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Harald Serafin

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Datei:Harald Ingeborg Serafin ROMY 2016.jpg
Harald Serafin mit seiner Gattin Ingeborg (2016)

Harald Serafin, auch bekannt als „Mister Wunderbar“<ref name="RK-Archivmeldung-20071105" /><ref name="LMS-Burgenland-20250915" /> (* 24. Dezember 1931 in Kybartai, Litauen; † 15. September 2025 in Wien), war ein österreichischer Sänger (Bariton), Schauspieler und Entertainer. Von 1992 bis 2012 war er Intendant und künstlerischer Leiter der Seefestspiele Mörbisch.

Leben

Herkunft

Harald Serafin war der Sohn eines Italieners und einer Salzburgerin. Von seinem Vater „komme das Temperament“, wie Serafin „stets launig“ zu wiederholen pflegte. Von seiner Mutter habe er „ihre lustige Art und das Talent, ‚Kundschaft aufzureißen‘“ geerbt.<ref name="APA-News-20250915">Publikumsliebling Harald Serafin mit 93 Jahren gestorben. In: Austria Presse Agentur News. 15. September 2025, abgerufen am 16. September 2025.</ref>

Infolge der Besetzung Litauens durch die Sowjetunion im Jahr 1939 flüchtete Harald Serafins Familie 1940 nach Memel in Ostpreußen. 1944, nach dessen Einkesselung entkamen sie den Russen erneut, mit einem Flüchtlingstreck kamen sie nach Bamberg in Bayern, wo sie sich niederließen und die Eltern ein Textilgeschäft eröffneten.<ref name="APA-News-20250915" />

Ausbildung und künstlerische Laufbahn

Nach der Matura 1951 begann Harald Serafin auf Wunsch seiner Familie ein Medizinstudium an der Justus-Liebig-Universität Gießen, wo er zeitweilig Fuchs der Burschenschaft Frankonia Gießen war, und später an der Philipps-Universität Marburg, brach das Studium aber ab und studierte stattdessen forthin Gesang. Serafin studierte unter anderem bei Kammersänger Willi Domgraf-Fassbaender in Nürnberg. Danach folgten Engagements in der Schweiz (St. Gallen, Bern, Zürich) und Deutschland (Aachen, Ulm). Bei den Zürcher Juni-Festspielen sang er gemeinsam mit Anneliese Rothenberger in Sutermeisters Madame Bovary.

Otto Schenk entdeckte das komische Talent Serafins und machte ihn zum „singenden Bonvivant der Operette“. Von der New York Times wurde er auch in Bezugnahme auf seine Physiognomie als „Walter Matthau der Wiener Operette“ bezeichnet. Nach einer Stimmbandoperation 1989 gab er das Singen eine Zeit lang auf. 1992 holte ihn Felix Dvorak zu seinen Festspielen Berndorf, wo er mit ihm Ludwig Thomas Moral inszenierte. Dieser erste Ausflug ins Sprechtheater war so erfolgreich, dass ihn das Theater in der Josefstadt alljährlich als Stargast an die Kammerspiele der Josefstadt holte, wo er, immer unter der Regie von Felix Dvorak, triumphale Publikumserfolge feierte. 20 Jahre lang war er Intendant der Seefestspiele Mörbisch.

1996 übernahm er die Rolle eines der Auktions-Sesselinhaber im ORF-Film Mein Opa und die 13 Stühle (1997), eine Fortsetzung von Mein Opa ist der Beste (1996) mit Otto Schenk in der Hauptrolle des Opas.

Dem breiten österreichischen Publikum ist Serafin spätestens seit seinen Auftritten als Juror in der zweiten Staffel der TV-Show Dancing Stars bekannt, die im Frühjahr 2006 im Programm ORF 1 ausgestrahlt wurde. Mit meist unverbindlichen, oft auch nichtssagenden Kommentaren – meist an das jeweilige Tanzpaar gerichtete Schmeicheleien – gab er gekonnt den Part des „freundlichen“ Jurors, der auch schwächere Tanzdarbietungen mit guten Noten bewertete. Mit Fortdauer der mehrmonatigen Show erlangte sein häufig wiederkehrender Kommentar „Es war wunderbar!“ den Status eines Running Gags. Mit dem von ihm schon vorher geliebten Wort<ref>Doris Priesching: „Wunderbar! Wunderbar!“ – Harald Serafin im STANDARD-Interview. In: Der Standard. 12. Mai 2006, abgerufen am 8. Februar 2013 (Printausgabe am 5. Mai 2006). Hier: Der Standard (Prieschnig): „Woher stammt Ihre Vorliebe für das Wörtchen „wunderbar“?“ – Serafin: „Ich habe es immer schon geliebt, jetzt entdecken es auch die Menschen. Nicht „wunderboa“ – das ist Abfall! Sondern: „Wunnnderbar“! Man muss die Sinnlichkeit in den Bauch lassen. Wo immer ich hinkomme, begrüßen mich die Leute mit „Wunnnderbar“! Das ist wunderbar!“</ref> wurde er von den Medien zum „Mister Wunderbar“ gekürt.<ref>Das war 2006 – gesellschaftlich. Jahresrückblick. In: burgenland.ORF.at. 31. Dezember 2006, abgerufen am 16. September 2025 (hier: „Mister Wunderbar“ Harald Serafin): „Große Unterhaltung bieten traditionell auch die Seefestspiele Mörbisch. Deren Intendant, Harald Serafin, wird nicht nur Ehrenmitglied der Wiener Volksoper, sondern auch gefeierter Juror bei den „Dancing Stars“ des ORF. Als „Mister Wunderbar“ macht er sich selbst zu einer neuen Marke.“</ref><ref>Harald Serafin ist 80: Mister Wunderbar. In: oe1.ORF.at. 8. April 2017, abgerufen am 15. September 2025 (hier: Noch einmal Mörbisch): „In der zweiten Staffel der ORF-Promi-Tanzshow „Dancing Stars“ sitzt Serafin in der Jury und wird wegen seiner „Wunderbar“-Ausrufe in seinen Beurteilungen zum „Mister Wunderbar“. Seither ist er auch bei der Jugend bekannt, sagt er.“</ref>

Dieser Spitzname floss später auch in den Titel seiner Autobiografie ein, die 2013 unter dem Titel Es war nicht alles wunderbar im Amalthea Verlag erschienen ist.<ref name="APA-News-20250915" /> Die Floskel „Wunderbar“ war kurzfristig im populärkulturellen Zusammenhang dermaßen mit der Person Serafins konnotiert, sodass er zur massenmedialen „Kultfigur“ avancierte und für die Werbung der Möbelhauskette XXXLutz engagiert wurde.<ref>Werbung: Demner und XXXLutz werben mit einer Wahl der anderen Art. In: Der Standard. 25. Oktober 2006, abgerufen am 16. September 2025.</ref>

Serafin pflegte als Intendant der Seefestspiele in Mörbisch vor den Vorstellung die anwesenden Prominenten direkt angesprochen, oft mit Handschlag oder Umarmung verbunden, launig zu begrüßen. Einmal begrüßte er den anwesenden Kunststaatssekretär Franz Morak unter anderem mit der doppeldeutigen Bemerkung: „Du weißt, was ich von dir halte“. Morak, halb zum Publikum gewandt, versuchte daraufhin zu beschwichtigen: „Er meint es nicht so“. Harald Serafin konterte daraufhin ungerührt: „Er meint es nicht so? Doch, ich meine es so.“<ref name="ORF-Doku-2021-HS-Wunderbare-Jahre" />

Im Oktober 2008 spielte Harald Serafin gemeinsam mit Peter Weck im Wiener Volkstheater die Boulevardkomödie Sunshine Boys von Neil Simon unter der Regie von Michael Schottenberg. Zum Jahreswechsel 2014/2015 gastierte er einige Male als Baron Mirko Zeta in Die lustige Witwe an der Oper Köln. Im März 2015 stand er in Schon wieder Sonntag in den Kammerspielen der Josefstadt zusammen mit Otto Schenk und Hilde Dalik auf der Bühne.<ref>Bob Larbey: Schon wieder Sonntag. Kammerspiele der Josefstadt, Premiere: 26. März 2015. In: Website des Theaters in der Josefstadt, März 2015, abgerufen am 16. September 2025.</ref> 2019 spielte er den Obereunuchen in Das Land des Lächelns bei den Seefestspielen in Mörbisch.<ref>Thomas Netopilik: Seefestspiele Mörbisch: Harald Serafin gibt Comeback auf der Bühne. In: Meinbezirk.at. 17. Juni 2019, abgerufen am 25. Februar 2024.</ref>

Privates

Harald Serafins Sohn Daniel aus seiner Ehe mit Ingeborg und seine Tochter Martina aus der früheren Ehe mit Mirjana Irosch traten beide in die Fußstapfen des Vaters und sind als Opernsänger (Bariton bzw. Sopranistin) tätig.

Bei einem Einbruch in Serafins Wiener Wohnung am Abend des 29. August 2009 wurden außer anderen Wertgegenständen das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Land Wien und die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien gestohlen.<ref>APA: Einbruch bei Serafin: Verräterische Ehrenmedaillen. In: Die Presse. 17. Januar 2019, abgerufen am 16. September 2025 (ursprünglich: 1. September 2009, abgerufen am 22. September 2009).</ref>

Am 15. September 2025 starb Harald Serafin im Alter von 93 Jahren in Wien.<ref>1931–2025: Publikumsliebling Harald Serafin ist tot. In: wien.ORF.at. 15. September 2025, abgerufen am 16. September 2025.</ref><ref>Wilhelm Sinkovicz: 1931–2025: „Mister Wunderbar“ Harald Serafin ist tot. In: Die Presse. 15. September 2025, abgerufen am 16. September 2025.</ref><ref>Christoph Irrgeher: 1931–2025: Publikumsliebling Harald Serafin 93-jährig gestorben. In: Der Standard. 15. September 2025, abgerufen am 16. September 2025.</ref>

Auszeichnungen

Dokumentation

  • Harald Serafin – Wunderbare Jahre. Gestaltung Christian Reichhold, Redaktion Teresa Vogl. ORF, 2021.<ref name="ORF-Doku-2021-HS-Wunderbare-Jahre">In memoriam Harald Serafin – Wunderbare Jahre: „Anlässlich seines 90. Geburtstags im Jahr 2021 ließ sich Harald Serafin dazu überreden, sein Leben Revue passieren zu lassen und über sich selbst zu erzählen.“ Wiederholung im Rahmen von kulturMONTAG auf ORF 2 am 15. September 2025, abgerufen am 16. September 2025.</ref>

Werk

  • Es war nicht immer wunderbar. Autobiografie. Aufgezeichnet von Susanne Felicitas Wolf. Amalthea, Wien 2013, ISBN 978-3-85002-857-8.

Weblinks

Commons: Harald Serafin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

VorgängerAmtNachfolger
Rudolf BuczolichIntendant der Seefestspiele Mörbisch
1992–2012
Dagmar Schellenberger

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