Thioharnstoff
| Strukturformel | ||||||||||||||||
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| Struktur von Thioharnstoff | ||||||||||||||||
| Allgemeines | ||||||||||||||||
| Name | Thioharnstoff | |||||||||||||||
| Andere Namen |
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| Summenformel | CH4N2S | |||||||||||||||
| Kurzbeschreibung |
weißer geruchloser Feststoff<ref name="GESTIS" /> | |||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | ||||||||||||||||
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| Eigenschaften | ||||||||||||||||
| Molare Masse | 76,12 g·mol−1 | |||||||||||||||
| Aggregatzustand |
fest<ref name="GESTIS" /> | |||||||||||||||
| Dichte |
1,41 g·cm−3 bei 20 °C<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref> | |||||||||||||||
| Schmelzpunkt |
176–178 °C<ref name="GESTIS" /> | |||||||||||||||
| Siedepunkt |
Zersetzung<ref name="GESTIS" /> | |||||||||||||||
| Löslichkeit |
137 g·l−1 bei 20 °C<ref name="GESTIS" /> | |||||||||||||||
| Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||
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| MAK |
nicht festgelegt<ref name="GESTIS" /> | |||||||||||||||
| Toxikologische Daten | ||||||||||||||||
| Thermodynamische Eigenschaften | ||||||||||||||||
| ΔHf0 |
−89,1 kJ/mol<ref name="CRC90_5_20">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Standard Thermodynamic Properties of Chemical Substances, S. 5-20.</ref> | |||||||||||||||
| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). | ||||||||||||||||
Thioharnstoff ist ein Derivat des Harnstoffs, dessen Sauerstoffatom durch ein Schwefelatom ersetzt ist.
Geschichte
Die Verbindung wurde erstmals 1869 durch den irischen Chemiker James Emerson Reynolds analog zur Wöhlerschen Harnstoff-Synthese aus Ammoniumthiocyanat hergestellt.<ref name="Reynolds">J. E. Reynolds in J. Chem. Soc.22 (1869) 1.</ref><ref name="Soukup_org">Rolf Werner Soukup: Chemiegeschichtliche Daten organischer Substanzen, Version 2020, S. 156 pdf.</ref>
Gewinnung und Darstellung
Thioharnstoff kann aus Ammoniumthiocyanat gewonnen werden, wobei die Auftrennung von Produkt und Edukt in der Gleichgewichtsreaktion schwierig ist.<ref name="Ullmann" />
Die technische Synthese erfolgt durch das Einleiten von Schwefelwasserstoff und Kohlendioxid in eine wässrige Suspension von Calciumcyanamid.<ref name="Ullmann" />
- <math>\mathrm{CaCN_2 + 3\,H_2S \rightarrow Ca(SH)_2 + (NH_2)_2CS}</math>
- <math>\mathrm{2\,CaCN_2 + Ca(SH)_2 + 6\,H_2O \rightarrow 2\,(NH_2)_2CS + 3\,Ca(OH)_2}</math>
- <math>\mathrm{Ca(OH)_2 + CO_2 \rightarrow CaCO_3 + H_2O}</math>
Eigenschaften
Physikalische Eigenschaften
Thioharnstoff bildet farblose und geruchlose Kristalle. Die Verbindung zeigt keinen scharfen Schmelzpunkt, da ab 153 °C eine Umlagerung zum Ammoniumthiocyanat erfolgt.<ref name="Ullmann">Mertschenk, B.; Knott, A.; Bauer, W.: Thiourea and Thiourea Derivatives, in: Ullmanns Enzyklopädie der Technischen Chemie, Wiley-VCH Verlag GmbH & Co. KGaA, Weinheim 2013; doi:10.1002/14356007.a26_803.pub3.</ref> Die Literatur gibt Schmelzpunkte zwischen 167 °C und 182 °C an.<ref name="Ullmann" /> Thioharnstoff hat bei Raumtemperatur eine orthorhombische Kristallstruktur mit Raumgruppe Pnma (Raumgruppen-Nr. 62).<ref>M. R. Truter: Comparison of photographic and counter observations for the X-ray crystal structure analysis of thiourea. In: Acta Crystallographica. Band 22, Nr. 4, 1967, S. 556–559, doi:10.1107/S0365110X67001124.</ref> Das Kohlenstoff- und das Schwefelatom liegen auf einer Spiegelebene, sodass das Molekül die Punktgruppensymmetrie CS besitzt. Es ist beinahe planar und die Symmetrie somit näherungsweise C2v. Beim Abkühlen des Kristalls<ref>I. Takahashi, A. Onodera, Y. Shiozaki: Structural changes of thiourea in connection with its phase transitions: reappraisal of rigidity and libration of the molecule. In: Acta Crystallographica Section B. Band 46, Nr. 5, 1990, S. 661–664, doi:10.1107/S0108768190006012.</ref> oder bei hohem Druck<ref>T. Asahi, K. Hasebe, A. Onodera: Crystal Structure of the High Pressure Phase VI of Thiourea. In: Journal of the Physical Society of Japan. Band 69, 2000, S. 2895–2899, doi:10.1143/JPSJ.69.2895.</ref> entstehen durch Fest-fest-Phasenübergänge Kristallstrukturen mit anderer Symmetrie.
Chemische Eigenschaften
Thioharnstoff ist eine organische Verbindung und ein Komplexbildner. Er tritt in zwei tautomeren Formen auf. In wässrigen Lösungen dominiert die Thionform (links):
Verwendung
Im Jahr 1993 betrug die weltweite jährliche Produktion 10.000 Tonnen.<ref name="WHO">Concise International Chemical Assessment Document (CICAD) für Vorlage:Linktext-CheckVorlage:Abrufdatum</ref> Als reine Verbindung wird Thioharnstoff hauptsächlich (25 % der Produktion) zur Extraktion von Metallen wie Gold und Silber aus Erzen eingesetzt. Außerdem wird er als Hilfsstoff in Diazo-Papier (16 % der Produktion) und als Katalysator zur Isomerisierung von Maleinsäure in Fumarsäure verwendet (12 % der Produktion). Als Reaktant dient Thioharnstoff vor allem zur Herstellung von Thioharnstoffdioxid (27,5 % der Produktion.<ref name="Herwig Hulpke, Herbert A. Koch, Reinhard Nießner">Herwig Hulpke, Herbert A. Koch, Reinhard Nießner: RÖMPP Lexikon Umwelt, 2. Auflage, 2000. Georg Thieme Verlag, 2014, ISBN 3-13-179342-2, S. 795 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>). Weitere wichtige Anwendungen sind:
- Als Glanzzusatz in galvanischen Bädern<ref name="UllmannsEnzyklopädie">Ullmanns Enzyklopädie: Ullmanns Enzyklopädie der technischen Chemie, Wiley Verlag.</ref>
- In der Analytik zum Nachweis von Bismut (Gelbfärbung in salpetersaurer Lösung)<ref name="JanderBlasius">Jander/Blasius: Lehrbuch der analytischen und präparativen anorganischen Chemie, S. Hirzel-Verlag Stuttgart, 1985.</ref>
- Additiv in Sprengstoffen (Sprengschlamm)<ref name="WHO" />
- Metallveredelung (Kupferveredelung)<ref name="WHO" />
- Metallreinigung (Silberreinigung)<ref name="WHO" />
- Modifikation von Harzen<ref name="WHO" />
- Herstellung von Hilfsstoffen für die Textil- und Farbenindustrie<ref name="WHO" />
- Herstellung von chemischen Zwischenstufen<ref name="WHO" />
- Umsetzen zu Thiobarbituraten (Barbiturate, Arzneimittel wie etwa Thiopental) mittels Diethylmalonsäureesterderivate
- Trennung von n-Alkanen und iso-Alkanen in der Harnstoff-Extraktiv-Kristallisation<ref name="asinger">Friedrich Asinger: Chemie und Technologie der Paraffinkohlenwasserstoffe. Akademie Verlag, 1956, S. 53–59.</ref>
Biologische Bedeutung
Thioharnstoff kann die Enzyme Tyrosinase und Urease hemmen.
Sicherheitshinweise
Thioharnstoff ist als krebserregend, Kategorie 2 (Verdacht auf karzinogene Wirkung beim Menschen) und reproduktionstoxisch, Kategorie 2 (Kann vermutlich das Kind im Mutterleib schädigen) eingestuft.<ref name="GESTIS" /> Er kann nur sehr schwer mit normalen Abwasserreinigungsmethoden aus Abwässern entfernt werden.
Weblinks
Einzelnachweise
<references />
- Seiten mit Skriptfehlern
- Wikipedia:Defekter Dateilink
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:EG-Nummer abweichend
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:ECHA-InfoCard-ID abweichend
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:PubChem abweichend
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:DrugBank fehlt lokal
- Gefährlicher Stoff mit harmonisierter Einstufung (CLP-Verordnung)
- Gesundheitsschädlicher Stoff bei Verschlucken
- Stoff mit Verdacht auf krebserzeugende Wirkung
- Stoff mit Verdacht auf reproduktionstoxische Wirkung
- Umweltgefährlicher Stoff (chronisch wassergefährdend)
- Wikipedia:Wikidata-Wartung:CAS-Nummer fehlt lokal
- Thioharnstoff
- Nachweisreagenz