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Diopsid

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Diopsid
Datei:Diopside-225169.jpg
Diopsid aus De Kalb Township, St Lawrence County, New York, USA
Größe: 4,3 × 3,3 × 1,9 cm
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Nummer

1988 s.p.<ref name="IMA-Liste" />

IMA-Symbol

Di<ref name="Warr" />

Andere Namen
  • Alalit<ref name="IMA-1988" />
  • Canaanit<ref name="IMA-1988" />
  • Leucaugit<ref name="IMA-1988" />
  • Mussit<ref name="IMA-1988" />
  • Sahlit<ref name="IMA-1988" />
Chemische Formel CaMg[Si2O6]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Silikate und Germanate – Ketten- und Bandsilicate (Klinopyroxene)
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VIII/D.01b
VIII/F.01-050<ref name="Lapis" />

9.DA.15
65.01.03a.01
Ähnliche Minerale Augit
Kristallographische Daten
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol monoklin-prismatisch; 2/m<ref name="Webmineral" />
Raumgruppe C2/c (Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15<ref name="StrunzNickel" />
Gitterparameter a = 9,75 Å; b = 8,92 Å; c = 5,25 Å
β = 106,0°<ref name="StrunzNickel" />
Formeleinheiten Z = 4<ref name="StrunzNickel" />
Häufige Kristallflächen {100}, {010}, {111}, {111}, {110}, {310}, {331}, {001}, {101}<ref name="SchröckeWeiner" />
Zwillingsbildung einfache und multiple Zwillinge nach {100} oder {010}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 5,5 bis 6,5<ref name="Handbookofmineralogy" />
(HV: 7,7±0,5 GPa bei 0,98 N; entspricht 785±51 HV 0,1<ref name="Smedskjaer" />)
Dichte (g/cm3) gemessen: 3,22 bis 3,38; berechnet: 3,278<ref name="Handbookofmineralogy" />
Spaltbarkeit deutlich nach {110}<ref name="Handbookofmineralogy" />
Bruch; Tenazität uneben bis muschelig<ref name="Handbookofmineralogy" />
Farbe farblos, weiß, gelb, hell- bis dunkelgrün, schwarz<ref name="Handbookofmineralogy" />
Strichfarbe weiß, grau bis graugrün<ref name="Handbookofmineralogy" />
Transparenz durchsichtig bis undurchsichtig<ref name="Handbookofmineralogy" />
Glanz Glasglanz, matt<ref name="Handbookofmineralogy" />
Kristalloptik
Brechungsindizes nα 1,663 bis 1,699<ref name="Mindat" />
nβ 1,671 bis 1,705<ref name="Mindat" />
nγ 1,693 bis 1,728<ref name="Mindat" />
Doppelbrechung δ 0,030<ref name="Mindat" />
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Achsenwinkel 2V = 58° bis 63° (gemessen), 56° bis 64° (berechnet)<ref name="Mindat" />
Pleochroismus blaugrün-grünbraun-gelbgrün
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten Nahezu unempfindlich gegenüber Säuren (Ausnahme: Flusssäure)

Diopsid ist ein sehr häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der Endgliedzusammensetzung CaMg[Si2O6], ist also chemisch gesehen ein Calcium-Magnesium-Silikat und gehört strukturell zu den Kettensilikaten und dort zur Gruppe der Pyroxene.

Diopsid entwickelt kurze bis lange, prismatische Kristalle, findet sich aber auch in Form säuliger, lamellenförmiger oder körniger Mineral-Aggregate. In reiner Form ist er farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine gelbe, hell- bis dunkelgrüne oder schwarze Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend bis zur Undurchsichtigkeit abnimmt.

Diopsid bildet zusammen mit Hedenbergit CaFe[Si2O6] und Augit (Ca,Na)(Mg,Fe,Al)[(Si,Al)2O6] eine vollständige Mischreihe.

Etymologie und Geschichte

Der Name Diopsid stammt aus dem griechischen δίς dis für doppelt, ὄψις opsis für Anblick und εἶδος eidos für Gestalt und weist darauf hin, dass die Diopsidkristalle häufig als Zwillinge auftreten.

Erstmals beschrieben wurde das Mineral 1800 von José Bonifácio de Andrada e Silva, allerdings unter der Bezeichnung Coccolit. Als Fundorte gab er die Hellesta- und Åssebro-Eisengruben im schwedischen Södermanland an. Später konnte allerdings nachgewiesen werden, dass de Andradas Mineral mit dem von René-Just Haüy 1806 beschriebenen Diopsid identisch ist, und der Name Coccolit wurde diskreditiert.<ref name="MindatCoccolite" />

Das Typmaterial des Minerals wird im Muséum national d’histoire naturelle (MHN; auch Museum, Paris) in Paris unter der Katalog-Nummer H2714ff (CT) aufbewahrt.<ref name="IMA-Typmaterialkatalog" /><ref name="IMA-Depositories" />

