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Christiaan Tonnis

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Datei:Christiaan Tonnis in Hannover-Buchholz.jpg
Christiaan Tonnis in Hannover-Buchholz, 2024

Christiaan Dirk Tonnis (* 5. Juni 1956 in Saarbrücken) ist ein deutscher Maler, Zeichner, Videokünstler, Fotograf und Autor. Er studierte von 1980 bis 1985 an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main bei Dieter Lincke, Klaus Staudt und Herbert Heckmann, lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

Leben und Werk

Datei:Tonnis Young Woman.jpg
Weiblicher Krieger # 6 „Hinter der Linie“, Bleistift und Farbstift auf Papier, 1982
Datei:Ludwig Wittgenstein, Pencil on board.jpg
Ludwig Wittgenstein, Bleistift auf Karton, 1985
Datei:"Die Bibel - Salomo - Hoheslied 8 6-7" von Christiaan Tonnis .jpg
Die BibelSalomoHoheslied 8, 6–7, Acryl, Reichbleichgold und Applikationen auf Leinen, 1997
Datei:Christiaan Tonnis - Christliches Kreuz 5.jpg
Christliches Kreuz 5,
Öl auf Leinwand, 2020

Christiaan Tonnis’ Vater Dirk Tonnis (13. April 1914 – 23. August 1985) war Produzent von Zeichentrickfilmen<ref>Ortsfamilienbuch Memelland - Dirk Tonnis. online-ofb.de</ref> in den Toonder Studios in Amsterdam. Dort schrieb er auch als Autor die Fortsetzungsgeschichte „Detective Kommer“. Später wechselte er als Programmdirektor zu Telesaar und dem Saarländischen Rundfunk.<ref>Jan-Willem de Vries: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Die Geschichte der Toonder Studio's, Band 6: Internationaler Erfolg (Memento vom 21. April 2018 im Internet Archive), S. 17 u. 22, Uitgeverij Cliché, Maarssen, Niederlande, 2018 (niederländisch)</ref><ref>Hans G. Kresse - Chapter ‘Post-war comics‘. lambiek.net</ref>

Tonnis besuchte die Selma-Lagerlöf-Schule in Buchschlag und das Internat Albert-Schweitzer-Schule (Villa Lilly) in Lindschied.<ref>Christiaan Tonnis - Biografie. christiaan-tonnis.blogspot.com/</ref>

Seine Beschäftigung mit Literatur der Psychopathologie, Psychoanalyse und des Schamanismus spiegelt sich in seinen frühen Arbeiten wider.<ref>Kai Hoffmann: Hübsches Frauengesicht als Flickwerk. In: Frankfurter Rundschau. 20. Februar 1986.</ref><ref name="Bildkuenstlerrechte">Christiaan Tonnis: Über Spurensuche, Studium und Inspiration In: Die Zeitschrift für Bildkünstlerrechte, Heft 4, 2022, S. 58–60. Bikur Verlag Dr. Helga Müller (Hrsg.), abgerufen am 25. Juli 2023.</ref> Dies sind zeichnerische Darstellungen verschiedener Krankheitsbilder wie z. B. der Katatonen Starre oder Postpartalen Psychose, in denen er z. T. „Drähte, Nähte, Masken, Teilmasken – sie sind manchmal kaum sichtbar, so identisch scheinen sie mit der Physiognomie“<ref name="GAZ">Das Gesicht hinter dem Antlitz. In: Gießener Allgemeine Zeitung. 20. Oktober 1986.</ref> – über die Porträts legt. Tonnis beschreibt, dass diese Krankheitsbilder verschiedene Bedeutungsebenen enthalten und eine von mehreren Lesarten die der Initiations–Krise ist: „Psychosen, Schocks, Todeserfahrungen und Visionen sind der Ruf, ein Schamane zu werden. Wird der Aufforderung entsprochen und mit der Einweihung bzw. Ausbildung begonnen, verschwinden die Symptome. Man spricht von der 'Selbstheilung einer Psychose' und dem 'Verwundeten Heiler', 'denn nur der verwundete Heiler kann heilen.'“<ref name="Bildkuenstlerrechte" />

