World Choir Games
World Choir Games ist der Name eines internationalen Chorwettbewerbes, der in Deutschland auch Chorolympiade genannt wird. Die World Choir Games wurden begründet vom Präsidenten des Fördervereins INTERKULTUR e. V., Günter Titsch. Der Verein führt seit 1988 verschiedene Festivals und Chorwettbewerbe durch. Die Chorolympiade fand erstmals im Jahre 2000 statt. Nach Darstellung der Veranstalter soll sie dem olympischen Gedanken folgend Völker im friedlichen Wettstreit zusammenführen und es ihnen ermöglichen, sich als Chorsänger weltweit zu präsentieren und ihre Leistungen zu messen.
Geschichte
Der Chorsänger Günter Titsch veranstaltete bereits 1988 in Budapest, hinter dem damaligen „eisernen Vorhang“, erstmals einen länderübergreifenden Chorwettbewerb mit Teilnehmern aus Ungarn und Deutschland.<ref>The global singing champion. Abgerufen am 5. Oktober 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Um das Konzept weiterzuentwickeln und auszubreiten, gründete Titsch dann 1990 den Förderverein Interkultur e.V als Dachorganisation der Wettbewerbe.<ref>Chorgesang als Lebenswerk. Abgerufen am 5. Oktober 2023.</ref> Der Name des Vereins sollte dabei ausdrücken, dass die Organisatoren das Ziel verfolgten, verschiedene Kulturen durch ihre Veranstaltungen zusammen zu bringen.<ref name="IK About" /> Die erste von Interkultur organisierte, international ausgelegte Chorolympiade, später World Choir Games, wurde, in Anlehnung an die olympischen Spiele, 2000 im österreichischen Linz ausgetragen und vereinte Chöre aus 60 Ländern.<ref>Bremer Musical Company kehrt mit Erfolg von Olympiade wieder. Abgerufen am 5. Oktober 2023.</ref> Ein wesentlicher Bestandteil der Games ist, dass sie nicht nur Ensembles mit vorheriger Wettbewerbserfahrung offenstehen. Chöre können selbst entscheiden, ob sie an der Veranstaltung teilnehmen und sind nicht auf eine konkrete Einladung durch die Initiatoren angewiesen.<ref>Dank Gesangskunst und Crowdfunding an den World Choir Games. Abgerufen am 5. Oktober 2023.</ref> Die Olympiade besteht einerseits aus einem Wettbewerbsmodus für leistungsstarke Chöre (‚The Champions Competition‘), die bereits internationale Wettkampferfahrung aufweisen und einem offenen Wettbewerb (‚The Open Competition‘), der allen Chören unabhängig von ihrer Leistungsstufe offensteht. Des Weiteren gibt es einen Festivalteil mit Freundschaftskonzerten und chorpädagogischen Angeboten wie individuellen Beratungsrunden und Proben mit internationalen Chorfachleuten.<ref name="IK About" /> Während die Spiele regulär einem zweijährigen Rhythmus folgten, musste die für 2020 in Flandern angesetzte Olympiade, aufgrund der Covid-Pandemie, um ein Jahr verschoben werden.<ref>Flandern muss die Chor-Weltmeisterschaft verschieben: Neues Datum steht schon fest. Abgerufen am 5. Oktober 2023.</ref> Nach Wettkämpfen in Europa, Asien, Nordamerika, Afrika und Ozeanien werden die World Choir Games 2026 wieder in Europa stattfinden, in Helsingborg (Schweden).<ref>Helsingborg to host World Choir Games 2026. Abgerufen am 5. Oktober 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Austragungsorte
| Jahr | |||||
|---|---|---|---|---|---|
| Wettbewerb | Gastgeberstadt | Datum | Länder | Teilnehmer | |
| 2000 | 1. Chorolympiade | Linz, Österreich | 7.–16. Juli<ref>https://www.interkultur.com/de/events/world-choir-games/linz-2000/</ref> | 60 | 15.000 Teilnehmer |
| 2002 | 2. Chorolympiade | Busan, Südkorea | 19.–27. Oktober<ref>https://www.interkultur.com/de/events/world-choir-games/busan-2002/</ref> | 48 | 288 Chöre |
| 2004 | 3. Chorolympiade | Bremen, Deutschland | 8.–18. Juli<ref>https://www.interkultur.com/de/events/world-choir-games/bremen-2004</ref> | 83 | 18.000 Teilnehmer |
| 2006 | 4. World Choir Games | Xiamen, China | 15.–26. Juli<ref>https://www.interkultur.com/de/events/world-choir-games/xiamen-2006</ref> | 80 | 20.000 Teilnehmer |
| 2008 | 5. World Choir Games | Graz, Österreich | 9.–19. Juli<ref>https://www.interkultur.com/de/events/world-choir-games/graz-2008</ref> | 93 | 20.000 Teilnehmer |
| 2010 | 6. World Choir Games | Shaoxing, China | 15.–26. Juli<ref>https://www.interkultur.com/de/events/world-choir-games/shaoxing-2010</ref> | 83 | 21.700 Teilnehmer |
| 2012 | 7. World Choir Games | Cincinnati, Vereinigte Staaten | 4.–14. Juli<ref>https://www.interkultur.com/de/events/world-choir-games/cincinnati-2012</ref> | 64 | 15.000 Teilnehmer |
| 2014 | 8. World Choir Games | Riga, Lettland | 9.–19. Juli<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Rīga to Host 2014 World Choir Games ( vom 14. Juli 2014 im Internet Archive), latvia.lv</ref> | 73 | 27.000 Teilnehmer |
| 2016 | 9. World Choir Games | Sotschi, Russland | 6.–16. Juli<ref>World Choir Games - Sotschi 2016: INTERKULTUR. In: www.wcg2016.com. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 29. Juli 2016; abgerufen am 29. Juli 2016. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref> | 76 | 12.000 Teilnehmer |
| 2018 | 10. World Choir Games | Tshwane, Südafrika | 4.–14. Juli<ref>Fono Forum - Südafrika empfängt 2018 viele Chöre. Abgerufen am 29. Juli 2016.</ref> | 46 | 298 Chöre |
| 2021 | 11. World Choir Games | Antwerpen und Gent, Belgien | 30. Oktober – 7. November<ref>World Choir Games - Flandern 2021. Abgerufen am 28. April 2020.</ref> | 50 | 300 Chöre |
| 2023 | 12. World Choir Games | Gangneung, Südkorea | 3.–13. Juli<ref>The 12th World Choir Games Sees South Korean City Play Host 1. Abgerufen am 24. August 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> | 46 | 324 Chöre |
| 2024 | 13. World Choir Games | Auckland, Neuseeland | 10.–20. Juli<ref>Auckland full of singers and visitors for World Choir Games. Abgerufen am 19. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> | 42 | 250 Chöre |
| 2026 | 14. World Choir Games | Helsingborg, Schweden | 6.–16. August<ref>Helsingborg to host the World Choir Games 2026. 7. Juli 2025, abgerufen am 16. Juli 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> |
Wettbewerbsmodus
Der Wettbewerb folgt einem eigenen Bewertungssystem, anhand dessen die 5–7-köpfige Jury mittels festgelegter Kriterien den Leistungsstand der teilnehmenden Chöre beurteilt. Dazu werden die Chöre in Kategorien eingeteilt, die vergleichbare Besetzungen (zum Beispiel Kinder-, Jugend-, Männer-, Frauen-, gemischte Chöre) oder vergleichbare künstlerische Ausrichtungen zusammenfassen (beispielsweise Pop-, Gospel-, Folklore-Chöre, Kirchenchöre). Die Wettbewerbe werden in zwei vollwertigen Wettbewerbsteilen unterschiedlichen Niveaus ausgetragen.
Als World Choir Games – The Open Competition wird ein offener Wettbewerb bezeichnet, der jedem Chor die Teilnahme ermöglichen soll. Zu diesem Teil werden Chöre jeglichen Leistungsstandards und ausdrücklich auch solche ohne oder mit geringer Wettbewerbserfahrung aufgerufen. Die Teilnehmer erfahren ihren Leistungsstand durch Jurywertung und erhalten eine Urkunde.
Der Wettbewerb World Choir Games – The Champions Competition ist für erfahrene Chöre angelegt, die ihren Leistungsstand bei anderen internationalen Wettbewerben unter Beweis gestellt haben, objektive Zulassungskriterien erfüllen, durch ein nationales Kultusministerium oder einen Chorverband empfohlen wurden oder sich durch Teilnahme an einem vorgelagerten Qualifikationskonzert mit Juryentscheid qualifiziert haben.
Ehrungen
Der Kulturpreis Europa, der Beiträge zu einem friedlichen Europa auszeichnet, wurde 2006 und 2016<ref>Kultur ist nichts Natürliches. Abgerufen am 24. August 2023.</ref>, an den Förderverein Interkultur verliehen. Anlässlich der World Choir Games 2010 sandte der damalige US-Präsident Barack Obama ein Grußwort an die teilnehmenden Chöre, in welchem er den Beitrag der World Choir Games zur Völkerverständigung würdigte.<ref>6. WORLD CHOIR GAMES. Abgerufen am 24. August 2023.</ref>
Ausgewählte Teilnehmer-Chöre
Auflistung von Chören, die entweder im Wettbewerbsmodus der WCG Rekorde erzielten oder deren Teilnahme an der Chorolympiade aufgrund ihres Hintergrunds, ihrer Zusammensetzung oder ihrer Geschichte besonders war. Die Teilnahme an den WCG steht dabei seit der Gründung allen Chören offen.<ref name="IK About">World Choir Games. Abgerufen am 5. Oktober 2023.</ref>
- Stellenbosch University Choir – Traditionschor aus Südafrika, bester Chor der WCG 2016<ref>Stellenbosch University Choir wins big at international Choir Games. Abgerufen am 5. Oktober 2023.</ref> und Platz 1 auf der Rangliste seit Oktober 2012. Der Chor hält außerdem den World-Choir-Games-Weltrekord mit einer Bewertung von 99 (von 100 möglichen) Punkten in der Kategorie „Gemischte Chöre“ bei den World Choir Games 2014 in Riga (Lettland)<ref>Die 10 besten Chöre 2022 in der Weltrangliste von INTERKULTUR. Abgerufen am 5. Oktober 2023.</ref>
- Noor-e omid – erster gemischtgeschlechtlicher afghanischer SATB-Chor (Teilnahme an WCG 2016)<ref>The first polyphonic choir in Afghanistan. Abgerufen am 5. Oktober 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Amaranthe – belgischer Frauenchor, der bei den WCG 2023 zum zweiten Mal hintereinander Champion der World Choir Games wurde<ref>Frauenchor Amaranthe aus Oudenaarde wurde in Südkorea zum zweiten Mal Weltmeister. Abgerufen am 5. Oktober 2023.</ref>
- Changsha Dream of Wings Blind Children’s Choir – chinesischer Chor aus blinden Kindern, die unter anderem bei den WCG 2016 antraten<ref>Blind choir moves the audience to tears. Abgerufen am 5. Oktober 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Carmen Manet – slowenischer Frauenchor und Eurovision Choir of the Year 2017<ref>Carmen manet to participate in European Choir Games. Abgerufen am 5. Oktober 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Slowenischer Chor Carmen manet als Eurovision Choir of the Year ausgezeichnet. Abgerufen am 5. Oktober 2023.</ref>
- UMOJA Men’s Chorus – US-amerikanischer Gefängnis-Insassen-Chor, der an den World Choir Games 2012 teilnahm<ref>Prison choir wins gold medal at World Choir Games. Abgerufen am 5. Oktober 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Tianjin Dolphin Hearing Disabled Children’s Choir – chinesischer Kinder-Chor, dessen Mitglieder Höreinschränkungen aufweisen. (Teilnahme an den WCG 2016)<ref>Breaking the silence. Abgerufen am 5. Oktober 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Kritik
Im Zusammenhang mit der Chorolympiade 2004 in Bremen wurde dem Förderverein ein „undurchsichtiges Finanzgebaren“ unterstellt. Gemäß Zeitungsberichten wurden teilnehmende Chöre dazu angehalten, ihre Unterkünfte über die Agentur „M&C Music Contact“ zu buchen, der ein Naheverhältnis zu INTERKULTUR e. V. zugeschrieben wurde.<ref>Abzocke bei Chorolympiade. Abgerufen am 24. August 2023.</ref> Die Agentur begründete die kritisierte Preishöhe damit, dass die angebotenen Unterkunftspakete auch einen Beitrag zu den Organisationskosten, freien Eintritt zu den Wettbewerbskonzerten und eine kostenlose Stadtführung enthalten würden.<ref name="FR 14.09">""Abzocke" nach Noten bei Chor-Olympiade", Frankfurter Rundschau vom 14. September 2004.</ref> Teilnehmer aus „ärmeren Ländern“ hätten auch einen geringeren Teilnahmepreis entrichten müssen.<ref name="GAll 15.09">"Chorolympiade steht im Kreuzfeuer der Kritik", Giessener Allgemeine vom 15. September 2004.</ref> Das Verbandsorgan des Deutschen Sängerbunds unterstellte den Organisatoren in diesem Zusammenhang eine mangelnde Abgrenzung von kommerziellem und gemeinnützigem Vorgehen.<ref name="FR 14.09" /> Günter Titsch, der Gründer der Chorolympiade und Vorsitzende von Interkultur, verwies darauf, dass der Förderverein während der Veranstaltung in Bremen 2000 Mitgliedern von Kinder- und Jugendchören kostenlose Unterbringung und Verpflegung ermöglicht hätte,<ref name="GAnz 16.09">"Interkultur-Partner verursacht schiefe Töne im Sängerlager", Giessener Anzeiger vom 16. September 2004.</ref> räumte aber ein, dass Interkultur sich bei zukünftigen Olympiaden für eine bessere Organisation<ref name="GAll 15.09" /> und eine klarere Abgrenzung einsetzen würde.<ref name="FR 14.09" /> Die Gießener Staatsanwaltschaft erklärte am 18. September 2004, dass sie keine Grundlage für Ermittlungen sähe, da alle Teilnehmer vorab über die verbundenen Kosten informiert worden waren.<ref name="GAnz 18.09">"Staatsanwaltschaft winkt ab", Giessener Anzeiger vom 18. September 2004.</ref>
Einzelnachweise
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