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Brombenzylcyanid

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Strukturformel
(±)-Brombencylcyanid: Strukturformeln beider Enantiomere
(R)-Form (links) und (S)-Form (rechts)
Allgemeines
Name Brombenzylcyanid
Andere Namen
  • BBC
  • CA
  • Bromphenylacetonitril
  • Bromcyanmethylbenzol
  • Phenylbromcyanmethan
  • (R)-Brombenzylcyanid
  • (S)-Brombenzylcyanid
  • (RS)-Brombenzylcyanid
  • (±)-Brombenzylcyanid
Summenformel C8H6BrN
Kurzbeschreibung

farbloser Feststoff<ref name="Nekrassow">Alexander Nekrassow: Notiz: Über den Aggregatzustand des Nitrils der Phenylbromessigsäure. In: Journal für Praktische Chemie. Band 119, Nr. 1, April 1928, S. 108–108, doi:10.1002/prac.19281190109.</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 227-348-8
ECHA-InfoCard 100.024.863
PubChem 22044
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1464: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 196,05 g·mol−1
Aggregatzustand

fest, technisch hergestellt oft auch flüssig

Dichte

1,54 g·cm−3<ref name="hsdb">Eintrag zu alpha-Bromobenzyl cyanide in der Hazardous Substances Data Bank (via PubChem)Vorlage:Abrufdatum</ref>

Schmelzpunkt

25,4 °C<ref name="Nekrassow" />

Siedepunkt

137–139 °C (15 Torr)<ref name="Nekrassow" />

Löslichkeit
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="TCI">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check bei TCI EuropeVorlage:Abrufdatum</ref>
Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 300+310+330​‐​315​‐​319
P: 233​‐​260​‐​261​‐​264​‐​270​‐​271​‐​280​‐​301+312​‐​302+352​‐​304+340​‐​305+351+338​‐​312​‐​321​‐​330​‐​332+313​‐​337+313​‐​340​‐​362​‐​403+233​‐​405Vorlage:P-Sätze/Wartung/mehr als 20 Sätze<ref>Bromobenzyl cyanide. Florochem, abgerufen am 14. März 2020.</ref>
Toxikologische Daten
  • 100 mg·kg−1 (LDLoRatteoral)<ref>National Academy of Sciences, National Research Council, Chemical-Biological Coordination Center, Review. Band 5, S. 32, 1953.</ref>
  • >1160 mg·10 min−1·m−3 (LCMausinh.)<ref>National Defense Research Committee, Office of Scientific Research and Development, Progress Report. Vol. ND, Crc-132, August 1942.</ref>
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Brombenzylcyanid oder Camite ist ein sehr stark augenreizender chemischer Kampfstoff der erstmals im Ersten Weltkrieg eingesetzt wurde.

Chemisch ist Brombenzylcyanid eine stabile Verbindung, es ist sehr hydrolysebeständig. Reines Brombenzylcyanid bildet weißliche bis schwach rosa gefärbte Kristalle, das militärische Produkt ist eine braune, ölige Flüssigkeit mit fruchtartigem Geruch. Wegen seiner geringen Flüchtigkeit hat Brombenzylcyanid eine lange Wirkungsdauer, ist aber thermisch instabil und nicht detonationsbeständig. Beim Erhitzen kann Blausäure entstehen. Brombenzylcyanid wurde Ende des Ersten Weltkrieges von amerikanischer Seite (CA, BBC) und von französischer Seite unter der militärischen Bezeichnung Camite eingesetzt. Es wird über die Schleimhäute, die Augen oder die Atmung aufgenommen und führt zu Rötungen und anhaltenden brennenden Schmerzen der Haut, verbunden mit Juckreiz. Brombenzylcyanid ist ein starker Augenreizstoff (ein „Lacrimogen“), schon eine Konzentration von 5 mg/m³ Luft ist binnen einer Minute unerträglich; die ICt50 (Konzentration des Kampfstoffes, die 50 % der exponierten Personen gefechtsunfähig macht) liegt bei 80–90 mg/m³ Luft in einer Minute Einwirkzeit.<ref>Franke, S. et al.: Lehrbuch der Militärchemie, Band 1, 2. Auflage, Militärverlag der DDR, Berlin (Ost), 1977.</ref> Ein sofortiges Ausspülen des Auges ist zwingend notwendig.

Brombenzylcyanid enthält ein Stereozentrum, ist also chiral. Das racemische Brombenzylcyanid ist ein 1:1-Gemisch aus (R)-Brombenzylcyanid und dem dazu spiegelbildlichen (S)-Brombenzylcyanid.

Einsatz

Nachdem Brombenzylcyanid seit dem Ersten Weltkrieg etwa 100 Jahre lang nicht verwendet wurde, setzte die Polizei in der Republik Georgien es 2024 angeblich zur Niederschlagung regierungsfeindlicher Proteste in Tiflis ein.<ref>Der Spiegel, Georgische Polizei soll Chemikalie aus Erstem Weltkrieg gegen Demonstrierende eingesetzt haben, abgerufen am 3. Dezember 2025</ref>

Siehe auch

Commons: Brombenzylcyanid – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

<references />