Mittels Zeichnungen, Gemälden und Grafiken entstehen zudem Porträts von Arthur Rimbaud, Franz Kafka, William S. Burroughs, Virginia Woolf, Sylvia Plath, Ludwig Wittgenstein und Alberto Giacometti.<ref>Helga Müller, Christiaan Tonnis, Das graphische Werk, Frankfurt 2022 In: Die Zeitschrift für Bildkünstlerrechte, Heft 6, 2023, S. 96. Bikur Verlag Dr. Helga Müller (Hrsg.), abgerufen am 3. Dezember 2023.</ref> Zu diesen Arbeiten meint Herbert Heckmann: Tonnis „öffnet uns die Augen und wir sehen in seinen Bildern mehr als wir sehen. Wir entdecken das Andere, über das sich nur sagen lässt, dass es das andere ist“.<ref>Helga Müller, Christiaan Tonnis, Das graphische Werk, Frankfurt 2022 In: Die Zeitschrift für Bildkünstlerrechte, Heft 6, 2023, S. 97. Bikur Verlag Dr. Helga Müller (Hrsg.), abgerufen am 3. Dezember 2023.</ref>

Mit der Darstellung eines goldenen Kreuzes über schwarzem und violettem Untergrund – in einzelne Pixel gegliedert auf die Wand gemalt – ist Tonnis einer von 36 internationalen Künstlern, die im Januar 2013 den 4,5 Meter hohen, gekachelten Raum „Pixelkitchen“ im Günes Theater Frankfurt gestalten<ref>Antonia Troschke: Menü mit Allem. In: Frankfurter Rundschau. Nr. 20, 24. Januar 2013, RS/B7.</ref> und dadurch die digitale in die analoge Welt holen. Alle „künstlerischen Arbeiten werden an die Wände geklebt, gemalt und genagelt.“<ref>Amelie Persson: <templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Pixelkitchen (Memento vom 10. Dezember 2014 im Internet Archive), schirn-magazin.de, 25. Januar 2013.</ref>

Christiaan Tonnis ist Mitglied der St. Paulsgemeinde Frankfurt und der Internationalen Novalis-Gesellschaft.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Kurzbiografie Christiaan Tonnis (Memento vom 2. Dezember 2023 im Internet Archive), kunstaspekte.de</ref>

Performance

Teilnahme an der Performance „Who let the dogs out, Edith?“ während des „Sommer Atelier 2009“<ref>Christoph Schütte: Kunst mit Familienanschluss. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 21. Juni 2009, R4 Kultur.</ref> im Kunstverein Familie Montez, Frankfurt am Main. „Als Ausgangsmaterial dient dabei Hans-Jürgen Syberbergs 1988 in Frankfurt gezeigte Inszenierung von Heinrich von Kleists Drama ‚Penthesilea‘, ein Monolog der großen Schauspielerin Edith Clever.“<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />"Gut ist was gefällt" im Kunstverein Familie Montez e.V" (Memento vom 19. Juli 2011 im Internet Archive), kulturportal.hessen.de, 29. August 2009.</ref>

Am 20. Juni 2021 führt Tonnis die Performance „Novalis“ als Live-Stream im Kunstverein Eulengasse auf. In seiner leuchtenden Hand hält er einen Strauß blauer Blumen und schreibt mit diesem zwei Textpassagen aus Novalis’ Roman Heinrich von Ofterdingen auf einen raumgreifenden Horizont. Die Einschreibung eines poetischen Textes der Frühromantik ist „als Gegenentwurf für unsere aus den Fugen geratene, schwankende Welt zu lesen“.<ref>Christiaan Tonnis - Novalis, kunstaspekte.de, abgerufen am 28. Juli 2021</ref><ref>Christiaan Tonnis - NOVALIS, eulengasse.de, abgerufen am 28. Juli 2021</ref>

Video und Fotografie

Teilnahme an „Road Movie“,<ref>My Journey My Memory My Soul, FriezeFilm2008's Channel, YouTube-Video, 26. Juli 2008.</ref> einer Produktion von Frieze Film 2008 für die Frieze Art Fair und Channel 4, London. „Road Movie“ ist ein von Neville Wakefield kuratiertes,<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Frieze goes YouTube, Deutsche Bank ArtMag, Ausgabe 51, Oktober 2008. (Memento vom 12. April 2010 im Internet Archive)</ref> 4–teiliges, multiples Film-Experiment – zusammengestellt aus mehreren Beiträgen und produziert auf YouTube – das sich auf den Roman Die Straße (2006) von Cormac McCarthy bezieht.<ref><templatestyles src="Webarchiv/styles.css" />Frieze Film 2008 (Memento vom 15. Dezember 2010 im Internet Archive), Frieze Foundation, London 2008.</ref>

Ab 2009 entstehen 136 Videofilme zu Ausstellungsvorbereitungen, Kunstprojekten, Vernissagen und Interviews für den Kunstverein Familie Montez.<ref>Kunstverein Familie Montez | Werkverzeichnis 2009–2022, Christiaan Tonnis YouTube Playlist, abgerufen am 18. März 2023</ref> Davon zeigen 16 Arbeiten vom Dezember 2020<ref>Kunstverein Familie Montez | Ein ganz normaler Herbst, nur anders … 2020, Christiaan Tonnis YouTube Playlist, abgerufen am 12. August 2021.</ref> den Entstehungsprozess eines 18 × 3,25 Meter großen Wandgemäldes, das in dem Gemeinschaftsprojekt „Ein ganz normaler Herbst, nur anders …“ von mehr als 40 Künstlern erschaffen wurde.<ref>Anja Laud: Ein Fest der Lebensfreude. In: Frankfurter Rundschau. fr.de, 23. Dezember 2020, abgerufen am 12. August 2021.</ref>

2011 arbeitet Tonnis mit vier Schülern der Oswald-von-Nell-Breuning-Schule an dem Filmprojekt „5+5=1! Schule macht Kino“ – eine 38-minütige Festival-Dokumentation über den Rödermärker Kultursommer, die im Lichtspielhaus Urberach uraufgeführt wird.<ref>Magistrat der Stadt Rödermark: Festival-Film ist erschienen. In: familien-blickpunkt.de, 22. November 2011</ref><ref>Christine Ziesecke: Kultursommer auf Leinwand. In: Offenbach-Post, op-online.de, 29. Oktober 2011</ref> Eine Serie von 14 Videoarbeiten dokumentiert den IV. Performance Day 2018 im OST>STERN Frankfurt. Teilnehmende Künstler waren u. a. VestAndPage, Yingmei Duan und Mariola Brillowska.

Mit Fotografien, in denen "Alltag und Traum aufeinandertreffen", die keine Motive dokumentieren, sondern Lichtstimmungen einfangen und das Flüchtige in einem „magischen Moment“ sichtbar machen,<ref>Edda Rössler, Wo die Stadt im Spiel mit Licht erscheint. In: Frankfurter Neue Presse, 12. August 2025, Nr. 185, S. 26</ref> nimmt Tonnis 2025 an der Ausstellung „Stadt.Licht. Frankfurter Fotograf*innen“ im BBK Frankfurt teil.<ref> Stadt.Licht. Frankfurter Fotograf*innen, artfacts.net, abgerufen am 14. September 2025</ref>

Bilder zur Bibel

Über die „Bilder zur Bibel“ sagt die Zeitschrift Junge Kirche: „Seit Jahren befasst sich der Maler […] mit biblischen Themen. 'Biblische Texte kann ich nicht illustrieren. Ich lese einen Text wieder und wieder, meditiere ihn, bis er einen Impuls in mir auslöst, den ich in ein Bild umsetze.' Es entstehen Bilder, die ihrerseits nur meditierend betrachtet werden können. Der Goldgrund erinnert an mittelalterliche Altarbilder und Ikonen der orthodoxen Kirchen. Aber von ihm heben sich keine Heiligenfiguren ab, allenfalls Zeichen, die für Deutungen offen sind. Dieses Vorgehen erklärt, warum der Künstler kaum biblische Erzählungen, die so leicht zu illustrieren wären, zum Bildthema nimmt – stattdessen Psalmen, Sprüche Salomos, das Hohelied. Zu den Bildern gehören die Bibeltexte. Die Meditation des Textes und die Meditation des Bildes fließen ineinander.“<ref>Glaube und Kunst – Bilder zur Bibel – Christiaan Tonnis. In: „JUNGE.KIRCHE“, 84. Jahrgang, Heft 4/2023, S. 23–26. (als PDF und Print)</ref>

Sein Gemälde „Christliches Kreuz 5“ wird 2021 als Cover für die Taschenbuchausgabe von Adolf von Harnacks theologischem Werk „Das Wesen des Christentums“ verwendet.<ref>Adolf von Harnack, Das Wesen des Christentums, Taschenbuch, 6. Dezember 2021, Impressum, Jazzybee Verlag Jürgen Beck, ISBN 978-3-8496-6634-7. Abgerufen am 7. Januar 2024</ref>

Ausstellungen und Festivals (Auswahl)

Kuratierte Ausstellungen

Bibliografie

  • Krankheit als Symbol. Pro Business Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-939533-34-3.
  • Everyone we know. Sketchbook Project 3, Kat. Nr. 135.8–5, Brooklyn Art Library, New York 2009.
  • 5+5=1! DVD-Video (25 min.), Oswald-von-Nell-Breuning-Schule, Stadt Rödermark (Hrsg.), Archiv der Stadt Rödermark 2011. In: Offenbach-Post. op-online.de, 29. Oktober 2011.
  • Familie Hecht - Eine Erinnerung. DVD-Video, Oswald-von-Nell-Breuning-Schule, Stadt Rödermark (Hrsg.), 2017. im Archiv des Jüdischen Museums Frankfurt
  • Texte und Schriften 1986–2017. epubli Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-7450-3054-9.
  • ROT. Axel Dielmann-Verlag, Frankfurt 2013, ISBN 978-3-86638-180-3, S. 15–16, 145, 148–149, 15.
  • Montez im Exil. Kunstverein Familie Montez, Frankfurt 2014, von Kerstin Krone-Bayer und Hanna Rut Neidhardt (Hrsg.), ISBN 978-3-00-045918-4.
  • Die Leipziger Baumwollspinnerei. epubli Verlag, Berlin, 2017, ISBN 978-3-7450-7655-4.
  • Das grafische Werk: 2006–2017. epubli Verlag, Berlin, 2017, ISBN 978-3-7450-6724-8.
  • Videos 2009–2017, Kunstverein Familie Montez, Werkverzeichnis. epubli Verlag, Berlin, 2017, ISBN 978-3-7450-0580-6.
  • Copy and Paste. epubli Verlag, Berlin, 2017, ISBN 978-3-7450-9175-5.
  • Catwalk: Die Collagen. epubli Verlag, Berlin, 2019, ISBN 978-3-7502-5286-8.
  • Marlies ter Borg (Hrsg.): Bipolar Creativity: Through the Ages. Back Cover. 2021, ISBN 979-8-7088-6054-5, S. 64. (englisch)
  • Kunstverein Familie Montez (Hrsg.): Ein ganz normaler Herbst, nur anders.... Texte von Edda Rössler und Christoph Schütte. Frankfurt, 2021, S. 15.
  • Christiaan Tonnis: Über Spurensuche, Studium und Inspiration, S. 58–67. In: Die Zeitschrift für Bildkünstlerrechte, Heft 4, 2022. Bikur Verlag Dr. Helga Müller (Hrsg.).
  • Copy and Paste 2. epubli Verlag, Berlin, 2021, ISBN 978-3-7541-6369-6.
  • Das grafische Werk 2: 2006–2022. epubli Verlag, Berlin, 2022, ISBN 978-3-7565-4231-4.
  • Das fotografische Werk 1. epubli Verlag, Berlin, 2022, ISBN 978-3-7565-5060-9.
  • Das fotografische Werk 2. epubli Verlag, Berlin, 2022, ISBN 978-3-7565-5123-1.
  • Das fotografische Werk 3. epubli Verlag, Berlin, 2023, ISBN 978-3-7575-1099-2.

Weblinks

Commons: Christiaan Tonnis – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Quellen

<references />

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