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Nickende Distel

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Nickende Distel
Datei:Carduus nutans sl1.jpg

Nickende Distel (Carduus nutans)

Systematik
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Carduoideae
Tribus: Cardueae
Gattung: Ringdisteln (Carduus)
Art: Nickende Distel
Wissenschaftlicher Name
Carduus nutans
L.

Die Nickende Distel<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /> (Carduus nutans), auch Bisamdistel genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Ringdisteln (Carduus) innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae).

Beschreibung

Datei:Illustration Carduus nutans0.jpg
Illustration
Datei:IMG 0018-Carduus nutans.jpg
Blütenbesucher

Vegetative Merkmale

Die Nickende Distel ist eine verzweigte, zweijährige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 30 bis 100 (selten bis 200) Zentimetern erreicht.<ref name="Hegi1987" /> Die Stängel sind aufrecht, einfach oder im oberen Teil relativ lang, einfach verzweigt.<ref name="Hegi1987" /> Die Stängel sind wie die Verzweigungen bis fast zum oberen Ende kraus und dornig geflügelt.<ref name="Hegi1987" />

Die Laubblätter sind in einer grundständigen Rosette und wechselständig am Stängel verteilt angeordnet. Die grundständigen Blätter sind kurz gestielt; die Stängelblätter sind sitzend und breit am Stängel herablaufend.<ref name="Hegi1987" /> Der Blattrand ist stark bewehrt. Die Blattspreite sind im Umriss länglich bis lanzettlich, buchtig fiederspaltig. Die Blattoberseite ist kahl und die -unterseite ist auf den Blattnerven wollig behaart.<ref name="Hegi1987" /> Die Blattabschnitte sind zwei- bis fünfspaltig oder zwei- bis fünfzähnig und in einen langen Dorn ausgezogen.

Generative Merkmale

Die Blütezeit reicht von Juli bis September.<ref name="Hegi1987" /> Die Nickende Distel fällt durch ihre bei einem Durchmesser von 2 bis 6 Zentimetern fast kugeligen körbchenförmigen und oft nickenden Blütenstände auf. Die Hüllblätter oberhalb des eiförmigen Korbbodens sind eingeschnürt und dann meist mit starrer, zurückgebogener Stachelspitze versehen. Die Blütenkörbe enthalten über 100 süßlich duftende Röhrenblüten. Die fünf purpurroten Kronblätter sind zu einer etwa 1,5 Zentimeter langen Röhre verwachsen. Die fünf Staubblätter überragen meist die Kronröhre nicht. Der auf der Spitze rosa- bis lilafarbene Griffel überragt die Blütenkrone deutlich.

Die Achänen sind bleichgrün bis hellgrau, gerippt, 3 bis 4 Millimeter lang und haben einen 15 bis 20 Millimeter langen Pappus.<ref name="Hegi1987" />

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.<ref name="Oberdorfer2001" />

Ökologie

Vorlage:Hinweisbaustein Bei der Nickende Distel handelt es sich um eine Halbrosettenpflanze, d. h. im ersten Jahr bildet sie eine Blattrosette aus, im zweiten Jahr einen Blütenstandsschaft und nach der Fruchtbildung stirbt sie ab.

Die Dornspitzen der Blätter dienen als Kondensationspunkte für zusätzliche Wassergewinnung an trockenen Standorten sowie als Fraßschutz gegen Weidetiere. Letzteres kann vor allem wegen der geringen Produktivkraft an sehr trockenen Standorten von Bedeutung sein.

Der Nektar steigt in der etwa 1 Zentimeter langen Kronröhre auf. Es findet reichlicher Insektenbesuch statt, besonders von langrüsseligen Hummeln und Faltern. Schwebfliegen fressen den Pollen.

Die Achänen besitzen einen hygroskopischen Pappus: Es handelt sich um Schirmchenflieger, Wasserhafter (bei feuchtem Wetter). Die Ausbreitung ist auch durch Ameisen oder bei Bearbeitung der Fruchtstände durch Distelfinken möglich. Die Früchte sind sehr ölreich. Die Fruchtreife ist von September bis Oktober.

