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Erika Cremer

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Erika Cremer (von Letizia M. Cremer)

Erika Cremer (* 20. Mai 1900 in München; † 21. September 1996 in Innsbruck) war eine deutsche Physikochemikerin.

Leben

Kindheit und Ausbildung

Erika Cremer wuchs in einem akademischen Umfeld auf. Ihr Vater Max Cremer war Physiologieprofessor und dessen Frau Elisabeth Rothmund ihrerseits Tochter eines Universitätsprofessors.<ref>Frauen in der Geschichte der Gelehrtengesellschaft. Österreichische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 14. April 2026.</ref> Ihre Brüder waren der spätere Mathematiker Hubert Cremer und der Elektrotechniker und Akustiker Lothar Cremer. Die Familie zog den Berufungen des Vaters folgend 1909 nach Köln und 1911 nach Berlin. Vorerst durfte Erika als Mädchen nur eine Studienanstalt für junge Frauen, die sich auf naturwissenschaftlich-technischem Gebiet weiterbilden, statt des Gymnasiums besuchen.<ref>Eintrag zu Erika Cremer im Austria-Forum (Biographie) abgerufen am 15. Dezember 2011.</ref> Nach dem Abitur im Jahr 1921 studierte sie an der Berliner Universität Chemie und Physik, unter anderem bei Albert Einstein, Max Laue und Walther Nernst. Sie promovierte 1927 bei Max Bodenstein in Berlin mit einer Dissertation über die Chlorknallgas-Reaktion (Über die Reaktion zwischen Chlor, Wasserstoff und Sauerstoff im Licht).<ref>Dissertation im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek</ref>

Wissenschaftliche Laufbahn

Im Anschluss an ihre Promotion folgten unbezahlte Tätigkeiten bei Karl Friedrich Bonhoeffer in Berlin, am Institut für Physikalische Chemie der Universität Freiburg, am Kaiser-Wilhelm-Institut für Physikalische Chemie und Elektrochemie in Berlin bei Michael Polanyi sowie an der Universität München unter Kasimir Fajans.

Historisch interessant ist ihre Zeit 1936/1937 in Berlin in der Arbeitsgruppe Otto Hahns während der Entdeckung der Kernspaltung. Ihre Erinnerungen als Zeitzeugin auch während des Krieges hat Erika Cremer in einem Aufsatz Zur Geschichte der Entfesselung der Kernenergie in der Österreichischen Chemiker-Zeitung 1989 zusammengefasst. Mit einem Forschungsstipendium war sie am Physikalisch-Chemischen Institut in Berlin tätig. 1938 wurde sie habilitiert.<ref>Gerhard Oberkofler: In memoriam em. Univ.-Prof. Dr. phil. Dr. rer.nat. H.c. Erika Cremer (1900–1996). 96 Jahre eines Forscherlebens. In: Berichte des naturwissenschaftlich-medizinischen Vereins Innsbruck. Band 84. Innsbruck 1997, S. 397–406 (Vorlage:ZOBODAT/URL [PDF; 1,6 MB]).</ref>

Ihre Berufung 1940 als Frau an das Institut für Physikalische Chemie der Universität Innsbruck war für diese Zeit außergewöhnlich. 1944 entwickelte sie die Grundlagen der Adsorptionsgaschromatographie. Die vorgesehene Veröffentlichung ging in den Wirren des Kriegsendes auf dem Weg zum Verlag verloren. Zusammen mit ihrem Dissertanten Fritz Prior entwickelte sie nach dem Krieg die Methode weiter.

Fast ihr ganzes Berufsleben lang hatte sie im Wissenschaftsbetrieb darunter zu leiden, dass sie eine Frau war.<ref>J. A. Johnson: German women in chemistry, 1925–1945 (part II). In: NTM N.S. Band 6, 1998, S. 65–90, doi:10.1007/BF02914207.</ref> Trotz hervorragender Leistungen (über 200 Veröffentlichungen) dauerte es im Vergleich zur Karriere von männlichen Kollegen sehr lange, bis sie von der Universitätsdozentin 1951 zur außerordentlichen Professorin ernannt wurde. Seitdem fungierte sie Vorständin des Instituts für Physikalische Chemie. 1951 erlangte sie auch die österreichische Staatsbürgerschaft. Acht Jahre später 1959 wurde sie schließlich zur ordentlichen Professorin und Lehrstuhlinhaberin für Physikalische Chemie berufen.<ref>Im Dienste der Wissenschaft (Teil I) – Innsbruck erinnert sich. 8. Dezember 2022, abgerufen am 6. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Damit war sie die erste Frau an der Universität Innsbruck mit einem Ordinariat.<ref name="Mazohl">Brigitte Mazohl: Frauen in der Gelehrtengesellschaft. Österreichische Akademie der Wissenschaften, abgerufen am 8. August 2024.</ref> Mit Maximilian Pahl veröffentlichte sie 1961 das Buch Kinetik der Gasreaktionen. 1970 erfolgte die Emeritierung.<ref>Eberhard Ehlers, Heribert Offermanns: Erika Cremer (1900–1996): Erfinderin der Gaschromatographie. Gesellschaft Deutscher Chemiker e. V., abgerufen am 6. August 2024.</ref>

Ein großes Anliegen war ihr die internationale Vernetzung mit Forscherinnen und Forschern. 1951 nahm sie an einer Fachtagung in New York teil, 1952 folgte ein einjähriger Aufenthalt als Gastwissenschaftlerin am Massachusetts Institute of Technology (MIT).<ref name="Mazohl" />

Auszeichnungen (Auswahl)

(Quelle:<ref>Klaus Beneke: Erika Cremer. Biographien und wissenschaftliche Lebensläufe von Kolloidwissenschaftlern, deren Lebensdaten mit 1996 in Verbindung stehen. In: Mitteilungen der Kolloid-Gesellschaft (= Beiträge zur Geschichte der Kolloidwissenschaften. Band VIII). Verlag Reinhard Knof, Nehmten 1999, ISBN 3-934413-01-3, S. 311–334.</ref>)

Ehrungen

1999 wurde in der Messestadt Riem in München die Erika-Cremer-Straße nach ihr benannt.<ref>Münchner Stadtgeschichte – Das Stadtportal zur Geschichte Münchens. Abgerufen am 3. März 2025.</ref>

2009 startete die Universität Innsbruck das Erika-Cremer-Habilitationsprogramm. Im Andenken an die große Forscherin will die Universität wissenschaftliche Frauenkarrieren und die Habilitation von Frauen in allen universitären Fachrichtungen fördern, indem befristete Anstellungen im Ausmaß von bis zu 48 Monaten angeboten werden.<ref>Erika-Cremer-Habilitationsprogramm. Universität Innsbruck.</ref>

Rezeption (Auswahl)

2021 wurde das Theaterstück „Erika und die zweite Welle“ vom promovierten Chemiker Wolfgang Viertl-Strasser (Regie, Technik) sowie den Kulturwissenschaftlerinnen Martina Strasser (Tanz) und Eva Maria Kirschner (Schauspiel, Tanz), alle aus Tirol und Absolventen der Universität Innsbruck, an verschiedenen Theaterorten in Tirol uraufgeführt. Das Stück wurde selbst verfasst und vom Theater Szenario Hall i. T. in Kooperation mit dem BogenTheater Innsbruck ausgearbeitet und ausgeführt.<ref>Verena Abenthung: Die Chemie ist weiblich: Erika Cremer. Innsbruck.info, 29. November 2021, abgerufen am 6. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Chemische Live-Experimente sowie Ausschnitte aus Cremers Aufzeichnungen waren Teil der Vorführungen.

Literatur

  • Gerhard Oberkofler: Erika Cremer (1900–1996). Ein Leben für die Chemie. Herausgegeben von der Zentralbibliothek für Physik in Wien. StudienVerlag, Innsbruck / Wien / Bozen 1998.
  • Brigitte Bischof: Cremer, Erika. In: Brigitta Keintzel, Ilse Korotin (Hrsg.): Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Leben – Werk – Wirken. Böhlau, Wien / Köln / Weimar 2002, ISBN 3-205-99467-1, S. 121–124.
  • Vorlage:LuiseBMS
  • Jens Soentgen: Hebamme der Umweltbewegung – die Chemikerin Erika Cremer. In: Quart Heft für Kultur Tirol, 2020, (35/20), S. 11–19; bibliothek.uni-augsburg.de (PDF; 0,4 MB).
  • Chemikerinnen – es gab sie und es gibt sie. (PDF; 1,1 MB) Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh), Broschüre, 2003, S. 17.

Weblinks

Commons: Erika Cremer – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />

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