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Meteotsunami

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Ein Meteotsunami oder meteorologischer Tsunami ist ein tsunami-ähnliches Phänomen, das in den Küstenmeeren vieler Länder und auch an größeren Seen zu beobachten ist: Selbst bei recht ruhiger Wasseroberfläche werden hierbei plötzliche meterhohe Wellen erzeugt, die nicht vorhersagbar sind. Sie kommen praktisch aus dem Nichts, betreffen weite Küstenabschnitte und hinterlassen eine Spur der Verwüstung.<ref name="wissenschaft" /> Im Unterschied zu einem 'echten' Tsunami ist der Auslöser der Welle kein Seebeben, sondern er wird durch kurzperiodische Luftdruckschwankungen in Verbindung mit Resonanzphänomenen und Wind erzeugt.<ref name="dwd" />

Das weltweite Vorkommen zeigt sich an verschiedenen nationalen Namen: Rissaga auf den Balearen, Milghuba auf Malta und Marrubio auf Sizilien bzw. Marrobbio an der italienischen Adria. In der Bucht von Fiume wird der Meteotsunami Stigazzi genannt, in Dalmatien Šćiga und in Japan ist er unter Abiki oder Yota bekannt. In der Nord- und Ostsee bis nach Finnland wird er Seebär genannt.

Ursachen

Durch sich blockierende Luftströmungen werden lokale Luftdruckunterschiede erzeugt, die auf Meereswellen mit der gleichen Geschwindigkeit treffen müssen. Dann kann es zu einer Resonanz zwischen Luftdruck- und Wasserwellen kommen, sodass durch Resonanzüberhöhung Wellen mit bis zu mehreren Dezimetern Höhe entstehen können. Wenn die Wellen eine Bucht erreichen, werden sie wie bei herkömmlichen Tsunamis gestaut und erreichen Höhen von mehreren Metern unter der Voraussetzung, dass die Bucht über die „richtige“ Länge verfügt, um die Wellen nicht auszulöschen, sondern zu verstärken.<ref name="SPON-456763">Axel Bojanowski: Überraschende Flut: Schluckauf über dem Mittelmeer verursacht Tsunamis. In: Spiegel Online. 28. Dezember 2006, abgerufen am 6. Januar 2017.</ref>

Seebär

Der deutsche Begriff Seebär für einen Meteotsunami entstand aus einer Verballhornung des niederdeutschen Wortes boeren (vgl. im Englischen: bore), was in etwa „heben“ bedeutet. Bereits 1756 beschreibt der deutsche Naturforscher Daniel Gottlob Thebesius einen Meteotsunami unter der Bezeichnung Seebär. Seebären treten sowohl an Nord- und Ostseeküste auf. Für die nordfriesische Insel Sylt sind Seebären unter anderem für den 14. Juni 1964 und den 18. Juni 2002 dokumentiert. Es wird jedoch angenommen, dass die Zahl der tatsächlich stattgefundenen Meteotsunamis höher ist.

Seebären mit einer Wellenhöhe von über einem Meter sind extrem selten. Die Gefahr von Seebären besteht aber darin, dass sie (anders als Sturmfluten) nicht vorhergesagt werden können.

Rissaga

Datei:Larissaga1.gif
Rissaga in Ciutadella, Menorca

Rissaga (Resarca, Rissague) ist ein hydrologisches Phänomen, das im Hafen von Ciutadella auf der Baleareninsel Menorca auftritt. Es tritt nur ein- bis zweimal im Jahr auf und ist meistens nur schwach ausgeprägt. In einzelnen Fällen jedoch läuft das Hafenbecken innerhalb weniger Sekunden fast völlig leer, das Wasser kehrt dann in einer gewaltigen Welle zurück und verursacht mitunter große Schäden, wie am 21. Juni 1984 und am 15. Juni 2006.

Nach Untersuchungen der Universität der Balearen entspringen diese Wasserstandsschwankungen weder seismischen Ursachen noch den Gezeiten, denn sie korrelieren mit einem plötzlichen kurzen Luftdruckabfall um max. 8 hPa,<ref>Anm. 1 hPa (Hektopascal) entspricht 1 mbar oder rund 1 cm Wassersäule.</ref> dem zahlreiche Luftdruckschwankungen in Minutenabständen um 2 hPa vorausgehen.

Die Druckschwingungen der Atmosphäre wirken naturgemäß auf den Wasserkörper und lösen hier Schwingungen aus, die eine wandernde Welle bewirken. Damit zuletzt große Wasserstandsschwankungen am Ufer auftreten können, bedarf es zweier Voraussetzungen: geringe Wassertiefe und eine enge Bucht. An einem Messpunkt vor der Hafenbucht Ciudadelas schwingt der Wasserstand während einer Rissaga um max. 60 Zentimeter, im Buchtinnern um weit über zwei Meter.

Besonders hohe Flutwellen mit bis zu 4 m Höhe und damit einem Tsunami ähnelnd wurden beim Auftreten besonderer meteorologischer Faktoren beobachtet. Typischerweise ist es schwül, der Himmel bedeckt und es herrscht Südwind. Seit Beginn der Messungen ist die Rissaga nur einmal auch bei Nordwind aufgetreten.

Letzte große Vorkommen dieses Effekts:

Weitere Vorkommen

Meteotsunamis weltweit
Ort Land Max. Höhe (m)
Bucht von Nagasaki Japan 4,8
Hafen von Pohang Südkorea 0,8
Hafen von Longkou Volksrepublik China 3
Hafen von Ciutadella Spanien 4
Golf von Triest Italien 1,5
Westlicher Teil von Sizilien Italien 1,5
Malta Malta 1
Stari Grad Kroatien 2,5
Mali Lošinj Kroatien 0,8

Literatur

  • Dieter Etling: Tsunami und Meteotsunami (PDF; 3,2 MB). In: Mitteilungen DMG 1/2015, S. 2–6.
  • Ivica Vilibić et al.: Meteorological Tsunamis: the U.S. East Coast and other coastal regions. Springer, Cham 2015, ISBN 978-3-319-12711-8.

Weblinks

Siehe auch

Einzelnachweise

<references> <ref name="dwd"> Meteotsunamis - Tsunamis im Kleinformat. In: dwd.de. Deutscher Wetterdienst, 23. Juli 2018, abgerufen am 3. März 2024. </ref> <ref name="wissenschaft"> Kein Seemannsgarn: Tsunamis an der Nordseeküste. In: wissenschaftsjahr.de. 2016, abgerufen am 16. März 2024. </ref> </references>