive Gewalt gegen Juden in Europa 1789–1900. In: Technische Universität Berlin. Zentrum für Antisemitismusforschung (Hrsg.): Studien zu Ressentiments in Geschichte und Gegenwart. Band 4. Wallstein Verlag, Göttingen 2020, ISBN 978-3-8353-3645-2, 2.3. Bausteine zu einer Soziologie des Pogroms, S. 52–54; hier: S. 53 (845 S.): „eine nicht oder nur gering organisierte, einseitige und nicht-staatliche Form kollektiver sozialer Kontrolle, als extralegale gewaltsame Selbsthilfe seitens einer im Namen der Mehrheit handelnden Gruppe, die dann einsetzt, wenn diese von Seiten des Staates keine Abhilfe gegen eine als Bedrohung empfundene Normverletzung durch eine andere Gruppe erwartet.“</ref> Pogrome erfolgen somit auf lokaler Ebene.<ref name="Bergmann2002s444">Werner Bergmann: Internationales Handbuch der Gewaltforschung. Hrsg.: Wilhelm Heitmeyer, John Hagan. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2002, ISBN 978-3-531-13500-7, Pogrome, S. 444 (1583 S.).</ref>
Der Begriff Pogrom entstand aus den antijüdischen Ausschreitungen im zaristischen Russland – wenn auch diese Ausschreitungen selbst weder neu noch auf Russland beschränkt waren.<ref name="Bergmann2002s441">Werner Bergmann: Internationales Handbuch der Gewaltforschung. Hrsg.: Wilhelm Heitmeyer, John Hagan. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2002, ISBN 978-3-531-13500-7, Pogrome, S. 441 (1583 S.).</ref> Der Begriff entwickelte sich in der Sowjetunion weiter und war nicht mehr auf antijüdische Gewalt beschränkt, sondern wurde auch auf politische Unruhen, ab 1989 auf interethnische Gewalt angewandt.<ref name="Bergmann2002s441" /> Im Westen hingegen blieb die antijüdische Bedeutung erhalten, bei Betonung der staatlichen Planung oder zumindest Billigung.<ref name="Bergmann2002s441" /> Verbreitet werden unter dem Begriff einfach antijüdische Ausschreitungen verstanden.<ref>Werner Bergmann: Pogrom In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart. Band 3: Begriffe, Ideologien, Theorien. De Gruyter Saur, Berlin/München/Boston 2008, ISBN 978-3-598-24074-4, S. 269.</ref>
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. Abgrenzung „riot“ und „Massaker“
Zur Abgrenzung des Begriffs Pogrom, wenn auch nicht in jedem Falle eindeutig und präzise möglich:
- „riots“ stehen sowohl für die kollektive Gewalt einer sich benachteiligt fühlenden ethnischen Gruppe gegen die Mehrheit oder den Staat, wie auch für gewaltsame Übergriffe der Mehrheit gegen eine ethnische Minderheit. Eine Unterform der „riots“ sind die „communal riots“, bei denen eine ethnische Gruppe auf lokaler Ebene eine andere und deren Besitz angreift.<ref name="Bergmann2002s442f" />
- Pogrome wiederum sind als Untergruppe eine spezifische Form dieser „communal riots“. Ihre Besonderheit ist, dass der Staat aktiv oder durch Unterlassen die Hetze und Gewalt ermöglicht; zudem sind die Angegriffenen eher in der Minderheit.<ref name="Bergmann2002s442f">Werner Bergmann: Internationales Handbuch der Gewaltforschung. Hrsg.: Wilhelm Heitmeyer, John Hagan. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2002, ISBN 978-3-531-13500-7, Pogrome, S. 442 f. (1583 S.).</ref>
- „Massaker“ haben gegenüber Pogromen einen höheren Organisations- und Bewaffnungsgrad der oft staatlichen Angreifer, zudem die Absicht, alle Angehörigen der angegriffenen Gruppe zu ermorden. Bei Massakern spielen spontan handelnde lokale Angreifer, Zerstörungen und Plünderungen eine untergeordnete Rolle.<ref name="Bergmann2002s442f" />
- Staatliche organisierte Gewalttaten sind nicht immer klar von Pogromen abzugrenzen, wenn „Volkswut“ als Pogrom inszeniert wird, da sich in einem solchen Umfeld die Bevölkerung zu Pogromen ermutigt fühlt und daraus lokale Gewalttaten (zusätzlich) entstehen können.<ref name="Bergmann2002s444" />
Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Anker“ ist nicht vorhanden. Geschichte
Entstehung und Festigung des Begriffs „Pogrom“
Ukraine im zaristischen Russland
Das Judenpogrom von Odessa im Jahr 1821 war der erste Vorfall, der später als Pogrom bezeichnet wurde,<ref name="USHMMenc">Pogrome. Enzyklopädie. USHMM, 21. Juni 2021, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 12. Januar 2022; abgerufen am 6. Februar 2022.</ref> dort folgten weitere Pogrome 1849, 1859, 1871 und wieder 1881.<ref>Frank Golczewski: Pogrome in Odessa. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart. Bd. 4: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. De Gruyter Saur, Berlin/Boston 2011, ISBN 978-3-598-24076-8, S. 289–292.</ref>
Erstmals im heutigen Sinne etabliert wurde der Begriff Pogrom, nachdem im März 1881 die Ermordung des Zaren Alexander II. von Russland durch die Untergrundorganisation Narodnaja Wolja fälschlich den Juden angelastet wurde.<ref name="EncBrit" /> Die ab 15. April in Jelisawetgrad beginnenden jahrelangen Judenverfolgungen erfassten über 200 Orte im Gebiet der gesamten Ukraine,<ref name="UkraineEDK">Frank Golczewski: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 4. De Gruyter, Saur, Berlin, Boston 2011, ISBN 978-3-598-24076-8, Pogrome in der Ukraine, S. 303–308.</ref> diese wurden mit dem Begriff Pogrom bezeichnet,<ref name="EncBrit" /> der Begriff damit auch international bekannt.<ref name="Bergmann2002s441" />
Nach einer etwas ruhigeren Phase erreichte die Gewalt gegen Juden in Russland eine neue Stufe. Im April 1903 wurden bei dem Pogrom von Kischinjow 45 Juden ermordet, fast 600 verwundet und 1.500 Häuser geplündert.<ref name="EncBrit" /> Die Gräueltaten wurden von den lokal Verantwortlichen wie von Polizei und Soldaten ermöglicht, die Anstifter nicht bestraft. Dieses besonders harte Pogrom sollte typisch sein für die folgenden Pogrome bis 1906.<ref name="EncBrit" /> In weit über 600 Pogromen starben mehr als 3.100 Juden, über 15.000 wurden verletzt, größtenteils im Oktober 1905. Dabei wurden allein in Odessa 800 Juden ermordet und 5.000 verwundet,<ref>Anke Hilbrenner: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 4. De Gruyter, Saur, Berlin, Boston 2011, ISBN 978-3-598-24076-8, Pogrome im Russischen Reich (1903–1906), S. 298 f. (492 S.).</ref> weitere fanden statt in Jekaterinoslaw (Dnipro), Kiew, Chișinău, Simferopol, Romny, Krementschuk, Nikolajew (Mykolajiw), Tschernihiw, Kamjanez-Podilskyj und Jelisawetgrad (Kirowohrad).<ref>Markian Prokopovych: Einführung in die Geschichte der Ukraine (Ringvorlesung an der Universität Wien, WS 2014)</ref>
Allein die Grüne Armee beging 31,7 Prozent<ref>Jean-Jacques Marie: Pogrome im Russischen Bürgerkrieg. In: Barbara Bauer Dororthee d’Aprile (Hrsg.): Le Monde diplomatique. Nr. 12/25. TAZ/WOZ, Dezember 2019, ISSN 1434-2561, S. 20 f. (monde-diplomatique.de – übersetzt von Andreas Bredenfeld; Jean-Jacques Marie ist Autor des Buches L'Antisémitisme en Russie. De Catherine II à Poutine. Éditions Tallandier, Paris 2009; in diesem Artikel zitiert Jean-Jacques Marie insbesondere auch weiter: Lidia Miliakova, Nicolas Werth (Hrsg.): Le Livre des pogroms. Antichambre d'un génocide: Ukraine, Russie, Biélorussie – 1917–1922. Éditions Calmann-Lévy/Mémorial de la Shoah, Paris 2010).</ref> der etwa 1500 Pogrome im Bürgerkrieg.
Ausschreitungen gegen Juden hielten bis 1917 an, dem Ende des Russischen Kaiserreichs.<ref name="EncBrit" /> In der folgenden Zeit ereigneten sich noch weitaus blutigere Pogrome in der Ukraine, allein bis 1920 viele hundert, wenn nicht tausend, mit etwa 60.000 Opfern.<ref name="UkraineEDK" />
In den von der Machnowschtschina befreiten Gebieten waren Fälle antisemitischer Gewalt weit weniger häufig als im rechtsufrigen Teil der Ukraine.<ref name="malet">Michael Malet: Nestor Makhno in the Russian Civil War. Palgrave Macmillan, London 1982, ISBN 0-333-25969-6, S. 169, 170–171.</ref><ref name="avrich">Paul Avrich: The Russian Anarchists. Princeton University Press, Princeton 1971, ISBN 0-691-00766-7, S. 216.</ref><ref name="shubin">Aleksandr Shubin: The Makhnovist Movement and the National Question in the Ukraine, 1917–1921. In: Hirsch, Steven J.; van der Walt, Lucien (eds.) Anarchism and Syndicalism in the Colonial and Postcolonial World, 1870–1940. Studies in Global Social History. Vol. 6. 2010, ISBN 978-90-04-18849-5, S. 150,172.</ref><ref name="skirda">Alexandre Skirda: Nestor Makhno: Anarchy's Cossack. AK Press, Edinburgh 2004, ISBN 1-902593-68-5, S. 338,339,340,367,.</ref> Dies lag daran, dass Antisemitismus von der Machnowschtschina hart bestraft wurde.<ref name="malet" /><ref name="avrich" /><ref name="shubin" /><ref>David Footman: Makhno. Civil War in Russia. Praeger, New York 1961, OCLC 254495418, S. 284.</ref>
Die Anarchisten erkannten den Antisemitismus als ein Vermächtnis der zaristischen Autokratie,<ref name="skirda" /> und erklärten ihm im Militärisch-revolutionären Rat (russisch: Военно-революционный Совет) den Krieg.<ref name="skirda" /> Es waren zudem junge Juden, die wahrscheinlich den Kern der keimenden anarchistischen Bewegung in der Ukraine bildeten.<ref name="avrich" /><ref name="shubin" /> Viele der einflussreichsten Personen der Machnowschtschina waren Juden, einschließlich einige ihrer bekanntesten Mitglieder, wie Fanya Baron und Aron Baron, Mark Mratchny und Volin.<ref name="avrich" /><ref name="skirda" />
Ein historisch dokumentierter Fall von Antisemitismus auf dem Gebiet der Machnowschtschina beschreibt, wie die Verantwortlichen hingerichtet wurden. Die Kader der Antisemiten wurden erschossen und Waffen in den lokalen jüdischen Gemeinden verteilt, damit diese sich bei Bedarf selber verteidigen konnten.<ref name="malet" /><ref name="skirda" />
Nationalsozialistisches Deutschland
Nach Deutschlands Machtübergabe an Adolf Hitler kam es zu einer Zuspitzung des Antisemitismus, über längere Zeit mit noch sporadischen Gewaltakten gegen Juden.<ref name="USHMMenc" /> Anfang November 1938 war das Revolverattentat eines 17-jährigen Juden willkommener Anlass für die Verstärkung der antisemitischen NS-Propaganda. Den Tod des Opfers am 9. November nutzte Joseph Goebbels im Alten Rathaus in München zu einer Hassrede zum Schlag gegen die Juden, was seine Zuhörer an die SA und NSDAP im Deutschen Reich weitergaben. So traten die Schlägertruppen flächendeckend meist in Räuberzivil auf, um „spontanen Volkszorn“ zu inszenieren, auch Nachbarn schlossen sich als Täter an.<ref name="BenzEDK" /> Sie demolierten in den Novemberpogromen Schaufenster jüdischer Geschäfte, zündeten Synagogen an, verprügelten Unschuldige, verwüsteten Wohnungen von Juden. Die Feuerwehren griffen nur ein, um das Überschlagen des Feuers auf nichtjüdische Nachbargebäude zu verhindern.