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Gunter Thielen

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Datei:Gunter Thielen 2015a.jpg
Gunter Thielen (2015)

Gunter Thielen (* 4. August 1942 in Quierschied/Saar) ist ein deutscher Manager und Vorstandsvorsitzender der Walter Blüchert Stiftung.<ref name=":0">Gunter Thielen. In: Internationales Biographisches Archiv. Munzinger-Archiv, 30. Oktober 2012, abgerufen am 27. Februar 2019.</ref> Zuvor hatte er verschiedene Führungspositionen bei Bertelsmann und der Bertelsmann Stiftung inne.<ref name=":3" /> Für seine Verdienste als gesellschaftspolitisch und sozial orientierter Unternehmer erhielt Thielen unter anderem das Bundesverdienstkreuz.<ref name=":1">Auszeichnung für den Bertelsmann-Chef. In: Hamburger Abendblatt. 8. März 2003, S. 23.</ref> Er war 2005 Initiator der Kampagne Du bist Deutschland.

Herkunft

Gunter Thielen wurde als Sohn des Baureferenten Willi Thielen und dessen Frau Gretel, geb. Helmedag, in Quierschied im Saarland geboren und wuchs in Saarbrücken auf. Sein Vater war Beamter im Baureferat des Saarlandes.<ref name=":6">Thomas Clark: Zahlen statt Zauberei. In: Financial Times Deutschland. 24. März 2003, S. 20.</ref> Nach dem Abitur am Staatlichen Wirtschaftsgymnasium in Saarbrücken im Februar 1962 absolvierte Thielen ein sechsmonatiges Praktikum bei den Röchling’schen Eisen- und Stahlwerken in Völklingen. Im Wintersemester 1962/63 begann er ein Studium der Verfahrenstechnik an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) in Aachen.<ref>Stationen einer langen Karriere. In: Neue Westfälische. 14. Februar 2011.</ref> Im Herbst 1964 legte er dort sein Vordiplom ab und absolvierte im Frühjahr 1967 das Hauptdiplom. Im Dezember 1969 wurde er am Institut für physikalische Chemie an der RWTH Aachen bei Ulrich Franck mit einer von der Stiftung Volkswagenwerk finanzierten Dissertation über die Transportvorgänge in binären und ternären Membransystemen zum Doktoringenieur promoviert.<ref>Gunter Thielen: Transportvorgänge in binären und ternären Membransystemen. Krupinski, Mondorf 1970 (Hochschulschrift der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Technischen Hochschule in Aachen).</ref>

Laufbahn

Seine Karriere begann Thielen beim Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen. Danach übernahm er die technische Leitung der Wintershall-Raffinerie in Lingen.<ref name=":6" />

1980 wechselte Thielen in den Konzernbereich Druck- und Industriebetriebe von Bertelsmann.<ref name=":0" /> Unter seiner Leitung wurden die beiden Druckereien Maul aus Nürnberg und Belser aus Stuttgart zu Maul-Belser zusammengeführt.<ref name=":2">175 Jahre Bertelsmann: Eine Zukunftsgeschichte. C. Bertelsmann Verlag, München 2010, ISBN 978-3-570-10175-9, S. 354.</ref> Thielen fungierte als Vorsitzender der Geschäftsführung des neuen Unternehmens.<ref>Der Neue. Im Hintergrund: Gunter Thielen. In: Trierischer Volksfreund. 30. Juli 2002.</ref> 1985 wurde er in den Vorstand von Bertelsmann berufen, wo er die Verantwortung für alle Druck- und Industriebetriebe übernahm.<ref>Herr über die Druckmaschinen. In: Die Welt. 29. Juli 2002, S. 13.</ref> Er reorganisierte den Konzernbereich unter dem Dach einer neuen Aktiengesellschaft, setzte verstärkt auf Dienstleistungen und internationalisierte das Geschäft.<ref name=":0" /> Außerdem modernisierte er beispielsweise das Arbeitszeitmodell, was Mitarbeitern und Unternehmen gleichermaßen mehr Freiräume verschafften.<ref>Bertelsmann Industrie: Lebensarbeitszeitmodell schafft mehr Freiräume für Mitarbeiter und Unternehmen. Mohndruck-Mitarbeiter können die Uhr für den Übergang ins Rentenalter vordrehen. In: Handelsblatt. 20. Mai 1994, S. 3 (Ressort Karriere).</ref> Um den Wandel nach außen zu dokumentierten, wurde im Jahr 1999 der Markenname Arvato eingeführt.<ref>Neuer Name, neue Ziele. In: Darmstädter Echo. 9. Juni 1999.</ref><ref>Bertelsmann Industrie: Neuer Name soll Wandel dokumentieren. In: Frankfurter Rundschau. 9. Juni 1999, S. 16.</ref> Thielen stand nun einem der wachstumsstärksten Segmente des Konzerns vor.<ref>Arvato auf Wachstumskurs. In: Handelsblatt. 9. Juni 1999, S. 19.</ref>