Alle Disteln sind wichtige Nährpflanzen für Körnerfresser, sie sind deshalb durchaus auch „nützliche“ Ruderalpflanzen und für Wildpflanzengärten zu empfehlen.<ref name="BotGartJWGU" />

Diese besonders schöne und auffällige Distelart breitet sich nicht selten auf Magerweiden aus, wenn der Viehbesatz für die Fläche zu hoch ist. Dann werden die übrigen Pflanzen tief abgegrast und nicht selten der Boden verwundet. Dadurch entstehen ideale Voraussetzungen für die Zunahme von Disteln, die das Vieh verschmäht.

Gallbildungen werden durch Urophora eriolepidis und Urophora solstitialis hervorgerufen.<ref name="Hegi1987" /> Die Nickende Distel ist Wirtspflanze für die Pilzarten Ophiobolus acuminatus, Pezizella micacea, Puccinia cirsii und Ustilago cardui.<ref name="Hegi1987" />

Vorkommen

Datei:Carduus platypus subsp. granatensis Inflorescencia 2010-5-31 MestanzaValledeAlcudia.jpg
Blütenkorb von Carduus nutans subsp. granatensis mit zurückgebogenen Hüllblättern
Datei:Carduus nutans subsp. leiophyllus kz03.jpg
Carduus nutans subsp. leiophyllus
Datei:2013-06-19 17-47-57-Carduus.JPG
Carduus nutans subsp. platypus

Die Nickende Distel ist besonders im Mittelmeerraum weit verbreitet.<ref name="Euro+Med" /> Das gesamte Verbreitungsgebiet umfasst Süd-, Ost- und Mitteleuropa, Irland, Großbritannien, Nordafrika, Westasien, den Kaukasusraum, Zentralasien, Sibirien, China und die Mongolei. In Nordeuropa, im südlichen Afrika, in Nordamerika, Australien, Neuseeland und in Chile ist sie ein Neophyt.<ref name="GRIN" /> In den Allgäuer Alpen steigt sie im Tiroler Teil am Weg von Elbigenalp zur Hermann-von-Barth-Hütte bis zu einer Höhenlage von 1480 Metern auf.<ref name="Dörr-Lippert2004" /> Sie erreicht im Kanton Wallis die Höhe von 1600 Metern, im Engadin 1780 Meter und im Pfossental in Tirol 2068 Meter Meereshöhe.<ref name="Hegi1987" /> Die Eigentliche Nick-Ringdistel (Carduus nutans subsp. nutans) ist in der Pannonischen Florenprovinz heimisch und tritt dort zerstreut auf; im restlichen Österreich ist sie eingebürgert und selten.<ref name="ExkÖst3"></ref>

Man findet die Nickende Distel ziemlich häufig in offenen Wildkraut-Gesellschaften, an Wegen, Schutt- und Verladeplätzen, an Böschungen, in überbesetzten Magerrasen, auf sommerwarmen, meist kalkhaltigen Böden. Die Zeigerwerte nach Ellenberg weisen sie als Sonnenpflanze, Stickstoffzeiger und Verbandscharakterart der Eselsdistel-Gesellschaften (Eselsdistel Onopordum acanthium <templatestyles src="Person/styles.css" />L.) aus.

Systematik

Datei:Carduus nutans Sturm13.jpg
Illustration aus Sturm

Der Artname Carduus nutans wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, S. 821 erstveröffentlicht. Ein Synonym für Carduus nutans <templatestyles src="Person/styles.css" />L. ist Carduus phyllolepis <templatestyles src="Person/styles.css" />Willk.<ref name="Euro+Med" />

Die weitverbreitete Carduus nutans ist bezüglich der Größe der Blütenstände und der Ausgestaltung der Hüllblätter und deren Behaarung äußerst formenreich. Je nach Autor gibt zahlreiche Unterarten von Carduus nutans:<ref name="Euro+Med" />

  • Alpine Nickende Distel (Carduus nutans subsp. alpicola <templatestyles src="Person/styles.css" />(Gillot) Chass. & Arènes): Sie kommt in Frankreich, Deutschland, den Niederlanden und Italien vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Carduus nutans subsp. falcatoincurvus <templatestyles src="Person/styles.css" />P.H.Davis: Sie kommt in der Türkei vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Carduus nutans subsp. granatensis <templatestyles src="Person/styles.css" />(Willk.) O.Bolòs & Vigo: Sie kommt in Spanien vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Carduus nutans subsp. leiophyllus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Petrović) Stoj. & Stef.: Sie kommt in Mittel- und Südeuropa, in Osteuropa und Westasien vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Carduus nutans subsp. maurus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Emb. & Maire) Greuter: Sie kommt in Marokko vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Carduus nutans subsp. micropterus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Borbás) Hayek: Sie kommt in Italien und auf der Balkanhalbinsel vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Carduus nutans subsp. numidicus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Coss. & Durieu) Arènes: Sie kommt in Algerien vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Carduus nutans subsp. perspinosus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Fiori) Arènes: Sie kommt in Italien vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Gewöhnliche Nickende Distel (Carduus nutans <templatestyles src="Person/styles.css" />L. subsp. nutans): Sie ist im gemäßigten Eurasien weitverbreitet. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 2w (mäßig trocken aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4 (kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />
  • Breitschuppige Nickende Distel (Carduus nutans subsp. platylepis <templatestyles src="Person/styles.css" />(Rchb. & Saut.) Nyman): Sie kommt in Frankreich, Deutschland, in der Schweiz, Italien, Österreich, Slowenien und Kroatien vor.<ref name="Euro+Med" /> Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz für diese Unterart: Feuchtezahl F = 2w (mäßig trocken aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 3 (montan), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 5 (kontinental).<ref name="InfoFlora" />
  • Carduus nutans subsp. platypus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Lange) Greuter: Sie kommt in Portugal und Spanien vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Carduus nutans subsp. scabrisquamus <templatestyles src="Person/styles.css" />Arènes (Syn.: Carduus macrocephalus <templatestyles src="Person/styles.css" />Desf.): Sie kommt in Marokko, Algerien, Tunesien, in Italien, Sardinien, Kroatien, Albanien und Griechenland vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Carduus nutans subsp. siculus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Franco) Greuter: Dieser Endemit kommt nur auf Sizilien vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Carduus nutans subsp. subacaulis <templatestyles src="Person/styles.css" />Arènes: Sie kommt in Marokko vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Carduus nutans subsp. taygeteus <templatestyles src="Person/styles.css" />(Boiss. & Heldr.) Hayek: Sie kommt in Italien, auf der Balkanhalbinsel, auf Inseln in der Ägäis und in der Türkei vor.<ref name="Euro+Med" />
  • Carduus nutans subsp. trojanus <templatestyles src="Person/styles.css" />P.H.Davis: Sie kommt in der Türkei vor.<ref name="Euro+Med" />

Trivialnamen

Für die Nickende Distel bestehen bzw. bestanden, zum Teil auch nur regional, auch die weiteren deutschsprachigen Trivialnamen: Eseldistel (Schlesien), Lusedizel und Hunnedizel (Göttingen).<ref>Georg August Pritzel, Carl Jessen: Die deutschen Volksnamen der Pflanzen. Neuer Beitrag zum deutschen Sprachschatze. Philipp Cohen, Hannover 1882, S. 80. (eingescannt).</ref>

Blume des Jahres

Die Nickende Distel war 2008 die Blume des Jahres.

Weblinks

Commons: Nickende Distel (Carduus nutans) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="FloraWeb"> Carduus nutans L., Nickende Distel. auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Carduus nutans L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="Euro+Med"> Werner Greuter, 2006+: Compositae (pro parte majore). In: W. Greuter, E. von Raab-Straube (ed.): Compositae. Datenblatt Carduus nutans bei Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="BotGartJWGU"> <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Steckbrief vom Botanischen Garten der Johann Wolfgang Goethe-Universität. (Memento vom 3. August 2007 im Internet Archive) </ref> <ref name="Dörr-Lippert2004"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, IHW, Eching 2004, ISBN 3-930167-61-1, S. 636. </ref> <ref name="Hegi1987"> Gerhard Wagenitz et al.: Familie Compositae II. S. 846–849. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage Band VI, Teil 3, Verlag Paul Parey, Berlin, Hamburg 1987, ISBN 3-489-86020-9. </ref> </references>

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