Amalaberga
Amalaberga († nach 540) war die Tochter Amalafridas, der Schwester des Herrschers der Ostgoten, Theoderichs des Großen.<ref>Gregor von Tours, Historiae 3, 4.</ref> Amalafrida war zweimal verheiratet; wahrscheinlich stammte Amalaberga aus der ersten Ehe ihrer Mutter.<ref>Martina Hartmann, Die Königin im frühen Mittelalter, S. 8.</ref>
Die Kinder der Schwester Theoderichs – Theodahad und Amalaberga – blieben in Italien unter der Obhut des Ostgotenkönigs Theoderich zurück, als sich Amalafrida zu ihrem zweiten Gemahl, Vandalenkönig Thrasamund, nach Nordafrika begab.<ref>Martina Hartmann, Die Königin im frühen Mittelalter, S. 8.</ref>
Auf Geheiß ihres Onkels Theoderich wurde Amalaberga noch im Kindesalter zwischen 506 und 510 mit dem Thüringerkönig Herminafried verheiratet,<ref>Jordanes, Getica 58, 299; Prokop, De bello Gothico 1, 12; Cassiodor, Variae 4, 1.</ref> um eine ostgotische Allianz gegen die expandierenden Franken zu schaffen. Der Pakt zwischen den Thüringern und Ostgoten hatte bis nach Theoderichs Tod Bestand.
Wahrscheinlich war Amalaberga arianische Christin. Ihrem Mann Herminafried gebar sie einen Sohn, Amalafrid, und eine Tochter unbekannten Namens.<ref name="prokop_4_25">Prokop, De bello Gothico 4, 25.</ref> Laut der unglaubwürdigen Darstellung des Gregor von Tours habe Amalaberga ihren Gatten zum Mord an einem seiner beiden Brüder aufgestachelt, indem sie den Tisch nur halb gedeckt und dazu bemerkt haben soll, wer nur die Hälfte seines Reichs beherrsche, verdiene auch, dass die eine Hälfte seines Tisches leer bleibe.<ref>Gregor von Tours, Historiae 3, 4; dazu Martina Hartmann, Die Königin im frühen Mittelalter, S. 14.</ref>
Nachdem das Reich der Thüringer im Kampf gegen Theuderich I. und Chlothar I. zwischen 531 und 534 untergegangen war und Herminafried 534 ermordet worden war, flüchtete Amalaberga zusammen mit ihren Kindern zuerst nach Ravenna zu ihrem Bruder, dem Ostgotenkönig Theodahad.<ref>Prokop, De bello Gothico 1, 13.</ref> Dieser wurde 536 abgesetzt und auf Befehl seines Nachfolgers Witiges umgebracht. Nach Witiges’ Niederlage gegen Belisar (540) musste Amalaberga mit ihren Kindern ihre Exilierung nach Konstantinopel erleben.<ref>Martina Hartmann, Die Königin im frühen Mittelalter, S. 14f.</ref>
Das Todesjahr Amalabergas ist nicht überliefert. Ihre Tochter machte Kaiser Justinian zur Gattin des Langobardenkönigs Audoin.<ref name="prokop_4_25"/>
Literatur
- Martina Hartmann, Die Königin im frühen Mittelalter. Kohlhammer, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-17-018473-2, S. 8f.; 14f.; 29; 32, 35; 37; 40f.; 140; 151; 162f.; 177; 180; 186.
- Hans Patze: Amalaberga. In: Lexikon des Mittelalters (LexMA). Band 1. Artemis & Winkler, München/Zürich 1980, ISBN 3-7608-8901-8, Sp. 504.
- Hans Patze, Walter Schlesinger (Hrsg.): Geschichte Thüringens. Band 1. Köln u. a. 1978, S. 322 f.
- Ludo Moritz Hartmann: Amalaberga. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band I,2, Stuttgart 1894, Sp. 1714.
Anmerkungen
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Amalaberga |
| KURZBESCHREIBUNG | Tochter des Vandalenkönigs Thrasamund und Amalfridas |
| GEBURTSDATUM | 5. Jahrhundert oder 6. Jahrhundert |
| STERBEDATUM | nach 540 |