Im Jahr 2000 kündigte Mark Wössner seinen Rücktritt von den Führungsämtern bei der Bertelsmann Stiftung und der Bertelsmann Verwaltungsgesellschaft an,<ref>Wössner tritt ab. Ex-Bertelsmann-Chef verlässt überraschend Medienkonzern. In: Hamburger Abendblatt. 20. Mai 2000, S. 23.</ref> woraufhin Thielen zwischenzeitlich seine Aufgaben übernahm.<ref>Ralph Kotsch, Thomas Schuler: Turbulenzen am Schwanenteich. In: Berliner Zeitung. 20. Mai 2000, S. 20.</ref><ref>Inga Michler, Ansgar Graw: Bertelsmann-Patriarch Mohn tritt ab. In: Die Welt. 25. August 2001, S. 15.</ref> Nachdem sich Bertelsmann auch von Thomas Middelhoff getrennt hatte,<ref>Lutz Meier: Middelhoff verlässt Bertelsmann. In: Financial Times Deutschland. 29. Juli 2002, S. 1.</ref> rückte Thielen 2002 zum Vorstandsvorsitzenden des Konzerns auf.<ref>Thielen kommt, Middelhoff geht. In: Frankfurter Neue Presse. 29. Juli 2002, S. 7.</ref><ref>Bert Fröndhoff, Axel Postinett: Integrationsfigur ohne Eitelkeit. In: Handelsblatt. 29. Juli 2002, S. 20.</ref><ref>Miserabler Selbstvermarkter mit Biss. In: Der Tagesspiegel. 29. Juli 2002, S. 17.</ref><ref>Klaus Boldt: Gunter wer? In: Manager Magazin. 29. Juli 2002, abgerufen am 28. Februar 2019.</ref> Zu seinen ersten Aufgaben zählte die Präsentation der Ergebnisse einer unabhängigen historischen Kommission, welche die Vergangenheit von Bertelsmann im Dritten Reich untersuchte.<ref>Firmenlegende widerlegt: Bertelsmann profitierte vom Nazi-Regime. In: Der Spiegel. 7. Oktober 2002, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 4. März 2026]).</ref><ref>Nicole Adolph: Widerstandslegende enttarnt. In: Der Tagesspiegel. 8. Oktober 2002, S. 27.</ref><ref>Volker Ullrich: Ein Musterbetrieb. In: Die Zeit. 10. Oktober 2002, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. Mai 2021; abgerufen am 28. Februar 2019.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zeit.de</ref> In den folgenden Jahren konsolidierte Thielen erfolgreich das Stammgeschäft und investierte verstärkt in digitale Aktivitäten.<ref>Thielen zieht die Bremse. In: Manager Magazin. 30. Juli 2002, abgerufen am 24. November 2015.</ref><ref>Philipp Jaklin: Gunter Thielens Bertelsmann-Welt. In: Financial Times Deutschland. 22. April 2004.</ref><ref>Henrik Mortsiefer: Aufbruch zum Abschied. In: Der Tagesspiegel. 22. März 2007, S. 21.</ref> Außerdem band er den Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr stärker an Bertelsmann.<ref name=":0" /> Thielen leitete den Rückkauf der Anteile der Groupe Bruxelles Lambert ein, was einen Börsengang verhinderte.<ref>Aktien-Rückkauf: Bertelsmann verhindert eigenen Börsengang. In: tagesspiegel.de. 25. Mai 2006, abgerufen am 24. November 2015.</ref>

