Zum Inhalt springen

Kiberer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Dies ist die aktuelle Version dieser Seite, zuletzt bearbeitet am 19. Februar 2026 um 14:10 Uhr durch imported>Boor cocoa (Änderungen von ~2026-11105-94 (Diskussion) auf die letzte Version von Invisigoth67 zurückgesetzt).
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Der Ausdruck Kiberer (auch Kieberer, Kiwara) für den einzelnen Polizisten, für die Organisation: Kiberei (auch Kieberei, Kiwarei), wird in Österreich, speziell in Wien, umgangssprachlich für ‚Polizist‘ bzw. als Bezeichnung für die gesamte Polizei verwendet.

Definition nach Österreichischem Wörterbuch:<ref>Österreichisches Wörterbuch, 41. Auflage, Wien 2010, ISBN 978-3-209-06875-0</ref>

  • Kiberei, die, auch: Kieberei (Rotwelsch-jiddisch) (in Wien, ugs., abwertend): [Kriminal]polizei.
  • Kiberer, der, auch: Kieberer (in Wien, ugs., abwertend): Kriminalbeamter, Polizist.
    Nach Siegmund A. Wolf<ref name="wolf">Siegmund A. Wolf: Wörterbuch des Rotwelschen: Deutsche Gaunersprache, Bibliographisches Institut, Mannheim 1956 (Buske, Hamburg 1994, ISBN 3-87118-736-4)</ref> kommt Kiberer von ‚kewjus‘ = Sicherheit.<ref name="Girtler" /> Vergleiche das verwandte Wort rotwelscher Herkunft ‚Kiewisch‘ für Kiebitz. – Nach Peter Wehle hingegen stammt Kiberer von mhd. ‚kiben‘ oder ‚kabelen‘ = schimpfen ab.<ref name="Girtler">Zitiert nach: Roland Girtler: Der Adler und die drei Punkte. Die gescheiterte, kriminelle Karriere des ehemaligen Ganoven Pepi Taschner. Mit einem Anhang über den neuesten Stand der Wiener Gaunersprache. Böhlau Verlag, Wien 1983, ISBN 3-205-07207-3. Neu aufgelegt 2007 als 2. Aufl., Jubiläumsausgabe, ISBN 978-3-205-77610-9.</ref>
    Vgl. Kriminalbeamter:<ref name="Girtler" />
  • der Gschmierte, die Gschmierten (plural); die Schmier.
    Vgl. Polizei:<ref name="Girtler" />
  • die Heh: Wahrscheinlich nach dem Ruf des Polizisten „Heh!“ (vgl. Schranka, Wiener Dialektlexikon, 1905), vielleicht auch von Hecher als Bezeichnung für den mittelalterlichen Scharfrichter. Für unwahrscheinlich hält Girtler den Ansatz von Wehle, wonach sich Heh von der früheren berittenen Polizei, also von in der Höh, ableiten würde.
  • die Polente: Gaunersprachliche Abwandlung für Polizei aus dem 19. Jahrhundert.<ref>Friedrich Kluge, bearbeitet von Elmar Seebold: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24., durchgesehene und erweiterte Auflage. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2001, ISBN 978-3-11-017473-1, Stichwort: „Polente“, Seite 711.</ref>
  • die Bullen.
    Vorwiegend in Deutschland wird der Ausdruck Bulle als entsprechende Bezeichnung verwendet, siehe auch beispielhaft die Fernsehkriminalserie Der Bulle von Tölz.

Ein Zeugnis für die Verbreitung des Ausdrucks Kiberer ist, dass im Jahr 2001 Ernst Hinterberger als Autor und Wolfgang Böck für seine realistische Darstellung in den TV-Serien Kaisermühlen-Blues und Trautmann von der Vereinigung der Bundeskriminalbeamten Österreichs die Auszeichnung des Ehrenkieberers erhielten.<ref> ORF Kundendienst – Stars im ORF:

</ref>

Trivia

Datei:Blaulichttag 2014 in Flensburg, Bild 19, Die Polente eine Polizei-Ente (Citroën 2CV).jpg
Eine „Polizei-Ente“ mit der Aufschrift „Polente“ in Schleswig-Holstein.

In der Kinder-Fernsehserie Hals über Kopf fuhr der von Wolfgang Gruner gespielte Polizeiobermeister Hund einen Citroën 2CV („Ente“) mit der markanten Aufschrift „Polente“ als Dienstwagen.

Im März 2005 wurde eine Grazerin mit einer Geldstrafe von 2 mal 60 Euro belegt, weil sie beim Feiern am Grazer Adventmarkt „Wir wollen die Kiberer sehen!“ gerufen hat (60 Euro wegen Lärmbelästigung, 60 Euro wegen Verletzung des öffentlichen Anstandes).<ref>Grazerin rief Kiberer</ref>

Literatur

  • Robert Sedlaczek: Das österreichische Deutsch. Verlag Ueberreuter ISBN 3-8000-7075-8

Einzelnachweise

<references />

Weblinks

Wiktionary: Kiberer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen