Zum Inhalt springen

Grauer Riffhai

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 22. November 2025 um 14:15 Uhr durch imported>A1000 (-BKL).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

<templatestyles src="Vorlage:Taxobox/styles.css" />

Grauer Riffhai
Datei:C. amblyrynchus.JPG

Grauer Riffhai (Carcharhinus amblyrhynchos)

Systematik
Teilklasse: Haie (Selachii)
Überordnung: Galeomorphii
Ordnung: Grundhaie (Carcharhiniformes)
Familie: Requiemhaie (Carcharhinidae)
Gattung: Carcharhinus
Art: Grauer Riffhai
Wissenschaftlicher Name
Carcharhinus amblyrhynchos
(Bleeker, 1856)

Der Graue Riffhai (Carcharhinus amblyrhynchos) ist ein Vertreter der Requiemhaie (Carcharhinidae). Der mittelgroße Hai bewohnt weltweit Lagunen, Kanäle und Außenriffe der tropischen Regionen.<ref name="rfrm">E. Lieske, R. Myers: Korallenriff-Führer Rotes Meer. Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-440-09356-5, S. 25.</ref> Der gelegentlich verwendete, abgekürzte Name Grauhai ist nicht eindeutig und kann auch den deutlich größeren Sechskiemerhai bezeichnen.

Merkmale

Der Hai wird 1,5–2,5 Meter, meist um 1,85 m lang, wobei die Weibchen deutlich kleiner und leichter als Männchen sind.<ref>Mark Carwardine: Haie. Delius Klasing, 2005, ISBN 3-7688-1601-X.</ref> Er besitzt einen torpedoförmigen Körper mit einer breiten, runden Schnauze. Die Rückenflosse beginnt meist auf Höhe des freien Endes der Brustflossen; der Graue Riffhai besitzt keinen Interdorsalkamm.<ref name="haich">Hai.ch: Grauer Riffhai (Carcharhinus amblyrhynchos)</ref> Die Oberseite des Körpers zeigt eine hell- bis dunkelgraue, seltener bräunliche Färbung, die Schwanzflosse weist einen schwarzen Saum auf. Die erste Rückenflosse trägt meist keine Zeichnung; bei Populationen im Roten Meer und Indischen Ozean kommt ein weißer Hinterrand der ersten Rückenflosse vor.<ref name="hennemann"></ref> Die Körperunterseite ist deutlich heller gefärbt. Die Lebenserwartung liegt bei maximal 25 Jahren.<ref name="haich" /><ref name="memofish">Alberto Siliotti und andere: Memofish Book – Die Fische des Roten Meeres. Geodia Verlag, Verona 2002, ISBN 88-87177-43-0.</ref>

Verbreitung und Lebensraum

Datei:Carcharhinus amblyrhynchos distmap.png
Verbreitungsgebiete des Grauen Riffhais

Der Graue Riffhai ist im Indopazifik (Madagaskar, Seychellen, Malediven, Thailand, Australien, Hawaii, Tahiti) und im Roten Meer beheimatet. Er hält sich vorwiegend in Lagunen, Kanälen und Außenriffen auf.

Der Hai bevorzugt den Bereich zwischen der Wasseroberfläche und maximal 275–280 Metern Wassertiefe; am Riff hält er sich meist am äußeren Riffabhang (Außenriff) und in Lagunen in der Nähe starker Strömung auf.<ref name="rfrm" /> Die Tiere wurden aber auch am inneren Riffabhang oder über Sandplateaus gefunden.<ref name="memofish" /> Die Art zeigt zusammen mit dem Schwarzspitzen-Riffhai eine Mikrohabitat-Trennung, wobei der Graue Riffhai den tieferen, der etwas kleinere Schwarzspitzen-Riffhai den Flachbereich des Habitats bewohnt. Fehlt dieser, so bewohnt der Graue Riffhai beide Areale. Zusammen mit dem Weißspitzen-Riffhai gehören beide zu den häufigsten Arten in den Korallenriffen Ozeaniens.<ref name="hennemann" />

