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Nikolaus Kuhnert

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Nikolaus Kuhnert (* 7. März 1939<ref>Nikolaus Kuhnert: Nikolaus Kuhnert - Eine architektonische Selbstbiografie: "Wir waren Dilettanten unserer eigenen Geschichte" (= Arch+. Band 237, 52. Jahrgang). Arch+ Verlag GmbH, Berlin 2019, ISBN 978-3-931435-54-7.</ref> in Potsdam; † 20. August 2025 in Berlin) war ein deutscher Architekt, Publizist und Herausgeber sowie leitender Redakteur der Zeitschrift für theorieorientierte Architektur Arch+. Über fast fünf Jahrzehnte prägte er als Mitherausgeber und intellektuelle Stimme die Zeitschrift.<ref>Nikolaus Kuhnert ist tot. In: taz. Abgerufen am 26. August 2025.</ref>

Leben

Während seiner Kindheit wurde ein Großteil seiner jüdischen Familienmitglieder im Holocaust ermordet. Als Sohn einer jüdischen Mutter glaubte er dennoch an die Reformierbarkeit der deutschen Gesellschaft.<ref>Anh-Linh Ngo: Nachwort: Lernen von Nikolaus Kuhnert. In: Arch+. Abgerufen am 8. März 2020.</ref><ref>Nikolaus Kuhnert ist tot. In: taz. Abgerufen am 26. August 2025.</ref> Der Großvater mütterlicherseits wurde 1942 im Ghetto Theresienstadt ermordet; sein Vater, selbst Architekt, hielt an der „Mischehe“ fest und erlitt berufliche Repressionen bis hin zum Ausschluss aus dem Bund Deutscher Architekten und der Nichtaufnahme in die Reichskulturkammer.<ref>Nikolaus Kuhnert ist tot. In: taz. Abgerufen am 26. August 2025.</ref>

Nikolaus Kuhnert studierte von 1958 bis 1962 Architektur an der TU Berlin und Malerei an der HdK Berlin.<ref>ARCH+ Konferenz in Berlin zu Nikolaus Kuhnerts 80. Geburtstag. In: BauNetz. Abgerufen am 26. August 2025.</ref> Politisch wurde er als Architekturstudent von der 68er-Bewegung geprägt, deren Radikalisierung er mit kritischer Distanz betrachtete.<ref>Nikolaus Kuhnert ist tot. In: taz. Abgerufen am 26. August 2025.</ref> Während der Studienzeit arbeitete er im Architekturbüro seines Vaters und bei Hans Scharoun und war am Entwurf und Bau von drei Berliner Einfamilienhäusern beteiligt. 1978 promovierte er über das Thema „Soziale Elemente der Architektur: Typus und Typusbegriffe im Kontext der Rationalen Architektur“ zum Dr.-Ing. Von 1972 bis 1983 war er Assistent am Lehrstuhl für Planungstheorie an der RWTH Aachen. Seit 1972 gehörte er zur Redaktion von Arch+,<ref>Nikolaus Kuhnert ist tot. In: taz. Abgerufen am 26. August 2025.</ref> seit 1975 war er Redakteur und seit 1983 Mitherausgeber/Herausgeber der Zeitschrift – zusammen mit Sabine Kraft, Günther Uhlig und Marc Fester – und von 1989 bis 2016 Leiter der Arch+-Redaktionsgruppe in Berlin.<ref>Nikolaus Kuhnert: ARCH+ 237: Nikolaus Kuhnert: Eine architektonische Selbstbiografie. In: Arch+. Abgerufen am 8. März 2020.</ref>

1988 konzipierte und organisierte er zusammen mit Otl Aicher das Symposion Berlinmodell Industriekultur.

Kuhnert starb am 20. August 2025 im Alter von 86 Jahren in Berlin.<ref>Anh-Linh Ngo: „Mach dich nicht gemein.“ – In Erinnerung an Nikolaus Kuhnert. In: Arch+. Abgerufen am 22. August 2025.</ref> Er hinterließ seine Frau und drei Kinder.<ref>Anh-Linh Ngo: „Mach dich nicht gemein.“ – In Erinnerung an Nikolaus Kuhnert. In: Arch+. Abgerufen am 22. August 2025.</ref>

Wirken

Sein publizistisches Selbstverständnis verband Architektur konsequent mit gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Fragen; unter seiner Mitverantwortung wurde ARCH+ zu einem interdisziplinären, streitbaren Medium, das Architektur als gesellschaftliche Praxis verstand.<ref>BDA-Preis für Architekturkritik 2021 – Begründung der Jury. In: BDA. Abgerufen am 26. August 2025.</ref><ref>Nikolaus Kuhnert ist tot. In: taz. Abgerufen am 26. August 2025.</ref> Die Zeitschrift verhandelte früh soziale und ökologische Fragen und öffnete den Diskurs für Philosophie, Kunst und Politik.<ref>Nikolaus Kuhnert ist tot. In: taz. Abgerufen am 26. August 2025.</ref>

In den 1990er-Jahren profilierte sich Kuhnert als Kritiker der Berliner Baupolitik nach der Wiedervereinigung, insbesondere der von Hans Stimmann propagierten „kritischen Rekonstruktion“ und neohistorischer Tendenzen.<ref>Nikolaus Kuhnert ist tot. In: taz. Abgerufen am 26. August 2025.</ref> Mit dem Heft ARCH+ 122 „Von Berlin nach Neuteutonia“ (Juni 1994) problematisierte ARCH+ den Mythos einer „Berlinischen Architektur“ und die national identitätspolitische Aufladung der damaligen Baupolitik.<ref>ARCH+ 122 – Von Berlin nach Neuteutonia. In: Arch+. Abgerufen am 26. August 2025.</ref> Die Redaktion argumentierte, diese Politik folge einem regionalistisch-nationalen Modell und instrumentalisiere historische Formen politisch.<ref>ARCH+ 201/202 – Berlin jenseits des Planwerks. In: Arch+. Abgerufen am 26. August 2025.</ref> Kuhnerts Ansatz zielte darauf, Theorie- und Praxisdiskurse zu verbinden und Architektur stets im Kontext von Gesellschaft, Ökonomie und Politik zu verorten; ARCH+ galt unter seiner Mitwirkung Generationen von Studierenden und jungen Architekten als unabhängiges Leitmedium des Diskurses.<ref>BDA-Preis für Architekturkritik 2021 – Begründung der Jury. In: BDA. Abgerufen am 26. August 2025.</ref>

Mitgliedschaften

Nikolaus Kuhnert war Mitglied des Kuratoriums von Shrinking Cities, ein Initiativprojekt (2002–2006) zur Untersuchung von schrumpfenden Städten der Kulturstiftung des Bundes, und Mitglied des Beirates des Goethe-Instituts.

Ehrungen und Auszeichnungen

Schriften

  • Berlinmodell Industriekultur: Redesigning the Urban Factory / Entwürfe für die städtische Arbeitswelt, Birkhäuser 1990, ISBN 978-0817623401
  • Eine architektonische Selbstbiografie, ARCH+ Verlag 2019, ISBN 978-3931435547
  • Eine architektonische Selbstbiografie IN: Arch+ Zeitschrift für Architektur und Urbanismus, Heft 237, 2020

Weblinks

Einzelnachweise

<references />

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