<ref name="BenzEDK" /> Bis 12. November waren in der „Reichskristallnacht“ 7.500 jüdische Geschäfte zerstört worden, zudem fast alle der weit über 1.000 Synagogen und Gotteshäuser. Geplündert wurde nach Kräften, so meldete ein Juwelier in Berlin die vollständige Ausräumung seines Geschäfts.<ref name="BenzEDK">Wolfgang Benz: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 4. De Gruyter, Saur, Berlin, Boston 2011, ISBN 978-3-598-24076-8, Novemberpogrome 1938 („Reichskristallnacht“), S. 253–257 (492 S.).</ref> Jüdinnen wurden vergewaltigt, nach offiziellen Angaben starben 91 Menschen, tatsächlich waren es mehr.<ref>Susanne Heim: Deutsches Reich 1938 - August 1939. In: Institut für Zeitgeschichte (Hrsg.): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945. Band 2. Oldenbourg, München 2009, ISBN 978-3-486-58523-0, Einleitung, S. 54 (864 S.).</ref>
Pogrome in Europa
In Europa gab es unzählige Pogrome. Hier werden nur die größeren und geschichtlich relevanteren Pogrom-Wellen und Pogrome gemäß obiger Definition dargestellt.
Mittelalter
Das Massaker von Granada war ein Pogrom an Juden, das 1066 in Granada zur Zeit der Herrschaft der Ziriden im islamischen Herrschaftsgebiet von al-Andalus stattfand. Es gilt als erstes Pogrom auf europäischem Boden. Am 30. Dezember stürmte eine muslimische Menschenmenge den Königspalast, kreuzigte den jüdischen Wesir Joseph ibn Naghrela, Sohn von Schmuel ha-Nagid, und massakrierte den Großteil der jüdischen Bevölkerung der Stadt. Spätere muslimische Chronisten setzten die Opferzahlen in die Tausende,<ref>Wilhelm Hoenerbach (Hrsg.): Islamische Geschichte Spaniens: Übersetzung der Aʻmāl al-a'lām und ergänzender Texte. Artemis, Zürich/Stuttgart 1970, S. 422.</ref> nach manchen Quellen sollen mehr als 1.500 jüdische Familien, rund 4.000 Personen, ermordet worden sein.<ref>Richard Gottheil, Meyer Kayserling: Granada. In: Isidore Singer (Hrsg.): Jewish Encyclopedia. Band 6, Funk and Wagnalls, New York 1901–1906, S. 80.</ref> Moderne Historiker halten diese Angaben für klar übertrieben.<ref>Brian A. Catlos: Accursed, Superior Men: Ethno-Religious Minorities and Politics in the Medieval Mediterranean. In: Comparative Studies in Society and History. 56, 2014, S. 844–869, hier: S. 850 f. (Fußnote 16); Modul:JSTOR * Modul:JSTOR:170: attempt to index field 'wikibase' (a nil value).</ref>
Im europäischen Mittelalter begingen noch vor dem Aufbruch der „offiziellen“ Kreuzfahrerarmeen zum Ersten Kreuzzug verschiedene Heerhaufen die Pogrome von 1096. Statt in der Ferne die Muslime zu bekämpfen, übten sie in ihrem mittelalterlichen Antijudaismus „Rache“ an den Juden, die ihren Heiland gekreuzigt hätten. Dabei ging es um deren „Vertilgung“, es sei denn, sie nähmen den christlichen Glauben an. So plünderten und ermordeten sie in Mainz, Worms, Trier und der Kölner Gegend die Juden mit Beteiligung weiterer Bevölkerungsteile – etwa 2.500 bis 3.000 Juden kamen um.<ref name="MentgenOIB" />
In der Frühphase des Zweiten Kreuzzugs 1147 wiederholten sich die Morde und Zwangstaufen sowohl in Frankreich, im Rheinland und in Franken, wenn auch in geringerem Ausmaß.<ref name="MentgenOIB" /> 1189 zettelten Kreuzfahrer in englischen Städten schwere Pogromen an, wie in Lincoln, Norwich, Lynn und Dunstable. In York flüchtete die große Judengemeinde in aussichtsloser Lage in den rituellen Suizid.<ref name="MentgenOIB" /> 1236 wurden auch im Westen Frankreichs aufgrund neuer Kreuzpredigten Juden verfolgt, etwa 2.500 bis 3.000 starben.<ref name="MentgenOIB" /> Vereinzelt begingen Kreuzfahrer weitere Pogrome, so 1196 in Worms und Wien, 1221 in Erfurt und 1235 in Fulda.<ref name="MentgenOIB">Gerd Mentgen: Organisationen, Institutionen, Bewegungen. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 5. De Gruyter, Saur, Berlin, Boston 2012, ISBN 978-3-598-24078-2, Kreuzzügler, S. 362–364 (682 S.).</ref>
In München verbrannte 1285 eine wütende Menge 180 Juden mit ihrer Synagoge, weil man sie des Mordes an einem Christenkind verdächtigte.<ref name="oenb1853foerster">Ernst Förster: München. Ein Handbuch für Fremde und Einheimische mit besonderer Berücksichtigung der Kunstschätze dieser Residenz-Stadt. Literarisch-artist. Anstalt, München 1843, S. 67.</ref><ref>Josef Maria Mayer, bearbeitet von Robert Schlickewitz: Die große Judenverfolgung in München i. J. 1285 und die Gruftkirche von Josef Maria Mayer (1868). haGalil, 28. Dezember 2010, abgerufen am 7. März 2022.</ref>
Nach Ausbruch der Pest 1346 verstärkten sich die vorhandenen antijüdischen Einstellungen. Sie steigerten sich in die Pestpogrome ab 1348 mit Beginn in Toulon. Bis 1351 durchzog eine Welle der antijüdischen Gewalt Frankreich, die Schweiz, das Gebiet des heutigen Deutschlands, Österreich und Schlesien. Über 85 der 350 jüdischen Gemeinden im Reich wurden ausgelöscht, die Juden aus weiteren 100 Orten vertrieben – der tiefgreifendste Einschnitt in der Geschichte des Judentums im Mittelalter. Die Täter waren zum einen getrieben vom Motiv der vermeintlichen „Brunnenvergifter“, zum anderen vom Profit durch Beseitigung ihrer Gläubiger und Übernahme ihres Besitzes.<ref>Ralf Schäfer: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 4. De Gruyter, Saur, Berlin, Boston 2011, ISBN 978-3-598-24076-8, Pogrome in der Pestzeit (1348–1350), S. 292–294 (492 S.).</ref>
1391 spitzten sich die jahrzehntelangen Gewaltwellen gegen die spanischen Juden zu. Prediger wie Ferrán Martínez, Erzdiakon von Écija, riefen zur Verfolgung der Juden und der Zerstörung ihrer Synagogen auf. In der Folge wurde das Judenviertel von Sevilla am 6. Juni gestürmt, die Gewaltwelle griff danach auf Kastilien und Aragón über. Die Judenviertel wurden geplündert, Tausende starben, viele Juden flüchteten nach Portugal und Granada, andere ließen sich christlich taufen, um dem Tod zu entgehen. Die jüdische Bevölkerung wurde auf die Hälfte reduziert.<ref>Gonzalo Álvarez Chillida: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 4. De Gruyter, Saur, Berlin, Boston 2011, ISBN 978-3-598-24076-8, Pogrom in Spanien (1391), S. 302 f. (492 S.).</ref>
Frühe Neuzeit
1571 wurde der Tod des brandenburgischen Kurfürsten Joachim II. Hector dem Juden Lippold Ben Chluchim angelastet, er habe ihn vergiftet. Teile der Berliner Bevölkerung schlossen sich zusammen, verwüsteten die Synagoge in der Klosterstraße und viele Privathäuser von Juden, die sie auch plünderten. Die bei Juden verwahrten Schuldscheine wurden öffentlich verbrannt, die Pfänder meist ohne Gegenleistung an die Eigentümer übergeben. Lippold wurde gevierteilt und an vier Ausfallstraßen aufgehängt, die Juden unter Zwangsabgabe des Großteils ihrer Vermögen aus dem Land vertrieben.<ref>Stefan Litt: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 4. De Gruyter, Saur, Berlin, Boston 2011, ISBN 978-3-598-24076-8, Berliner Judenpogrom (1571), S. 45 f. (492 S.).</ref>
Bei den ersten Judenpogromen im östlichen Europa wurden beim Volksaufstand in der Ukraine von 1648 alle ukrainischen Juden getötet, es gab mindestens 20.000 Opfer. 1768 wurden in der rechtsufrigen Ukraine im Jahre 1768 beim Aufstand der Hajdamaken nochmals viele Juden ermordet.<ref>Geschichte der Ukraine im Überblick. In: bpb.de. Bundeszentrale für politische Bildung, 3. August 2015, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 22. Februar 2022; abgerufen am 4. Februar 2023: „In der Ukraine […] im Volksaufstand von 1648 alle ukrainischen Juden getötet oder […] vertrieben wurden. Es handelte sich um die ersten Judenpogrome im östlichen Europa mit mindestens 20.000 Opfern. […] im Aufstand der Hajdamaken in der rechtsufrigen Ukraine wurden im Jahre 1768 erneut zahlreiche Juden ermordet.“</ref>
Neuere Geschichte
Als Reaktion auf die Verbesserung des rechtlichen Status der Juden kam es im August 1819 in Würzburg zu den Hep-Hep-Krawallen mit Morddrohungen gegen Juden, Plünderungen und Zerstörungen, die sich in Frankfurt am Main, Hamburg, Kopenhagen und geringerem Umfang vielen weiteren Städten Deutschlands, Österreichs, Polens und Dänemarks fortsetzten.<ref>Daniel Gerson: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 4. De Gruyter, Saur, Berlin, Boston 2011, ISBN 978-3-598-24076-8, Hepp-Hepp-Krawalle 1819, S. 162–165.</ref> In der Spitze des Antisemitismus wurde am 18. Februar 1881 beim Pogrom von Neustettin die Synagoge niedergebrannt, jüdische Häuser unter „Hepp-Hepp!“-Rufen demoliert, das populäre Lied „Schmeißt ihn raus den Juden Itzig“ gespielt. Über mehrere Wochen griffen die teils massiven Ausschreitungen auf Hinterpommern, Westpreußen und Posen über.<ref>Gerd Hoffmann: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 4. De Gruyter, Saur, Berlin, Boston 2011, ISBN 978-3-598-24076-8, Pogrom in Neustettin (1881), S. 287–289.</ref>
Neueste Geschichte
In Berlin kam es am 5. und 6. November 1923 zum Scheunenviertelpogrom, bei dem mit dem Ruf „Schlagt die Juden tot!“ Geschäfte, Lokale und Wohnungen geplündert und zerstört wurden, zudem Juden aus den Häusern gezerrt und verletzt.<ref>Phillip Wegehaupt: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 4. De Gruyter, Saur, Berlin, Boston 2011, ISBN 978-3-598-24076-8, Pogrom im Scheunenviertel (1923), S. 299 f.</ref>
Das nationalsozialistische Gunzenhausen nahm am 25. März 1934 mit dem „Palmsonntagspogrom“ die über Deutschland folgende Entwicklung prototypisch vorweg. Nach einer antijüdischen Hetzrede wurde eine von Juden betriebene Gaststätte demoliert, der Wirt bis zur Bewusstlosigkeit verprügelt, jüdische Wohnungen aufgebrochen, 35 Juden entführt und zum Gefängnis gebracht, zwei Juden starben.<ref>Wolfram Selig: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 4. De Gruyter, Saur, Berlin, Boston 2011, ISBN 978-3-598-24076-8, Pogrom in Gunzenhausen (1934), S. 274–276.</ref>