Diopsid war bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt. Damit hätte Diopsid theoretisch den Status eines grandfathered Mineral. In der 1988 erfolgten Publikation der IMA/CNMNC: Nomenclature of pyroxenes wurde Diopsid als Teil der Gruppe der Calcium-Pyroxene und als Endglied der Mischkristallreihe Diopsid–Hedenbergit anerkannt. Daneben wurden die Mineralnamen Alalit und Canaanit sowie Baikalit (eisenhaltiger Diopsid), Lawrowit ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); vanadiumhaltiger Diopsid) und Schefferit (manganhaltiger Diopsid) diskreditiert und als Synonym beziehungsweise Varietät dem Diopsid zugeordnet.<ref name="IMA-1988" /> Aufgrund der nachträglichen Ankerkennung von Diopsid wird das Mineral seitdem in der „Liste der Minerale und Mineralnamen“ der IMA unter der Summenanerkennung „IMA 1988 s.p.“ (special procedure) geführt.<ref name="IMA-Liste" />

Klassifikation

In der strukturellen Klassifikation der International Mineralogical Association (IMA) gehört Diopsid zusammen mit Augit, Burnettit, Davisit, Esseneit, Grossmanit, Hedenbergit, Johannsenit, Kushiroit, Petedunnit und Tissintit zu den Kalziumpyroxenen (Ca-Pyroxene) in der Pyroxengruppe.<ref name="IMA-1988" />

In der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Diopsid zur Mineralklasse der „Silikate“ und dort zur Abteilung „Kettensilikate und Bandsilikate (Inosilikate)“, wo er zusammen mit Hedenbergit und Johannsenit die „Diopsid-Reihe“ mit der Systemnummer VIII/D.01b innerhalb der Gruppe der „Klinopyroxene (monoklin-prismatisch)“ bildete.

Im zuletzt 2018 überarbeiteten und aktualisierten Lapis-Mineralienverzeichnis nach Stefan Weiß, das sich im Aufbau noch nach dieser alten Form der Systematik von Karl Hugo Strunz richtet, erhielt das Mineral die System- und Mineral-Nr. VIII/F.01-050. In der Lapis-Systematik entspricht dies ebenfalls der Abteilung „Ketten- und Bandsilikate“, wo Diopsid zusammen mit Aegirin, Aegirin-Augit, Augit, Davisit, Esseneit, Grossmanit, Hedenbergit, Jadeit, Jervisit, Johannsenit, Kanoit, Klinoenstatit, Klinoferrosilit, Kosmochlor, Kushiroit, Namansilit, Natalyit, Omphacit, Petedunnit, Pigeonit, Spodumen und Tissintit die Gruppe der „Klinopyroxene“ mit der Systemnummer VIII/F.01 bildet.<ref name="Lapis" />

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Diopsid in die erweiterte Klasse der „Silikate und Germanate“, dort aber ebenfalls in die Abteilung der „Ketten- und Bandsilikate (Inosilikate)“ ein. Diese ist weiter unterteilt nach der Struktur der Silikatketten beziehungsweise -bänder, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Ketten- und Bandsilikate mit 2-periodischen Einfachketten Si2O6; Pyroxen-Familie“ zu finden ist, wo es zusammen mit Augit, Davisit, Esseneit, Hedenbergit, Johannsenit, Kushiroit und Petedunnit die Gruppe der „Ca-Klinopyroxene, Diopsidgruppe“ mit der Systemnummer 9.DA.15 bildet.<ref name="IMA-Liste-2009" />

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Diopsid die System- und Mineralnummer 65.01.03a.01. Dies entspricht ebenfalls der Klasse der „Silikate“ und dort der Abteilung „Kettensilikatminerale“, wo das Mineral zusammen mit Augit, Davisit, Esseneit, Hedenbergit, Johannsenit, Petedunnit in einer unbenannte Gruppe/C2/c Klinopyroxene (Ca-Klinopyroxene)“ mit der Systemnummer 65.01.03a innerhalb der Unterabteilung „Kettensilikate: Einfache unverzweigte Ketten, W=1 mit Ketten P=2“ zu finden ist.

Kristallstruktur

Diopsid kristallisiert monoklin in der Raumgruppe C2/c (Raumgruppen-Nr. 15)Vorlage:Raumgruppe/15 mit den Gitterparametern a = 9,75 Å; b = 8,92 Å; c = 5,25 Å und β = 106,0° sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.<ref name="StrunzNickel" />

Modifikationen und Variationen

  • Chromdiopsid – chromhaltig, smaragdgrün
  • Baikalit – eisenhaltig, lauchgrün bis olivgrün
  • Diallag – aluminium- und eisenhaltig, grünbraun bis braunschwarz, perlmuttglänzend, gesteinsbildend
  • Fassait – eisen- und aluminiumhaltig
  • Fedorovit – natrium-, aluminium- und eisenhaltig, hellgrün aus der Provinz Rom
  • Jeffersonit – mangan- und zinkhaltig
  • Salit – grünlichgrau, gesteinsbildend

