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Stichprobenmittel

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Das Stichprobenmittel, auch als Stichprobenmittelwert<ref name="Kusolitsch99" />, arithmetischer Mittelwert<ref name="Czado5" /> oder arithmetisches Mittel<ref name="Czado26" /> bezeichnet, ist eine spezielle Schätzfunktion in der mathematischen Statistik. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Schätzung des Erwartungswertes von unbekannten Wahrscheinlichkeitsverteilungen und tritt auch bei der Konstruktion von Konfidenzintervallen und statistischen Tests auf.

Sein empirisches Pendant ist der empirische Mittelwert. Er entspricht einer Realisierung des Stichprobenmittels.

Definition

Seien <math> X_1, X_2, \dots, X_n </math> unabhängig und identisch verteilte Zufallsvariablen. Dann ist das Stichprobenmittel definiert als<ref name="Kusolitsch246" />

<math> \overline{X} = \frac{1}{n} \sum_{i=1}^n X_i</math>.

Teils wird noch die Anzahl der Zufallsvariablen als Index mitnotiert, insbesondere bei Grenzwertbetrachtungen. Das Stichprobenmittel wird dann als <math> \overline X_n </math> notiert.

Die Verteilung des Stichprobenmittelwertes ist im nebenstehenden Bild für unterschiedliche Stichprobenumfänge dargestellt.

Datei:Sampling distribution.png
Stichprobenverteilung des Stichprobenmittels normalverteilter Zufallsvariablen.

Eigenschaften

Das Stichprobenmittel ist das erste Stichprobenmoment und damit Erwartungswert der empirischen Verteilung. Daraus folgt direkt, dass es sich bei dem Stichprobenmittel um den Momentenschätzer für den Erwartungswert handelt (für eine Herleitung siehe Momentenmethode#Schätzung des Erwartungswertes).

Der so gewonnene Schätzer ist erwartungstreu für den unbekannten Erwartungswert <math>\mu</math> und hat damit eine Verzerrung von Null. Dies folgt direkt aus der Linearität des Erwartungswertes, denn es ist

<math> \operatorname{E}(\overline X ) = \operatorname{E}\left( \frac{1}{n} \sum_{i=1}^n X_i\right) = \frac{1}{n}\operatorname{E} \left( \sum_{i=1}^n X_i\right) = \frac{1}{n} \sum_{i=1}^n\operatorname{E}( X_i) = \frac 1n \cdot n \cdot \mu = \mu</math>,

was genau dem Erwartungswert des zugrundeliegenden Wahrscheinlichkeitsmaßes entspricht. Des Weiteren ist das Stichprobenmittel aufgrund des zentralen Grenzwertsatzes stets asymptotisch normalverteilt und nach dem starken Gesetz der großen Zahlen auch stark konsistent.

Varianz des Stichprobenmittelwertes

Unendlich große Population

Für unendlich große Grundgesamtheiten gilt für unabhängige <math>X_i</math>

<math>\operatorname{Var}(\overline{X}) = \operatorname{Var}\left( \frac1n \sum_{i=1}^n X_i \right) = \frac1{n^2} \operatorname{Var}\left( \sum_i X_i \right) = \frac1{n^2} \sum_i \operatorname{Var}(X_i) = \frac1{n^2} \cdot n \cdot \sigma^2 = \frac{\sigma^2}{n}</math>

Endlich große Population

Bei einer endlich großen Population mit Größe <math>N</math> und Stichproben Größe <math>n</math> ist die Varianz des geschätzten Mittelwertes<ref>Quenouille, M. (2014). Introductory Statistics. Niederlande: Elsevier Science. https://books.google.de/books?id=anHiBQAAQBAJ&pg=PA208</ref> <math>\operatorname{Var}\left( \frac1n \sum_{i=1}^n X_i \right) =\frac{1}{n}(1-\frac{n}{N}) \sigma^2.</math> Die Varianz des Mittelwert-Schätzers ist somit Null, wenn <math>n=N</math>.

Weblinks

Einzelnachweise

<references> <ref name="Kusolitsch99" > Norbert Kusolitsch: Maß- und Wahrscheinlichkeitstheorie. Eine Einführung. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 2014, ISBN 978-3-642-45386-1, S. 99, doi:10.1007/978-3-642-45387-8. </ref> <ref name="Czado5" > Claudia Czado, Thorsten Schmidt: Mathematische Statistik. Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 2011, ISBN 978-3-642-17260-1, S. 5, doi:10.1007/978-3-642-17261-8.</ref> <ref name="Czado26" > Claudia Czado, Thorsten Schmidt: Mathematische Statistik. Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 2011, ISBN 978-3-642-17260-1, S. 26, doi:10.1007/978-3-642-17261-8.</ref> <ref name="Kusolitsch246" > Norbert Kusolitsch: Maß- und Wahrscheinlichkeitstheorie. Eine Einführung. 2., überarbeitete und erweiterte Auflage. Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 2014, ISBN 978-3-642-45386-1, S. 246, doi:10.1007/978-3-642-45387-8. </ref> </references>