In Polen spitzte sich nach dem Zweiten Weltkrieg nach Rückkehr deportierter Juden die antisemitische Welle am 11. August 1945 beim Pogrom von Krakau zu, als die Kupa-Synagoge angezündet, jüdische Einrichtungen verwüstet und Häuser geplündert wurden sowie mehrere Juden ums Leben kamen.<ref name="PolenEDK" /> Im Juli 1946 wurden beim Pogrom von Kielce 42 Juden ermordet. Zwischen 1944 und 1947 kamen so 1.500 bis 2.000 Juden ums Leben, in der Folge verließ die Mehrheit der polnischen Juden das Land.<ref name="PolenEDK">Juliane Wetzel: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 4. De Gruyter, Saur, Berlin, Boston 2011, ISBN 978-3-598-24076-8, Pogrom in Kielce (1946), S. 279–282.</ref>
Im September 1945 wurden jüdische Rückkehrer der Slowakei beim Pogrom von Topoľčany Opfer von Plünderungen und Gewalt. Im Sommer 1946 kam es bei antisemitischen Demonstrationen in Bratislava zu Verletzungen und Sachschäden bei Juden, ohne dass die Polizei eingriff. In der Folge wanderten viele der 30.000 jüdischen Überlebenden aus.<ref>Miloslav Szabó: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 4. De Gruyter, Saur, Berlin, Boston 2011, ISBN 978-3-598-24076-8, Pogrome in der Slowakei (1945–1946), S. 301 f.</ref>
In Ungarn kam es 1946, nach Rückkehr von 80.000 überlebenden Juden, unter anderem vom 20. bis 21. Mai zu einem Pogrom in Kunmadaras, nachdem 73 Auschwitz-Überlebende zurückkehrten. 800 Täter plünderten jüdische Häuser, prügelten, verletzten 18 und töteten drei Menschen.<ref name="UngarnEDK" /> In Miskolc-Diósgyör kam es am 30. Juli bis 1. August zu einem weiteren Pogrom, bei dem ein Mensch schwer verletzt und zwei getötet wurden. Bis 1949 verließen 14.000 Juden Ungarn, viele nach Israel.<ref name="UngarnEDK">Brigitte Mihok: Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 4. De Gruyter, Saur, Berlin, Boston 2011, ISBN 978-3-598-24076-8, Pogrome in Ungarn (1946), S. 308–313.</ref>
Vorlage:Hinweisbaustein Pogrome in der Türkei richteten sich auch gegen die alevitische Bevölkerung, so das Pogrom von Kahramanmaraş vom 19. bis 26. Dezember 1978 oder das Pogrom von Çorum am 4. Juli 1980.
Zeitgeschichte
Vorlage:Hinweisbaustein Beispiele aus jüngerer Zeit: die Ausschreitungen in Rostock-Lichtenhagen<ref>Problematisiert wird der Pogrombegriff in Bezug auf Rostock-Lichtenhagen bei Thomas Prenzel: Rostock-Lichtenhagen im Kontext der Debatte um die Einschränkung des Grundrechts auf Asyl. In: Thomas Prenzel (Hrsg.): 20 Jahre Rostock-Lichtenhagen. Rostock 2012, S. 10, Anm. 2.</ref> (1992), der Brandanschlag von Sivas in der Türkei 1993<ref>Als 15.000 Islamisten Jagd auf Aleviten machten, Helga Hirsch, Die Welt</ref>, Ausschreitungen im Kosovo 2004 vornehmlich gegenüber der kosovo-serbischen Minderheit, aber auch anderen Nicht-Kosovo-Albanern,<ref>Dušan Bataković: The Kosovo Serbs. Minority Status by force (Forced Expulsions, Ethnic Cleansing, Destruction of Cultural Heritage, Minority Treatment, 1999–2008). In: derselbe (Hrsg.): Minorities in the Balkans. State policy and interethnic relations (1804–2004). Institute for Balkan Studies, Serbian Academy of Sciences and Arts, Belgrad 2011, ISBN 978-86-7179-068-0, S. 263–311, hier S. 297.</ref> Ausschreitungen in Südafrika gegen afrikanische Ausländer (2008), in Kirgisistan gegen Usbeken (2010)<ref>Vgl. GRA Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus, 2010; die Internetseite enthält die Aussage „Im heutigen Sprachgebrauch hat Pogrom eine erweiterte Bedeutung: Er bezeichnet jede Art von kollektivem Angriff auf eine ethnische oder religiöse Minderheit.“ Nach Maßgabe der Verwendung „Hexenpogrom“ ist dies immer noch eine Verengung.</ref> und in Osteuropa 2018 gegen Roma, davon mindestens fünf Pogrome von rechtsextremen Gruppen gegen Roma in unterschiedlichen Regionen der Ukraine.<ref>Ein Toter, mehrere Verletzte: Angriff auf Roma-Lager in der Ukraine. Abgerufen am 28. Juni 2018.</ref><ref>Erneutes Pogrom an Roma in der Ukraine, Hagalil.com, 26. Juni 2018</ref> Der Angriff auf die Stadt Huwara im besetzten Westjordanland im Oktober 2023 wurde vom befehlshabenden Chef des IDF-Zentralkommandos, Yehuda Fuchs, als Pogrom identifiziert.<ref>Israeli campaign raises funds for torched Palestinian town. 2. März 2023, abgerufen am 5. Juni 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Dabei griffen vom israelischen Militär begleitete israelische Siedler Zivilisten an, wobei ein Mensch in seinem von Siedlern angezündeten Wohnhaus verbrannte.<ref>Maayan Lubell: Israel arrests suspects in settler rampage described by general as 'pogrom'. In: Reuters. 1. März 2023 (reuters.com [abgerufen am 5. Juni 2025]).</ref>
Siehe auch
- Liste aller Wikipedia-Artikel, deren Titel mit Pogrom beginnt
- Liste aller Wikipedia-Artikel, deren Titel Pogrom enthält
- Holocaust (Begriff)
Literatur
Definition
- Werner Bergmann: Tumulte – Excesse – Pogrome: kollektive Gewalt gegen Juden in Europa 1789–1900. In: Technische Universität Berlin. Zentrum für Antisemitismusforschung (Hrsg.): Studien zu Ressentiments in Geschichte und Gegenwart. Band 4. Wallstein Verlag, Göttingen 2020, ISBN 978-3-8353-3645-2, 2.3. Bausteine zu einer Soziologie des Pogroms, S. 51–57 (845 S.).
- Werner Bergmann: Pogrom In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Judenfeindschaft in Geschichte und Gegenwart. Band 3: Begriffe, Ideologien, Theorien. De Gruyter Saur, Berlin/München/Boston 2008, ISBN 978-3-598-24074-4, S. 269 f.
- Werner Bergmann: Internationales Handbuch der Gewaltforschung. Hrsg.: Wilhelm Heitmeyer, John Hagan. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 2002, ISBN 978-3-531-13500-7, Pogrome, S. 441–460 (1583 S.).
Überblick Pogrome
- Ereignisse, Dekrete, Kontroversen. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 4. De Gruyter, Saur, Berlin, Boston 2011, ISBN 978-3-598-24076-8, Pogrome…, S. 269–312 (492 S.).
- Stefan Wiese: Pogrome im Zarenreich. Dynamiken kollektiver Gewalt. Hamburger Edition, Hamburg 2016, ISBN 978-3-86854-304-9.
- Alan E. Steinweis: Kristallnacht 1938: ein deutscher Pogrom (Originaltitel: Kristallnacht 1938 aus dem Englischen übersetzt von Karin Schuler), Reclam, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-15-010774-4. (über Täter und Tatdynamik, System- und Einzelgewalt)
Weiteres
- Uta Gerhardt, Thomas Karlauf (Hrsg.): Nie mehr zurück in dieses Land: Augenzeugen berichten über die Novemberpogrome 1938, List, Berlin 2011, ISBN 978-3-548-61012-2.
- Gunnar Heinsohn: Lexikon der Völkermorde. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1998, ISBN 3-499-22338-4 (= rororo 22338). (Definitionen zu Völkermord, Genozid, Ethnozid, Politizid und Demozid, lexikalischer Hauptteil zu Vorfällen und Personen)
Weblinks
Einzelnachweise
<references />