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Bacteroides

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Bacteroides
Datei:BacteroidesFragilis Gram.jpg

Bacteroides fragilis im Grampräparat

Systematik
Domäne: Bakterien (Bacteria)
Stamm: Bacteroidetes
Klasse: Bacteroidia
Ordnung: Bacteroidales
Familie: Bacteroidaceae
Gattung: Bacteroides
Wissenschaftlicher Name
Bacteroides
Castellani & Chalmers 1919

Bei der Gattung Bacteroides (Syn.: Capsularis <templatestyles src="Person/styles.css" />Prévot 1938,<ref name="LPSN" /> Bacteroidacea) handelt es sich um anaerobe, pleomorphe, gramnegative Stäbchenbakterien, die zur Normalflora der Schleimhäute des menschlichen Intestinaltraktes gehören.

Merkmale

Die Vertreter der Gattung Bacteroides sind obligat anaerob, sie wachsen nur bei Abwesenheit von Sauerstoff. Sie bilden keine Sporen aus und ihr Stoffwechselweg ist die Fermentation. Sie verwerten verschiedene Zucker in einer Gärung und bilden dabei v. a. Acetat und Succinat. Einige Bacteroides-Arten können auch Citrat verwerten, als Gärungsprodukte entstehen u. a. Acetat und Formiat.<ref name="brock" />

Viele Arten der Gattung Bacteroides enthalten als Besonderheit einen hohen bis überwiegenden Anteil verzweigter Fettsäureketten in ihren Lipidmembranen.<ref name="Kaneda1991" /> Ein weiteres Merkmal ist die Produktion von Sphingolipiden.<ref name="bergeys" />

Vorkommen

Bacteroides spp. kommen im Darm, Genitaltrakt und Oropharynx des Menschen vor.<ref name="Abele" /> Im Dickdarm des Menschen befinden sich etwa 1011 Individuen je Gramm Stuhl, damit ist Bacteroides die dort zahlenmäßig dominierende Bakterien-Gattung.<ref name="brock" /> Das Vorkommen der Bacteroides-Arten in den Faeces ist bei einigen Spezies als Bestandteil ihres Namens vermerkt, beispielsweise Bacteroides faecis, Bacteroides caccae oder Bacteroides coprophilus.

Systematik

Einige Arten der Gattung:<ref name="LPSN" />

Zahlreiche Arten, die an Entzündungen der Zahnwurzel beteiligt sind oder der Mundflora angehören und früher zur Gattung Bacteroides gestellt wurden, sind der Gattung Prevotella (in der Familie der Prevotellaceae) zugeordnet worden (Stand 2013), z. B. Bacteroides oralis ist nun Prevotella oralis, Bacteroides denticola wird nun korrekt als Prevotella denticola bezeichnet.<ref name="LPSN" />

Medizinische Bedeutung

Durch Bacteroides-Arten werden auch Infektionen verursacht. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um endogene Infektionen, da diese Bakterien nur geringe Pathogenität aufweisen. Sie verursachen vor allem Peritonitis, intraabdominelle Abszesse und Leberabszesse, des Weiteren Hirnabszesse (bei Mastoiditis), Aspirationspneumonie, Tuboovarial-Abszesse, Bakteriämie und Sepsis.<ref name="Abele" /> Zur Behandlung geeignete Antibiotika sind Metronidazol, Ampicillin-Sulbactam und Amoxicillin-Clavulansäure, alternativ auch Imipenem und (wenn sensibel) Clindamycin.<ref name="Abele" /> Penicillin sollte vermieden werden, da über 90 % der Bacteroides-Stämme resistent sind, und bei der empirischen Verwendung von Clindamycin sollte Vorsicht geboten sein, da 30 % der Bacteroides-Stämme resistent sind.<ref>Stefano Di Bella, Roberta Maria Antonello, Gianfranco Sanson, Alberto Enrico Maraolo, Daniele Roberto Giacobbe, Chiara Sepulcri, Simone Ambretti, Richard Aschbacher, Laura Bartolini, Mariano Bernardo, Alessandra Bielli, Marina Busetti, Davide Carcione, Giulio Camarlinghi, Edoardo Carretto, Tiziana Cassetti, Chiara Chilleri, Francesco Giuseppe De Rosa, Saveria Dodaro, Raffaele Gargiulo, Francesca Greco, Anna Knezevich, Jari Intra, Tommaso Lupia, Erika Concialdi, Gabriele Bianco, Francesco Luzzaro, Carola Mauri, Gianluca Morroni, Adriana Mosca, Elisabetta Pagani, Eva Maria Parisio, Claudio Ucciferri, Chiara Vismara, Roberto Luzzati, Luigi Principe: Anaerobic bloodstream infections in Italy (ITANAEROBY): A 5-year retrospective nationwide survey. In: Anaerobe. Band 75, Juni 2022, S. 102583, doi:10.1016/j.anaerobe.2022.102583 (elsevier.com [abgerufen am 29. Oktober 2023]).</ref>

Weiterführende Literatur

Weblinks

Commons: Bacteroides – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references> <ref name="LPSN"> LPSN: Genus Bacteroides Castellani and Chalmers 1919 (Approved Lists 1980). </ref> <ref name="Abele"> Marianne Abele-Horn: Antimikrobielle Therapie. Entscheidungshilfen zur Behandlung und Prophylaxe von Infektionskrankheiten. Unter Mitarbeit von Werner Heinz, Hartwig Klinker, Johann Schurz und August Stich, 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Peter Wiehl, Marburg 2009, ISBN 978-3-927219-14-4, S. 261. </ref> <ref name="Kaneda1991"> T. Kaneda: Iso- and anteiso-fatty acids in bacteria: biosynthesis, function, and taxonomic significance. In: Microbiological Reviews, Band 55, Nummer 2, Juni 1991, S. 288–302, PMID 1886522 (englisch). </ref> <ref name="bergeys"> </ref> <ref name="brock"> Michael T. Madigan, John M. Martinko, Jack Parker: Brock Mikrobiologie. Deutsche Übersetzung herausgegeben von Werner Goebel. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/Berlin 2000, ISBN 978-3-8274-0566-1, S. 592, 693, 871. </ref> </references>