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Wiesenzecke

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Wiesenzecke – Auwaldzecke –
Buntzecke – Winterzecke
Datei:DermacentorReticulatus CF.jpg

Dermacentor reticulatus (♂)

Systematik
Unterklasse: Milben (Acari)
Überordnung: Parasitiformes
Ordnung: Zecken (Ixodida od. Metastigmata)
Familie: Schildzecken (Ixodidae)
Gattung: Buntzecken (Dermacentor)
Art: Wiesenzecke – Auwaldzecke –
Buntzecke – Winterzecke
Wissenschaftlicher Name
Dermacentor reticulatus
(Fabricius, 1794)

Die Wiesenzecke (Dermacentor reticulatus), auch Auwaldzecke, Buntzecke oder Winterzecke genannt,<ref>Martin Oversohl: Verbreiter der „Hundemalaria“: Winterzecke breitet sich zunehmend aus, auf: geo.de, abgerufen am 21. Januar 2021</ref><ref>Terminator mit Stechrüssel Winterzecke kommt früher und bleibt länger, auf: n-tv.de vom 18. Januar 2021</ref><ref name="Hannover.de">Studie zur Verbreitung von Buntzecken</ref> ist ein Vertreter der Gattung der Buntzecken (Dermacentor). Der Trivialname ‚Wiesenzecke‘ wird gegenüber dem früher verwendeten Namen ‚Auwaldzecke‘ offenbar vorgezogen, weil der bevorzugte Lebensraum wohl eher offene Landschaften mit Sonnenexposition sind, also Wiesen, Renaturierungsareale oder Waldränder. Die Art ist von Portugal bis zum Baltikum verbreitet.<ref>Andrea Springer, Christina Strube: Citizen Science in der Zeckenforschung – ein Erfolgsmodell. In: BIOspektrum Band 31, Nummer 1, 2025. (online)</ref>

Die Wiesenzecke hat vor allem als Überträger von Babesia canis canis, dem Erreger der Babesiose des Hundes („Hundemalaria“), sowie als Überträger von Babesia caballi und Theileria equi (Pferdepiroplasmose) eine größere Bedeutung. Sie ist auch für die Übertragung des Q-Fiebers verantwortlich, einer Zoonose, gegen die es keinen in Deutschland zugelassenen Impfstoff gibt. Außerdem kann sie die Hasenpest (Tularämie) und nach neuen Erkenntnissen auch FSME<ref>Robert Koch-Institut, Epidemiologisches Bulletin 27. April 2017/Nr. 17, Seite 151</ref> auf den Menschen übertragen.

Morphologie

Die Männchen sind nüchtern mit 2,9–4,4 mm geringfügig größer als die Weibchen (2,9–3,7 mm) und zeigen keine Größenzunahme beim Saugakt, während Weibchen durch die Blutaufnahme bis auf 12 mm zunehmen. Der Körper (Idiosoma) ist gleichmäßig braun und weist ein weiß-braun marmoriertes Rückenschild (Scutum) auf. Diese bedeckt bei Männchen den ganzen Körper, bei Weibchen nur das vordere Körperdrittel. In Höhe des zweiten Beinpaares befindet sich ein Augenpaar. Die Larven haben sechs Beine und sind nüchtern nur etwa 0,5 mm groß, die achtbeinigen Nymphen etwa 1 mm.<ref>Maren Kohn: Untersuchungen zur saisonalen Aktivität der Buntzecke Dermacentor reticulatus im Umland von Berlin und Bestimmung assoziierter Pathogene. Diss. FU Berlin 2019, S. 2.</ref>

Synonyme

Datei:DermacentorReticulatus2 CF.jpg
Unterseite mit Analöffnung und -furche

Synonyme der Art sind:

  • Acarus reticulatus Fabricius, 1794<ref name="Fauna">Dermacentor (Dermacentor) reticulatus (Fabricius 1794). Fauna Europaea, Version 1.3, 19.04.2007, abgerufen am 4. Oktober 2007.</ref>
  • Dermacentor ferrugineus <templatestyles src="Person/styles.css" />Koch, 1844<ref name="Fauna"/>
  • Ixodes holsatus <templatestyles src="Person/styles.css" />Kolenati, 1857<ref name="Fauna"/>
  • Ixodes marmoratus <templatestyles src="Person/styles.css" />Mégnin, 1880<ref name="Fauna"/>
  • Dermacentor pardalinus <templatestyles src="Person/styles.css" />Koch, 1844<ref name="Fauna"/>
  • Ixodes pictus <templatestyles src="Person/styles.css" />Gervais, 1844<ref name="Fauna"/>

Entwicklungszyklus

Die Wiesenzecke zeigt einen dreimaligen Wirtswechsel. Ein kompletter Entwicklungszyklus dauert etwa 1–1,5 Jahre. Als Endwirte der Wiesenzecke spielen Haustiere wie Hunde und Pferde, aber auch Rinder und Schafe, Wildschweine, Rehe und Füchse eine Rolle. Auch der Goldschakal kann von der Art befallen sein.<ref>SHZ: Goldschakal bringt gefährliche Zecken und Fleckfieber</ref> Menschen werden nur selten gestochen.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Informationen zur Auwaldzecke (Memento des Vorlage:IconExternal vom 21. August 2014 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.zeckenwetter.de auf zeckenwetter.de</ref> Die Paarung der adulten Zecken findet auf dem Wirt statt, wobei die Weibchen eine 8-tägige Blutmahlzeit einnehmen müssen und die Kopulation innerhalb der ersten 3 Tage stattfinden muss. Auf der Suche nach potentiellen Wirten klettern adulte Zecken auf Gräser und andere Vegetation. Diese wird bis zu einer Höhe von 1,5 Metern erklommen.

Die Weibchen legen nach der Blutmahlzeit im Frühjahr etwa 3000–5000 Eier ab. Die daraus schlüpfenden Larven und nach Häutung daraus entstehenden Nymphen saugen während des Sommers jeweils an Kleinsäugern (Nagetiere, Insektenfresser, Kaninchen). In trockenen Biotopen legen die Nymphen im Mai bis August eine Ruhepause ein, die sie in feuchten Erdschichten verbringen. In Feuchtgebieten bleiben sie den ganzen Sommer aktiv. Der folgende Winter wird in einer Art Kältestarre unter Laub und Moos verbracht, wobei in milden Wintern eine Aktivität bis in den Januar hinein beobachtet wurde. Mit der Häutung zur adulten Zecke im darauffolgenden Frühjahr ist der Entwicklungszyklus komplettiert.

Verbreitung

Datei:Auwaldzecke Verbreitungsgebiet Karte Risikogebiete Hundemalaria Babesiose.jpg
Verbreitungsgebiete der Wiesenzecke in Deutschland laut einer Datenrecherche von 2009; inzwischen hat sich die Art weiter ausgebreitet

Als Lebensraum bevorzugt die Wiesenzecke hohes Gras, Grünstreifen, Waldränder und lichte Wälder. Entgegen früherer Annahmen werden Auwälder weniger besiedelt, so dass der Name „Auwaldzecke“ nicht zutreffend ist. Wiesenzecken benötigen eine Sommertemperatur von 20–22 °C und Niederschlagsmengen von 400–1000 mm. Sie sind kältetolerant und überstehen auch harte Winter.<ref name="Hannover.de" />

Ursprünglich in Ungarn, Österreich und Norditalien zu finden, hat sich das Verbreitungsgebiet der Wiesenzecke seit den 1970er Jahren stark nach Norden ausgedehnt. In Deutschland wurde die erste natürliche Population 1973 am Oberrhein beschrieben,<ref>R. Immler: Untersuchungen zur Biologie und Ökologie der Zecke Dermacentor reticulatus. Bull. Soc. Entomol. Suisse 46 (1973).</ref> die Einschleppung erfolgte vermutlich über Hunde. Mittlerweile gibt es in ganz Deutschland freilebende Populationen.<ref>Anna Bolten: Deutschlandweite Ausbreitung der Buntzecke. in www.scinexx.de vom 28. Oktober 2020</ref><ref name="Drehmann et al. 2020">Marco Drehmann, Andrea Springer, Alexander Lindau, Katrin Fachet, Sabrina Mai, Dorothea Thoma, Carina R. Schneider, Lidia Chitimia-Dobler, Michael Bröker, Gerhard Dobler, Ute Mackenstedt und Christina Strube: The Spatial Distribution of Dermacentor Ticks (Ixodidae) in Germany — Evidence of a Continuing Spread of Dermacentor reticulatus. Front. Vet. Sci., 25 September 2020, doi: 10.3389/fvets.2020.578220</ref> Als Ursachen werden eine Zunahme naturnaher Biotope infolge Flächenstilllegungen, eine damit verbundene Zunahme an Zwischenwirten und die globale Erwärmung diskutiert.<ref> C. Heile et al.: Dermacentor reticulatus (Fabricius, 1794). Verbreitung, Biologie und Vektor von Babesia canis in Deutschland. Berl. Münch. Tierärztl. Wschr. 119 (2006), S. 330–334.</ref>

Einzelnachweise

<references/>

Literatur

  • Dieter Barutzki et al. (2007): Die Babesiose des Hundes. Deutsches Tierärzteblatt 55, S. 284–293.
  • Brigitte Menn (2006): Untersuchungen zur Verbreitung und Ökologie von Dermacentor spec. (Ixodidae, Acari) in Deutschland. Dipl.-Arbeit, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Volltext als PDF

Weblinks

Commons: Wiesenzecke (Dermacentor reticulatus) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien