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Radioshow

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Datei:Amos n Andy on television 1952.jpg
Amos ’n’ Andy war als Radioshow jahrelang so erfolgreich, dass sie 1951 für das Fernsehen adaptiert wurde, doch die Rollen spielten nicht die ursprünglichen weißen Sprecher.

Eine Radioshow ist eine regelmäßige oder einmalig ausgestrahlte Hörfunksendung, die zur Unterhaltung dient.<ref name=":1">Andreas Böhn, Andreas Seidler: Mediengeschichte: Eine Einführung. Narr Francke Attempto Verlag, 2014, ISBN 978-3-8233-7862-4, S. 122.</ref> In ihren Anfängen zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den USA waren es meistens Live-Vorträge und -übertragungen.

Durch die Erfindung des elektrischen Aufnahmeverfahrens wurde es möglich, die Live-Radioshows auf Schallplatten in guter Qualität aufzunehmen. Ende der 1920er-Jahre konnten via elektrischer Transkription die meist 15-minütigen Radioshows an andere Radiostationen versendet werden, was den Bekanntheitsgrad einiger Shows steigerte.<ref>Pinie Wang: Musik und Werbung: Wie Werbung und Medien die Entwicklung der Musikindustrie beeinflussen. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-658-04640-8, S. 106.</ref>

Finanziert wurden die meisten Radioshows von großen Unternehmen, zum Beispiel aus der Zigaretten-, Seifen- oder Lebensmittelbranche, die ihre Marke in die Titel der eigenen Shows einfließen ließen.

Beispiele berühmter Radioshows

Radioshows wurden Mitte der 1920er-Jahre in den Vereinigten Staaten entwickelt, zu den ältesten und bekanntesten zählt die Grand Ole Opry.<ref>S. W. R. Kultur: 28.11.1925: In Nashville startet die älteste Radioshow der USA. 24. November 2020, abgerufen am 20. Januar 2025.</ref>

Die amerikanische Radioshow Amos ’n’ Andy wurde 1928 von den Weißen Freeman Gosden und Charles Correll ins Leben gerufen, die einen „schwarzen Dialekt“ sprachen und die Rollen von Amos Jones bzw. Andy Hogg Brown spielten. Ihre fünfzehnminütige Radioshow auf WMAQ wurde ursprünglich nur in Chicago ausgestrahlt. Ab dem 19. August 1929 wurde sie landesweit an sechs Abenden wöchentlich ausgestrahlt, zur besten Sendezeit um 18 Uhr, was der Serie die Möglichkeit gab, ein Familienpublikum anzuziehen. Das Radioprogramm präsentierte eine Reihe von Sketchen, in denen es um zwei aufstrebende schwarze Männer ging, die von Georgia nach Chicago ausgewandert waren.<ref>Mark A. Reid: Redefining Black Film. University of California Press, 1993, ISBN 0-520-91284-5, S. 20 (google.de [abgerufen am 16. Januar 2025]).</ref> Gosden und Corell übernahmen mehrere Rollen, männliche wie weibliche, ihr Humor war liebenswert und die Radioshow bei Weißen und Schwarzen gleichermaßen beliebt.<ref name=":3">Gary Poole: Radio Comedy Diary: A Researcher’s Guide to the Actual Jokes and Quotes of the Top Comedy Programs of 1947–1950. McFarland, 2001, ISBN 0-7864-5064-9, S. 194.</ref>

Amerikanische Talentshows im Radio wurden in den 1930er-Jahren zu einem nationalen Trend, als aufgrund der schweren Wirtschaftskrise sehr viele Menschen arbeitslos waren, und die Vorstellung, im Radio reich zu werden, besonders verlockend war (die bekanntesten Gewinner der Major Bowes Amateur Hour waren der Opernstar Beverly Sills und der Sänger Frank Sinatra).<ref>Christopher H. Sterling: Encyclopedia of Radio 3-Volume Set. Routledge, 2004, ISBN 1-135-45649-6, S. 2268–2269.</ref>

Der Lebensmittelkonzern Kraft sponserte mehrere Radioshows, wo berühmte Stars wie Bing Crosby, Henry Fonda, Bob Hope und andere Gastauftritte hatten. Die Kraft Musical Revue, wie die Sendung ursprünglich hieß, war ein überwältigender Erfolg, ebenso wie Miracle Whip.<ref>John McDonough, Karen Egolf: The Advertising Age Encyclopedia of Advertising. Routledge, 2015, ISBN 978-1-135-94906-8, S. 911.</ref><ref>Andrew F. Smith: Mayonnaise. In: Food and Drink in American History: A "Full Course" Encyclopedia. Bloomsbury Publishing USA, 2013, ISBN 979-82-1608547-8 (Ebook).</ref> Die Association of National Advertisers stufte die Sendung innerhalb von zwei Jahren als eine der vier beliebtesten Radiosendungen ein.<ref>John McDonough, Karen Egolf: The Advertising Age Encyclopedia of Advertising. Routledge, 2015, ISBN 978-1-135-94906-8, S. 911.</ref> Einige Künstler wurden nur dank ihrer Anstellung bei den gesponserten Radioshows berühmt, zum Beispiel traten die Sopranistin Virginia Rea und der Tenor Frank Munn in der Radioshow Palmolive Hour unter den Namen Olive Palmer bzw. Paul Oliver auf.<ref>Karl-Josef Kutsch, Leo Riemens: Großes Sängerlexikon. Walter de Gruyter, 2012, ISBN 978-3-598-44088-5, S. 3263.</ref>

Fred Allens Karriere beim Radio erstreckte sich von 1932 bis 1949. Seine erfolgreichste Radioshow war Mitte der 1940er-Jahre Allen's Alley, dabei machten er und seine Frau Portland Hoffa einen Spaziergang durch ein imaginäre Gasse und klopften an Türen, die von verschiedenen „wunderbaren ethnischen Charakteren“ geöffnet wurden, was ein breites Spektrum amerikanischer Kultur repräsentierte.<ref name=":3" />

Von 1938 bis 1959 war eine beliebte kanadische Radioshow The Happy Gang von CBC Radio,<ref>Beverly J. Rasporich: Made-in-Canada Humour: Literary, folk and popular culture. John Benjamins Publishing Company, 2015, ISBN 978-90-272-6817-4, S. XIII.</ref> in der Musik gespielt und einfältige Witze erzählt wurden; die Hörer schickten oft sogar ihre eigenen dummen Witze ein.<ref>Douglas Baldwin, Patricia L. Baldwin: The 1930s. Weigl Educational Publishers, 2000, ISBN 1-896990-64-9 (google.de [abgerufen am 16. Januar 2025]).</ref>

Geschichte

Mit dem Beginn der täglichen Radiosendungen ab Mitte der 1920er-Jahre ergab sich die Notwendigkeit der zeitlichen Strukturierung hin zu einem Programm, um die Zuhörer durch ein attraktives Angebot bei der Stange zu halten.<ref name=":1" /> Allmählich bildeten sich spezielle Beitragsformen heraus, und Formate aus anderen Medien wie Fernsehen oder Kino wurden adaptiert, die sich unterscheiden lassen in informierende (Nachrichten, Berichte, Reportagen, Interviews) und unterhaltende (Radioshows, Hörspiele, Musikbeiträge, Jingles).<ref name=":1" />

In der Mitte bis Ende der 1920er Jahre verlegten einige US-Radiosendern ihre Studios in Hotels, wo es ein Leichtes war, ein Live-Publikum zu versammeln und gleich die „Hausband“ des Hotels zu engagieren, um jeden Abend aus dem Ballsaal der Hotels zu senden.<ref>John Shepherd, David Horn, Dave Laing, Paul Oliver, Peter Wicke: Continuum Encyclopedia of Popular Music of the World, Volume 1: Media, Industry, Society. A&C Black, 2003, ISBN 1-84714-473-X, S. 466.</ref>

In fast allen frühen Radioshows spielten Weiße „Negerrollen“ nach dem Vorbild der Minstrel- und Blackface-Schauspieler auf der Bühne und im Fernsehen. Da die Sendungen noch nicht vor Publikum ausgestrahlt wurden, machte dieses neue elektronische Medium die Täuschung viel einfacher, die ganz auf der Nachahmung des schwarzen Dialekts und der Intonation beruhte. Damit hatte das Radio ein neues rassistisches Phänomen eingeführt, das man dann mit dem Eintritt in den Zweiten Weltkrieg wieder loswerden wollte – Bundesbehörden wurden angewiesen, Radioshows zu entwickeln, die Afroamerikaner in einem positiven Licht darstellten.<ref>William Barlow: Voice Over: The Making of Black Radio. Temple University Press, 1999, ISBN 1-56639-667-0, S. 1, 69 (google.de [abgerufen am 19. Januar 2025]).</ref>

Die Tabakindustrie war der größte Sponsor der Unterhaltungsmusik im Radio: unter den Produktmarken-Radioshows am erfolgreichsten war Lucky Strike.<ref>Pinie Wang: Musik und Werbung: Wie Werbung und Medien die Entwicklung der Musikindustrie beeinflussen. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-658-04640-8, S. 99.</ref> Gesponserte Radiosendungen der 1920er Jahre setzten „indirekte Werbung“ ein, also simple Erwähnungen des Sponsors der Sendung ohne Produktbeschreibung oder Verkaufsargument. Als 1928 das Lucky Strike Dance Orchestra gegründet wurde, setzte NBC aufdringliche Radiowerbung mit expliziten Produktversprechen ein. Schon 1931 wurden für Frauen „milde“ Lucky-Strike-Zigaretten von Opern- und Filmstars zusammen mit „Schlankheits“-Botschaften verkauft, die den Zuhörern suggerierten, sie sollten eine Lucky Strike rauchen statt etwas Süßes zu essen.

Anfang der 1950er Jahre wurden die meisten Talentradioshows ins Fernsehen verlagert; zu Beginn des 21. Jahrhunderts kupferte das Fernsehen die Idee der Radioshows ab, zum Beispiel American Idol und Dancing with the Stars.<ref>Christopher H. Sterling, Cary O'Dell: The Concise Encyclopedia of American Radio. Routledge, 2010, ISBN 978-1-135-17683-9 (Ebook).</ref>

Ab den 1950er-Jahren machten Sender wie Radio Luxemburg klar, was den deutschen Sendern fehlte, deren Präsentation der Sendungen „todernst“ war, und obendrein meist nicht mal die Originalversionen, sondern die Coverversionen ihrer eigenen Bigbands und Orchester spielten: Radio Luxemburg spielte Schlager, Pop, Smalltalk und Werbung, was zwar zuerst als Livesendung simuliert wurde, später aber mit eigenen DJs und auch deutscher Moderation.<ref name=":0">Jan Reetze: Der Sound der Jahre: Westdeutschlands Reise von Jazz und Schlager zu Krautrock und darüber hinaus – Ein Trip durch fünf Musikjahrzehnte. Halvmall, 2022, ISBN 978-3-9822100-3-2 (E-Book).</ref>

Pionierdienste leistete der Bayerische Rundfunk mit Thomas Gottschalk, der seine Radioshow im Jahr 1971 startete. Doch noch immer waren die meisten Präsentatoren keine DJs, sondern nun meist Journalisten, die sich selbst eher als Intellektuelle denn als Unterhalter sahen.<ref name=":0" /> 1952 schlug der junge Engländer Chris Howland, der beim British Forces Network in Hamburg der Betreuer der Popmusik war, dem NWDR eine vollkommen neuartige Musik-Radioshow nach BFN-Vorbild vor und präsentierte ab dem 1. September 1952 dann als „Schallplattenjockey“ aktuelle Populärmusik aus den USA und Großbritannien.<ref>Aline Maldener, Clemens Zimmermann: Let's historize it! Jugendmedien im 20. Jahrhundert. Böhlau Köln, 2018, ISBN 978-3-412-50425-0, S. 148 (google.de [abgerufen am 15. Januar 2025]).</ref> Chris Howland war über Jahre hinweg einer der wenigen Sprecher, der seine Sendungen aufhellte, so auch Jimmy Jungermann im Bayerischen Rundfunk.<ref name=":0" />

Der an Promotion orientierte Teil der damaligen Musikkultur stellte während der amerikanischen Wirtschaftskrise um 1929 eine Zuflucht für Musikschaffenden dar; Musiktheater wie das Vaudeville mussten schließen, weil die Zuschauer sich diese Unterhaltungsform nicht mehr leisten konnten.<ref name=":4">Lorenz Grünewald-Schukalla: Streben nach Momentum: Musikkultur zwischen Marken und Medienplattformen. Springer-Verlag, 2024, ISBN 978-3-658-46659-6, S. 19, 97.</ref> Die von finanzstarken Unternehmen gesponserten Radioshows konnten den nun nach neuen Arbeitsstellen suchenden Musikschaffenden jedoch weiterhin Gagen anbieten.<ref name=":4" /> So stieg in den 1930er-Jahren die weiße Version des Swing unter maßgeblichem Einfluss der Shows von Camel und dem Keksproduzenten National Biscuit zur populärsten Musikrichtung auf.<ref name=":4" /> Somit machte die Musikindustrie mit ihrer promotionalen Strategie die ehemaligen Vaudeville-Entertainer zu Stars.<ref name=":4" />

Die Jahre zwischen 1950 und 1960 gelten gemeinhin als „Blütezeit“ des deutschen Hörfunks, die Programmstrukturen waren stabil, Programmkonzeptionen wurden kaum verändert, Innovationen waren selten.<ref name=":2">Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. 20 2010, 17.05.2010 - Thema: 60 Jahre ARD - Von der Vielstimmigkeit zur Marke: 60 Jahre ARD-Hörfunkprogramme. Abgerufen am 17. Januar 2025.</ref> Das Echo des Tages oder die Rundschau aus dem Hessenland, Hörspiele von Günter Eich oder die Radioshows von Hans-Joachim Kulenkampff und Peter Frankenfeld sprachen große Hörergruppen an.<ref name=":2" /> Rudi Carrells erste Aktivität außerhalb des Fernsehens war 1968 eine eigene Radioshow im Hessischen Rundfunk. Wie auch bei seinen Bühnenengagements in Deutschland, konnte Carell dabei auf seine Erfahrungen aus der holländischen Vorfernsehzeit zurückgreifen. Wie viele seiner Fernsehkollegen - Frankenfeld, Kulenkampff, Wim Thoelke oder Hans Rosenthal – hatte auch Carell in den 1950er-Jahren, bevor er zum Fernsehen kam, Erfahrung beim Radio gesammelt.<ref>Jürgen Trimborn: Rudi Carrell: ein Leben für die Show : die Biographie. Bertelsmann, 2006, ISBN 3-570-00941-6, S. 203.</ref>

Aktuelle Entwicklung

Durch die Verlagerung der Mediennutzung hin zum Fernsehen und vor allem zu Online-Medien ist die ‚große Zeit‘ der Unterhaltungssendungen im Hörfunk vorbei.<ref name=":1" /> Eine Ausnahme machen die sogenannten Morningshows, die seit den 1990er-Jahren im deutschsprachigen Radio verbreitet sind.

Literatur

  • Michele Hilmes: Only Connect: A Cultural History of Broadcasting in the United States. 4. Auflage. Wadsworth Cengage Learning, 2014, ISBN 978-1-285-05207-6.

Einzelnachweise

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