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Zanobi da Strada

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Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 27. Februar 2026 um 11:15 Uhr durch imported>Martinus KE (Einzelheiten zur Dichterkrönung).
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Datei:Portret van Zanobi da Strada Portretten van beroemde Italianen met wapenschild in ondermarge (serietitel), RP-P-1909-4670 (cropped).jpg
Zanobi da Strada (Kupferstich, 1761)

Zanobi da Strada (* 1312 nahe Florenz; † 1361 in Avignon)<ref>Die Lebensdaten sind mit Unsicherheiten behaftet: entweder 1312–1361 oder nach anderen Quellen 1315–1364. – </ref> war ein italienischer Dichter und Humanist und gründete mit Giovanni Boccaccio und anderen florentinischen Gelehrten eine literarische Gesellschaft.<ref>Quelle? – Andernorts ist lediglich von einem „um Petrarca sich bildenden Kreis humanistischer Dichter und Gelehrter“ die Rede, nicht von einer organisierten „Gesellschaft“. – Manfred Hardt: Geschichte der italienischen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Artemis & Winkler Verlag, Düsseldorf/Zürich 1996, ISBN 3-538-07040-7, S. 156.</ref>

Sein Vater war Giovanni di Domenico Mazzuoli da Strada, der erste Lehrer des jungen Giovanni Boccaccio.<ref>Manfred Hardt: Geschichte der italienischen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Artemis & Winkler Verlag, Düsseldorf/Zürich 1996, ISBN 3-538-07040-7, S. 148.</ref> Ab 1335 war er Professor der lateinischen Grammatik in Florenz. Ferner war er ein politischer Sekretär des Königs von Neapel.<ref>1355 versuchte Boccaccio (vergeblich), Zanobis Nachfolger in Neapel zu werden. – Manfred Hardt: Geschichte der italienischen Literatur. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Artemis & Winkler Verlag, Düsseldorf/Zürich 1996, ISBN 3-538-07040-7, S. 178.</ref> Ende 1349 stand er in Neapel im Dienst von Niccolò Acciaiuoli aus der Familie Acciaiuoli. 1350 wurde er Freund von Francesco Petrarca bei dessen Reise nach Florenz.

Im Mai 1355 wurde er von Kaiser Karl IV. in Pisa mit der Dichterkrone zum poeta laureatus gekrönt. Die feierliche Handlung fand beim Verlassen des Doms nach dem Festtagsgottesdienst auf der Domtreppe statt, in Anwesenheit des Kardinals und der Hof- und Festgesellschaft. Außer dem Lorbeerkranz empfing der Dichter vom Kaiser den Friedenskuss und einen Ring. Da alle zum Mittagsmahl strebten, beeilte man sich, und Zanobi durfte nur einen kleinen Teil seiner vorbereiteten Dankrede vortragen. Diese Dichterkrönung war dennoch ein bedeutendes politisches Zeichen, denn sie war die erste, die ein mittelalterlicher Kaiser in Italien vornahm. Selbst Zanobis Freunde Boccaccio und Petrarca übten scharfe Kritik daran. Da sie dem deutschen „Römischen Kaiser“ nicht die entsprechende Autorität und Kompetenz zubilligen mochten, sprachen sie abfällig vom „böhmischen Kaiser“ und vom „barbarischen“ bzw. „Pisaner Lorbeer“, der nicht dem römischen Lorbeer gleichkomme.<ref></ref>

1356/57 betrieb er Studien in der Klosterbibliothek von Montecassino und entdeckte Werke von Varro, Tacitus und Apuleius.<ref name="Flood" /> 1358/59 war er der erste toskanische Humanist,<ref>Urban V. berief später Francesco Bruni aus Florenz zum päpstlichen Sekretär nach Avignon. </ref> der unter Innozenz VI. dauerhaft am päpstlichen Kanzleigericht in Avignon als Apostolischer Protonotar beschäftigt wurde. In Avignon starb er 1361 an der Pest.

Wie Petrarca mit seinem unvollendeten Epos Africa wollte auch Zanobi den römischen Feldherrn Publius Cornelius Scipio Africanus in einer Dichtung verherrlichen, doch habe er, so heißt es, auf die Fertigstellung und Veröffentlichung verzichtet, als er von Petrarcas Plan erfuhr.<ref>Jacob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien. Ein Versuch. Hrsg.: Walter Goetz (= Kröners Taschenausgabe. Band 53). Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1966, S. 235–236. – Jacob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien. Ein Versuch. Hrsg.: Konrad Hoffmann (= Kröners Taschenausgabe. Band 53). 11. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-520-05311-X, S. 183–184.</ref>

Zu seiner Zeit war Zanobi so berühmt, dass er nach einem Beschluss von 1396 neben Accorso, Dante, Petrarca und Boccaccio ein Prachtgrab im Dom von Florenz bekommen sollte.<ref>Jacob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien. Ein Versuch. Hrsg.: Walter Goetz (= Kröners Taschenausgabe. Band 53). Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1966, S. 136. – Jacob Burckhardt: Die Kultur der Renaissance in Italien. Ein Versuch. Hrsg.: Konrad Hoffmann (= Kröners Taschenausgabe. Band 53). 11. Auflage. Alfred Kröner Verlag, Stuttgart 1988, ISBN 3-520-05311-X, S. 109.</ref>

Einzelnachweise

<references> <ref name="Flood"> </ref> </references>

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