Lebensweise

Verhalten

Der Hai ist neugierig, aktiv und meist schnell schwimmend. Das soziale Tier bildet teils am Tag Schulen; auffällig sind Schulen von juvenilen und subadulten Tieren. Der Graue Riffhai ist zwar am Tag auffindbar, aber eher nachts aktiv und auf Beutefang.<ref name="haich" /> Adulte Tiere zeigen ein ausgeprägtes Revierverhalten; die Fläche des Territoriums liegt meist bei rund vier Quadratkilometern.<ref name="hennemann" /> Eindringlinge werden durch Drohverhalten wie schnelles Schwimmen mit übertriebenen Bewegungen der Schwanzflosse, Senken der Brustflossen, Kopfrollen und Buckelbildung gewarnt (Hunching); danach folgt ein einzelner, meist nicht tödlicher Biss.<ref name="rfrm19">E. Lieske, R. Myers: Korallenriff-Führer Rotes Meer. 2004, Franckh-Kosmos Verlag, Stuttgart, ISBN 3-440-09356-5, S. 19</ref> Die Populationen im Pazifik sind dabei deutlich aggressiver als die des Indischen Ozeans und Roten Meeres.<ref name="hennemann" />

Ernährung

Datei:Grauer Riffhai 3.jpg
Grauer Riffhai mit deutlichen Bissspuren am Hinterleib während der Paarungszeit

Der Graue Riffhai ernährt sich vorwiegend von Rifffischen wie Muränen, Hornhechten, Soldaten-, Falter- und Doktorfischen, aber auch von Kopffüßern und Krebsen. Er frisst meist in Bodennähe. Durch harpunierte Fische kann eine Fressorgie ausgelöst werden.<ref name="rfrm" /> Nachts wurden Gruppen von Grauen Riffhaien beobachtet, die Schwarmfische – ähnlich wie ein Rudel Wölfe – an einer Riffwand zusammentrieben, bevor die Beutetiere angegriffen wurden.<ref name="hennemann" />

Fortpflanzung

Graue Riffhaie werden im Alter von sieben Jahren und einer Größe zwischen 130 und 145 cm geschlechtsreif. Sie sind lebendgebärend und bekommen pro Wurf ein bis sechs Junge; diese sind bei der Geburt 40–60 cm lang.<ref name="rfrm" /> Bei der Paarung kommt es nicht selten zu Bissen mit sichtbaren Verletzungen, wobei die größeren Männchen die weiblichen Tiere in Flossen und Hinterleib beißen.<ref>J. Stafford-Deitsch: Red Sea Sharks. Trident Press, 1999, ISBN 1-900724-28-6, S. 19–24, 27–32, 74–75</ref>

Gefährdung für den Menschen

Trotz des deutlichen Drohverhaltens adulter Tiere wurde über Angriffe des Grauen Riffhais auf Menschen berichtet.<ref name="haich" /> Dies ist jedoch auch auf das häufige, nicht pelagische Vorkommen der Art an Riffen zurückzuführen.<ref name="hennemann" />

Gefährdung und Populationsentwicklung

Der Graue Riffhai ist eine immer noch recht häufige Art. Dennoch setzte die IUCN den Carcharhinus amblyrhynchos seit dem Jahr 2000 wegen des Populationsrückgangs auf die Rote Liste gefährdeter Arten<ref>IUCN: 2008 Pacific islands Red List for Animals (2008) (PDF; 533 kB)</ref> und stuft die Art seither als near threatened (gering gefährdet) ein. Als Gefährdungsursache wird das eingeschränkte Habitat Korallenriff, die Standorttreue, der langsame Reproduktionszyklus der Art und der hohe Druck durch die Fischerei im Großteil seines Verbreitungsgebietes angesehen. Genaue Daten zur Entwicklung der Populationen fehlen.<ref name="IUCN">[[[:Vorlage:IUCN/Weblink]] Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:IUCN“ ist nicht vorhanden.] in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2009. Eingestellt von: Smale, M.J., 2005. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.</ref> Er wird dabei teils als Beifang, teils durch Jagd speziell auf diese Haiart – wie auf den Malediven – gefangen.<ref name="hennemann" />

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

Commons: Carcharhinus amblyrhynchos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien