Milchhaut
Milchhaut (regional auch Schmand bzw. Schmant, Flähme (altböhmisch), Flott, Pelle oder Flotte genannt) ist ein Film, der bei der Erhitzung von Milch entsteht. Die Hautbildung beim Kochprozess ist ein komplexer Vorgang: Sie hängt von verschiedenen Faktoren wie den Erhitzungs- und Abkühlbedingungen ab. Weitere wichtige Einflussgrößen sind Fettgehalt und Homogenisierungsgrad.<ref name="agroscope"><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein..</ref>
Durch das Verdampfen von Wasser bildet sich an der Oberfläche erhitzter Milch eine Milchhaut, welche aus ca. 70 % Fetten und rund 20–25 % Proteinen besteht.<ref>Friese/Hettgen: Chemie im Haushalt: Kasein - Ein Kleber aus Milch. Institut für Didaktik der Chemie, Uni Münster, SS 2005, S. 6, abgerufen am 10. August 2009 (PDF; 605 kB).</ref> Von den beteiligten Proteinen ist wahrscheinlich der Hauptanteil denaturiertes Laktoglobulin, aber auch das etwas weniger hitzeempfindliche Albumin dürfte in der Haut mit einem mengenmäßig kleineren Anteil vorhanden sein. Nach neueren Erkenntnissen spielt hingegen Kasein wohl eine untergeordnete Rolle. Es fehlen aber bisher umfangreiche Untersuchungen.<ref name="agroscope" />
Wird Milch auf über 75 Grad Celsius erhitzt, entwirren sich die Molekülknäuel der Milchproteine Albumin und Globulin (Denaturieren) und verkleben (Aggregation) anschließend miteinander. Des Weiteren könnten sich auch Disulfidbrücken binden und so die Proteine kovalent verknüpfen. So bildet sich ein dünnes netzartiges Gebilde: die Milchhaut.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Skript Versuche zum Bereich Tiere – Versuch 68: Nachweis von Albumin und Globulin. Fachdidaktik, Wissenschaftszentrum Weihenstephan, TU München, S. 9 ( vom 25. August 2005 im Internet Archive).</ref> Da die Haut leichter als Wasser ist, treibt sie immer an der Oberfläche.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Der Wert des Parameters archive-today muss ein Datum der Form YYYYMMDD oder Zeitstempel der Form YYYY.MM.DD-hhmmss bzw. YYYYMMDDhhmmss sein..</ref> Eine vollfette, nicht homogenisierte Rohmilch bildet dabei beim Kochen eine vollmundigere und dickere Haut als homogenisierte Milch. Wenn sich unter der Milchhaut aufsteigender Wasserdampf staut und diese anhebt, dann kommt es zur typischen Reaktion des Überkochens der Milch.
Milchhaut wird von manchen Menschen als unappetitlich oder sogar ekelerregend empfunden. Vermeiden lässt sie sich durch vorsichtiges, nicht zu starkes Erhitzen und gleichzeitiges Aufschlagen oder Aufschäumen der Milch, z. B. mit einem Schneebesen, was die zu Grunde liegende Schichtbildung verhindert. Zudem verhindert das Rühren der Milch diesen Prozess, da dadurch Luft in die Milch gelangt, die von den gerinnenden Proteinen eingeschlossen wird. So bildet sich statt der Milchhaut Milchschaum.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Warum hat Milch eine Haut? Portal Meine Milch, Milchindustrie-Verband ( vom 6. August 2010 im Internet Archive).</ref>
In der Molekularküche wird Milchhaut auch als Zutat verwendet. Ferran Adrià bereitet daraus zum Beispiel Crêpes oder Ravioli zu.<ref>Anna Burghardt: Mistverständnis: Abfall in der Spitzenküche. Die Presse, 20. Oktober 2010, abgerufen am 30. November 2010.</ref><ref>Wolfgang Lechner: Ein Fisch als Weinkorken. Zeit Online, 24. Juli 2007, abgerufen am 30. November 2010.</ref>
Siehe auch
Einzelnachweise
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