Bildung und Fundorte

Datei:Pyrite-Grossular-Diopside-225227.jpg
Pyrit, Grossular und Diopsid aus dem Belvidere Mountain Steinbruch, Vermont, USA

Diopsid ist ein Gestein bildendes Mineral, das in basischen und ultrabasischen Gesteinen wie beispielsweise Gabbro und Peridotit vorkommt. Als Begleitminerale treten unter anderem Calcit, Chondrodit, Forsterit, Grossular, Klinohumit, Monticellit, Quarz, Skapolith, Tremolit, Vesuvianit und Wollastonit auf.<ref name="Handbookofmineralogy" />

Diopsid konnte bereits an vielen Fundorten weltweit nachgewiesen werden, wobei bisher (Stand: 2012) rund 2900 als bekannt gelten.<ref name="Mindat" />

In Deutschland trat das Mineral unter anderem an mehreren Orten des Schwarzwalds, des Odenwalds und am Kaiserstuhl in Baden-Württemberg; im Fichtelgebirge, im Bayerischen und Oberpfälzer Wald in Bayern; bei Giesel (Neuhof), Hochstädten (Bensheim) und Nieder-Ramstadt in Hessen; bei Güntersen und Bad Harzburg in Niedersachsen; am Finkenberg und am Dächelsberg bei Niederbachem in Nordrhein-Westfalen; an vielen Orten in der Eifel in Rheinland-Pfalz; im Erzgebirge in Sachsen; bei Damsdorf in Schleswig-Holstein sowie bei Ronneburg, Schnellbach (Floh-Seligenthal) und am Dolmar in Thüringen auf.<ref name="Fundorte" />

In Österreich konnte Diopsid bisher vor allem in Kärnten, Niederösterreich, Salzburg, der Steiermark und Tirol gefunden werden.

In der Schweiz tritt das Mineral vor allem in den Kantonen Graubünden und Wallis auf.

Auch in Gesteinsproben vom Mittelatlantischen Rücken und vom Ostpazifischen Rücken konnte Diopsid nachgewiesen werden.<ref name="Fundorte" />

Diopside in Schmucksteinqualität werden in Brasilien, Burma, auf Madagaskar und Sri Lanka gefunden.

Außerhalb der Erde konnte ebenfalls bereits Diopsid gefunden werden, nämlich in Gesteinsproben vom Mond, vom Noctis Labyrinthus auf dem Mars und im Kometenstaub von Wild 2.<ref name="Fundorte" />

Verwendung als Schmuckstein

Datei:Diopside faceted.jpg
Diopsid in Form einer Navette verschliffen

Diopside in Edelsteinqualität werden zu Schmucksteinen verarbeitet. Dazu zählt vor allem der russische Chromdiopsid.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Commons: Diopside – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

<references> <ref name="Fundorte"> Fundortliste für Diopsid beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 16. Mai 2024. </ref> <ref name="Handbookofmineralogy"> </ref> <ref name="IMA-1988"> Subcommite on Pyroxenes, IMA/CNMMN; Nobuo Morimoto: Nomenclature of Pyroxenes. In: Mineralogical Magazine. Band 52, 1988, S. 535–550 (rruff.info [PDF; 899 kB; abgerufen am 18. Mai 2024]). </ref> <ref name="IMA-Depositories"> Catalogue of Type Mineral Specimens – Depositories. (PDF; 311 kB) Commission on Museums (IMA), 18. Dezember 2010, abgerufen am 17. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste"> Malcolm Back, Cristian Biagioni, William D. Birch, Michel Blondieau, Hans-Peter Boja und andere: The New IMA List of Minerals – A Work in Progress – Updated: July 2024. (PDF; 3,6 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Marco Pasero, Juli 2024, abgerufen am 13. August 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Liste-2009"> Ernest H. Nickel, Monte C. Nichols: IMA/CNMNC List of Minerals 2009. (PDF; 1,9 MB) In: cnmnc.units.it. IMA/CNMNC, Januar 2009, archiviert vom Vorlage:IconExternal am 29. Juli 2024; abgerufen am 30. Juli 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="IMA-Typmaterialkatalog"> Catalogue of Type Mineral Specimens – D. (PDF 151 kB) Commission on Museums (IMA), 9. Februar 2021, abgerufen am 17. Mai 2024. </ref> <ref name="Lapis"> </ref> <ref name="Mindat"> Diopside. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 16. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="MindatCoccolite"> Coccolite. In: mindat.org. Hudson Institute of Mineralogy, abgerufen am 16. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> <ref name="SchröckeWeiner"> </ref> <ref name="Smedskjaer"> </ref> <ref name="StrunzNickel"> </ref> <ref name="Warr"> </ref> <ref name="Webmineral"> David Barthelmy: Diopside Mineral Data. In: webmineral.com. Abgerufen am 16. Mai 2024 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)). </ref> </references>