Ende 2007 übergab Thielen den Vorstandsvorsitz an Hartmut Ostrowski.<ref>Bertelsmann-Chef Gunter Thielen übergibt Kommando. In: Saarbrücker Zeitung. 14. Dezember 2007.</ref><ref name=":5">Stefan Brams: Auftrag erfüllt. In: Neue Westfälische. 1. August 2007.</ref><ref>Stefan Brams: Zum Abschied gerührt. Vorstand schenkt Gunter Thielen zum Ausscheiden als Vorstandschef 100 zusätzliche Ausbildungsplätze. In: Neue Westfälische. 13. Dezember 2007 (Ressort Lokales).</ref> Er wechselte in den Aufsichtsrat, der ihn zu seinem Vorsitzenden wählte.<ref>Thielen wird Kontrolleur. In: Frankfurter Rundschau. 15. Januar 2008, S. 18.</ref> Später wurde er unter anderem Aufsichtsratsvorsitzender beim Autovermieter Sixt und Aufsichtsratsmitglied des Pharmakonzerns Sanofi-Aventis.<ref>Kristina Spiller: Autovermieter Sixt wechselt Aufsichtsratschef aus. Früherer Bertelsmann-Chef Thielen zieht in Gremium ein. In: Financial Times Deutschland. 23. April 2008, S. 8.</ref><ref>Personalien: Sanofi-Aventis. In: Financial Times Deutschland. 10. März 2008, S. 2.</ref> Anfang 2008 übernahm Thielen zusätzlich den Vorstandsvorsitz der Bertelsmann Stiftung.<ref>Karsten Seibel, Martin Dowideit: Thielen leitet nun Stiftung. Menschen & Märkte. In: Die Welt. 3. Januar 2008, S. 11.</ref><ref>Bertelsmann Stiftung: Gunter Thielen übernimmt Vorstandsvorsitz. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 6. Januar 2008, abgerufen am 28. Februar 2019.</ref> Es war sein erklärtes Ziel, das Profil der Organisation zu schärfen und ihre Aktivitäten zu internationalisieren.<ref>Thielen will das Profil der Stiftung schärfen. In: Neue Westfälische. 3. Januar 2008.</ref><ref>Thielen leitet Stiftung. In: Südwest Presse. 3. Januar 2008, S. 6.</ref> Thielen setzte sich öffentlich unter anderem für mehr Einkommensgerechtigkeit und Bürgerbeteiligung ein.<ref>„Die Bürger wollen mehr Mitsprache“. In: Neue Westfälische. 14. Februar 2011.</ref><ref>Stefan von Borstel, Marcus Heitheker: „Der Kuchen muss gerechter verteilt werden“. In: Die Welt. 31. Mai 2010, S. 10.</ref> Er beschäftigte sich intensiv mit dem Bildungssystem und der sozialen Marktwirtschaft.<ref>Tanja Breukelchen: „Bildung ist unser einziger Rohstoff“. (PDF) In: Change Magazin. Bertelsmann Stiftung, S. 54, abgerufen am 4. März 2019 (Nr. 01/2008).</ref><ref>Wolfram Weimer: Mensch und Manager. (PDF) In: change Magazin. Bertelsmann Stiftung, S. 10, abgerufen am 4. März 2019 (Nr. 03/2012).</ref> Mit Erreichen der Altersgrenze von 70 Jahren legte Thielen sowohl den Vorstandsvorsitz der Bertelsmann Stiftung als auch den Aufsichtsratsvorsitz von Bertelsmann nieder.<ref name=":3">Bernhard Hänel: Ein halbes Leben für Bertelsmann. In: Neue Westfälische. 4. August 2012.</ref>

Seitdem widmet sich Thielen der Walter Blüchert Stiftung, die er bereits 2007 als Testamentsvollstrecker des Verlegers und Finanzmaklers Walter Fritz Blüchert nach dessen Willen ins Leben gerufen hatte.<ref name=":4">„Ich arbeite, bis ich umfalle“. In: Neue Westfälische. 19. Juli 2014.</ref> Sie fördert gesellschaftliche Teilhabe und setzt sich für Menschen ein, die unverschuldet in Not geraten sind.<ref>Hilfe, die ankommt. In: Neue Westfälische. 29. März 2014.</ref> Thielen ist Vorsitzender des Vorstands der Walter Blüchert Stiftung.<ref>Neuer Job für Chef der Bertelsmann-Stiftung. In: Handelsblatt. 27. Juni 2012, S. 54.</ref><ref>Thielen leitet Stiftung. In: Westfalen-Blatt. 19. März 2013.</ref> Des Weiteren hat er seit 2011 eine Honorarprofessur am Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung in der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Witten/Herdecke inne.<ref>Professur für Gunter Thielen. In: Neue Westfälische. 11. November 2011.</ref><ref>Profildetails: Gunter Thielen. Universität Witten/Herdecke, abgerufen am 28. Februar 2019.</ref> Das Institut wurde 2010 im Gedenken an Reinhard Mohn eröffnet.<ref>In Gedenken an den Stifter. In: Neue Westfälische. 30. Oktober 2010.</ref><ref>Forschungszentrum würdigt Mohn. In: Westfalen-Blatt. 30. Oktober 2010.</ref>

Thielen ist mit Ulla Höll verheiratet. Das Ehepaar hat zwei Kinder und lebt in Gütersloh, München und Südfrankreich.<ref name=":4" /><ref name=":5" />

Ehrungen

  • 2003: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse<ref name=":1" />
  • 2005: Global Leadership Award<ref>Hans-Peter Siebenhaar: Bertelsmann-Chef Gunter Thielen ausgezeichnet. In: Handelsblatt. 9. November 2005, S. 20.</ref>
  • 2006: Goldener Löwe als „Medienmann des Jahres“<ref>Stefan Brams: Ein goldener Löwe für den Macher. In: Neue Westfälische. 22. Juni 2006.</ref>

Zudem zählte Thielen laut Time und CNN zu den wichtigsten Geschäftsleuten weltweit.<ref>Hans-Peter Siebenhaar: Thielen gehört zu mächtigsten Managern. In: Handelsblatt. 14. Dezember 2004, S. 9.</ref><ref>Aufgefallen: Gunter Thielen. In: Mitteldeutsche Zeitung. 15. Dezember 2004.</ref>

Kritik

Thielens Nähe zu den Eigentümern von Bertelsmann sorgte vereinzelt für Kritik an seiner Berufung zum Vorstandsvorsitzenden.<ref>Bertelsmann: Sieg der alten Garde. In: Spiegel Online. 29. Juli 2002, abgerufen am 28. Februar 2019.</ref> Darüber hinaus musste er während seiner Zeit als Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung auf Kritik an Strukturen und Einfluss reagieren.<ref>Heike Göbel: „Wir hätten gern ein bisschen Konkurrenz“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 28. April 2008, abgerufen am 28. Februar 2019.</ref><ref>Hans-Peter Siebenhaar: „Wir sind keine heimliche Regierung“. In: Handelsblatt. 25. Oktober 2010, S. 3, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 3. März 2017; abgerufen am 1. Oktober 2016 (3 von 7 Seiten archiviert).</ref>

Im Zusammenhang mit Thielens Rolle als Eigentümer des saarländischen Wurstwarenherstellers Höll wurde Thielen durch den Bürgermeister der Gemeinde Illingen, vormals Sitz des inzwischen insolventen Unternehmens, unter anderem „Rücksichtslosigkeit gegenüber Gemeinwohlinteressen“ sowie „Spekulantentum“ vorgeworfen.<ref>Armin König greift Gunter Thielen an. In: Saarbrücker Zeitung. 27. September 2013, abgerufen am 8. Oktober 2014.</ref>

Schriften

  • Tansportvorgänge in binären und ternären Membransystemen. (Aachen, Techn. Hochsch., Diss., 1969).

Weblinks

Einzelnachweise

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