Flagge der Roma
Die Flagge der Roma (Romani: O styago le romengo)<ref>Christian Urlaub: 04/2022 – Steglitz-Zehlendorf zeigt Flagge gegen Antiziganismus. Bezirksamt Steglitz-Zehlendorf, abgerufen am 2. April 2026.</ref> ist ein internationales Symbol, das am 8. April 1971 auf dem Ersten Welt-Roma-Kongress in Orpington bei London eingeführt wurde. Sie wird vor allem von Organisationen und Akteuren der Roma verwendet.
„Roma“ bezeichnet eine spezifische ethnische Gruppe, andererseits dient er als Sammelbegriff für verschiedene Gruppen mit Romanes-Sprachtradition.<ref name="eu">Europäische Union / Agentur für Grundrechte (FRA): Verwendung des Begriffs „Roma“ als Sammelbegriff.</ref> Im deutschsprachigen Raum ist hingegen die Bezeichnung „Sinti und Roma“ gebräuchlich, um unterschiedliche historische und kulturelle Identitäten zu berücksichtigen.<ref name="zentralrat">Zentralrat Deutscher Sinti und Roma: Selbstverständnis und Stellungnahmen. 24. Februar 2026, abgerufen am 2. April 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Vor diesem Hintergrund wird die Repräsentativität der Flagge unterschiedlich bewertet.
Beschreibung
Die Flagge besteht aus zwei horizontalen Streifen: Blau im oberen und Grün im unteren Bereich. Diese Farben werden meist als Symbol für Himmel und Erde interpretiert.<ref name=":0">Gilda-Nancy Horvath: Der Internationale Roma-Tag - ein Nationalfeiertag? Deutsche Welle, abgerufen am 2. April 2026.</ref>
Im Zentrum befindet sich ein rotes Speichenrad (Chakra). Es wird häufig als Hinweis auf eine historische Verbindung zum indischen Subkontinent gedeutet und kann zugleich als Symbol für Bewegung und Wandel verstanden werden.<ref name="orf">Avishek Ray: Roma-Herkunft: „Laune des Orientalismus“. 25. April 2022, abgerufen am 2. April 2026.</ref>
Geschichte
Die Flagge wurde 1971 auf dem Ersten Welt-Roma-Kongress in London als Symbol der Roma angenommen.<ref>Roma-Flagge weht am 8. April 2026 vor dem Neuen Rathaus. Stadt Leipzig, abgerufen am 2. April 2026.</ref> Zeitgleich wurde auch die Hymne Gelem, Gelem als gemeinsames Symbol etabliert.<ref name=":1">Petra Gelbart: Die Roma-Hymne als Mikrokosmos der Vielfalt - RomArchive. Abgerufen am 2. April 2026.</ref>
In der Forschung wird die Einführung von Flagge und Hymne teilweise als Teil eines politischen und kulturellen Prozesses interpretiert, in dem gemeinsame Symbole geschaffen wurden, um ein gemeinsames Zugehörigkeitsgefühl zu stärken.<ref name=":1" /><ref name="silverman">Carol Silverman: Romani Routes: Cultural Politics and Balkan Music in Diaspora. Oxford University Press, 2012.</ref>
Begriffliche Einordnung
Im deutschsprachigen Raum hat sich hingegen die differenzierende Bezeichnung „Sinti und Roma“ etabliert, die die Eigenständigkeit verschiedener Gruppen betont.<ref name="zentralrat" /> Diese unterschiedliche Verwendung wirkt sich auch auf die Bewertung gemeinsamer Symbole wie der Flagge aus.
Verwendung
Die Flagge wird insbesondere bei politischen und zivilgesellschaftlichen Anlässen verwendet, etwa bei Demonstrationen, Gedenkveranstaltungen oder am Internationalen Tag der Roma (8. April).<ref name=":0" />
Kritik und Kontroversen
Die Verwendung der Flagge ist innerhalb verschiedener Gruppen umstritten und wird auch in der wissenschaftlichen Diskussion unterschiedlich bewertet. Die Kritik bezieht sich vor allem auf ihre Repräsentativität, ihre Symbolik und ihre Wirkung in der Öffentlichkeit.
Ein wichtiger Kritikpunkt ist die Frage, wen die Flagge repräsentiert. Während der Begriff „Roma“ international oft als Sammelbegriff verwendet wird, wird im deutschsprachigen Raum stärker zwischen Sinti und Roma unterschieden.<ref>Zentralrat Deutscher Sinti & Roma: Vorstandsbrief. 13. April 2017, abgerufen am 2. April 2026.</ref> Deshalb wird die Flagge teilweise nicht als Symbol für alle Gruppen angesehen.
Im Zusammenhang mit öffentlichen Beflaggungen zum Internationalen Tag der Roma wird von Vertretern des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma betont, dass sich viele deutsche Sinti und Roma in erster Linie als Bürger ihrer jeweiligen Staaten verstehen. Dabei wird hervorgehoben, dass ihre Zugehörigkeit zu demokratischen Rechtsstaaten sowie zu deren Verfassungsordnung im Vordergrund steht. Diese Position knüpft an das Selbstverständnis der deutschen Sinti und Roma als anerkannte nationale Minderheit an, deren politische Arbeit vor allem auf Gleichberechtigung und gesellschaftliche Teilhabe innerhalb bestehender staatlicher Strukturen ausgerichtet ist.<ref name="zentralrat" />
In der Forschung wird zudem darauf hingewiesen, dass Flagge und Hymne im Zusammenhang mit einem politischen Prozess entstanden sind, in dem gemeinsame Symbole geschaffen wurden, um ein gemeinsames Zugehörigkeitsgefühl zu stärken. Die Musikwissenschaftlerin Petra Gelbart beschreibt dies als Teil eines Prozesses, der teilweise als „Roma-Nationalismus“ interpretiert wird.<ref name=":1" />
Andere Wissenschaftler weisen darauf hin, dass solche Symbole oft ein einheitliches Bild vermitteln, das die tatsächliche Vielfalt der Gruppen nur teilweise widerspiegelt.<ref name="silverman" />
Kritisch wird hinsichtlich der Symbolik der Flagge diskutiert, dass einzelne Elemente,insbesondere das Rad, mit Vorstellungen von Mobilität oder „Wanderschaft“ assoziiert werden können. Solche Vorstellungen gelten in der Forschung als Teil antiziganistischer Stereotype, in denen Sinti und Roma historisch als „fremd“ oder „staatenlos“ dargestellt wurden.<ref>Vgl. Wolfgang Wippermann: Antiziganismus. Zur Geschichte eines Vorurteils. Hamburg 1997, S. 40–60.</ref><ref>Vgl. Klaus-Michael Bogdal: Europa erfindet die Zigeuner. Frankfurt am Main 2011, S. 100–120.</ref>
Einzelnachweise
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